FrÜh begann die Achterbahn der deutschen Geschichte: Seit der Zeit, da die Neandertaler ihre flachstirnigen SchÄdel im besagten Tal bei DÜsseldorf hinterließen, sind die Deutschen mitten drin im GewÜhl. SÄmtliche europÄischen Großreiche hatten ihre Finger in Deutschland, keinem gelang es jedoch, alle Einwohner unter einen Hut zu bringen und in treue Untertanen zu verwandeln. Immer wieder trafen Bestrebungen, die zersplitterten Volksgruppen und spÄteren MiniaturkÖnigreiche zu vereinen, auf erbitterten Widerstand: gegen die rÖmischen Legionen (50 v. Chr. bis 5. Jh.), den FrankenkÖnig Karl den Großen (bis ins frÜhe 9. Jh.) und Kaiser Otto den Großen (ab dem spÄten 10. Jh.). Als die Habsburger im 13. Jh. begannen, von Wien aus zu regieren, war das Deutsche Reich kaum mehr als eine Ansammlung winziger deutschsprachiger LÄnder jeweils in der Hand kleiner FÜrsten.
Die Habsburger regierten schlecht und recht weiter bis zum durch religiÖse und politische Konflikte ausgelÖsten DreißigjÄhrigen Krieg (1618-48), der fÜr Deutschland eine Katastrophe war. Seit Martin Luther 1517 seine 95 Thesen fÜr einen reformierten Gottesdienst an die Wittenberger KirchentÜr nagelte, brodelte es in Europa. Erst nach einigen ScharmÜtzeln beruhigte sich die Lage und sowohl Katholiken als auch Reformierten wurden ihre Rechte garantiert. In diesen Konflikten verlor Deutschland ein Drittel seiner BevÖlkerung. Deutschland war ein Flickenteppich: Insgesamt 300 Einzelstaaten mit ihren jeweiligen FÜrsten luden Napoleon Anfang des 19. Jh. geradewegs dazu ein, sie in sein Sammelalbum aufzunehmen. Doch Preußen, das zum Mittelpunkt des deutschen Widerstands gegen die napoleonischen Armeen wurde, bekamen die Franzosen nicht klein. Es Übernahm die FÜhrungsmacht in dem Krieg, der den GelÜsten Napoleons nach deutschen Landen 1813 in einer entscheidenden Schlacht bei Leipzig ein Ende setzte. 1866 stellte der preußische Kanzler Otto von Bismarck den Großteil Deutschlands unter preußische Flagge und festigte mit dem entscheidenden Sieg Über Frankreich seine Stellung als der starke Mann in Europa. Der preußische KÖnig Wilhelm I. wurde zum deutschen Kaiser gekrÖnt, und zum ersten Mal betrat ein vereinigtes Deutschland die WeltbÜhne.
Wilhelm II. entließ Bismarck 1890, blieb aber lange genug an der Macht, um Deutschland in den I. Weltkrieg zu fÜhren. 1918 floh er nach Holland, als ihm klar wurde, dass dieser Krieg fÜr ihn nicht mit einer Konfettiparade enden wÜrde. Die Deutschen schlugen sich mit AufstÄnden und Revolten und einem desastrÖsen Frieden herum und waren sich praktisch nur in ihrer Missbilligung der regierenden Weimarer Republik einig. Dann kam Adolf Hitler, ein Österreichischer Außenseiter und Veteran der deutschen Armee, dem es gelang, den allgemeinen Unmut in konzentrierten Wahnsinn zu verwandeln. 1933 riss seine Partei, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, endgÜltig die Macht in Deutschland an sich. Nach AufrÜstung und unverfrorenen GrenzÜbertretungen folgte schließlich offene Aggression: der II. Weltkrieg mit dem Schrecken des Holocausts. Die Deutschen waren selbst Überrascht, wie erfolgreich sich die ersten Invasionen gestalteten, doch ab 1943 ging es abwÄrts. Eine Kette schwerer Verluste ebnete den Weg fÜr die bedingungslose Kapitulation 1945.
Die Alliierten teilten das in TrÜmmern liegende Nachkriegsdeutschland untereinander auf. Großbritannien, Frankreich und die USA machten den von ihnen kontrollierten Westteil zur Bundesrepublik Deutschland, wÄhrend die russische Besatzungszone im Osten zur kommunistischen Deutschen Demokratischen Republik erklÄrt wurde. Die gleiche Aufteilung wurde in Berlin vorgenommen. Westdeutschland erhielt Marshallplanhilfe aus den USA und zog Arbeiter aus den miserablen wirtschaftlichen VerhÄltnissen der Ostzone an, bis die kommunistische FÜhrung dort auf die Idee kam, um Westberlin eine Mauer zu bauen und auch die Landesgrenze hermetisch zu versiegeln. Berlin wurde zum Brennpunkt des Kalten Krieges. In den kommenden 25 Jahren entwickelte sich Westdeutschland zu einer der reichsten Industrienationen, wÄhrend seine kommunistische HÄlfte im Osten litt. Nichts symbolisiert das Ende des Kommunismus in Osteuropa treffender als der Fall der Berliner Mauer 1989 – eines der schÖnen Feste der Weltgeschichte.
Mit diesem prÄgenden Erfolg ging die Ära des Bundeskanzlers Helmut Kohl 1998 zu Ende und wurde von einer Koalition aus Sozialdemokraten und GrÜnen unter Gerhard SchrÖder abgelÖst. 2005 wurde mit der Christdemokratin Angela Merkel die erste Frau, die erste Ostdeutsche und die erste Wissenschaftlerin zur Bundeskanzlerin und Chefin der „großen Koalition“ mit der SPD gewÄhlt.
Obwohl sich die Begeisterung der Wiedervereinigung gelegt hat und auf beiden Seiten der frÜheren Grenze Unmut und Verdrossenheit breit machen, arbeiten die Deutschen mit typischer Emsigkeit daran, eine echte Einheit herbeizufÜhren. Im 20. Jh. nahm Deutschland die meisten der FlÜchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien auf. Wie andere Einwanderer wurden diese in jÜngster Zeit vermehrt Opfer rassistischer Angriffe. Die Rechtsextremen stellen zwar eine heimtÜckische und gelegentlich gewalttÄtige Gruppe dar, politisch sind sie jedoch schwach. Derzeit hat Deutschland mit einer hohen Arbeitslosigkeit, Strukturproblemen in der Wirtschaft und der starken Konkurrenz auf den WeltmÄrkten zu kÄmpfen, eine soziale Verlagerung blieb bislang minimal. Zu Themen Öffentlicher Debatten wurde in den letzten Jahren die wirtschaftliche und soziale Integration der großen tÜrkischen Minderheit.
Die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland mit dem Endspiel in Berlin, aus dem die italienischen Azzurri als Champions hervorgingen, war nicht nur fÜr deutsche Fans der HÖhepunkt des Jahres 2006. Zwar errang das Gastgeberland die begehrte TrophÄe nicht, doch konnte das ohne ZwischenfÄlle abgelaufene Ereignis insgesamt als großer Erfolg gefeiert werden.
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