Geschichte

In Copán im westlichen Honduras finden sich Hinweise auf Mayasiedlungen, die mindestens seit 1000 v. Chr. existierten, doch wie andere Maya-Stadtstaaten auch wurden sie mysteriÖserweise etwa 900 n. Chr. aufgegeben. Im Jahre 1502 betrat Kolumbus bei Trujillo im nÖrdlichen Honduras erstmals amerikanisches Festland. Er benannte das Land nach den tiefen GewÄssern vor der KaribikkÜste (Honduras bedeutet 'Tiefen'). 1525 ließen sich die Spanier in Trujillo nieder, verlegten sich jedoch schon bald auf die Kolonialisierung des kÜhleren Hochlands. 1537 grÜndeten sie bei Comayagua in Zentral-Honduras eine Hauptstadt. Diese war die folgenden 350 Jahre das religiÖse Zentrum des Landes, bis Tegucigalpa 1880 neue Hauptstadt wurde.

Die Ureinwohner des Landes widersetzten sich dem spanischen Kolonialismus; einigen Berichten zufolge wÄre es ihnen beinahe gelungen, die Eindringlinge vom Festland zu vertreiben. Lempira, ein HÄuptling der Lenca, fÜhrte 30.000 Indianer gegen die Spanier, doch 1538 wurde er bei FriedensgesprÄchen heimtÜckisch ermordet; im folgenden Jahr wurde der Widerstand zerschlagen. Nahe Tegucigalpa wurden 1570 Gold- und Silbervorkommen entdeckt; dies lockte britische und niederlÄndische Piraten an, die die Handelsschiffe auf den nahegelegenen Seefahrtsrouten terrorisierten. Um 1600 schÄtzten die Spanier die Zahl der in Roatán ansÄssigen britischen SeerÄuber auf 5000. Trujillo wurde 1643 von niederlÄndischen Piraten geplÜndert und erst 1787 wieder von den Spaniern besiedelt.

WÄhrend Spanien sich aufs Binnenland konzentrierte, fÜhlten die Briten sich von der KaribikkÜste mit ihren MahagonibestÄnden angezogen – fÜr die Holzernte wurden schwarze Siedler von Jamaika und anderen Westindischen Inseln geholt. Auf das Ersuchen von Miskito-HÄuptlingen hin wurde die gesamte KÜstenregion von Honduras und bis nach Nicaragua hinein zum britischen Protektorat erklÄrt. Dabei blieb es bis 1859, dann wurde das Gebiet in die neu gegrÜndete Republik Honduras entlassen.

1821 wurde Honduras von Spanien unabhÄngig. Nachdem es fÜr kurze Zeit Teil des unabhÄngigen Mexiko geworden war, trat es schließlich der Zentralamerikanischen KonfÖderation bei. Konflikte zwischen Konservativen und Liberalen fÜhrten jedoch zum Austritt aus dem BÜndnis, und 1838 erklÄrte Honduras seine UnabhÄngigkeit als selbstÄndige Nation. Es folgten stÄndige Machtwechsel zwischen den beiden politischen Lagern und eine Reihe von MilitÄrregimes. Hunderte von Putschen, Rebellionen, "UnregelmÄßigkeiten" bei Wahlen und skrupellose Manipulationen prÄgten die Zeit seit der UnabhÄngigkeit. Als besonders niedertrÄchtige Gestalt erwies sich der berÜchtigte Nordamerikaner William Walker, der in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts einfiel. Sein verhÄngnisvoller Versuch, Mittelamerika unter seine Gewalt zu bringen, endete jedoch mit seiner Niederlage – und Exekution – in Trujillo.

Gegen Ende des 19 Jahrhunderts kauften große US-amerikanische Obsterzeuger Land an der fruchtbaren NordkÜste, um die Heimat mit Bananenimporten zu versorgen. Schließlich waren 75 % aller honduranischen Bananenpflanzungen im Besitz dreier US-Unternehmen (Standard Fruit, Cuyamel Fruit und United Fruit). Da Bananen in Honduras 1913 einen Anteil von 66 % am Gesamtexport hatten, fÜhrte dies zu einer extremen Machstellung der US-Unternehmen. Jeder Obstkonzern verbÜndete sich mit einem der einheimischen politischen Lager – die daraus erwachsenden RivalitÄten prÄgten die honduranische Politik in der ersten HÄlfte des 20. Jahrhunderts.

