Sehenswürdigkeiten

Wer das nötige Kleingeld in der Tasche und ein Hermes-Tuch im Koffer hat und sich damit gern unter die Schickeria der Stadt mischen möchte, kann eine der zahlreichen Sporteinrichtungen von Delhi aufsuchen, darunter Fitnessclubs und Tennisplätze. Außerdem gibt es den schönen Golfplatz des Delhi Golf Club, aber dafür muss man wirklich gut bei Kasse sein. Die meisten großen Hotels verfügen über Schwimmbecken, ansonsten kann man auch, wenn man gegen Hepatitis geimpft ist, in das öffentliche Schwimmbad in den Talkatora Gardens gehen.

Delhi ist nicht gerade berühmt für seine Gewässer, doch wer sich nicht albern dabei vorkommt, kann ein Dingi mieten, um auf den schmalen Teichen entlang des Rajpath zu paddeln, oder mit einem Tretboot draußen auf dem Purana Qila-Graben fahren. Ist das nicht aufregend genug, kann man es mit Klettern an der künstlichen Felswand in der Benito Juarez Marg oder einer echten im Lado Sarai-Abenteuerpark versuchen.

Red Fort Red Fort

Die roten Sandsteinmauern des imposanten Red Fort (Lal Qila) ragen 33 m über dem Tumult von "Old" Delhi in die Höhe - zur Erinnerung an die überragende Macht und den Prunk der Mogulherrscher. Die 1638 errichteten Mauern mögen zwar zur Abwehr von Feinden angelegt worden sein, doch heutzutage halten sie hauptsächlich den Lärm und das Chaos der Stadt fern. So ist das Fort mit seinen Parkanlagen und Pavillons eine Oase der Ruhe und des Friedens. Das Haupttor des Forts, das Lahore Gate, ist einer der emotionalen und symbolischen Brennpunkte der modernen indischen Nation und zieht daher alljährlich zum Unabhängigkeitstag eine große Menschenmenge an.

Die überwölbte Einkaufspassage Chatta Chowk, ein eindrucksvoller überdachter Basar, dessen Hauptkundschaft inzwischen Touristen sind, führt in den riesigen Fortkomplex hinein. Im Inneren verbirgt sich eine wahre Fundgrube von Gebäuden, darunter das Drum House, die Hall of Public Audiences, die Hall of Private Audiences aus weißem Marmor, die Pearl Mosque, Royal Baths und der Palace of Colour. Abends stellt eine Ton- und Lichtschau Ereignisse der indischen Geschichte, die mit dem Fort zusammenhängen, nach. Es lohnt sich, die Show anzusehen, doch sollte man unbedingt das moderne Mittel der Selbstverteidigung - Mückenschutz - dabeihaben.

Jama Masjid Jama Masjid

Die große Moschee von "Old" Delhi ist die größte Indiens. In ihrem Innenhof finden 25 000 Gläubige Platz. Die Moschee, mit deren Bau 1644 begonnen wurde, war eine der letzten einer Reihe von architektonischen Grillen Shah Jahans, jenem Mogulkaiser, der auch den Taj Mahal und das Red Fort errichten ließ. Die äußerst dekorative Moschee hat drei große Eingänge, vier Türme und zwei 40 m hohe Minarette, gebaut aus abwechselnden Schichten roten Sandsteins und weißen Marmors. Traveller mit nackten Beinen können am Nordeingang lange Gewänder ausleihen. Dies ist vielleicht die einzige Gelegenheit, wie ein Einheimischer gekleidet herumzulaufen, ohne sich lächerlich zu machen, deshalb sollte man die andächtige Atmosphäre ganz entspannt genießen.

Chandni Chowk Chandni Chowk

Die Hauptstraße von "Old" Delhi ist ein zauberhafter Basar und ein Musterbeispiel an Gedränge, Farbenfreude und Chaos, das im heutigen Indien seinesgleichen sucht. Zu Shah Jahans Zeiten floss ein baumbestandener Kanal durch ihre Mitte und schöne Herrenhäuser säumten die in ganz Asien berühmte Straße. Heute ist sie mit Kunsthandwerkern, Händlern und Motor-Rikschas voll gestopft und stellt eine unglaubliche Mischung aus Gewimmel, Gerüchen, Lärm und Abgasen dar. Am östlichen Ende der Straße, nahe dem Red Fort, steht ein Jain-Tempel; am westlichen Ende befindet sich die Fatehpuri Mosque, 1650 von einer der Frauen Shah Jahans erbaut.

