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Der Kongress der Vereinigten Staaten tagte in verschiedenen Städten, darunter Philadelphia, New York und Princeton, bevor sich die noch junge Republik für einen festen Regierungssitz entschied. Der Kongress entschied sich für die zentrale Lage am Potomac, mit der sowohl die Nordstaaten als auch die Südstaaten gut leben konnten, deren kulturelle und politische Unterschiede bereits vor dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) deutlich zu Tage getreten waren. Dieser Ort hatte den zusätzlichen Vorteil, dass direkt auf der anderen Seite des Flusses der Landsitz George Washingtons in Mount Vernon lag.
1971 bezeichnete das Volk den Ort erstmals als „City of Washington“ und der Name blieb. Die Bundesstaaten Maryland und Virginia erklärten sich bereit für die Gründung des District of Columbia (benannt nach Christopher Columbus) Land abzutreten. Der afroamerikanische Mathematiker Benjamin Banneker und der Landvermesser Andrew Ellicott legten daraufhin ein 26 km² großes Gebiet fest. Der französische Ingenieur Pierre Charles L'Enfant erhielt den Auftrag zur Stadtplanung, und obwohl sein eleganter Plan breite Zustimmung bekam, geriet er schon bald mit der Lokalpolitik aneinander. Nachdem L'Enfant entlassen wurde, führte Banneker die Pläne L'Enfants fort.
Die Arbeiten an dem reich verzierten Kapitol begannen 1793, doch noch vor seiner Fertigstellung wurde es im britisch-amerikanischen Krieg 1812 von britischen Truppen niedergebrannt. Obwohl das Kapitol später wieder aufgebaut wurde, erfasste die Stadt die Weltwirtschaftskrise, von der sie sich erst Jahrzehnte später erholte. Entmutigt wurde darüber abgestimmt, ob man die Hauptstadt aufgeben sollte, was nur mit einer knappen Mehrheit von neun Stimmen abgelehnt wurde. Charles Dickens beschrieb Washington nach einem Besuch ablehnend als „Stadt der großartigen Entfernungen“. Er beschwerte sich über „weitläufige Straßen, die aus dem Nichts auftauchen und nirgendwo hinführen; meilenlange Straßen, die nichts dringender bräuchten als Häuser, Seitenstraßen und Einwohner; öffentliche Gebäude, die nichts dringender bräuchten als eine Öffentlichkeit“.
Der amerikanische Bürgerkrieg machte auch vor Washington nicht Halt und vor den Toren der Stadt errichteten Soldaten Biwaks und Feldlazarette. Angesichts des Chaos und der Kosten, die der Bürgerkrieg verursachte, fragte sich die Bevölkerung Washingtons, ob man den aufwendigen Bau der Kapitolkuppel nicht besser aufgeben sollte. Präsident Lincoln antwortete darauf: „Wenn wir mit dem Kapitol weitermachen, sehen die Menschen das als Zeichen, dass die Union fortbestehen soll.“ In den Nachkriegswirren wurde der Große Sklavenbefreier in Ford's Theater ermordet (zum Gedenken ist seine Loge auch heute noch mit einer Fahne geschmückt) und die Rolle der US-Hauptstadt wandelte sich von einer Einzelstaaten-Administration zu einer zentralen Führungsrolle.
In den 1870er Jahren wurde Washingtons kränkelnde Infrastruktur unter Gouverneur Alexander „Boss“ Shepherd einer Generalüberholung unterzogen. Aufgrund seiner extravaganten Verwendung staatlicher Mittel und seiner Art, alles niederzuwalzen, was sich ihm in den Weg stellte, sah sich der Kongress gezwungen, scharf durchzugreifen. Die Konsequenz war, dass der District of Columbia in den folgenden 100 Jahren keine eigenständige Regierung hatte. Die Bürger Washingtons bezahlten damit einen hohen Preis, denn die Stadt war auf dem besten Wege gewesen, die ursprüngliche Vision des Architekten L'Enfant als Hauptstadt von Weltrang Wirklichkeit werden zu lassen.
Im Zuge eines Verschönerungsplans wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche Landschaftsgärten, Parks und Monumente errichtet, denen Washington heute seine Berühmtheit verdankt. Dennoch hatte Washington bis vor gar nicht so langer Zeit unter dem Image als tiefste Provinz des Südens zu leiden. Das als „lebende Gedenkstätte“ für JFK errichtete Kennedy Center trug wesentlich dazu bei, kosmopolitisches Flair in die Stadt zu bringen.
In den Neunzigern geriet Washington in ein Chaos, von dem es sich nur langsam erholte. Der Bürgermeister Marion Barry wurde auf Video aufgenommen, als er Crack rauchte und die Stadt erhielt den Spitznamen „Mörderhauptstadt“, als Bandenkriege in den Straßen zum alltäglichen Geschehen gehörten. Unter dem 1999 gewählten, eher besonnenen Bürgermeister William wendete sich Washington vom weiteren Zerfall ab und Stabilität kehrte zurück, begleitet von landesweiten Aufschwungzeiten.
Am 11. September 2001 wurde Washington von Terroristen angegriffen. Ein entführtes Flugzeug der United Airlines flog in das Pentagon und verursachte erhebliche Schäden. Alle Passagiere an Bord kamen dabei ums Leben. Ein weiteres Flugzeug mit einem Angriffsziel in Washington stürzte in der Nähe von Shanksville in Pennsylvania ab. An demselben Tag rasten zwei Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers, wobei Tausende von Menschen getötet wurden. Es waren die schwersten Attentate, die jemals auf amerikanischem Boden verübt wurden.
Mit der Wahl von Barack Obama 2008 hat Washington wieder etwas von seinem Prestige zurückgewonnen und ist wieder in: Jetzt kommen New Yorker hierher, anstatt umgekehrt! Präsident Obamas Vorliebe für Pick-up-Basketball und lokale Restaurants überrascht die Menschen und wirft die Frage auf, ob er einer der ganz seltenen Sorte ist: Ein Präsident, der nicht nur in Washington lebt, sondern auch ein Washingtoner ist.
Tidalgate ist ein weniger bekannter Skandal in Washington. 1974 fand die Polizei den einflussreichen demokratischen Kongressabgeordneten Wilbur Mills betrunken in seinem Auto. Seine Begleiterin, eine unter dem Namen Fanne Foxe bekannte Stripteasetänzerin, versuchte zu fliehen, indem sie ins Tidal Basin sprang.
Washington verfügt über drei große Flughäfen: Ronald Reagan Washington National Airport (DCA), Baltimore-Washington International Airport (BWI) und Washington Dulles International Airport (IAD). Amtrak-Züge kommen in Washington an der Union Station an, dem „Vorzeigebahnhof“ von Amtrak. Besuchern stehen dort etliche großartige Reiseangebote zur Verfügung. Mit Greyhound und Peter Pan kommt man per Bus genauso problemlos an.
Washington ist einer der Orte mit den meisten Verkehrsstaus im Land, daher kann das Autofahren zu einer zähneknirschenden Erfahrung werden. Am besten ist man hier mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs.
Das Metrobussystem wie auch die neue, elegante Metrorail decken die ganze Stadt und die umliegenden Vororte gut ab. Zusätzlich zur Metro verkehren zwei Pendlerzüge aus den Vororten von Maryland und Virginia ins Zentrum Washingtons. Sie werden aber vor allem von Pendlern genutzt und orientieren sich daher an der Arbeitswoche.
Auch sind in Washington mit den drei großen Taxiunternehmen „Diamond“, „Yellow Cab“ und „Capitol Cab“ ausreichend Taxis vorhanden.
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