Da Australien zu den Ältesten Landmassen der Erde gehÖrt, ist die voreuropÄische Geschichte etwas vage und wirr. Als sicher gilt jedoch, dass die ersten Menschen vor ca. 50.000 bis 70.000 Jahren aus SÜdostasien Über das Meer kamen. Diese NomadenstÄmme breiteten sich Über relativ festgelegte Stammespfade auf dem gesamten Kontinent aus. An der Stelle des heutigen Sydneys gab es damals die drei HauptstÄmme Ku-ring-gai, Dharawal und Dharug, die zwar die gleichen Dialekte und Traditionen hatten, sich aber trotzdem durch eine individuelle Sprache, spezielle Rituale und Geschichten voneinander unterschieden und unterschiedliche Nomadenpfade besetzten, die sich nur gelegentlich Überschnitten. Die Ureinwohner Australiens waren die Ersten, die polierte, an den Kanten geschliffene Steinwerkzeuge herstellten, ihre Toten verbrannten und Darstellungen von sich und den Tieren eingravierten und malten. Sie hatten - und in einem bestimmten Umfang haben sie noch heute - eine hochentwickelte Kultur, die Religion, Geschichte, Recht, Kunst und Verhaltenskodex in komplexen Zeremonien miteinander verbindet.
Die Ankunft der British First Fleet im 18. Jahrhundert hatte betrÄchtliche Auswirkungen auf die Gemeinschaft der Aborigines. Die durch Egalitarismus geprÄgte Sozialstruktur der Aborigines verhinderte ihre Versuche des Widerstands gegen die neuen Siedler, und die Briten weigerten sich, ihre gerechtfertigten Rechte an dem Land anzuerkennen. Viele der Ureinwohner Sydneys wurden entweder vertrieben, von den Siedlern ermordet oder von unbekannten Krankheiten getÖtet. Auf Empfehlung des Entdeckers James Cook, der bereits 1770 dort war, ging die Flotte 1788 in der Botany Bay unter dem Befehl von Captain Arthur Philip mit 730 mÄnnlichen und weiblichen Strafgefangenen aus den ÜberfÜllten britischen GefÄngnissen und einer Auswahl an militÄrischem Personal vor Anker. Schließlich ließen sich die Siedler am Sydney Cove nÖrdlich der Botany Bay nieder, wo sich die Stadt Sydney ausbreitete.
Im Laufe der nÄchsten Jahre tauchte die zweite und dritte Flotte auf, obwohl die neue Siedlung in den ersten 15 Jahren meistens kurz vor dem Verhungern stand. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts kam es mit den "Rum Corps" zu einem riesigen Zustrom militÄrischer Siedler. Rum entwickelte sich zur wichtigsten WÄhrung von Sydney, und der Laden wurde mehr vom MilitÄr als von den Gouverneuren geleitet. 1813 wurden die Blue Mountains, die die Stadt bis dahin eingeengt hatten, von den Entdeckern erobert, so dass Sydney eine Verbindung zu den westlichen Ebenen von NSW herstellen konnte. Als in den 1850er Jahren in Victoria und im Westen von Sydney Gold gefunden wurde, verließen die Siedler die StÄdte auf der Suche nach Reichtum, so dass die Bedeutung von Sydney dramatisch abnahm.
Am 1. Januar 1901 formierten sich die Staaten von Australien zu einem Bundesstaat - New South Wales wurde ein Staat des neuen Commonwealth of Australia und Sydney die Hauptstadt von NSW. Aus LoyalitÄt zu Großbritannien zog Australien 1914 in den Krieg, und die Wirtschaft boomte bis Ende der 20er Jahre, als die Große Depression eintrat: 1931 war nahezu ein Drittel von Sydneys ArbeitskrÄfte arbeitslos. Als jedoch 1932 die Wollpreise anstiegen, erlebte die Bauindustrie der Stadt einen Aufschwung, und Sydney entwickelte sich erneut zu einer besonderen Stadt Australiens. Die Harbour Bridge wurde ebenfalls im Jahr 1932 erÖffnet. Bei der ErÖffnung der BrÜcke gab es einen großen Wirbel, als ein schwertschwingender Kerl mit dem Namen de Groot dem Premierminister von NSW die Show stahl, indem er das Einweihungsband aufschlitzte, bevor der Premierminister die offizielle Zeremonie durchfÜhren konnte.
Im zweiten Weltkrieg litt Sydney nur wenig, obgleich im Hafen mehrere japanische Klein-U-Boote aufgebracht wurden. Nach dem Krieg strÖmten europÄische Einwanderer in die Stadt, so dass sich Sydney schnell nach Westen ausbreitete und dabei zahlreiche Pizzerien entstehen konnten. Außerdem entstand eines der berÜhmtesten Wahrzeichen, als der Architekt Jørn Utzon im Jahr 1957 den Wettbewerb zur Neugestaltung des Sydney Opera House gewann. Noch vor der Fertigstellung des Opernhauses gab Utzon frustriert auf, nachdem sein Plan von Kompromissen durchkreuzt wurde. Ein anderes Architektenteam Übernahm die Leitung, so dass das Opernhaus 1973 erÖffnet wurde.
Als sich Sydney wÄhrend des Vietnam-Kriegs zu einer wichtigen Zwischenstation fÜr die US-amerikanischen GIs wurde, kam die die Stadt auf den Geschmack von Coke und Burgern, und Kings Cross entwickelte sich zu einem anrÜchigen VergnÜgungszentrum fÜr die Burschen (dieses Besonderheit ist bis heute erhalten geblieben). WÄhrend der ganzen 70er Jahre widersetzte sich NSW dem Trend, Labor zu wÄhlen, und der alte Premierminister Neville Wran beaufsichtigte einen Großteil von Sydneys Boom. Die Feierlichkeiten zum zweihundertsten Geburtstag im Jahr 1988 und das massive Neuentwicklungsprojekt Darling Harbour haben die Moral der Stadt gehoben und heute geht es der Wirtschaft trotz der weiterhin hohen Arbeitslosigkeit einigermaßen gut.
Nachdem Sydney den Zuschlag fÜr die Austragung der Olympischen Spiele 2000 erhielt, pumpte die Stadt riesige Geldsummen in die eigene Renovierung und VerschÖnerung. Obwohl Juan Antonio Samaranch, der Leitende IOC-Opportunist, die Spiele zu den "bisher besten Spielen" erklÄrte und die darauf folgenden Paralympics gut gefÖrdert wurden, blieben die Besucherzahlen weit hinter den ersten Erwartungen zurÜck, und die VerÄnderungen von Sydneys Infrastruktur haben das Schicksal der vielen verarmten Bewohner der Stadt nicht unbedingt verbessert, die sich noch nicht mal eine Eintrittskarte fÜr das Synchronschwimmen leisten konnten. Es wird wohl noch etwas dauern, bis die Bilanzen entscheiden, ob die Stadt in schwarzen oder roten Zahlen - in der Geschichte wurden die Letzteren favorisiert - endet, aber wenigstens hat die Stadt einige dringend benÖtigte Kreisverkehre und ÜberfÜhrungen (und ÜbermÄßig viele reizende kleine Bijou-Weinbars, die Überhaupt nicht benÖtigt wurden) bekommen. Doch die eigene EinschÄtzung von Sydney als eine Stadt, die es mit dem Rest der Welt aufnehmen kann, nimmt weiterhin zu.
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