Die Gegend, die heute mit New York City bezeichnet wird, war bereits seit mehr als 11.000 Jahren von Indianern bewohnt, als Giovanni da Verrazano, ein Florentiner, der von den Franzosen den Auftrag zur Erforschung der NordostkÜste Amerikas erhalten hatte, im Jahr 1524 in der Bucht von New York an Land ging. Nach seiner Abreise lebten die Indianer noch mehrere Jahrzehnte lang unbehelligt von Weißen, bis 1609 der englische Seefahrer Henry Hudson auftauchte, der sich auf der Suche nach der Nordwestpassage befand. „Das Land ist wunderschÖn und erfÜllt all unsere Hoffnungen“, berichtete Hudson und nahm es fÜr seinen Auftraggeber, die NiederlÄndische Ostindien-Kompanie, in Besitz.
Gegen 1625 hatten hollÄndische Siedler einen Pelzhandel mit den Ureinwohnern aufgebaut. Weitere NeuankÖmmlinge grÜndeten einen Handelsposten namens New Amsterdam, der zur weit grÖßeren Kolonie New Netherland gehÖrte. WÄhrend man in Europa Werbung fÜr New Amsterdam, das angenehme Klima und die schÖne Landschaft machte, kosteten die bitterkalten Winter viele Siedler das Leben. Bei einem Treffen mit den Indianern soll Peter Minuit, Direktor der NiederlÄndischen Westindien-Kompanie, die Insel gegen Waren im Wert von 60 Gulden (ca. 24 Euro) erstanden haben. Neueren Erkenntnissen zufolge waren die TauschgegenstÄnde wohl doch etwas mehr wert. Aber selbst mit 1500 Gulden hÄtten die HollÄnder noch immer ein sehr gutes GeschÄft gemacht.
Nach anfÄnglichen RivalitÄten zwischen Briten und HollÄndern wurde New Amsterdam in den 70er-Jahren des 17. Jahrhunderts zur britischen Kolonie New York. In New Jersey und auf Long Island nahmen viele Siedler das Land unter den Pflug, doch die Hafenstadt blieb relativ klein und umfasste lediglich den Bereich von der heutigen Wall Street bis zur Spitze von Manhattan. Die anti-britische Stimmung hielt sich in New York bis in die 30er-Jahre des 18. Jahrhunderts. Noch 30 Jahre spÄter war der New Yorker Kongress – an dessen Stelle heute die City Hall, das Rathaus, steht – das Zentrum vieler Demonstrationen gegen die Briten. WÄhrend des gesamten UnabhÄngigkeitskriegs behielten die Truppen von George III. trotz des Widerstands vieler New Yorker die Oberhand und zogen sich erst 1783, zwei Jahre nach Beendigung der Auseinandersetzungen, zurÜck.
1789 legte George Washington als erster PrÄsident der neuen Vereinigten Staaten von Amerika auf den Stufen der Federal Hall in der Wall Street seinen Amtseid ab. Zu jener Zeit war New York ein lebhafter Seehafen mit rund 33.000 Einwohnern. Kulturelle Hauptstadt aber blieb nach wie vor Philadelphia. Im folgenden Jahr wurde der Kongress in den Distrikt von Columbia verlegt. Thomas Jefferson sagte spÄter, ihm kÄme New York vor wie eine „Kloake, in der sich der Auswurf der Menschheit sammelt“.
Im frÜhen 19. Jahrhundert erlebte New York einen rasanten Aufschwung. Die BevÖlkerungszahl schnellte von 65.000 im Jahr 1800 auf 250.000 im Jahr 1820 in die HÖhe. WÄhrend des BÜrgerkriegs stellten sich viele New Yorker freiwillig in den Dienst der Unionsstaaten. Je lÄnger der Krieg jedoch dauerte, umso stÄrker wurde der Protest von Seiten der Ärmsten Stadtbewohner. Man wehrte sich vor allem gegen die neu eingefÜhrte Zwangsrekrutierung. Im Sommer 1863 kam es schließlich zu den sogenannten „Draft Riots“, als sich irische Immigranten dagegen auflehnten, dass sich die Reichen fÜr 300 Dollar vom MilitÄrdienst freikaufen konnten. Bald darauf richtete sich der Zorn der AufstÄndischen gegen schwarze MitbÜrger, die man fÜr den Ausbruch des BÜrgerkriegs verantwortlich machte. Zudem fÜrchtete man, dass massenhaft billige, schwarze Arbeiter die ArbeitsplÄtze streitig machen wÜrden. Mehr als 11 MÄnner wurden auf offener Straße gelyncht und ein Waisenhaus fÜr schwarze Kinder wurde in Brand gesteckt.
