Geschichte

Ein Schleier des Geheimnisses liegt Über dem prÄkolumbianischen Costa Rica: Es gibt nur wenige archÄologische Funde, und auch Beweise fÜr eine Schriftsprache hat man nie entdeckt. Historische Aufzeichnungen beginnen ungefÄhr mit Christoph Kolumbus, der sich hier im Jahre 1502 fÜr 17 Tage aufhielt und vom Goldschmuck der freundlichen Einheimischen so beeindruckt war, dass er dem Land sofort den Namen Costa Rica, "die reiche KÜste", gab. Trotz der Verlockung durch den sagenhaften Reichtum kam die Kolonisierung nur langsam voran, die spanischen Siedler brauchten beinahe 60 Jahre, um dem Urwalddickicht etwas Land abzutrotzen. Doch sobald der Prozess einmal in Gang gekommen war, litt Costa Rica ebenso unter den Folgen der europÄischen Invasion wie seine gleichfalls kolonisierten Nachbarn. Die Einheimischen waren einfach nicht zahlreich genug, um den Spaniern Widerstand zu leisten und ihre AnfÄlligkeit fÜr europÄische Krankheiten ließ die indigene BevÖlkerung schnell dahinschwinden.

Die erhofften riesigen Goldvorkommen wurden nie gefunden, das Land geriet in Vergessenheit, und Über viele Jahre dÜmpelte Costa Rica so dahin. Im 18. Jahrhundert entstanden Ansiedlungen wie Heredia, San JosÉ und Alajuela. Doch erst mit der EinfÜhrung des Kaffees im Jahre 1808 erschien das Land auf dem Radar skrupelloser Spekulanten und GlÜcksritter des 19. Jahrhunderts, die das ganz große Geld rochen. Mit dem Kaffee kamen Reichtum, eine Klassengesellschaft, Zukunftsaussichten und, am allerwichtigsten, UnabhÄngigkeit.

Ein bizarres Ereignis brachte im Jahr 1856 den Umschwung, der als einer der ersten Meilensteine in der Geschichte der Nation betrachtet werden kann und das Volk einte: WÄhrend der Amtszeit des vom Kaffeepflanzer zum PrÄsidenten aufgestiegenen Juan Rafael Mora, an die man als eine Periode des wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs zurÜckdenkt, fiel eine Armee kÜrzlich gefangen genommener nicaraguanischer Sklaven unter der FÜhrung von William Walker, einem Abenteurer in den Diensten des US-MilitÄrs, in Costa Rica ein. Mora organisierte eine Armee von 9000 Zivilisten, der es aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz gelang, Walker & Co in die Flucht zu schlagen.

Der Rest des 19. Jahrhunderts brachte MachtkÄmpfe innerhalb der Kaffeepflanzerelite und die EinfÜhrung der ersten demokratischen Wahlen, die bis heute ein Kennzeichen der costaricanischen Politik geblieben sind.

In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts jedoch reckte der BÜrgerkrieg sein hÄssliches Haupt empor, als ExprÄsident Calderón und sein Nachfolger, Picado, sich gegen den neuen Wahlsieger Ulate (dessen Wahlsieg von Picados Regierung nicht anerkannt wurde) und JosÉ Figueres verbÜndeten. Aus wochenlangen kriegerischen Auseinandersetzungen ging Figueres schlielich siegreich hervor, bildete eine Interimsregierung und sorgte dafÜr, dass Ulate die PrÄsidentschaft Übernahm.

Die Verfassung von 1949 gewÄhrte auch Frauen und Schwarzen das Wahlrecht und schaffte die Armee ab – was Costa Rica den Beinamen "einziges Land ohne Armee" bescherte. 1987 erhielt PrÄsident Oscar Arias den Friedensnobelpreis fÜr seine BemÜhungen, auch die restlichen Staaten Mittelamerikas fÜr das Beispiel Costa Ricas zu gewinnen. In den vergangenen Jahren wurde der Frieden einige Male durch Unruhen verschiedener Art gestÖrt. Im Juli 1996 hinterließ der Hurrikan CÉsar mehrere Dutzend Verletzte und der SÜden Costa Ricas war weitgehend vom Rest des Landes abgeschnitten. Der Highway Interamericana war ungefÄhr zwei Monate lang gesperrt, der Schaden wurde auf rund 100 Millionen geschÄtzt. Der berÜchtigte Hurrikan Mitch verursachte im November 1998 in Costa Rica schwere SchÄden, geradezu katastrophal waren jedoch die VerwÜstungen in den nÖrdlicher gelegenen Staaten, besonders Honduras, Nicaragua und El Salvador. Im Februar 1998 gewann Miguel Angel Rodríguez mit der Partido Unidad Socialcristiana die PrÄsidentschaftswahlen mit ungefÄhr 50 % der Stimmen. Als konservativer GeschÄftsmann, dessen PrioritÄt die Wirtschaftspolitik war, setzte er sich fÜr die Privatisierung staatlicher Unternehmen ein und fÖrderte auslÄndische Investitionen in seinem BemÜhen um die Schaffung neuer ArbeitsplÄtze.

Als jedoch die Wahlen im Februar 2002 nÄherrÜckten, munkelte man unter den Ticos von mangelnder Transparenz der Regierung und zwiellichtigen GeschÄften unter politischen Freunden. Folge dieser GerÜchte an der Basis war eine Wahl ohne klaren Sieger, so dass im April 2002 eine erneute Stimmabgabe notwendig wurde. Der Nachfolger von Rodríguez, Abel Pacheco von der konservativen Partido Unidad Social Cristiana war derjenige, der nun als PrÄsident auf die politische BÜhne treten sollte.

Gleich zu Beginn versprach Pacheco die Tilgung der Staatsschulden innerhalb von vier Jahren. Er schuf eine Plattform fÜr Naturschutz, untersagte Ölbohrungen und Bergbau und brachte einen Gesetzesvorschlag ein, der den BÜrgern das Recht auf eine gesunde Umgebung garantieren sollte. Seine PrÄsidentschaft wurde jedoch von einem Finanzskandal Überschattet, den einige Widersacher zum Erheben von RÜcktrittsforderungen nutzten. Er Überdauerte jedoch den Rest seiner Amtszeit und Übergab die Regierungsmacht im Mai 2006 an Oscar Arias .

Arias gewann die 2006er Wahlen nach einer heißumstrittenen erneuten StimmauszÄhlung, der zufolge er knapp vor der Partido Acción Ciudadana (PAC) lag. PrÄsident Arias gilt als unternehmerfreundlich und unterstÜtzt die Ratifizierung des zentralamerikanischen Freihandelsabkommens (CAFTA), doch hÄlt seine nationale Befreiungspartei, Partido Liberación Nacional (PLN) nur 25 der 57 Sitze im Parlament. Die Partei der BÜrgeraktion PAC startete eine große Anti-CAFTA Kampagne mit dem Argument, dass das Freihandelsabkommen in seiner gegenwÄrtigen Form kleinen Bauern schaden und zu mehr Armmut fÜhren wÜrde. In vielen dieser Fragen ist die Nation nach wie vor gespalten.

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