New Delhi New Delhi

New Delhi ist ein Denkmal der britischen imperialen Bestrebungen, ein beständiges Element in einer Stadt, die so wandelbar und chaotisch ist, dass es weniger als 20 Jahre dauerte, bis der gesamte planmäßig angelegte Stadtteil bereits ein historisches Monument war. Unter Leitung des Architekten Edward Lutyens sollte New Delhi den Geist der britischen Vorherrschaft in Marmor, Stein und Größe zum Ausdruck bringen. Das Ausmaß der Stadt und ihre breiten Prachtstraßen erinnern an die Mogularchitektur, doch die Gebäude sind in ihrer Gestaltung klassisch und lehnen sich nur oberflächlich an indische Stile an. Das Ergebnis ist wahrhaft weitläufig und prachtvoll und im Vergleich zu vielen anderen geplanten Städten des 20. Jahrhunderts trotz der großen schattenlosen Bereiche immer noch erstaunlich zweckmäßig. Zu den Wahrzeichen gehören das Rashtrapati Bhavan (einst der Sitz des Vizekönigs, inzwischen die offizielle Residenz des indischen Präsidenten), das Parliament House, die nördlichen und südlichen Gebäude des Secretariat, der 40 m hohe steinerne Triumphbogen, bekannt als India Gate, und die breite Prachtstraße Rajpath, die von Zierteichen flankiert wird und für Paraden wie geschaffen ist. Connaught Place ist das Zentrum von New Delhi, ein guter Ort, um einzukaufen, und der Schauplatz einiger unglaublicher Verkehrsunfälle.

Humayuns Grab Humayuns Grab

Dieses prächtige Grab ist das besterhaltene Beispiel der frühen Mogularchitektur in Delhi und eines der schönsten Bauwerke der Stadt. Es wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von Haji Begum, der Frau von Humayun, dem zweiten Mogulkaiser, errichtet und weist in der Gestaltung Mogul-Elemente auf, die später verfeinert und im Taj Mahal in Agra verwendet wurden. Es besteht aus einem flachen Bau mit hohen Türbogen, wird von einer mächtigen Kuppel gekrönt und von Gärtenanlagen umgeben. In den Gärten befindet sich auch das Grab von Humayuns Frau aus rot-weißem Sandstein und schwarz-gelbem Marmor und, etwas unerwarteter, das Grab seines Frisörs.

Qutab Minar Qutab Minar

Qutab Minar ist eine 73 m hoch aufragende Siegessäule, 1193 von Qutab-ud-din gleich nach dem Sieg über das letzte Hindureich von Delhi errichtet. Sie symbolisiert die islamische Herrschaft über die Stadt. Die Siegessäule hat fünf Stockwerke, jeweils durch einen Balkon markiert, und verjüngt sich auf märchenhafte Weise von 15 m Durchmesser im Fundament zu nur 2,50 m an der Spitze. Die ersten drei Stockwerke sind aus rotem Sandstein, das vierte und fünfte aus Marmor und Sandstein. Die Treppe im Innern ist so steil, dass selbst dem geübtesten Kletterer schwindlig und klaustrophobisch zumute wird. Es verwundert daher nicht, dass ein Massenansturm auf einem Schulausflug 1979 zu mehreren Todesfällen führte. Seither bleibt Besuchern das Innere des Turmes verschlossen.

Am Fuße der Siegessäule befindet sich die Quwwat-ul-Islam Mosque, die erste Moschee Indiens. Eine Inschrift über ihrem Osteingang verkündet provokativ, dass sie aus Steinen 27 zerstörter "Götzen- (sprich: hinduistischer) Tempel" erbaut wurde. Eine 7 m hohe, schmiedeeiserne Säule steht im Hof der Moschee. Es heißt, ein Wunsch gehe in Erfüllung, wenn man es schafft, sie mit dem Rücken zu ihr stehend zu umfassen.

