Geschichte

Die ersten Polynesier kamen vermutlich von den Marquesas-Inseln im SÜdpazifik und siedelten sich zwischen 500 und 600 n. Chr. auf der hawaiischen Inselkette an. Sie fÜhrten eine friedliche Existenz, bis im Jahre 1000 neue Einwanderer aus Tahiti eintrafen, die ihre eigenen GebrÄuche, Religion und eine strenge gesellschaftliche Ordnung einfÜhrten. Der nachweislich erste EuropÄer, der den Boden der Inseln betrat, war der britische Entdecker Captain James Cook im Jahre 1778. Cook nannte das hawaiische Archipel zu Ehren des Earl von Sandwich „Sandwich-Inseln“. Cook wurde zunÄchst als der legendÄre Lono verehrt, Gott der Fruchtbarkeit und des Friedens, doch fÜhrte eine verhÄngnisvolle Verkettung unglÜcklicher UmstÄnde dazu, dass er in der Kealakekua-Bucht auf Big Island ermordet wurde.

Zeuge von Cooks Tod war ein grimmiger Krieger, bekannt als KÖnig Kamehameha bzw. Kamehameha der Große. Er sollte in der Folge die Inseln vereinigen und die hawaiische Monarchie begrÜnden. Kamehameha betrieb einen lukrativen Handel mit amerikanischen Seefahrern, die an den SandelholzbestÄnden Hawaiis interessiert waren. Immer mehr Schiffe fanden den Weg in den neuen Hafen, und an den KÜsten der Hawaii-Inseln begann sich eine auslÄndische PrÄsenz zu etablieren. Um 1820 trafen erstmals nordamerikanische WalfÄnger auf der Suche nach Wein, Weib und Gesang in den hawaiischen HÄfen ein. In den folgenden 50 Jahren entwickelte sich Hawaii zum Zentrum des Walfangs im pazifischen Raum, der das große Geld auf die Inseln brachte. Den zÜgellosen Exzessen der WalfÄnger wurde durch die PrÄsenz christlicher Missionare ein Ende bereitet, die sich mit dem hawaiischen Hof anfreundeten und etwas feinere westliche Sitten einzufÜhren versuchten.

Mitte des 19. Jahrhunderts begrÜndeten Nachfahren der Missionare die hawaiische Zuckerindustrie. Da die einheimische UrbevÖlkerung zahlenmÄßig stark abgenommen hatte, begannen sich die Plantagenbesitzer schon bald in Übersee nach neuen ArbeitskrÄften umzusehen. FÜndig wurden sie in China, spÄter in Japan, Portugal, Puerto Rico und Korea und schließlich auch auf den Philippinen. Mit dem Ausbau der Zuckerindustrie auf Hawaii wuchs auch der Einfluss der USA auf die Angelegenheiten der Inseln. Um die Erhebung von ZÖllen zu umgehen, riefen die Zuckerbarone eine provisorische Regierung aus, die letztlich zum Sturz der Monarchie fÜhrte. Im Jahre 1900 wurde Hawaii offiziell zu US-Territorium erklÄrt.

Die Bedeutung der Inselgruppe fÜr die USA wuchs, als die US-Kriegsmarine eine riesige MilitÄrbasis in Pearl Harbor errichtete. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 gab fÜr die USA endgÜltig den Ausschlag, in den II. Weltkrieg einzugreifen. Nach dem Krieg durchgefÜhrte Meinungsumfragen kamen zu dem Ergebnis, dass mehr als 90 % der BevÖlkerung Hawaiis einen Status als US-Bundesstaat befÜrworteten. Am 21. August 1959 wurde Hawaii 50. Bundesstaat der USA.

In den darauf folgenden Jahren entwickelte sich Hawaii zu einem bedeutenden Tourismusziel, Hotelanlagen, GolfplÄtze und Einkaufszentren entstanden. Um den negativen Folgen dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurden Staatsparks, Wildreservate und Wasserschutzgebiete eingerichtet. In den 70er Jahren sorgte eine kulturelle Renaissance fÜr eine Wiederbelebung der traditionellen hawaiischen Kultur als Gegengewicht zu den Klischees der ReisebroschÜren.

In jÜngerer Vergangenheit ist die Frage der UnabhÄngigkeit zu einem politischen SchlÜsselthema geworden. WÄhrend einige hawaiische Gruppen die WiedereinfÜhrung der Monarchie fordern, befÜrworten andere einheimische Fraktionen die GrÜndung einer hawaiischen Nation innerhalb der USA und die RÜckgabe des Landes, das der Krone durch die Annexion geraubt worden war. Im November 1993 unterzeichnete US-PrÄsident Bill Clinton eine Resolution, in der sich die USA offiziell fÜr den Sturz der hawaiischen Monarchie 100 Jahre zuvor entschuldigten. Im Jahr 2000 hob ein Gerichtsbeschluss verschiedene staatliche und bundesstaatliche Privilegien, die man den eingeborenen Hawaiianern einst eingerÄumt hatte, mit der BegrÜndung auf, sie basierten auf der RassenzugehÖrigkeit und seien somit verfassungswidrig.

Mitte der 1990er Jahre endete die ZuckerÄra in Hawaii, und der Tourismus wurde neben Landwirtschaftserzeugnissen wie Kaffee und MacadamianÜssen zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor. Zu den aktuell diskutierten Themen gehÖren der rasant zunehmende Straßenverkehr auf den vier grÖßten Inseln und schwindelerregende Immobilienpreise, die Einheimische aus dem Markt drÄngen.

Lonely Planet

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