Den Rest des Jahrhunderts erlebte die Stadt eine BlÜtezeit, die als „goldenes Zeitalter“ in die Annalen einging. Dank der Einwanderer aus Europa und mit Hilfe cleverer Wirtschaftsbosse, die im Windschatten extrem liberaler Gesetze auf dem Industrie- und Handelssektor agierten, schien das Wachstum unbegrenzt. Die Stadtoberen unterhielten prÄchtige HerrenhÄuser in der so genannten „Millionaires Row“ in der Fifth Avenue. Den Broadway entlang wurden vom Rathaus bis zum Union Square die ersten Wolkenkratzer errichtet, in denen Firmenchefs und Zeitungsverleger ihre BÜros bezogen.
Zwischen 1850 und 1880 verdoppelte sich die BevÖlkerung New Yorks von 500.000 auf 1,1 Millionen, was den Bau von Mietswohnungen explosionsartig anwachsen ließ. Das Anwachsen New Yorks Über seine Stadtgrenzen hinaus fÜhrte zum Zusammenschluss mehrerer Stadtbezirke, um der stÄndig wachsenden BevÖlkerung Herr zu werden. Die Einwohner von Queens, Staten Island, Bronx und des finanziell arg gebeutelten Brooklyn stimmten 1898 dafÜr, dass ihre bis dahin unabhÄngigen Distrikte „Stadtbezirke“ von New York City werden sollten.
Zwischen 1900 und 1930 kamen Massen europÄischer Immigranten in die neue Metropole und die BevÖlkerung explodierte von knapp Über drei Millionen auf sieben Millionen. In jener Zeitspanne verschwanden die Pferdekutschen aus dem Stadtbild und wurden durch Hochbahnen (Els - elevated trains) und Untergrundbahnen ersetzt, mit denen man auch die Außenbezirke der Stadt schneller erreichen konnte.
Mit zunehmendem politischen Gewicht der Immigranten wurde auch ihr Ruf nach VerÄnderung immer lauter. WÄhrend der großen Depression nach dem BÖrsenkrach schaffte es Fiorello La Guardia (der zuvor als Dolmetscher auf Ellis Island gearbeitet hatte) zum BÜrgermeister. In seinen drei Amtszeiten kÄmpfte „Little Flower“, wie er liebevoll genannt wurde, gegen Korruption in der Stadtverwaltung und setzte sich fÜr den Ausbau des Sozialsystems ein. Der Stadtplaner Robert Moses verÄnderte unterdessen nachhaltig das Gesicht der Stadt, indem er eine Reihe von Öffentlichen Baumaßnahmen einleitete und die Organisation von Großveranstaltungen wie der Weltausstellungen von 1939 und 1964 in die Hand nahm. Leider sind seinen Projekten – u.a. die Triborough Bridge, das Lincoln Center, verschiedene Highways sowie gigantische Wohnungsbauprojekte – ganze Stadtviertel zum Opfer gefallen, deren Bewohner schlichtweg vertrieben wurden.
Aus dem Zweiten Weltkrieg ging New York stolz und voller Elan hervor. Da die Stadt zu den wenigen Metropolen gehÖrt, die durch den Krieg keinen Schaden erlitten hatten, konnte man sofort loslegen. Wohlstand kehrte ein und zog weite Kreise um die Innenstadt. In den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Vororte durch Highways erschlossen und Hunderttausende von New Yorkern nutzten diese Chance, um sich außerhalb des Stadtzentrums niederzulassen. In dieser Stadtflucht kam jedoch nicht nur die Freude an der neu gewonnenen MobilitÄt zum Ausdruck. Viele Weiße zogen aus ihren angestammten Vierteln weg, weil diese ihrer Meinung nach zu „schlechten Adressen“ geworden waren – was nichts anderes bedeutete, als dass Schwarze und Puertoricaner sich ihr gutes Recht genommen hatten, ebenfalls hier zu wohnen.
