Sehenswürdigkeiten

Wer ein kleines Stadtabenteuer sucht, kann mit einer Kanu-Tour auf dem Chicago River auf den Spuren des französischen Trappers Louis Jolliet wandeln. Neben der wuchernden Stadtlandschaft erblickt man dabei mit etwas Glück Hirsche, Rotfüchse, Biber und Vögel. Außerdem kann man Parkanlagen und Häuser in ihrer Entstehung beobachten - ein Zeichen dafür, dass die Stadt erkannt hat, dass man den Fluss, nach dem sie benannt wurde, lieber zum Aufbau einer ländlichen Idylle als zur Entsorgung industrieller Abwässer nutzen sollte. Lake Michigan und Chicago Riverlassen sich auch per Kajak erkunden. Bester Ausgangspunkt dafür ist der Navy Pier im Hafen, wo der Chicago River in den Lake Michigan mündet. Auch der nahe der Innenstadt gelegene Diversey Harbor eignet sich gut als Startpunkt für einen solchen Ausflug.

Dem Angeln widmet die Stadtverwaltung von Chicago neuerdings erhöhte Aufmerksamkeit. So wurde zum Beispiel eine spezielle Angler-Hotline eingerichtet, die sich um Fragen wie "Was, wann, wo und wie kann ich angeln?" kümmert. Die meisten Angelgebiete in den Parks sind im Sommer randvoll, Charterboote schippern die Hobbyfischer über den Lake Michigan. In den Gewässern tummeln sich unter anderem Silberlachse, Regenbogenforellen, Königslachse und Flussbarsche.

Das einst als "Opium fürs Volk" bezeichnete Bowling ist eine typische Freizeitbeschäftigung im Mittelwesten. Menschen aller möglichen Gesellschafts- und Altersschichten vereinigen sich zu lautstarken Gruppen, um ihre Kugeln in die Kegel krachen zu lassen. Talent braucht man dabei nicht unbedingt mitzubringen. In den kalten Wintermonaten sind die Bahnen am besten besucht. Besonderen Charme bietet Southport Lanes in Wrigleyville, eine 75 Jahre alte Kneipe mit vier Bahnen, wo die Kegel noch per Hand aufgestellt werden.

Art Institute of Chicago Art Institute of Chicago

Das östlich des Loop gelegene Art Institute ist für sich genommen bereits eine Reise nach Chicago wert. Als eine der weltweit führenden Galerien wird das Art Institute von den Reichen Chicagos großzügig unterstützt. Mit Hilfe von Spenden wurde eine großartige, 5000 Jahre Kunstgeschichte umfassende Sammlung zusammengetragen. Die den Eingang flankierenden Bronzelöwen zählen zu den Symbolen Chicagos.

Chicago Cultural Center Chicago Cultural Center

Ein paar Blocks nördlich des Art Institute befindet sich das Chicago Cultural Center, in dem häufig Gratiskonzerte stattfinden. Dieses interessante Kulturzentrum bietet dem Besucher Galerien, Ausstellungen, eine schöne Inneneinrichtung und ein ständiges Museum. Es beherbergt auch das vergnügliche, nostalgische Museum of Broadcast Communications, das den Besucher in eine Zeit zurückführt, als es weder digitale Radio- und TV-Übertragungen noch Dutzende von Kanälen gab. An das Zeitalter des Radios wird mit lokalen Stars wie Edgar Bergen und Charlie McCarthy erinnert. Unter dem Themenkomplex Fernsehen sind Ausschnitte aus den allerersten TV-Shows und berühmten lokalen Ereignissen zu sehen, darunter die erste TV-Diskussion im Präsidentschaftswahlkampf zwischen Kennedy und Nixon 1960 bei einem Chicagoer Fernsehsender.

