Geschichte

Indiens erste grÖßere Zivilisation hat sich etwa im Jahre 2500 v. Chr. im Industal gebildet und bestand ungefÄhr tausend Jahre lang. Die großen StÄdte dieser Zeit waren Mohenjodaro und Harappa (heute in Pakistan), wo eine komplexe, von Priestern angefÜhrte Zivilisation herrschte, die bereits die Wurzeln des Hinduismus in sich barg. Zwischen 1500 und 200 v. Chr. drangen arische Invasoren von Zentralasien nach SÜden vor, sicherten sich die Macht Über Nordindien und verdrÄngten die ursprÜnglichen dravidischen Einwohner nach SÜden.

Die Invasoren brachten ihre GÖtter, die Viehzucht und ihre Tradition des Fleischverzehrs mit, wurden aber in einem so starken Maße assimiliert, dass die Priesterkaste im 8. Jahrhundert v. Chr. wieder die Oberherrschaft errungen hat. Ihre Macht wurde im Kastensystem gefestigt, dessen Hierarchie durch strenge Regeln erhalten wurde, welche die Vorrangstellung der brahmanischen Priester gewÄhrleisteten. Der Buddhismus entwickelte sich um 500 v. Chr. und stellte die grÖßte Herausforderung fÜr den brahmanischen Hinduismus dar, da er das Kastenwesen verurteilte. Eine ganz maßgebliche Rolle begann der Buddhismus im 3. Jh. v. Chr. zu spielen, als er vom Maurya-Herrscher Ashoka angenommen wurde, der Über große Gebiete Indiens herrschte.

Nach dem Niedergang der Mauryas entstanden und fielen im Norden zahlreiche Reiche, die Guptas eingeschlossen. Von 40 bis 600 n. Chr. erlebte der Hinduismus einen Wiederaufschwung und der Buddhismus verlor an Boden. Der Norden Indiens zerfiel nach der Invasion der Hunnen in eine Reihe unabhÄngiger Hindu-KÖnigtÜmer und erlebte erst mit der Ankunft der Moslems eine im 10. und 11. Jh. eine wirkliche Vereinigung. Der tiefe SÜden Indiens, dessen Wohlstand auf dem Handel mit den Ägyptern, RÖmern und mit SÜdostasien beruhte, blieb von den Tumulten im Norden unberÜhrt und der Hinduismus war in dieser Region nie bedroht.

Im Jahre 1192 zogen die moslemischen Ghurs aus Afghanistan ein. Obwohl es dem Islam misslang, in den SÜden vorzudringen, war die gesamte Ganges-Ebene innerhalb von 20 Jahren unter islamischer Kontrolle. Es entwickelten sich zwei große KÖnigreiche in der Region, in der sich heute Karnataka befindet: das mÄchtige Hindu-KÖnigreich Vijayanagar mit der schÖnen Hauptstadt Hampi und das muslimische KÖnigreich der Bahmani.

Die Mogul-Herrscher marschierten von Afghanistan in den Punjab, besiegten im Jahre 1525 den Sultan von Delhi und lÄuteten ein weiteres goldenes Zeitalter fÜr die Kunst ein. Im 17. Jh. wuchs das Maratha-Reich stetig an und Übernahm nach und nach weitere Teile des Herrschaftsbereichs der Moguln. Die Marathas festigten ihre Herrschaft Über Zentralindien, bis sie der letzten großen imperialen Macht, den Briten, unterlagen.

Großbritannien war aber nicht die einzige europÄische Macht, die in Indien prÄsent war: Die Portugiesen kontrollierten seit 1510 Goa (noch bevor die Moguln Überhaupt in Indien angekommen waren) und sowohl die Franzosen und DÄnen als auch die NiederlÄnder unterhielten Handelsposten. Als die Briten im Jahre 1803 die Marathas ÜberwÄltigten, befanden sich die meisten LÄnder unter der Kontrolle der britischen East India Company, welche im Jahre 1612 in Gujarat einen Handelsposten eingerichtet hatte.