WÄhrend sich die Politiker um Wahlkreise stritten, geriet die Stadt langsam, aber sicher ins Trudeln. Fernsehanstalten und ProduktionsstÄtten zogen Richtung WestkÜste, sogar das sagenhafte Brooklyn-Dodgers-Baseballteam und sein Erzrivale, die New York Giants, kehrten der Stadt den RÜcken. Was die Kultur anbelangte, so blickte New York wie fast ganz Amerika gebannt nach Westen. Auch auf dem Wirtschaftssektor waren Abwanderungen zu verzeichnen, da man durch die modernen Kommunikationsmittel immer standortunabhÄngiger wurde. Die wirtschaftliche Talfahrt fÜhrte in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts in den Bankrott, der allein durch massive staatliche UnterstÜtzung verhindert werden konnte.
Die Reagan-Ära stand unter dem Motto „Nichts ist unmÖglich“ und mit den MillionengeschÄften, die an der Wall Street abgewickelt wurden, besann sich die Stadt wieder auf ihren einstigen Stolz. Ed Koch, schillernder dreimaliger Stadtvater, war der Inbegriff des New Yorkers und wirkte in seiner BegeisterungsfÄhigkeit beinahe schon irritierend 1989 unterlag Koch bei den Vorwahlen dem Demokraten David Dinkins, der New Yorks erster schwarzer BÜrgermeister wurde. Dinkins war ein typischer ParteifunktionÄr der Demokraten, dem zu Recht vorgeworfen wurde, die Stadt nur zu verwalten, statt sie zu reformieren. Zweifellos erfolgreich war er jedoch in der BekÄmpfung der StraßenkriminalitÄt, indem er mehr Polizisten in die Öffentlichkeit brachte. 1993 schaffte es der gemÄßigte Republikaner Rudolph Giuliani an die Macht, wenngleich Dinkins die Wahl nur knapp verloren hatte. Dank sinkender KriminalitÄtsraten und einer SchwÄche innerhalb der demokratischen Oppositionspartei gewann Giuliani 1997 erneut die BÜrgermeisterwahlen. Der Internet-Boom, den man bis dahin fast ausschließlich mit dem nordkalifornischen Silicon Valley in Verbindung gebracht hatte, schlug – zumindest fÜr einige Jahre – auch in New York Wurzeln (New York hatte sogar seine eigene „Silicon Alley“) und es hatte den Anschein, dass beinahe jeder zweite New Yorker Anfang zwanzig irgendein obskures Internet-Unternehmen startete in der Hoffnung, nach einigen Monaten fÜr viel Geld aufgekauft zu werden und dann in Rente zu gehen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wurden in der Stadt grundlegende (und dringend erforderliche) Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur angepackt, so z.B. ein neuer Eisenbahntunnel unter dem Hudson River. Auch der Times Square der 60er- und 70er-Jahre, in dessen Rotlichtmilieu KriminalitÄt und Drogenhandel florierten, hat sich inzwischen in eine Touristenattraktion à la Disneyland verwandelt. Die Stadt wurde sicherer und wohlhabender, verlor aber auch etwas von ihrer IdentitÄt. Die Kluft zwischen Reich und Arm wurde grÖßer und die lebendigen Subkulturen, die Manhattan ausgemacht hatten, wanderten in einem Massenexodus in die Vororte ab.
Das berÜhmte geschÄftige Treiben in den Straßen New Yorks wurde am 11. September 2001 jÄh zum Stillstand gebracht, als durch einen Terrorangriff mit Hilfe zweier entfÜhrter Passagierflugzeuge die ZwillingstÜrme des World Trade Centers zum Einsturz gebracht wurden. In diesem schlimmsten Terrorangriff, der jemals auf amerikanischem Boden verÜbt wurde, starben Tausende von Menschen. New York, obwohl tief getroffen, zeigte seine ZÄhne. Relativ schnell erlangte die Stadt ihre Fassung und NormalitÄt zurÜck und ließ ihren GeschÄftsbezirk und ihr Selbstbewusstsein neu erwachen. GeschÄfte und Restaurants in der Umgebung der zerstÖrten TÜrme erÖffneten neu und die Touristen kamen wieder. Erinnerungen an die Katastrophe haben sich unauslÖschlich ins GedÄchtnis der meisten New Yorker eingegraben, aber die Wiederbebauung von Ground Zero macht Fortschritte
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