Wenn Bier und Pommes fÜr zu viel HÜftspeck sorgen, bietet London zahlreiche MÖglichkeiten, ihn wieder abzutrainieren. Lassen Sie sich nach einem Picknick im Hyde Park in einem Ruderboot vertrÄumt dahindriften oder gehen Sie mit einer Pfeife spazieren. Oder leihen Sie sich einen Gaul fÜr einen kurzen Galopp aus.
Tate ModernDas weltweit erfolgreichste Museum fÜr zeitgenÖssische Kunst ist in einem sensationell umgebauten Kraftwerk untergebracht. Hier ging es noch nie nur um die Kunst, sondern um das GebÄude, die Lage und den Ausblick. So ist die vor kurzem durchgefÜhrte Neuordnung der Werke in eine thematischere und chronologischere Reihenfolge eher ein erfrischender Bonus als eine absolut notwendige Neuerfindung.
Veranschaulicht wird der Ruf der Tate Modern fÜr avantgardistische Sonderausstellungen an bereits gezeigten Exponaten, wie z.B. jenen der italienischen Schule der Arte Povera (Arme Kunst) und den Skulpturen des bereits verstorbenen Juan MuÑoz. Beeindruckend ist das GebÄude immer noch. Das Museum mit seinen zwei in Glas gehÜllten, nachts hell erleuchteten Stockwerken und den zentralen Schornstein als Wahrzeichen wurde von den beiden Schweizer Stararchitekten Herzog & De Meuron (1999) entworfen, die dafÜr im Jahr 2000 mit dem Pritzker Preis, dem Nobelpreis der Architektur, ausgezeichnet wurden.
Royal ObservatoryDas kÖnigliche Observatorium steht mit einem Bein in der westlichen und mit dem anderen in der Östlichen HemisphÄre der Welt, was seinen besonderen Nervenkitzel ausmacht. Man hat hier nicht nur die MÖglichkeit, den Nullmeridian (der Zeit und der LÄngengrade) entlangzugrÄtschen, es gibt auch eine fesselnde Geschichte darÜber, wie die Astronomen des Observatoriums um die genaue Messung des LÄngengrades und die Verbesserung der maritimen Navigation kÄmpften.
Charles II., der es satt hatte, dass so viele Schiffe untergingen, weil sie keine Ahnung von ihren Ost-West-Koordinaten hatten, ließ das Royal Observatory 1675 auf diesem HÜgel errichten, damit die Astronomie dazu eingesetzt wÜrde, ein prÄzises Mittel fÜr die Navigation auf See zu finden. Der erste kÖnigliche Astronom, John Flamsteed (1646-1719), ließ sich hier nieder und machte seine Beobachtungen des Himmels und der Sterne vom Octagon Room aus - einem hellen, luftigen, geometrisch geformten Observatorium, dessen von Sir Christoper Wren gestaltete Inneneinrichtung eine der wenigen ist, die noch von ihm existieren. Die Astronomie bedeutete ein Hundeleben in jenen Tagen, so wie es die Geschichten vom hervorragenden Observatorium verdeutlichen. Heute jedoch scheint dies nicht der Fall zu sein. Zumindest die Astronomen, die durch die Shows des benachbarten Greenwich Planetariums fÜhren, sprudeln Über vor Enthusiasmus. Nachts sollte man nach dem grÜnen Laser Ausschau halten, der den Nullmeridian am Himmel verfolgt. Letztendlich war es ein Uhrenmacher, der das Problem mit den LÄngengraden lÖste, aber Greenwich wurde bei einer Konferenz in Washington im Jahr 1884 dennoch als Nullmeridian bezeichnet - als Anerkennung fÜr all die dort getÄtigte Arbeit.
Highgate CemeteryDer viktorianische Highgate Cemetery ist an morbider, geradezu schauriger AtmosphÄre kaum zu Übertreffen. Auf der efeuÜberwucherten Anlage finden sich Ägyptisch anmutende Katakomben und genÜgend lÄdierte Steinskulpturen, um das Herz eines jeden Joy-Division-Fans hÖher schlagen zu lassen, das Grab von Karl, dem etwas ernsteren der Marx Brothers, und persÖnlich gestaltete GrabmÄler, die die exzentrischen PersÖnlichkeiten ihrer Bewohner reflektieren.
National GalleryDie National Gallery grenzt direkt nÖrdlich an den Trafalgar Square und wurde 1824 gegrÜndet. Mit stets rund 2100 ausgestellten GemÄlden gehÖrt sie zu den grÖßten und mit am besten ausgestatteten Kunstmuseen der Welt. Die GemÄlde der National Gallery sind nach einer kontinuierlichen Zeitlinie aufgehÄngt, so dass man sich ein Zeitalter nach dem anderen ansehen kann.
Wenn man im Sainsbury Wing (FlÜgel) beginnt und sich westlich vorarbeitet, kann man in chronologischer Reihenfolge eine Sammlung betrachten, deren Bilder zwischen Mitte des 13. Jahrhunderts bis Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhundert gemalt wurden. Wenn man von den richtig alten Werken begeistert ist, sollte man im Sainsbury Wing (1260-1510) bleiben; die Renaissance-Bilder hÄngen im West Wing (1510-1600). Die Rubens, Rembrandts und Murillos befinden sich im North Wing (1600-1700) und wenn man unbedingt einen Blick auf Gainsborough, Constable, Turner, Hogarth und die Impressionisten werfen mÖchte, sollte man den East Wing (1700-1900) aufsuchen.