1969 kam es zu einem kurzen Krieg zwischen Honduras und El Salvador. Der inzwischen zu einiger BerÜhmtheit gelangte "Guerra del Fútbol" (Fußballkrieg) begann wÄhrend eines WM-Qualifikationsspiels. AuslÖser war die angeblich schlechte Behandlung von Einwanderern aus El Salvador in Honduras. Der Krieg dauerte nur 100 Stunden, doch die Beziehungen der NachbarlÄnder litten jahrzehntelang.

WÄhrend der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war Honduras von den Unruheherden Nicaragua, El Salvador und Guatemala umgeben. Nach dem Sturz des nicaraguanischen Diktators durch die Sandinisten wurde das Land zu einer ZufluchtsstÄtte fÜr die Contras. Starker US-Einfluss, Hilfsprogramme und militÄrische UnterstÜtzung sorgten in dieser Zeit fÜr StabilitÄt in Honduras, wÄhrend Nicaragua destabilisiert werden sollte. DarÜber hinaus trainierten die USA hier salvadorianische Soldaten in Camps fÜr FlÜchtlinge aus El Salvador. Als dies alles Öffentlich bekannt wurde, war die BevÖlkerung zutiefst empÖrt. Die Regierung verweigerte die Unterschrift unter eine weitere militÄrische Vereinbarung mit den USA und forderte den Abzug der Contras aus Honduras.

Im November 1998 wurde Honduras vom Hurrikan Mitch verwÜstet. In den folgenden drei Tagen verursachte starker Regen Erdrutsche und Überschwemmungen, die Tausende das Leben kosteten und jede einzelne BrÜcke im Land zerstÖrten. Als der Río Choluteca Über die Ufer trat, richtete er in Tegucigalpa schwere SchÄden an, riss ganze Slumviertel mit sich flussabwÄrts und ließ einen Ozean aus Schlamm zurÜck. Im Jahr 2000 war das Chaos, das Mitch hinterlassen hatte, beseitigt, doch die umweltschÄdlichen Praktiken, welche die Folgen der Überschwemmung noch verschlimmert hatten – FlÄchenrodung, Monokulturen und ungebremste Ausbreitung der StÄdte – wurden beibehalten.

2001 gewann der Konservative Ricardo Maduro die PrÄsidentschaftswahlen mit Versprechungen, die KriminalitÄt zu bekÄmpfen – besonders die gewalttÄtiger Banden – und den Tourismus zu fÖrdern. Seine als Mano Dura (harte Hand) bekannten Maßnahmen gegen die BandenkriminalitÄt fÜhrten tatsÄchlich zu einem RÜckgang der von Banden verÜbten Morde, doch viele Menschenrechtsorganisationen kritisierten sie als zu weitgehend: PolizeikrÄften war das Eindringen in PrivathÄuser gestattet, Misshandlungen durch Polizei und GefÄngnisse wurde großzÜgig Übersehen.

Im Jahr 2005 hieß der Sieger der PrÄsidentschaftswahl dann Manuel 'Mel' Zelaya von der oppositionellen Liberalen Partei (PLH); seine Versprechen sind die Fortsetzung von Maduros Anti-Gang-Maßnahmen (die nach wie vor die Zustimmung der BevÖlkerung finden) und die Schaffung neuer ArbeitsplÄtze. Zelaya sorgt fÜr die EinfÜhrung des „Central America and Dominican Republic Free Trade Agreement“ (CAFTA-DR) in Honduras. Mit dem Abkommen sollen Handelsbarrieren zwischen den USA und den teilnehmenden Staaten abgebaut werden. Kritiker des Programms befÜrchten SchÄden fÜr kleine GeschÄftsleute und Bauern, doch diese Bedenken werden durch Versprechen wie die Zusage zur Errichtung weitrer maquilas (Textilfabriken) wie denen nÖrdlich von San Pedro Sula - die mehr als 100.000 Honduraner beschÄftigen - ÜbertÖnt.

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