Geschichte

Die sieben Inseln, die das heutige Mumbai bilden, waren einst die Heimat der Koli-Fischer, deren Hütten noch heute an der Küste zu finden sind. Die Inseln wurden von einer Reihe hinduistischer Dynastien beherrscht, im 14. Jahrhundert von den Muslimen besetzt und in das Sultanat Gujarat eingegliedert, bis sie schließlich 1534 an Portugal abgetreten wurden. Die Portugiesen unternahmen nicht viel, um die Gegend weiter zu entwickeln. Sie gaben die Hauptinsel der Gruppe Catharina von Braganza als Mitgift, als diese 1661 Charles II. von England heiratete. 1665 nahm die britische Regierung alle sieben Inseln in Besitz, verpachtete sie jedoch drei Jahre später für die lächerliche jährliche Summe von 10 Pfund an die Ostindische Kompanie.

Die Briten lockten viele Händler aus anderen Landesteilen an, indem sie ihnen Religionsfreiheit und Land versprachen. So entwickelte Bombay sich schnell zu einem bedeutenden Handelshafen. Zu den Zuwanderern gehörten größere Gruppen muslimischer Gujaratis, südindischer Hindus, die vor der portugiesischen Verfolgung in Goa flohen, sowie zoroastrischer Parsen, die vor der muslimischen Verfolgung in Persien flohen. Ihr Einfluss sowie der späterer Einwanderergruppen legten den Grundstein für Bombays berühmte multikulturelle Gesellschaft. 20 Jahre später wurde der Hauptsitz der Ostindischen Kompanie von Surat nach Bombay verlegt und die Stadt wurde bald zum Handelszentrum der gesamten Westküste Indiens.

Das Fort von Bombay wurde in den 20er-Jahren des 18. Jahrhunderts gebaut und bald begann mit Landaufschüttungsprojekten jener Prozess, der innerhalb eines Jahrhunderts die sieben Inseln zu einer einzigen Landmasse vereinen sollte. Obwohl Bombay im 18. Jahrhundert kontinuierlich wuchs, blieb es von seinem Hinterland isoliert, bis die Briten die Marathen besiegten und 1818 beträchtliche Teile West-Indiens annektierten. Das Wachstum wurde mit der Ankunft der Dampfschiffe und dem Bau der ersten Eisenbahnstrecke in Asien von Bombay nach Thana 1853 vorangetrieben. Im folgenden Jahr entstanden in der Stadt die ersten Baumwollspinnereien und der amerikanische Bürgerkrieg - der zeitweise dazu führte, dass Großbritanniens Bedarf an Baumwolle nicht mehr gedeckt werden konnte - löste Bombays Baumwollboom aus. 1864 wurden die Mauern des Forts abgerissen und es folgte eine rege Bautätigkeit, die ein dem neuen Wohlstand entsprechendes Stadtbild schaffen sollte. Die Eröffnung des Suezkanals 1869 und die erhebliche Ausdehnung der Hafenanlage von Bombay sicherten die Zukunft der Stadt als Indiens bedeutendstem Hafen.

Bombay spielte eine entscheidende Rolle im Unabhängigkeitskampf, denn hier wurde 1885 der erste Indian National Congress abgehalten und 1942 die „Quit India“-Kampagne gestartet. Nach der Unabhängigkeit wurde Bombay zur Hauptstadt der Bombay Presidency. Doch dieses Verwaltungsgebiet wurde 1960 entlang sprachlicher Grenzen in die Bundesstaaten Maharashtra und Gujarat aufgeteilt. Seither belastet die große Zahl von Zuwanderern aus ländlichen Regionen (insbesondere aus Maharashtra) die Infrastruktur der Stadt und wirkt sich auf ihre Demographie aus. So entstand eine rechts gerichtete Pro-Marathi-Bewegung, angeführt von der Shiv Sena-Stadtregierung, die durch die Diskriminierung von Moslems und nicht aus Maharashtra stammenden Einwohnern das multikulturelle Fundament der Stadt erschütterte. Dies führte wiederum zu einer Zunahme kommunalpolitischer Spannungen, die 1992 nach der Zerstörung der Moschee in Ayodhya, wofür die Anhänger der Shiv Sena verantwortlich gemacht wurden, in blutigen Unruhen gipfelten. Darauf folgten 13 Bombenexplosionen, die an einem einzigen Tag im März 1993 die Stadt erschütterten und Hunderte von Menschen töteten. Für die Bombenanschläge wurde Dawood Ibrahim verantwortlich gemacht, ein muslimischer Gangster mit Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst und den afghanischen Taliban. Man nimmt an, dass er in Kanada untergetaucht ist. In beiden Fällen ist die Trennlinie zwischen dem politischen Establishment sowie dem organisierten Verbrechen und Terrorismus recht unscharf.

