Geschichte

Im Jahr 229 v. Chr. verloren die in Kroatien heimischen Illyrer ihr Land an das Römische Reich und 285 n. Chr. erbaute Kaiser Diokletian seinen befestigten Palast in Split, der heute als die großartigste römische Ruine Osteuropas gilt. Das Weströmische Reich brach jedoch im 5. Jahrhundert zusammen und um 625 wanderten slawische Stämme aus dem heutigen Polen nach Südosteuropa. Der Stamm der Kroaten besetzte die ehemaligen römischen Provinzen Dalmatinisch-Kroatien und Pannonisch-Kroatien in Nordosten; die beiden Provinzen wurden 925 aber zu einem Königreich vereinigt, das bis zum 12. Jahrhundert eine Blütezeit erlebte.

1242 wurde Kroatien durch eine Invasion der Tataren verwüstet. Als die Türken im 16. Jahrhundert drohten, den gesamten Balkan zu erobern, wandte sich das nördliche Kroatien an die österreichischen Habsburger, um Unterstützung zu erhalten und blieb bis 1918 unter deren Einfluss. Unterdessen war die dalmatinische Küste Anfang des 15. Jahrhunderts von den Venezianern erobert worden, deren Herrschaft aber nur bis Ende des 18. Jahrhunderts währte, als Dalmatien unter Napoleon von Frankreich übernommen und - zusammen mit Istrien und Slowenien - den illyrischen Provinzen angegliedert wurde.

Zu einer Renaissance des kulturellen und politischen Lebens kam es in Kroatien 1835: Die Leibeigenen wurden frei und das nördliche Kroatien kam unter die Herrschaft Ungarns, das ihnen ein gewisses Maß an innerer Autonomie gewährte.

Als das österreichisch-ungarische Reich im Ersten Weltkrieg besiegt wurde, fiel Kroatien an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Dessen Name wurde 1929 barmherzigerweise auf Jugoslawien gekürzt. Den kroatischen Nationalisten missfiel es jedoch so sehr, dass Belgrad zur Hauptstadt der Union gemacht wurde, dass sie 1934 mit Hilfe der mazedonischen Nationalisten aus Protest die Ermordung von Prinzregent Alexander veranlassten.

1941 fielen die Deutschen in Jugoslawien ein und errichteten in Kroatien eine faschistische Marionettenregierung (die Ustascha). Diese Ustascha versuchten, alle Serben aus Kroatien zu vertreiben, und da ihnen dies nicht gelang, ermordeten sie rund 350.000 Serben, Juden und Roma. Bestürzt und schockiert von diesem Vorgehen schlossen sich viele Kroaten den kommunistischen Partisanen an, um die Ustascha zu stürzen. Bis Kriegsende hatten rund eine Million Menschen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina ihr Leben verloren.

Nach dem Krieg erhielt Kroatien den Status einer Teilrepublik innerhalb der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien, die vom kommunistischen Marschall Tito regiert wurde. Als Tito 1980 starb, wurde ein absurdes politisches System eingeführt, bei dem die Präsidentschaft nach dem Rotationsprinzip jedes Jahr auf eine andere Teilrepubliken übertragen wurde. Kroatiens Wirtschaft kam praktisch zum Erliegen.

Ende der 80er Jahre mehrten sich angesichts der Unterdrückung der albanischen Mehrheit in der serbischen Provinz Kosovo die Befürchtungen, dass Serbien der gesamten Föderation seine Herrschaft aufzwingen wolle. Als sich die kommunistischen Regierungen in ganz Osteuropa auflösten, forderten die Kroaten vehement ihre Unabhängigkeit und das Ende des Kommunismus im Land. Die Wahlen von 1990 gewann die Kroatische Demokratische Union unter Franjo Tudjman, mit deren neuer Verfassung sich der Status der in Kroatien lebenden Serben änderte - von einer 'wahlberechtigten Nation' zu einer 'nationalen Minderheit'. Zudem verloren viele Serben ihre Posten in Regierung und Verwaltung.

Im Juni 1991 erklärte Kroatien seine Unabhängigkeit von der Föderation, während die serbische Enklave Krajina ihre Unabhängigkeit von Kroatien proklamierte. Schwere Kämpfe brachen daraufhin aus und die von den serbischen Kommunisten dominierte Jugoslawische Volksarmee (JVA) intervenierte zu Gunsten der Serben. In den darauf folgenden Monaten fiel ein Viertel Kroatiens an die serbische Miliz und die Volksarmee. Die JVA griff im Oktober 1991 zudem Dubrovnik an und bombardierte den Präsidentenpalast in Zagreb, woraufhin die Europäische Gemeinschaft Sanktionen gegen Serbien verhängte. Im November fiel die Stadt Vukovar an die Serben. Innerhalb von sechs Monaten waren 10.000 Menschen gestorben, Hunderttausende geflohen und Zehntausende von Häusern zerstört worden.

Nach mehreren erfolglosen Waffenstillstandvereinbarungen entsandte die UNO im Dezember 1991 Friedenstruppen in die von Serben besetzten kroatischen Gebiete. Die JVA zog sich schließlich aus Kroatien zurück und nachdem es seine Verfassung dahingehend geändert hatte, Minoritäten und Menschenrechte zu schützen, wurde Kroatien im Mai 1992 in die UNO aufgenommen. In der Krajina hatten serbische paramilitärische Gruppen jedoch noch die Oberhand und so startete Kroatien im Januar 1993 eine Offensive gegen diese Region. Die Krajina erklärte sich daraufhin zu einer eigenständigen Republik und vertrieb fast 98% seiner kroatischen Bevölkerung. Im März 1994 unterzeichnete die Krajina eine Waffenstillstandserklärung, doch bereits im Mai 1995 eskalierte die Gewalt von neuem. Als die Krajina dann die Unterstützung von Belgrad verlor, stürmten kroatische Truppen das Gebiet und 150.000 Serben flohen, viele davon aus den Orten, in denen ihre Vorfahren schon seit Jahrhunderten gelebt hatten.

Etwas Stabilität ins Land brachte schließlich das Dayton-Abkommen vom Dezember 1995 und die Regierung konnte sich somit um die arbeitslosen Ex-Soldaten, Unterkünfte für obdachlose, vertriebene Kroaten und die zerstörte Infrastruktur kümmern.

Präsident Franjo Tudjman starb im Dezember 1999 und im Januar 2000 wurde seine Kroatische Demokratische Union, die seit 1990 an der Regierung war, mit großer Mehrheit von der eher linksgerichteten Oppositionskoalition verdrängt. Der charismatische, bodenständige Stipe Mesic wurde zum Präsidenten gewählt.

Die nachfolgenden Regierungen haben die Wirtschaft geöffnet (ein Zeichen davon war der Beitritt Kroatiens zur Welthandelsorganisation), Demokratie und Privatisierung eingeführt und größtenteils mit dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammengearbeitet. 2005 wurde Stipe Mesic wiedergewählt und Kroatien als Anwärter für die EU-Mitgliedschaft akzeptiert.

Der 2003 gewählte konservative Premierminister Ivo Sanader führt einen recht erfolgreichen Kampf gegen die weit verbreitete Korruption und hilft damit, einen der Stolpersteine hinsichtlich Kroatiens Aufnahme in die EU zu beseitigen. Erfolge bei diesen Aufräumarbeiten und die Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, um die Schuldigen vor Gericht zu bringen, sollten dafür sorgen, dass Kroatiens Stern bis zum Ende des Jahrzehnts auf der EU-Flagge erscheint.

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