Magnificent Mile Magnificent Mile

Dieses Stück Michigan Avenue mit dem großartigen Namen verläuft vom Chicago River in nördlicher Richtung zum Lincoln Park. "Mag Mile", wie sie im Volksmund genannt wird, ist ein Shopping-Paradies. Hier findet man einfach alles, von den üblichen Ladenketten bis zur eleganten Luxusboutique. Sein berühmtestes Wahrzeichen ist der Tribune Tower, ein gotisches Meisterwerk aus dem Jahre 1925 und Hauptsitz der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Zeitung Chicago Tribune. Der exzentrische Besitzer Colonel Robert McCormick ließ seine gestressten Reporter Steine berühmter Gebäude und Monumente aus aller Welt nach Chicago schicken und um den Fuß des Tribune Tower herum einbetten. Die Magnificent Mile liegt nordöstlich des Loop.

Navy Pier Navy Pier

Von 1918 bis 1930 war der riesige Navy Pier am Ufer des Lake Michigan der wichtigste Schiffsanleger Chicagos. Später wurde er zur ersten Heimat der University of Illinois at Chicago. Während der 70er und 80er Jahre erinnerte der Ort an einen gestrandeten und verendenden Wal - übel riechend, schwer zu entsorgen und zu nichts zu gebrauchen. 200 Millionen US-Dollar später verwandelte sich der Navy Pier in eine Kombination aus Vergnügungspark, Kindermuseum, Treffpunkt, Fastfood-Meile und Ursache zahlreicher müder Füße. Das Konzept erwies sich als Volltreffer, fünf Millionen Besucher werden jährlich am unmittelbar östlich der Innenstadt gelegenen Navy Pier gezählt.

Field Museum of Natural History Field Museum of Natural History

Mumien, indianische Kunstgegenstände, ausgestopfte Tiere und Dinosaurier zählen zu den 20 Millionen Ausstellungsstücken im Field Museum of Natural History. Eines der Highlights ist ein groß angelegter Rundgang, der das gesamte Spektrum des afrikanischen Kontinents einzufangen versucht, von den belebten Städten bis zur weiten Dünenlandschaft der Sahara. Zu bestaunen sind außerdem eine rekonstruierte ägyptische Grabkammer mit 23 Mumien und eine Dinosaurier-Halle voller Skelette, von denen einige Zigmillionen Jahre alt sind. Seinen spektakulärsten Coup landete das Museum 1997, als man für 8,4 Millionen US-Dollar das Skelett eines Tyrannosaurus Rex namens Sue erwarb. Es ist das am besten erhaltene Skelett des grimmigen Fleischfressers, das jemals entdeckt wurde. Ein nichts ahnender Farmer hatte es ein paar Jahre zuvor gefunden und für nur 5000 US-Dollar verscherbelt.

Shedd Aquarium Shedd Aquarium

In dem mit Marmor ausgekleideten Shedd Aquarium befindet sich die umfangreichste Sammlung von Amphibien und Wasserkreaturen der Welt. Das Gebäude aus dem Jahre 1929 beherbergt 200 Becken. Im angegliederten, spektakulären Oceanarium mit mehreren Ebenen scheinen die riesigen Säugetier-Pools außerhalb der vom Boden zur Decke reichenden Fenster förmlich mit dem Lake Michigan zu verschmelzen. Das Bassin im Zentrum beheimatet 500 tropische Fische, vom sanftmütigen Ammenhai bis zur weniger liebenswürdigen Muräne. Außerdem sind Belugas, pazifische Weißseitendelphine, Seehunde, Seeotter und Pinguine zu bewundern.

Lincoln Park Lincoln Park

Im berühmtesten Bezirk Chicagos tobt Tag und Nacht das Leben. Die Menschen fahren Inline-Skates, führen ihre Hunde spazieren, schieben Kinderwagen umher oder fahren auf der Suche nach einem Parkplatz stundenlang im Kreis. Hier befindet sich auch das Biograph Theater, wo der Gangster John Dillinger 1934 vom FBI niedergeschossen wurde.

Den Platz der bewaffneten Ganoven haben mittlerweile Bananen fressende Primaten eingenommen. Der 1868 eröffnete Lincoln Park Zoo (Eintritt frei) wird mit öffentlichen Mitteln gefördert. Zu den interessantesten Tieren zählen riesige Warane, Galápagos-Schildkröten, Nacktmullen, Flughunde und Spinnen. Der Zoo nimmt weltweit eine führende Rolle in der Gorillazucht ein. Fast 40 Gorillas wurden hier seit 1970 geboren. Mit ein wenig Glück sieht der Besucher, wie die Schimpansen mit Buntstiften auf Pappkarton malen. Einige ihrer "Arbeiten" wurden bereits in Galerien gezeigt.