Sir John Soane's MuseumDas Sir John Soane's Museum ist teilweise ein entzÜckendes Haus, teilweise ein kleines Museum und beherbergt unzÄhlige Überraschungseffekte und KuriositÄten, die den Geschmack des gefeierten Architekten und Sammlers extraordinaire, Sir John Soane (1753-1837), reprÄsentieren. Absolut bezaubernd sind die Abendstunden bei Kerzenlicht, wenn die BÜsten, alten MÜnzen und dunklen GemÄlde von den flackernden Kerzen beleuchtet werden.
Soane, der Sohn eines Maurers vom Land, ist vor allem als Architekt der Bank of England bekannt. Seine Arbeit und sein Leben stÜtzten sich auf Ideen, die ihm bei einer großen Italien-Rundreise im 18. Jahrhundert kamen. Er heiratete reich und steckte das Geld in dieses Haus und das GebÄude nebenan. Das unter Denkmalschutz stehende Haus ist grÖßtenteils noch so wie zu der Zeit, als man Sir John in einer Kiste hinaustrug, und stellt einen großen Teil der Attraktion dar. Es hat eine Glaskuppel, die Licht ganz bis zum Keller einfallen lÄsst, einen mit Statuen angefÜllten Laternenraum, RÄume innerhalb von RÄumen und eine Bildergalerie, in der jedes Bild bei AndrÜcken wegklappt, um eine weiteres Bild dahinter zu offenbaren. Sie enthÄlt die von Soane ausgewÄhlten Bilder, u.a. Canalettos und Turners, Zeichnungen von Christopher Wren und Robert Adam und den originalen Rake's Progress, William Hogarths Karikaturenreihe vom zwielichtigen Londoner Milieu des spÄten 18. Jahrhunderts, fÜr die eine spezielle Galerie errichtet wurde.
Old Operating Theatre Museum & Herb GarretDieser ehemalige viktorianische Operationssaal ist nichts fÜr zarte GemÜter. Die anderen jedoch werden es Äußerst spannend finden, die behelfsmÄßigen Bedingungen zu sehen, unter denen die einfachen Operationen des 19. Jahrhunderts stattfanden - ohne Antiseptikum oder AnÄsthesie und auf einem Holztisch in einem Raum, der aussieht wie ein moderner HÖrsaal. Bekanntschaft mit alternativen Therapien macht man in der angrenzenden KrÄuter-Dachkammer.
Es sind frÜhe medizinische GerÄte ausgestellt, begleitet von GesprÄchen Über Leichenraub - wie der Berufsstand der Mediziner ausgegrabene Leichen zum Üben kaufte. ErklÄrt wird auch, wie die Chirurgen ihre Patienten ohne BetÄubung schnell operieren mussten: Eine Minute zur vollstÄndigen DurchfÜhrung eine Amputation wurde als genau richtig erachtet. Man sollte einen Blick auf die Website des Museums werfen, weil manchmal Schein-VorfÜhrungen der 'Speed-Chirurgie' stattfinden. (Wenn man diesen Ort verlÄsst, dankt man allerdings ungelogen dem Himmel fÜr die Fortschritte, die seitdem bei medizinischen Verfahren gemacht wurden.) In der KrÄuter-Dachkammer, der ehemaligen Apotheke des Krankenhauses, hÄngen heute KrÄuterbÜndel und ErklÄrungen zu ihrer anerkannten Wirkung aus. Man sollte allerdings vorgewarnt sein, dass hier auch menschliche Organe in GlÄsern aufbewahrt werden. Dieses kleine, eigenartige Museum ist Über 32 enge und wackelige Treppenstufen zu erreichen, daher ist es leider nicht behindertengerecht.
Whitechapel Art GalleryDie Whitechapel Art Gallery ist eines der interessantesten und fesselndsten Londoner Museen fÜr zeitgenÖssische Kunst. Hinter der Jugendstil-Fassade und -Eingangshalle finden turnusmÄßig wechselnde Ausstellungen von Fotos, Bildern, Skulpturen und Videokunst sowie WohltÄtigkeitsveranstaltungen, Poesielesungen und bildende Programme statt.
Es beschrÄnkt sich nicht nur auf die Ausstellung von etablierten und gerade in Erscheinung getretenen KÜnstlern - von Gary Hume und Liam Gillick bis zu Frida Kahlo und Nan Goldin. Es finden hier nÄmlich auch regelmÄßig Diskussionen und GesprÄche mit Musikern und Filmemachern statt, u.a. wurden schon David Byrne und Robert Altman eingeladen. Sehen Sie sich das Programm im Internet an, denken Sie aber daran, dass es stets das sehr angenehme Whitechapel Art Gallery Cafe gibt, egal was lÄuft.
British Airways London EyeDas kolossale London Eye (auch Millennium Wheel genannt) ist 135 m hoch, das grÖßte Riesenrad der Welt und Londons vierthÖchste Konstruktion. Es ist eine berauschende Erfahrung, in einer der 32 geschlossenen Glasgondeln zu sitzen und an klaren Tagen 40 km weit Über die Hauptstadt zu blicken.
Das London Eye befindet sich an der sÜdwestlichen Ecke der Jubilee Gardens, wo 1951 das Festival of Britain stattfand. Heute erstreckt sich der Park in nÖrdliche Richtung bis zur Hungerford Bridge. Eine komplette Umdrehung des Millennium Wheel dauert ganze 30 Minuten und jede Kapsel fasst 25 Passagiere.
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