Geschichte

Die Römer der Antike hielten den 21. April 753 v. Chr. für den Gründungstag ihrer Stadt, eine Annahme, die auch von neueren archäologischen Erkenntnissen weitgehend gestützt wird. Nach der Legende waren es die Zwillingssöhne von Mars, dem Kriegsgott und Rhea Silvia, der Prinzessin und (bis zu ihrer Begegnung mit Mars) vestalischen Jungfrau, welche die Stadt gründeten. Die Zwillinge, Romulus and Remus, wurden am Ufer des Tiber ausgesetzt und von einer Wölfin aufgezogen. Romulus tötete seinen Bruder im Streit um die Regierungsmacht, dann gründete er die Stadt Rom auf dem Palatin.

Die weniger mythische Stadt wurde von etruskischen Königen regiert, bis sie 510 v. Chr. zur Republik wurde. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. kontrollierte die Stadt bereits Mittel- und Süditalien, hatte das rivalisierende Reich Karthago besiegt und war bereit für die Übernahme des gesamten Mittelmeerraums. Doch während Rom im Ausland immer mächtiger wurde, wuchs die Unzufriedenheit der Bürger zu Hause – mehrere Bürgerkriege erschütterten die Stadt, der letzte an den Iden des März, 44 v. Chr., als Brutus Julius Cäsar hinterrücks erdolchte.

Nach dem Ende der Republik herrschten Kaiser, die geradezu davon besessen schienen, öffentliche und Monumentalbauten zu errichten. Jeder Kaiser wollte sich verewigen – ihrem Ehrgeiz sich einander zu übertreffen, hat Rom die Fülle berühmter Bauten zu verdanken, die bis heute erhalten sind. auf seinem Höhepunkt war das das Reich unter Trajan (98-117 n. Chr.), als es sich von Nordengland bis nach Mesopotamien erstreckte, im Norden bis zur Donau und im Süden den Nil entlang.

Mit der Verbreitung des Christentums im 4. Jahrhundert verlor Rom viel von seiner weltlichen Macht und wurde zum Zentrum eines neuen Imperiums: der Christenheit. Den Bischof von Rom nannte man Nachfolger von Sankt Petrus (oder, mit anderen Worten, Papst). Viele der großen Basiliken der Stadt – beispielsweise Santa Croce, Santa Maria Maggiore, San Pietro und San Sebastiano – wurden ungefähr zu dieser Zeit erbaut.

Im Jahre 410 begannen die Barbareninvasionen, tatsächlich waren es jedoch die Bürger selbst, die den größten Schaden anrichteten, indem sie viele der schönsten Bauten der Stadt ihres Marmors beraubten. Das Weströmische Reich ging 476 zugrunde, als Odoaker den Kaiser Romulus Augustulus absetzte – von da an verlagerte sich die Macht nach Osten, und germanische und byzantinische Reiche stritten um die Vorherrschaft über Rom. Im späten 8. Jahrhundert bestätigte Papst Stephan II. das Gottesgnadentum des fränkischen Königs Pippin des Kurzen, der sich dafür erkenntlich zeigte, indem er ihn mit Ländereien in der Gegend von Rom bedachte. Die Allianz – in der sich Kirche und Staat verbanden – trug den Namen Heiliges Römisches Reich.

Vom 9. bis zum 12. Jahrhundert wuchs die Macht der Päpste trotz ständiger Spannungen mit der römischen Aristokratie. Die Päpste verwendeten ihre Reichtümer für prächtige Kirchenbauten zu Ehren der Jungfrau – so gibt es sie Santa Maria von Cosmedin, Trastevere (mit fantastischen Mosaiken), Aracoeli und sopra Minerva. Im 14. Jahrhundert geriet die Situation dann etwas außer Kontrolle, als der Papst wegen politischer Lagerkämpfe nach Avignon ins Exil musste und der Niedergang von Bevölkerungszahl wie Infrastruktur einsetzte, doch schon im 15. Jahrhundert hatte der Heilige Vater alles wieder im Griff. Prunk hieß die Devise. Nicht ganz ohne Zutun einiger der größten Künstler Italiens - Raphael, Bernini, Borromini - und ihrer reichen Mäzene - der Medicis, Farneses und Borgheses - verwandelten die Päpste Rom in ein Wunderland der Renaissance- and Barockpiazzas, -kirchen und -brunnen. Mit den Pilgern aus ganz Europa, die die Wunder der Heiligen Stuhls erblicken wollten, strömte auch das Geld in die Stadt. 1143 wurde im Zuge der römischen Revolution die Römische Kommune gegründet, mit republikanischer Verfassung und einem klassischen Senat. Das war aber auch die einzige bedeutende Unterbrechung der päpstlichen Machtausübung.

