Der hinduistischen Volksmythologie zufolge soll Delhi an der Stelle der legendären Stadt Indraprastha, die im über 3000 Jahre alten Mahabharata auftaucht, erbaut worden sein. Historische Zeugnisse legen jedoch nahe, dass die Gegend erst seit etwa 2500 Jahren besiedelt ist. Seit dem 12. Jahrhundert erlebte Delhi den Aufstieg und Niedergang sieben großer Mächte. Die Chauhans eroberten die Stadt im 12. Jahrhundert und machten sie zum bedeutendsten hinduistischen Zentrum im nördlichen Indien. Als Qutab-ud-din Aibak die Stadt 1193 besetzte, leitete er sechseinhalb Jahrhunderte islamischer Herrschaft ein. Das Sultanat von Delhi bestand trotz kriegerischer Auseinandersetzungen von 1206 bis 1526. Ihm folgten von 1526 bis 1857 die mächtigen Mogule. Die Grundfeste des heutigen "Old" Delhi, darunter das Red Fort und die Jama Masjid, wurden in der Regierungszeit des Mogulkaisers Shah Jahan (1628-1658) gebaut.
1803 eroberten die Briten Delhi und setzten einen britischen Verwalter ein. Der Mogulherrscher wurde zunächst noch nicht abgesetzt; erst 1856 beschlossen die Briten, dass der damalige Mogulkaiser der letzte sein sollte - sein Nachfolger wurde kurzerhand zum Fürsten degradiert und musste das Rote Fort verlassen. Delhi war damals nicht die Hauptstadt Indiens, aber ein bedeutendes Handelszentrum, dessen Einwohnerzahl bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf 150 000 stieg. Als die Briten beschlossen, Delhi 1911 zur Hauptstadt zu machen, errichteten sie New Delhi in einem prunkvollen Imperialstil, ganz so, als könne die Sonne über dem britischen Raj niemals untergehen.
36 Jahre, nachdem die Stadt zur Hauptstadt der Nation erklärt worden war, litt Delhi unter den Unruhen, die die traumatische Teilung (Partition) mit sich brachte. Innerhalb weniger Wochen verwandelte es sich von einer überwiegend muslimischen Stadt von weniger als einer Million Einwohner in eine größtenteils von Hindus bewohnte Stadt mit fast zwei Millionen Einwohnern. Heute können nur sehr wenige Bewohner der Stadt behaupten, "echte" Delhi-wallahs zu sein. Die Mehrheit der Bevölkerung von New Delhi stellen hinduistische Punjabi-Familien, die ursprünglich aus Lahore stammen.
Seit der Unabhängigkeit erlebt Delhi als Hauptstadt Indiens einen Aufschwung. Im letzten Jahrzehnt ist seine Bevölkerung um 50% gewachsen, in erster Linie aufgrund der schnellen wirtschaftlichen Expansion und eines steigenden Angebots an Arbeitsplätzen. Die Schattenseiten dieses Booms sind die zunehmende Übervölkerung, Verkehrsdichte, Luftverschmutzung und der Wohnungsmangel.
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