Raj Ghat Raj Ghat

Am Raj Ghat, nicht weit vom Ufer des Yamuna River, steht ein einfaches Denkmal aus schwarzem Marmor zu Ehren von Mahatma Gandhi. Es markiert die Stelle, an der Gandhi nach seiner Ermordung 1948 eingeäschert wurde. Jeden Freitag findet eine Gedenkfeier statt. Zwei Gandhi gewidmete Museen befinden sich ganz in der Nähe. Jawaharlal Nehru wurde gleich nördlich von hier im Shanti Vana (Wald des Friedens) eingeäschert. Die Gegend ist heute ein schöner Park mit Bäumen, die von einer Reihe verschiedenster Berühmtheiten gepflanzt wurden, darunter Königin Elizabeth II., Dwight Eisenhower und Ho Chi Minh. Die selten besuchte, aber sehr hübsche Zinat-ul Masjid ("Die schönste aller Moscheen") thront über dem Raj Ghat.

Gewürzmarkt Gewürzmarkt

Khari Baoli, die Straße, die von der Fatehpuri-Moschee zum Westrand der Altstadt führt, ist Delhis betriebsamer Gewürzmarkt. Es lohnt sich, hier herumzuschlendern, um das Geschehen zu beobachten und die Gerüche aufzunehmen, da sich hier seit Jahrhunderten nur wenig verändert hat. Riesige Säcke mit Gewürzen und Kräutern werden immer noch auf langen, schmalen, von Arbeitern gezogenen Karren zu den Großhändlern gebracht. Hier bietet sich ein buntes Bild von allen möglichen Zutaten der indischen Küche, von Linsen und Reis bis zu riesigen Gläsern mit Chutneys, Eingelegtem, Nüssen und Tee.

Coronation Durbar Site Coronation Durbar Site

Unverbesserliche Anhänger des Raj, die in Nostalgie schwelgen möchten, sollten sich zum Schauplatz der Coronation Durbar begeben, der von einem einzelnen Obelisken auf einem offenen Gelände nördlich von "Old" Delhi gekennzeichnet wird. An dieser Stelle fanden 1877 und 1903 die durbars - die Empfänge der indischen Prinzen durch den britischen Regenten - und 1911 die Ernennung König Georges V. zum Kaiser von Indien statt. In der Nähe befindet sich ein von einer Mauer umschlossener Garten mit einer Schurkengalerie von Marmorstatuen ehemaliger Würdenträger des Empire, die wie vor die Tür gesetzte Schuljungen den Blicken der Öffentlichkeit entzogen ihr Dasein fristen. Den Ehrenplatz nimmt eine 15 m hohe Statue von George V. ein, die wie ein Gespenst über den Akazien aufragt. Sie wurde kurz nach der Unabhängigkeit vom Rajpath hierher versetzt. Die meisten Einwohner von Delhi leben in gesegneter Unkenntnis der Existenz oder der Bedeutung dieses Ortes.

Shalimar Bagh Shalimar Bagh

Der Shalimar-Garten am Rande der Stadt, etwa 10 km nordwestlich von "Old" Delhi, ist einer der bedeutendsten Mogulgärten der Stadt. Einst war es die erste Station der Mogule auf dem Weg nach Kashmir und Lahore. Aurangzeb wurde hier 1658 zum Kaiser gekrönt. Der hübsche zentrale Pavillon, der Shish Mahal, wurde von Shah Jahan erbaut. Er befindet sich zwar in einem recht fortgeschrittenen Stadium des Verfalls, doch ist noch ein Teil der ursprünglichen Blumenornamente erhalten und der Ort strahlt viel Atmosphäre aus.

Sulabh International Museum of Toilets Sulabh International Museum of Toilets

Bedenkt man, dass Toiletten auf einer Indienreise zu einem wichtigen Thema werden können, scheint es nur recht und billig, wenn man dem größten Toilettenmuseum der Welt einen Besuch abstattet. Selbst wen die Ausstellung zur "Stuhlgeschichte" von 2500 v.Chr.(als Indien das erste Abwassersystem der Welt entwickelte) bis zur Gegenwart kalt lässt, der bekommt zumindest einige neue Anregungen für Klo-Graffiti. "Lutsch deine Finger ab, du Biest/Wisch sie nicht an der Wand ab", lautet eine Kostprobe aus dem 19. Jahrhundert. Zwar gibt es im Museum viel zu lachen, doch die gemeinnützige Organisation Sulabh verfolgt mit der Ausstellung ein ernstes Anliegen. Sie verwendet die Gewinne, um Abwassersysteme einzuführen und alternative Jobs für die 600 000 indischen Fäkalieneinsammler zu finden. Die Gruppe unterhält auch ein Kraftwerk, das von den Exkrementen aus den öffentlichen Toiletten an der nahe gelegenen Hauptstraße angetrieben wird.

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