Die Briten sahen in Indien in erster Linie ein Land, in dem Geld zu machen war. Seine Kultur, sein Glauben und seine Religionen blieben daher weitgehend unangetastet. Sie dehnten den Eisen- und Kohlebergbau aus, richteten Tee-, Kaffee- und Baumwollplantagen ein und begannen mit dem Bau des riesigen indischen Schienennetzes. Sie begÜnstigten die so genannten "absentee landlords" (Großgrundbesitzer), die nicht auf ihrem Land lebten und dadurch die Verwaltung und Steuereinziehung erleichterten. So entstand eine verarmte, landlose Bauernschaft - ein Problem, das bis heute in Bihar und West-Bengalen besteht. Der Aufstand von 1857 (auch Erster UnabhÄngigkeitskrieg genannt) in Nordindien fÜhrte zur AuflÖsung der East India Company, und so wurde die Verwaltung des Landes der britischen Regierung Übergeben.

Eine ernsthafte Opposition gegen die britische Herrschaft bildete sich am Übergang zum 20. Jahrhundert. Der "Congress", eine politische Gruppierung, die gegrÜndet worden war, um Indien ein gewisses Maß an Regierungsverantwortung zu geben, begann nun, auf wirkliche Autonomie zu drÄngen. Im Jahre 1915 kehrte Gandhi aus SÜdafrika zurÜck, wo er als Anwalt tÄtig gewesen war, und widmete sich nun der Frage der UnabhÄngigkeit, indem er eine Strategie des passiven Widerstands gegen die Briten oder satyagraha verfolgte.

Der Zweite Weltkrieg verpasste dem Kolonialismus seinen Todesstoß und die indische UnabhÄngigkeit wurde unumgÄnglich. Innerhalb Indiens wurde der großen muslimischen Minderheit jedoch allmÄhlich klar, dass ein unabhÄngiges Indien vom Hinduismus beherrscht werden wÜrde. Der Kommunalismus verbreitete sich mehr und mehr, wobei die von Muhammad Ali Jinnah angefÜhrte Muslim League die meisten Moslems reprÄsentierte und die Congress-Partei unter Jawaharlal Nehru die Hindu-BevÖlkerung vertrat. Das Bestreben nach einer unabhÄngigen islamischen Nation war der grÖßte Fehltritt und ließ die Briten dabei zÖgern, Indien die UnabhÄngigkeit zu gewÄhren.

Angesichts einer drohenden politischen Sackgasse und wachsender Spannungen beschloss der VizekÖnig Lord Louis Mountbatten widerstrebend, das Land zu teilen, und stellte einen Zeitplan fÜr eine zÜgige UnabhÄngigkeit auf. UngÜnstigerweise lagen die Gebiete mit Überwiegend muslimischer BevÖlkerung in zwei verschiedenen Ecken des Landes, was bedeutete, dass die neue islamische Nation Pakistan durch ein feindlich gesonnenes Indien getrennt werden wÜrde. Als schließlich die Trennlinie verkÜndet wurde, vollzog sich der grÖßte Exodus der Menschheitsgeschichte: Moslems zogen nach Pakistan und Hindus und Sikhs zurÜck nach Indien. Über 10 Millionen Menschen wechselten die Seite und selbst die konservativsten SchÄtzungen gehen davon aus, dass dabei 250 000 Menschen einen grausamen Tod gefunden haben. Gandhi war tief betrÜbt Über die Teilung und das darauf folgende Blutvergießen. Am 30. Januar 1948 wurde er dann von einem fanatischen Hindu ermordet.

Nach dem Trauma der Teilung (Partition) trat Indiens erster Premierminister Jawaharlal Nehru fÜr eine sÄkulare Verfassung, eine sozialistische Planwirtschaft und eine strikte Politik der Blockfreiheit ein. Indien entschied sich fÜr die Mitgliedschaft im Commonwealth, nÄherte sich jedoch der damaligen Sowjetunion an, was sowohl auf den Konflikten mit China als auch auf der UnterstÜtzung des Erzfeinds Pakistan seitens der USA beruhte, welches Indien wegen dessen Anspruch auf das von Moslems dominierte Kaschmir besonders feindlich gegenÜberstand. In den Jahren 1965 und 1971 kam es zu schweren ZusammenstÖßen mit Pakistan.

