Seit Über 400.000 Jahren gehÖren die Immobilien in und um Nizza herum zu den begehrtesten der Welt. In Terra Amata wurden prÄhistorische DÖrfer ausgegraben. Zwischen dem 5. und 4. Jh. v. Chr. haben die Griechen aus Phocaea in Kleinasien eine Handelsniederlassung namens Nikaia ("Sieg") am Fuße des HÜgels gegrÜndet, der heute als Le Château bekannt ist. Die RÖmer sind dann am Ende des 1. Jh. v. Chr. gefolgt und haben Cemenelum (Cimiez) ganz in der NÄhe errichtet und zur Provinzhauptstadt ernannt. Zwischen dem 3. und 10. Jh. n. Chr. drÄngten Invasionen germanischer StÄmme und muselmanischer KÄmpfer (Sarazenen) die BevÖlkerung den Le Château-HÜgel hinunter an das Meer und Cemenelum musste seine Vormachtstellung an Nikaia abtreten.
974 vertrieb Guillem, der Graf der Provence, die Sarazenen aus der Östlichen Provence und einte die Region. 1032 trat die Provence dem Heiligen RÖmischen Reich bei und Forstwirtschaft, Fischerei, Weinanbau und Seehandel erlebten eine BlÜtezeit.
Im 12. Jh. schließlich wurde die Region geteilt: Der Norden fiel in die HÄnde der Grafen von Toulouse, den SÜden beherrschten fortan die katalanischen KÖnige von Barcelona. 1229 wurde Nizza von Graf Raymond BÉrenger V. (1209 - 45) der katalanischen Grafschaft der Provence zugewiesen, wodurch der Graf sich die Kontrolle Über die Östliche Provence und die sÜdlichen Alpen sicherte. Nach Raymonds Tod Übernahm das Haus von Anjou die Grafschaft, unter deren Hand sie zu großem Wohlstand gelangte.
1388 fÜhrte der Tod der GrÄfin Jean de Provence zu einem Erbfolgekrieg, der erst durch die Einbeziehung der Grafschaft Nizza (heute das Gebiet der Seealpen) in die LÄndereien des Italienischen Hauses Savoyen beendet wurde.
In den darauffolgenden 400 Jahren gab es nur zwei kurze ZeitrÄume franzÖsischer Herrschaft: 1706-13, als Ludwig XIV. die Stadt besetzt hielt, und 1792-1814, als die neue FranzÖsische Republik ihre AnsprÜche geltend machte. Nach dem Sturz Napoleons wurde die Grafschaft Nizza Victor Emmanuel I., dem KÖnig von Sardinien, Überschrieben. Nizza bliebt bis 1860 unter sardischer Herrschaft, als Napoleon III. und das Haus Savoyen Seite an Seite darum kÄmpften, die Österreicher aus dem Norden Italiens zu vertreiben dazu fÜhrte, dass Frankreich Savoyen und die Gebiete um Nizza zurÜckerstattet wurden.
Im 19. Jh. entwickelte sich Nizza zu einem Badeort und war einer der ersten Orte Europas, der sich ausschließlich auf eine dem Tourismus gewidmete Wirtschaft stÜtzte. Das Reiseziel am Meer wurde besonders von der englischen Aristokratie genutzt, die KÖnigin Victorias Beispiel folgend in einem milderen Klima zu Überwintern wÜnschte.
Zwischen 1860 und 1911 verzeichnete Nizza innerhalb der europÄischen StÄdte das grÖßte Wachstum. Neue Bahnverbindungen und Straßen verbanden die Stadt am Meer mit dem restlichen Kontinent. Üppige Palmen, Flechten und EukalyptusbÄume aus Australien und wunderschÖne GebÄude im Belle Epoque-Stil wie das Opernhaus und der im neoklassizistischen Stil erbaute Justizpalast verliehen der Stadt ein exotisches Ambiente.
KÜnstler wie CÉzanne, van Gogh und Matisse kamen in Scharen, angezogen von der wunderschÖnen Landschaft und dem unglaublichen Licht. Der erste ReisefÜhrer Über die Region wurde 1887 von einem Anwalt mit poetischen Ambitionen geschrieben, der ihr damit auch ihren Namen verlieh: Die Côte d'Azur: (wÖrtlich: Die blaue KÜste).
Obwohl SÜdfrankreich vom Ersten Weltkrieg verschont blieb wurden doch viele Soldaten aus der Region rekrutiert und viele kehrten nicht zurÜck. 1920 wurde die Region wieder einmal zu einem Mekka der KÜnstler und Schriftsteller (darunter auch Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald, Aldous Huxlex und Thomas Mann). Der luxuriÖse Train Bleu (Blaue Zug) brach 1922 zu seiner ersten Fahrt von Calais Über Paris zur Côte d'Azur auf. 1927 erÖffnete das erste Casino im Palais de la MÉditerranÉe an Nizzas Promenade des Anglais. Der Jazz kam in die Stadt und Nizza machte sich ob seines phantastischen Nachtlebens einen Ruf.
Die Stadt wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs der "freien" Zone Vichy France zugeteilt und damit zu einem sicheren Hafen fÜr das vom Krieg gebeutelte Frankreich. Im November 1942 invadierten die Nazis Vichy France und Nizza fand sich von Italienern besetzt wieder. Die Alliierten landeten im August 1944 an der Côte d'Azur, die Region wurde befreit.
Nizza brauchte nicht lange, um sich vom Krieg zu erholen, der Jet Set der Boheme kehrte schon bald zurÜck. Als Algerien 1962 seine UnabhÄngigkeit von Frankreich verhandelte wuchs die BevÖlkerungszahl Nizzas durch den Zustrom von FlÜchtlingen aus dem Norden Afrikas.
Die Politik der 1980er und 90er-Jahre war von Korruption geprÄgt. Der rechstextremistische BÜrgermeister Jacques MÉdecin wurde wÄhrend seiner 24 Jahre wÄhrenden Amtszeit (1966 - 90) zweimal der Hinterziehung von Einkommenssteuern fÜr schuldig befunden. Im benachbarten Hyères wurde Yann Piat von der FranzÖsischen Nationalversammlung von der ortsansÄssigen Mafia ermordet.
Schwindeleien auf Ratsebene gepaart mit wirtschaftlicher Rezession und wachsenden Arbeitslosenzahlen sorgten dafÜr, dass die Front National (FN) an der Côte d'Azur schnell an Beliebtheit gewann. Nirgendwo in Frankreich konnte die FN auf eine derartige Schar von AnhÄngern zÄhlen. Der aktuelle BÜrgermeister von Nizza, Jacques Peyrat, war einst ein Mitglied der FN, fÜhlt sich heute jedoch der konservativen Koalition (UMP) zugehÖrig. Er wurde zuerst 1995 ins Amt berufen, 2001 dann wiedergewÄhlt.
Zwei Jahre spÄter beschuldigte Generalstaatsanwald Eric de Montgolfier einige der Richter der Beeinflussung von Gerichtsprozessen. Dabei sollen sie Verfahren eingestellt haben, in die Personen des Öffentlichen Lebens verwickelt waren, die zufÄllig derselben Freimaurerloge angehÖrten. Obwohl die VorwÜrfe immer wieder verleugnet wurden haben sie den Verdacht einiger Bewohner bestÄtigt, dass unter dem offensichtlichen Glamour der Stadt eine andere, offensichtlich weniger schillernde Seite ihr Unwesen trieb.
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