Geschichte

Die Newari, deren Ursprünge im Dunkeln liegen, gelten als die Ureinwohner des Kathmandutals. Sie sprechen eine tibeto-birmanische Sprache, ihr Aussehen variiert von ausgesprochen mongolischen bis hin zu indisch-arischen Zügen. Offensichtlich ist das Kathmandutal lange Zeit ein Schmelztiegel unterschiedlicher Rassen und Kulturen aus Ost und West gewesen, aus dem eine Kultursymbiose hervorgegangen ist, die sich in den wunderbaren Kunstwerken und der einzigartigen Architektur der Newari im Kathmandutal manifestiert.

Das goldene Zeitalter der Newari lag im 17. Jahrhundert; in jener Zeit war Nepal ein lebenswichtiges Glied in der Handelskette zwischen Tibet und den nordindischen Ebenen und das Kathmandutal von kleinen Stadtstaaten geprägt. Die sichtbar gewordene Geschichte des Tals ist unauflösbar mit den Malla-Königen verbunden: Da die Städte heftig miteinander konkurrierten, dauerte es selten lange, bis eine bahnbrechende architektonische Errungenschaft überall im Tal Verbreitung fand, und somit entstanden während der Regierungszeit der Malla und speziell im 17. und 18. Jahrhundert die meisten der wunderschönen Tempel und Paläste im Tal.

Die Vereinigung Nepals im Jahr 1768 durch den Gurkha-König Prithvi Narayan Shah bedeutete das Ende der Kleinstaaterei im Kathmandutal. Das Nepali, eine indo-europäische Sprache, die von den Khasa im westlichen Nepal gesprochen wurde, verdrängte das Newari als offizielle Landessprache. 1816 schlossen die Shahs Nepals Grenzen und sorgten für die Isolierung des Landes, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts aufrechterhalten wurde. 1846 kam es zum blutigen Kot-Massaker, bei dem 100 der politisch bedeutsamsten Persönlichkeiten Kathmandus auf dem Durbar Square öffentlich exekutiert wurden. Die Shah-Dynastie war am Ende, und das Regime der Rana begann.

Die Rana waren von der Isolationspolitik der Shahs nicht sonderlich überzeugt. Bereits der erste Rana-Maharaja reiste mit großem Gefolge nach Europa, um Königin Viktoria seine Aufwartung zu machen und im spießigen England für Aufregung zu sorgen. Die Rana waren von der Architektur der europäischen Städte derart beeindruckt, dass sie auch bei sich zu Hause klassizistische Bauwerke wie den Singha Durbar von 1904 schufen. Sie kleideten sich wie Angehörige der europäischen Königshäuser und importierten die jüngsten Errungenschaften, die allerdings nie den Weg bis in die einfachen Häuser ihrer Untertanen fanden. In jener Zeit königlicher Extravaganzen wurde das Volk in Kathmandu immer ärmer und das Kastensystem der Hindus immer strenger - während andererseits Menschenopfer, Sklaverei und Witwenverbrennung abgeschafft wurden.

Am 15. Januar 1934 erschütterte ein gewaltiges Erdbeben das Kathmandutal; 4296 Menschen wurden getötet und ein Großteil der Tempel und Paläste Kathmandus zerstört. Ermutigt durch die Unabhängigkeitsbewegung in Indien begannen die Nepali zu revoltieren - zwischen den entmachteten Shahs, den Gurkha-Regimentern und den unzufriedenen, weniger begüterten Familien des Rana-Clans hatte sich eine Allianz gebildet. Im November 1950 kam es zum Aufstand. König Tribhuvan aus der Shah-Dynastie wurde 1951 zum Herrscher gesalbt und bildete eine Regierung aus Rana und Mitgliedern der neu gegründeten Nepali Congress-Partei. Die Macht allerdings blieb in Händen einer Partei, nämlich der des Königs. Im Jahr 1989 gab der König schließlich nach monatelangen Ausschreitungen den Weg zur Demokratie frei.

Die erste, befestigte Straße zwischen Kathmandu und Indien datiert aus dem Jahr 1956. Zehn Jahre später wurde eine weitere Schnellstraße fertig gestellt, und 1974 gab es die ersten internationalen Flugverbindungen. Ab den 1960er Jahren starteten ausländische Hilfsmaßnahmen, es kamen Entwicklungshelfer und neuer Wohlstand in die Stadt. Kathmandus Bevölkerung verdreifachte sich innerhalb von 20 Jahren, die Stadt expandierte unaufhörlich, da moderne, den Ansprüchen von Ausländern genügende Häuser und Wohnraum für Zuwanderer aus ländlichen Gebieten benötigt wurden. In den 60er Jahren begann der Zustrom von Touristen, die auf der Suche nach dem einfachen Leben waren und sich in den östlichen Religionen Anworten auf die Sinnfragen des Lebens erhofften. Die Freak Street wurde zum Dreh- und Angelpunkt der Hippies, die einen riesigen Markt für Drogen aller Art, unzählige Philosophien und schöne Träume in allen nur denkbaren Variationen schufen. Kathmandu war zum Touristenmekka geworden, zum Standort für eine expandierende Trekkingindustrie.

Obschon zweifellos mehr Geld im Umlauf ist als früher, bleibt es doch größtenteils in den Taschen der Oberschicht - Kathmandu hat eine der höchsten Inflationsraten in Asien, so dass die Lebenshaltungkosten das Budget eines Durchschnittsbürgers stark strapazieren. Bildungsstand und Gesundheitswesen sind in den letzen 20 Jahren besser, aber noch lange nicht zufriedenstellend geworden. Hinzugekommen sind in jüngster Zeit ein wachsendes Heroinproblem und verheerende Luftverschmutzung.

Das politische Durcheinander in ganz Nepal prägt auch die Hauptstadt. Nach der Ermordung des Königs und zahlreicher Mitglieder der Königsfamilie im Juni 2001 brach auf den Straßen vielerorts Aufruhr aus. Auch das neue Backpacker-Viertel, Thamel, war von den Aufständen betroffen. In der ganzen Stadt wurde eine Ausgangssperre verhängt. Das Bild von Kathmandu als friedliche Stadt im Himmel scheint nun für immer zerstört, und Nepals Beziehungen mit dem Rest der Welt sind in einer empfindlichen Phase.

Obwohl mehr Geld im Umlauf ist als früher, bleibt es doch größtenteils in den Taschen der Oberschicht - Kathmandu hat eine der höchsten Inflationsraten in Asien, so dass die Lebenshaltungskosten das Budget eines Durchschnittsbürgers stark strapazieren. Bildungsstand und Gesundheitswesen sind in den letzten 20 Jahren besser, aber noch lange nicht zufrieden stellend geworden. Hinzugekommen sind in jüngster Zeit ein wachsendes Heroinproblem und verheerende Luftverschmutzung.

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