Geschichte

Havanna wurde im Jahre 1519 an seinem heutigen Standort an einem geschÜtzten Naturhafen gegrÜndet, nachdem mehrere Versuche fehlgeschlagen waren, eine Stadt auf dem sumpfigen GelÄnde in der Umgebung zu errichten. Aufgrund seiner abgeschiedenen Lage eignete sich die Stadt zunÄchst nicht als Verwaltungszentrum des Landes, wohl aber als perfekter Sammelplatz und Zwischenstation fÜr die aus Mexiko und Peru kommenden, mit SchÄtzen beladenen spanischen Schiffe, die von hier aus jÄhrlich in Richtung Heimat ausliefen. Havanna wurde als „Tor zur Neuen Welt“ zum Vorposten des riesigen spanischen Kolonialreiches und 1607 zur Hauptstadt Kubas.

Als Spanien 1762 in den Siebentageskrieg zwischen Großbritannien und Frankreich verwickelt wurde, eroberten die Briten Havanna, hielten die Stadt elf Monate in ihrem Besitz und tauschten sie anschließend gegen Florida ein. Das wiedergewonnene Havanna entwickelte sich daraufhin zur am stÄrksten befestigten Stadt in der Neuen Welt. Nicht zuletzt der Liberalisierung des Handels war es zu verdanken, dass Havanna wÄhrend des 18. und 19. Jh. kontinuierlich wuchs. Die Stadt selbst nahm wÄhrend der verheerenden UnabhÄngigkeitskriege in der zweiten HÄlfte des 18. Jh. keinen Schaden und ist daher heute die mit Abstand am besten erhaltene „spanische“ Stadt auf dem amerikanischen Kontinent.

Zur Zeit der Prohibition in den USA erlebte Havanna (das nur 145 km von der zu jener Zeit empfindlich trockenen KÜste Floridas entfernt ist) eine BlÜtezeit als Zufluchtsort fÜr AngehÖrige des Jet-Set, zwielichtige Charaktere und all diejenigen, denen der Sinn nach einer guten Flasche Rum, einer aromatischen Zigarre und ein bisschen flotter Salsamusik stand. Luxushotels wie das Capri und Nacional schossen vor dem Hintergrund des tropischen Sonnenuntergangs aus dem Boden, wÄhrend auf den breiten Straßen Havannas die edelsten Chrom- und Stahlkarossen aus den Autofabriken Detroits blitzten. Das Ende der Party kam am Silvestertag 1959, als die von Fidel Castro angefÜhrten Rebellen in die Stadt einmarschierten und ankÜndigten, dass Prostitution, GlÜcksspiel und andere VergnÜgungen, die auf die Touristendollars abzielten, ab sofort von einer besseren medizinischen Versorgung, einer literarisch-kÜnstlerischen Renaissance und reichlich harter Arbeit nach alter sowjetischer Art abgelÖst wÜrden. Die Rassentrennung wurde aufgehoben, und Havannas Oberschicht flÜchtete nach Miami, wÄhrend die zu allem entschlossenen Rebellen alles daransetzten, ihren Traum vom Aufbau eines sozialistischen Utopia zu verwirklichen. Das Ergebnis kann man bestenfalls als durchwachsen bezeichnen - auf jeden Fall braucht Havanna dringendst einen frischen Anstrich.

Fast 100 HÄuser der Altstadt Havannas wurden zerstÖrt, als Hurrikan Georges im September 1998 eine Spur der VerwÜstung auf der Karibikinsel hinterließ. GlÜcklicherweise wurden bei dem Wirbelsturm nur wenige Menschen verletzt, und die Hauptstadt trug wesentlich weniger Schaden davon als die Östliche HÄlfte der Insel.

Dank einer gelockerten Gesetzgebung, die neuerdings den Ausbau der privaten Wirtschaft, BauernmÄrkte und andere von der sozialistischen Regierung Über lange Zeit verbotene Unternehmungen ermÖglicht, zeigt sich Havanna heute immer mehr von seiner besseren Seite, nÄmlich als eine Hauptstadt von Weltrang. Nachtclubs, ausgezeichnete Restaurants und eine Vielzahl kultureller SehenswÜrdigkeiten locken jedes Jahr Tausende Besucher in die Hauptstadt Kubas. Der internationale Erfolg der kubanischen KÜnstler, Schriftsteller und Musiker, besonders derjenigen aus dem Umfeld des Buena Vista Social Club, verleiht dieser zunehmend kosmopolitischen und unglaublich liebenswerten Stadt einen weiteren interessanten Farbtupfer. 2005 traf Hurrikan Wilma Havanna mit derber Wucht. Viele Teile des Zentrums wurden Überflutet und die bereits baufÄlligen GebÄude auf dem Malecón kamen jetzt dem entgÜltigen Zusammenbruch bedrohlich nahe. Doch erholte sich die Stadt schnell wieder. Viele der beliebten Hotels wurden in der bahnbrechenden Hilfskampagne "Mision Milagros" zu Zwischenstationen fÜr Patienten aus Venezuela, Bolivien und anderen LÄndern Lateinamerikas und der Karibik, damit diese Augenbehandlungen mit neuester Technik in Anspruch nehmen konnten.

Lonely Planet

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