Der Lincoln Park grenzt nordöstlich des Loop an den Lake Michigan.

Wrigley Field Wrigley Field

Wenn Fans im siebten Inning aufstehen, zum Anfeuern ihrer Mannschaft rituell die Arme in die Luft strecken und eine bierselige Version von Take me out to the Ballgame grölen, gibt es kein Vertun mehr, wo man gelandet ist: in Wrigley Field, der Heimat der Chicago Cubs. Das ganze Jahr über posieren Touristen unter dem klassischen Neonschild über dem Haupteingang zu diesem Baseball-Tempel.

Das efeubedeckte Stadion ist eines der ältesten in Amerika und - wie manche sagen - 'so groß wie ein Pillendöschen'. In der altehrwürdigen Arena wird der Spielstand noch von Hand an der Anzeigetafel eingestellt. Mit Händen und Füßen wehrten sich die Fans dagegen, als man das Stadion mit Flutlicht ausstatten wollte. Wer kein Ticket hat oder die "Cubbies" nicht verlieren sehen möchte (was sie meistens tun), der kann durch die Straßen in der Umgebung des Stadions schlendern, ein Schwätzchen mit den Leuten halten, die den ganzen Tag darauf warten, dass ein Ball über die Tribünen fliegt, oder in einer der vielen Sportkneipen ein Gläschen trinken. Die Bewohner der umliegenden Häuser haben Zuschauerbänke auf ihren Dächern angebracht, um von dort aus die Spiele beobachten zu können. Mehrmals pro Saison veranstalten die Spieler Stadionbesichtigungen für ihre Fans.

Wrigley Field liegt nördlich des Lincoln Park. Die Hochbahn und mehrere Buslinien führen direkt zum Stadion.

Chess Records Chess Records

Von 1957 bis 1967 befand sich das Musiklabel Chess Records in einem bescheidenen Gebäude in der South Michigan Avenue, das sich in der Folge zu einem wahren Blues-Tempel und einer der Keimzellen des Rock and Roll entwickelte. Das Studio wurde von den Gebrüdern Chess, zwei jüdischen Einwanderern aus Polen, betrieben und war Schauplatz für Plattenaufnahmen von Musikern wie Muddy Waters, Bo Diddley, Howlin' Wolf und Willie Dixon. Chuck Berry nahm hier zehn Top-Ten-Singles auf und die Rolling Stones benannten 1964 ihren Song '2120 South Michigan Avenue' nach einer Aufnahme-Session an diesem Ort. Heute gehört das Gebäude der Willie Dixon's Blues Heaven Foundation, einer gemeinnützigen Organisation, die von dem verstorbenen Musiker zur Förderung und Bewahrung des Blues ins Leben gerufen wurde.

Spertus Museum Spertus Museum

Das kleine, aber feine Spertus Museum im South Loop widmet sich 5000 Jahren jüdischer Religion und Kultur und beleuchtet dabei zahlreiche Aspekte des jüdischen Lebens und Glaubens. Im Zell Holocaust Memorial findet der Besucher Berichte von Überlebenden und die Namen der ums Leben gekommenen Verwandten von Bürgern Chicagos. Im Untergeschoss befindet sich das 'ArtiFact Center', wo Kinder ihre eigenen archäologischen Grabungen nach jüdischen Kunst- und Handwerksgegenständen leiten können.

Hyde Park Hyde Park

Der Hyde Park ist eine Oase innerhalb der Stadt. Er verdankt seine Existenz zum Großteil der University of Chicago, an der Studenten mit abgeschlossenem Studium gegenüber den nicht graduierten in der Überzahl sind. 18 Nobelpreise für Wirtschaft gingen seit seiner erstmaligen Verleihung im Jahre 1969 an Absolventen dieser Universität.