Beim nÄchsten Premierminister von Format handelte es sich um Nehrus Tochter - Indira Gandhi -, die 1966 gewÄhlt wurde. Obwohl sie auch heute noch immer hoch geachtet wird, ist sie einigen jedoch ein Dorn im Auge, da sie an Indiens demokratischen Grundmauern rÜhrte, als sie 1975 den Ausnahmezustand erklÄrte. Indira Gandhi wurde im Jahre 1984 von ihren Sikh-LeibwÄchtern ermordet, wodurch ihr Einsatz der indischen Armee zur Vertreibung bewaffneter, radikaler Sikhs aus dem Goldenen Tempel in Amritsar vergolten werden sollte. Aber die indische Politik blieb weiterhin in den HÄnden der Gandhi-Dynastie: Ihr Sohn Rajiv Übernahm nun die Macht.

Trotz seines augrund von verÖffentlichten Korruptionsskandalen getrÜbten Rufes brachte Rajiv neue und pragmatische politische Ideen ins Land. AuslÄndische Investitionen und der Einsatz moderner Technologie wurden gefÖrdert, ImportbeschrÄnkungen gelockert und zahlreiche neue Industriezweige aufgebaut. Diese Maßnahmen katapultierten Indien zweifelsohne in die 90er Jahre und aus seiner teilweise selbst herbeigefÜhrten Isolation heraus, dienten aber wenig dazu, Indiens riesigen Agrarsektor voranzubringen. Rajiv wurde wÄhrend einer Wahlkampftour in Tamil Nadu von einem AnhÄnger der srilankischen Tamil Tigers ermordet.

Die Gefahren des Kommunalismus in Indien wurden im Jahre 1992 deutlich, als eine Hindu-Meute eine angeblich auf der GeburtsstÄtte Ramas in Ayodhya errichtete Moschee stÜrmten und zerstÖrten. Der hinduistische Nationalist Bharatiya Janata Party (BJP) nutze diese Gelegenheit ungeniert und fÜhrte verschiedene ungleiche Koalitionen an die Macht. Trotz der Gefahren der kommunalistischen Politik zog die traditionalistische Hindu-Haltung der BJP zahlreiche WÄhler an, da sich viele Sorgen um die Beibehaltung der traditionellen Werte unter den plÖtzlichen modernen EinflÜsse machten.

Im Jahre 1998 testete Indien seine ersten Nuklearwaffen. Trotz der internationaler EmpÖrung wurden die Atomtests von der indischen BevÖlkerung weithin bejubelt und trugen der Bharatiya Janata Party (BJP) viel Sympathie ein. Bis zum April 1999 hatte der Premierminister Vajpayee seine Mehrheit im Parlament allerdings eingebÜßt, was ihn zu einem Misstrauensvotum zwang, das er mit nur einer Stimme verlor. Nun erwartete alle Welt, die gebÜrtige Italienerin Sonia Ghandi, Rajiv Ghandis Witwe, wÜrde die Congress-Partei zum Sieg fÜhren. Ihr Versuch, sich eine Koalition mit der Mehrheit der Sitze zu sichern, schlug allerdings fehl, so dass die Inder innerhalb von drei Jahren dreimal zu den Wahlurnen gerufen werden mussten. Schließlich wurde die BJP wiedergewÄhlt, bÜßte dabei jedoch einen Teil ihrer Mehrheit ein.

Seitdem flammen die Spannungen zwischen Indien und Pakistan periodisch immer wieder auf und selbst AnnÄherungsversuche auf hÖchster politischer Ebene haben bislang wenig Einfluss gehabt. Im Januar 2001 wurden bei einem Erdbeben in Gujarat 20 000 Menschen getÖtet und Über eine halbe Million Menschen wurden obdachlos. Im Dezember des gleichen Jahres stÜrmten bewaffnete Verbrecher das Nationalparlament und tÖteten 13 Menschen, wÄhrend in Gujarat ein Jahr nach dem Erbeben Hunderte von Menschen in Auseinandersetzungen zwischen Moslems und Hindus den Tod fanden.

