Der polynesische Seefahrer Kupe soll Neuseeland gegen 800 n. Chr. entdeckt haben. Die Legende besagt, dass seine Frau Hine-te-aparangi ihm den Namen Aotearoa, „Land der langen, weißen Wolke“, gab. Die erste große Einwanderungswelle aus Kupes Heimat Hawaiki (das heutige Raiatea in FranzÖsisch Polynesien) fand allerdings erst Jahrhunderte spÄter, um 1200 n. Chr., statt, als die Menschen den Navigationsanleitungen Kupes folgend nach Neuseeland segelten und sich dort mit den ursprÜnglichen Bewohnern vermischten oder sie verdrÄngten. Bis zur Ankunft von Kupes Nachfahren hatte sich deren im Wesentlichen polynesische Kultur Über Jahrhunderte hinweg ohne erkennbaren Einfluss von außen entwickeln kÖnnen; die StÄmme waren hierarchisch strukturiert und blutige Auseinandersetzungen beinahe an der Tagesordnung.
Im Jahre 1642 segelte der niederlÄndische Entdecker Abel Tasman entlang der WestkÜste Neuseelands. Alle Gedanken an einen lÄngeren Aufenthalt wurden im Keim erstickt, als ein Landgang damit endete, dass mehrere Mitglieder seiner Besatzung getÖtet und verspeist wurden. 1769 umrundete KapitÄn James Cook mit seiner Endeavour die beiden Hauptinseln. Auch bei ihm waren die anfÄnglichen Kontakte mit den Maori von GewalttÄtigkeiten geprÄgt. Jedoch zeigte sich Cook von deren Mut und Schneid beeindruckt und erkannte das dem Land innewohnende Potenzial. Kurzerhand nahm er es fÜr die britische Krone in Beschlag und segelte anschließend nach Australien weiter.
Als die Briten mit ihrer Kolonisierung auf der anderen Seite des Globus begannen, wurde Neuseeland zunÄchst als Ableger der australischen Kolonie betrachtet, der unter anderem als StÜtzpunkt fÜr Robben- und WalfÄnger diente. In der Tat fiel Neuseeland von 1839 bis 1841 unter die ZustÄndigkeit von New South Wales. Doch die zunehmende Besiedlung des Landes durch EuropÄer erwies sich bald als problematisch. Die Landtransaktionen zwischen Maori und weißen Siedlern, den so genannten Pakeha, bedurften dringend einer politischen Regelung. Im Jahre 1840 wurde der Vertrag von Waitangi unterzeichnet, in dem die Maori ihre SouverÄnitÄt an die britische Krone abtraten. Im Gegenzug garantierte man ihnen Schutz sowie die Besitzrechte an ihrem Land. Obwohl die Beziehungen zwischen Maori und Pakeha in einigen Regionen harmonisch verliefen, verschlechterten sie sich insgesamt jedoch zusehends. Die GrÜnde hierfÜr waren unterschiedlicher und komplexer Natur. Meistens ging es jedoch um Land. Schließlich kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen in Northland (1844-46), auf die weitere blutige Konflikte folgten: Taranakikrieg (1860-61 und 1865-69), Waikatokrieg (1863-64) und East Cape-Krieg (1868-72). Obwohl keine dieser fÜnf Auseinandersetzungen zur Verabschiedung einer formellen Resolution fÜhrte, endeten die Neuseelandkriege mit der klaren Niederlage der Maori.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beruhigte sich die Situation wieder etwas. Die Entdeckung von Gold hatte erheblichen Reichtum entstehen lassen und durch die in großem Stil betriebene Schafzucht wurde Neuseeland zu einem produktiven, sich weitgehend selbst versorgenden Land. Einschneidende soziale VerÄnderungen - wie die EinfÜhrung des Frauenwahlrechts und der Sozialversicherung, die staatliche UnterstÜtzung von Gewerkschaften und die EinfÜhrung einer staatlichen KinderfÜrsorge - festigten den Ruf Neuseelands als Land, das sich egalitÄren Reformen verschrieben hat.
Im Jahre 1907 bekam Neuseeland zunÄchst den Status eines Dominion zugesprochen, d.h. einer sich selbst verwaltenden Kolonie des Britischen Reiches. 1931 gestand man ihm die Autonomie von Großbritannien zu und 1947 folgte die formelle UnabhÄngigkeitserklÄrung. Die Wirtschaft gedieh und wurde erst durch die weltweite Rezession in den 80er-Jahren gestoppt, als die Arbeitslosigkeit drastisch anstieg. Heute hat sich die Wirtschaft wieder stabilisiert, was grÖßtenteils den exportorientierten Maßnahmen zu verdanken ist. Auf der internationalen BÜhne wurde Neuseeland in den 80er-Jahren wegen seiner Anti-Atomkraft-Haltung gefeiert, an der das Land festhielt, obwohl sie den Bruch mit den USA zur Folge hatte. Auch seine Opposition gegen die franzÖsischen Kernversuche im Pazifik erhielt großen Beifall. Frankreich bedankte sich dafÜr, indem es das im Hafen von Auckland liegende Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior an Ort und Stelle versenkte, wofÜr das Land zwar heftig gescholten, aber kaum bestraft wurde .
Die Maori-BevÖlkerung wÄchst zurzeit stÄrker als der BevÖlkerungsanteil der Pakeha und die Wiederbelebung von Maoritanga, der Kultur der Maori, hat nachhaltige Auswirkungen auf die neuseelÄndische Gesellschaft. Einer der erfreulichsten Aspekte sind hierbei die gemeinsamen BemÜhungen um kulturelle Integration zwischen Maori und Pakeha. Infolge eines ungelenken Versuchs der (inzwischen abgelÖsten) Regierung, die Maori fÜr das ihnen weggenommene Land in Form von Reparationszahlungen zu entschÄdigen, hat der militante Protest der Maori jedoch wieder zugenommen. Diese VorgÄnge haben die VersÖhnung der beiden BevÖlkerungsgruppen wieder ganz nach oben auf die politische Tagesordnung katapultiert.
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