1996 benannte die Shiv Sena die Stadt offiziell in Mumbai um. Die Umbenennung führte zu sprachlicher Verwirrung und signalisierte die Absicht der Regierung von Maharashtra, die Marathi-Identität der Stadt zu bestärken. Die Shiv Sena und ihr Anführer Bal Thackeray (laut Eigenaussagen ein Bewunderer von Adolf Hitler) regierten den Bundesstaat Maharashtra hinter den Szenen bis Oktober 1999, als die Administration, die ihre schützende Hand über sie gehalten hatte, die Wahlen zur Landesregierung an die Congress-Partei verlor. Versuche der neuen politischen Führung des Bundesstaates, Thackeray im Juli 2000 wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an den antimuslimischen Unruhen von 1992 vor Gericht zu stellen, hatten zur Folge, dass seine Anhänger Mumbai über mehrere Tage hinweg durch gewalttätige Proteste regelrecht lahmlegten. Die Anklagen gegen diese immer noch sehr einflussreiche Person wurden daraufhin schnell zurückgezogen.

Eine weitere Welle der Gewalt folgte 2003, als militante Muslime Autobomben vor dem Gateway of India und dem Zaveri-Basar im Bezirk Kalbadevi detonieren ließen. Darüber hinaus wurden muslimische Gangster mit Verbindungen zu Dawood Ibrahim für eine Reihe von Erpressungen und Entführungen in der Stadt verantwortlich gemacht, deren Opfer häufig Personen aus der Bollywood-Filmindustrie waren.

Mumbai unternahm den Schritt ins neue Jahrtausend mit der festen Entschlossenheit, bis 2020 die bevölkerungsreichste Stadt der Welt zu werden. Man erwartet, dass bis dahin an die 28,5 Millionen Menschen in der Stadt leben werden. Die 50% der Stadtbewohner, die derzeit immer noch ohne Anschluss ans Wasser- oder Stromnetz leben, sehen dies wohl eher skeptisch. Nichts führt die zunehmende Umweltbelastung drastischer vor Augen als ein kürzlich veröffentlichter Bericht, demzufolge das Einatmen der Luft in Mumbai dem Rauchen von 20 Zigaretten pro Tag entspricht. Deshalb erfreuen sich wohl auch die in letzter Zeit eröffneten „Oxygen Bars“ so großer Beliebtheit.

In Juni 2005 wurde Maharashtra nach den schwersten Regenfällen der indischen Geschichte von sintflutartigen Überschwemmungen heimgesucht. Mehr als tausend Menschen fanden den Tod und 60.000 wurden obdachlos, was Ängste vor einem erneuten Zustrom von Landmigranten nach Mumbai schürte. Die Kosten der Katastrophe werden auf 1.000.000.000 geschätzt. Pläne für städtische Erneuerungsmaßnahmen liegen damit wohl vorerst auf Eis. Nichtsdestotrotz ist die Stadtregierung entschlossen, eine futuristische Stadt mit modernen Wolkenkratzern an der Nordseite der Bucht von Mahim zu schaffen. Die Bodenarbeiten haben bereits begonnen. Im Rahmen des Projekts müssen jedoch die Slums weichen und konkrete Pläne für die Umsiedlung deren Bewohner gibt es nicht. Bislang wurden mehr als 300.000 Menschen obdachlos durch Slumbeseitigungen.

Ein weiterer schwerer Schlag für die Stadt folgte im Juli 2006, als sieben Zugbomben mehr als 180 Tote und über 700 Verletzte forderten. Der Verdacht fiel auf die kaschmirische Extremistengruppe Lashkar-e-Taiba, die jedoch jegliche Verantwortung von sich wies. Die Spannungen zwischen Hindus und Muslimen nahmen durch diesen Vorfall weiter zu, hatten jedoch glücklicherweise keine gewalttätigen Unruhen zur Folge, sodass das ganz normale Alltagschaos in der Stadt bald wieder seinen gewohnten Lauf nahm.

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