Die lesewütigen Jungakademiker verleihen dem Ort eine angenehme, isolierte Kleinstadt-Atmosphäre, die sich stark von den im Westen und Süden angrenzenden, heruntergekommenen Bezirken abhebt. Hauptattraktion für die meisten Besucher ist das Museum of Science and Industry mit seinen Hightech-Ausstellungsstücken. Außerdem beherbergt es einige bizarr anmutende Körperobjekte, darunter ein durchsichtiges, zerlegtes Frauenkörpermodell und die echten Präparate eines weiblichen und eines männlichen Körpers, die in dünne Scheiben zerlegt wurden und so eine Querschnittansicht bieten.

Eine weitere lohnenswerte Attraktion ist Robie House, ein im Jahre 1910 von Frank Lloyd Wright entworfenes Prärie-Haus. Die Räume des Hauses sind um einen zentralen Kamin herum angelegt. Das hört sich gemütlich an, doch die Nachbarn fanden das gar nicht gut. Außerdem wurde Mister Robie von seiner Frau verlassen und ging schließlich pleite. Heute gehört das Haus zur Universität und ist für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der Hyde Park liegt 11 Kilometer südöstlich der Innenstadt von Chicago und ist mit dem Metra-Zug von den Loop-Bahnhöfen Randolph Street und Van Buren Street zu erreichen.

Oak Park Oak Park

Oak Park ist ein wohlhabender Vorort Chicagos, der als historischer Bezirk erhalten wird. Zum einen wegen Ernest Hemingway, der hier geboren wurde und aufwuchs, zum anderen wegen eines jungen Architekten namens Frank Lloyd Wright, der 1889 in diesem Bezirk ein Architekturbüro eröffnete, um sich dem experimentellen Gebäudedesign zu widmen.

Die meisten der Erinnerungsstücke an Hemingway wurden von der Oak Park Historical Society gesammelt. Das Haus, in dem er aufwuchs, ist jedoch nicht zu besichtigen. Da lohnt es sich schon eher, die 25 über die ganze Stadt verstreuten Bauwerke von Wright ausfindig zu machen. Der 1904 erbaute Unity Temple ist Wrights erster Versuch einer Konstruktion aus gegossenem Beton und eine seiner berühmtesten Arbeiten. Sein Home and Studio wurde mehrmals umgestaltet und vereinigt sämtliche Erkennungsmerkmale, die mit Wright in Verbindung gebracht werden.

Oak Park liegt 15 Kilometer westlich des Loop und ist bequem mit der Hochbahn zu erreichen.

Indiana Dunes National Lakeshore Indiana Dunes National Lakeshore

An klaren Tagen kann man von Chicago aus Gary sehen, ein ärmliches Zentrum der stahlverarbeitenden Industrie knapp 50 Kilometer südöstlich am Ufer des Lake Michigan. Jenseits dieses industriellen Schandflecks liegen die Indiana Dunes, ein 25 Kilometer langer Streifen aus Sandstränden und Dünen, die von den starken Winden am Lake Michigan geformt wurden. Dort gibt es zwar auch einige Baugebiete und ein paar Stahlwerke, doch große Teile des unberührten Sandstrands und der Uferregion wurden zu Schutzgebieten und Nationalparks erklärt.

Das Bailly-Chellberg Visitor Center and Trail bildet das Herz des National Lakeshore Park. An einem drei Kilometer langen Wald- und Naturwanderweg wachsen Hornsträucher, arktische Beeren und sogar Kakteen. Der Pfad führt außerdem an restaurierten Blockhütten aus der Zeit um 1820 und an einer Farm vorbei, die etwa 1870 von schwedischen Siedlern gebaut wurde.

Im Sommer ist der Indiana Dunes State Park mit Menschen übersät, die an den Strand drängen. Das östliche Ende des nicht ganz so überfüllten Kemil Road Beach wird von Mount Baldy beherrscht, einer 36 Meter hohen Düne, die einen guten Ausblick über den See und die Ufergebiete bietet.

Vom Zentrum Chicagos fahren häufig Züge am Südufer entlang zu den 65 Kilometer östlich gelegenen Indiana Dunes. Mit dem Auto gelangt man über den I-94 zu den Parks.

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