Geschichte

Die Geschichte der Niederlande ist eng mit Belgien und Luxemburg verbunden. Diese drei Länder waren bis zum 16. Jahrhundert, als die Grenzen der heutigen Niederlande weitgehend festgelegt wurden, als die "Niederen Lande" bekannt. Ursprünglich wurde das Gebiet von verschiedenen Stammesgruppen bewohnt. Germanische Bataver legten die Meereslagunen trocken und auf den Erdhügeln im Norden siedelten sich Friesen an.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts verbündeten sich die Einwohner der nördlichen Provinzen, die sich kurz zuvor dem Protestantismus angeschlossen hatten, zum Kampf gegen die spanisch-katholische Herrschaft. Philip II. von Spanien sandte das grausame Inquisitionsgericht aus, um den Katholizismus zu erzwingen - 1568 brach der Krieg aus. Die Revolte der Niederländer wurde von Prinz Wilhelm von Oranien angeführt, der auch Wilhelm der Stille genannte wurde, weil er in religiösen Fragen nicht Partei ergreifen wollten. Nach 80 Jahren des Kampfes gelang es Holland und seinen Verbündeten 1648, die Spanier zu vertreiben. Die Bezeichnung Holland wurde zum Synonym für das unabhängige Land, das in diesem Winkel Europas entstanden war (ebenso, wie "England" oft für "Großbritannien" benutzt wird).

Amsterdam trat als stolze Macht auf die europäischen Bühne. Dies war die glorreichste Zeit der Niederlande, das Goldene Zeitalter, das etwa von 1580 bis 1740 währte und von der Oberherrschaft Großbritanniens über die Weltmeere abgelöst wurde. Den Reichtum des Goldenen Zeitalters verdankte Holland der Niederländischen Ostindien-Kompanie, die Schiffe in den fernen Osten aussandte, um Gewürze und exotische Waren heimzubringen, Kolonien am Kap der Guten Hoffnung, Indonesien, Surinam, den Antillen und New Amsterdam (heute New York) sowie Handelsposten in ganz Asien errichtete.

Währenddessen lebte die Amsterdamer Bourgeoisie im Überfluss in reichen Giebelhäusern an den Kanälen, ließ Gemälde von sich anfertigen und schwelgte in den Überbleibseln des üppigen Vorabendmahls. Dieser Lebensstil stimulierte die Kunst und verhalf Malern wie Rembrandt zum Ruhm. Aber die gute Zeit war nicht von Dauer: 1795 fielen die Franzosen ein und Napoleon ernannte seinen jüngeren Bruder Louis zum König. Als die in der Bevölkerung verhasste Besatzung endete, kam die Geburtsstunde des Vereinigten Königreichs der Niederlande, zu dem auch Belgien und Luxemburg gehörten. Der erste niederländische König, Wilhelm I. von Oranien, wurde 1814 gekrönt und das Haus Oranje regiert bis zum heutigen Tag. 1830 rebellierten die Belgier und erlangten die Unabhängigkeit, Luxemburg folgte diesem Beispiel bald darauf.

In der jüngeren Geschichte glitt das Land von der weltdominierenden Position in einen Zustand bequemer Unbedeutsamkeit. Fortschrittliche Sozialprogramme wurden eingeführt, von denen einige noch heute gültig sind. Im Ersten Weltkrieg gelang es den Niederländern, Neutralität zu bewahren, aber im Zweiten Weltkrieg war ihnen dieses Privileg versagt. Im Mai 1940 fielen die Deutschen ein und bereits vier Tage später hatten sie durch Bombenangriffe aus der Luft große Teile Rotterdams dem Erdboden gleichgemacht Trotz der starken, niederländischen Widerstandsbewegung überlebte nur eine kleine Minderheit der zahlreichen jüdischen Bevölkerung den Krieg. Im Jahr 1949 gewann die Kolonie Indonesien trotz des militärischen Eingreifens die Unabhängigkeit. Surinam wurde 1975 friedlich in die Unabhängigkeit entlassen. Die Niederländischen Antillen vor der venezolanischen Küste sind immer noch Kolonie, allerdings mit weitgehender Selbstregierung. Die Niederländer sind starke Befürworter der Europäischen Union. Der Euro wurde eingeführt und der größte Teil der Bevölkerung sieht eine weiterführende europäische Integration als selbstverständlich an.

Im Jahr 2001 wurden gleichgeschlechtliche Ehen und die Euthanasie legalisiert, was wieder einmal die liberale, fortschrittliche Einstellung der Niederländer in sozialen Fragen bestätigt. Das normalerweise so tolerante und friedliche Land wurde 2002 erschüttert, als der rechtsgerichtete Politiker und Einwanderungsgegner Pim Fortuyn ermordet wurde. 2004 wurde die Toleranz des Landes mit dem Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh erneut schwer auf die Probe gestellt. Sein Tod durch niederländisch-marokkanische Moslems stellte die Einwanderungspolitk des Landes in Frage und führte indirekt zum Zusammenbrechen der Koalitionsregierung im Juni 2006. Die Problematik der Immigration ist auch weiterhin ein heißes, politisches Thema.

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