Im Jahre 2002 drohte sich das SÄbelrasseln an der Grenze zwischen Indien und Pakistan zu einem echten Krieg auszuweiten, als beide LÄnder in der Region nukleare SprengkÖpfe testeten und in Sachen Kaschmir ihren Standpunkt zu dem moralisch einzig vertretbaren erklÄrten. Die USA und Großbritannien forderten ihre BÜrger auf, Indien und Pakistan zu verlassen, nachdem die diplomatischen BemÜhungen um eine Beilegung der Krise nicht vorangekommen waren. GlÜcklicherweise erklÄrten beide LÄnder Ende 2003 einen Waffenstillstand und nahmen auch den direkten Luftverkehr wieder auf. DarÜber hinaus nahm die indische Regierung sogar historische GesprÄche mit den Separatisten Kaschmirs auf.

Im Jahre 2004 standen erneute Parlamentswahlen an und allgemein wurde davon ausgegangen, dass die BJP bestÄtigt werden wÜrde. Die Congress-Partei wurde wieder von Sonia Gandhi gefÜhrt und erhielt bei ihrem intensiv gefÜhrten Wahlkampf Überraschend viel UnterstÜtzung von der BevÖlkerung. Sie war sogar so erfolgreich, dass die herrschende BJP zum ersten Mal nach fast 10 Jahren wieder besiegt werden konnte. Da sie aber um ihr Wohlergehen besorgt war und sich den Problemen bewusst war, die ihre nicht-indische Herkunft mit sich bringen wÜrde, verzichtete Sonia Gandhi auf das Amt der Premierministerin, was Schockwellen durch ihre Partei sandte. Schließlich nominierte sie den Anti-KorruptionskÄmpfer und Wirtschaftsreformer Manmohan Singh als Kandidaten fÜr das Amt des Premierministers.

Im Jahre 2004 wurden beim Tsunami im Indischen Ozean Über 15 000 Menschen getÖtet und es entstanden große SchÄden entlang der sÜdÖstlichen KÜste des Landes. Die schwersten SchÄden wurden an der zentralen KÜste von Tamil Nadu und auf den Inseln Andaman und Nicobar angerichtet. Auch die Bundesstaaten Pondicherry und Kerala wurden stark getroffen. Die indische Regierung stellte die grundlegenden Hilfsmittel und behelfsmÄßige UnterbringungsmÖglichkeiten zur VerfÜgung, wobei sie von der Weltbank mit einer halben Milliarde $US unterstÜtzt wurde, was eine schnelle Erholung des Landes ermÖglicht hat.

In den letzten Jahren ist es Premierminister Singh gelungen, Indiens diplomatischen Beziehungen sowie seine Handelsbeziehungen zu stÄrken. Im Besonderen gilt dies fÜr seine ehemaligen Gegner Pakistan, China und die USA. Im Juli 2006 wurden bei dem schlimmsten terroristischen Bombenattentat des letzten Jahrzehnts in verschiedenen NahverkehrszÜgen Mumbais fast 200 Menschen getÖtet. Im Februar 2007 wurden bei einem Ähnlichen Attentat auf den Samjauta Express, der zwischen Delhi und Lahore verkehrt, Über 60 Menschen getÖtet. Obwohl die Attentate pakistanischen Militanten zugeschrieben werden, setzt Indien weiterhin positive Beziehung zu seinen Nachbarn fort. In diesem Zusammenhang wurden auch die GrenzÜbergÄnge fÜr den Busverkehr geÖffnet. Trotz der AufstÄnde linksgerichteter Naxaliten im Nordosten, im Zentrum und im SÜden floriert die nationale Wirtschaft weiter und die weltweit grÖßte Demokratie nimmt eine immer wichtigere Rollen auf dem globalen Markt ein.

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