Doch wie man so schön sagt: Hochmut kommt vor dem Fall: Die Plünderung Roms durch Karl V. im Jahr 1527, die Französische Revolution, Napoleons Feldzug durch ganz Europa und der Deutsch-Französische Krieg setzten der päpstlichen Status ziemlich zu. Nachdem Rom 1870 die Haupstadt des geeinten Italiens geworden war, spielte der Papst kaum mehr als eine Nebenrolle. So verließ er die Stadt und zog sich in die Geborgenheit des Vatikan zurück.

Das 20. Jahrhundert brachte Rom einen erneuten Wachstumsschub. Der Papst wurde 1929 zum Oberhaupt der Vatikanstadt ernannt. Das Interesse der neuen Verwaltung galt weniger den Kirchen als der Errichtung von Büro- und Wohnhäusern und in den 30er Jahren war es dann so weit: die Stadt dehnte sich über die Stadtmauern hinweg aus. Unter Mussolini protzte die faschistische Architektur dann in den 20er und 30er Jahren mit breiten Boulevards und überdimensionierten Bauten. Seine Träume von Macht und Glanz brachten ihn dazu, sich im Zweiten Weltkrieg mit Deutschland zu verbünden. Der folgende Albtraum schuf die Voraussetzungen für die Transformation Italiens von einem totalitären Staat in eine Republik im Jahr 1946. In den Nachkriegsjahren kam es zu einer weiteren Ausdehnung Roms, das außerdem bis in die frühen 60er das Zentrum der italienischen Filmindustrie war.

In den 70er und 80er Jahren fanden dann gewaltsamere Veränderungen statt, an denen besonders radikale Studentengruppen (mit langen Beschwerdelisten über die italienischen Linksregierungen) ihren Anteil hatten, als sie zu rechtsgerichteten Terroristen wurden. Die berüchtigtste Gruppe waren die Brigate Rosse (Rote Brigaden), die 1978 so weit gingen, den früheren Ministerpräsidenten Aldo Moro in Rom zu entführen und schließlich zu ermorden.

Die letzen Dekaden des 20. Jahrhunderts waren von einem Mix aus wirtschaftlichen Erfolgen und weitreichenden Korruptionsskandalen geprägt, die eine beträchtliche Zahl von Politikern, Beamten und Geschäftsleuten betrafen. Die entrüstete Öffentlichkeit reagierte auf diesen moralischen Verfall 1994 ausgerechnet mit der Wahl einer deutlich rechtsgerichteten Koalition unter dem Vorsitz des milliardenschweren Medienmagnaten Silvio Berlusconi. Im Zuge der Korruptionsaffären stürzte die Regierung, und nach einigen Jahren des typisch italienischen Bäumchen-wechsle-Dich erschien Berlusconi erneut auf der Bildfläche und gewann die Wahlen 2001 mit seiner Devise "Wenige Worte, viele Taten". Trotz des Erdrutschsieges stieß er mit den Aktivitäten seiner rechten Regierung regelmäßig auf massiven Protest, bis die Wähler ihn 2006 durch den linksgerichteten Romano Prodi ersetzten.

Das Jubiläumsjahr 2000, in dem rund 16 Millionen katholische Pilger nach Rom strömten, war für Rom Anlass zu einer Rundumerneuerung. Für die Reinigung der Fassaden von Kirchen und Palästen, Verbesserungen im Verkehrswesen und die Rückeroberung des allmählich zu einem riesigen Parkplatz verkommenen öffentlichen Raumes flossen Milliarden. Zu Beginn des neuen Millenniums erstrahlte Rom in neuem Glanz. Dabei ist das eigentliche Rom geblieben, was es immer schon war: Mittelpunkt von Verwaltung und Tourismus, ohne große Anzeichen von Industrie und Handel, dafür mit umso mehr politischen Intrigen.

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