Geschichte

Die Kanarischen Inseln sind ungefähr 30 Millionen Jahre alt, was für geologische Standards relativ jung ist.

Mit der Radiokarbonmethode konnte die erste Siedlung auf ungefähr 200 v.Chr. datiert werden, obwohl auch eine frühere Besiedlung möglich sein kann. Die Europäer beschrieben die Einwohner nach ihren Streifzügen im 15. Jahrhundert als große und kräftig gebaute Menschen mit blauen Augen und langen, blonden Haaren. Diese Menschen nannten sich selbst Guanches, von guan für "Mann" und che oder achinch für "weißer Berg", wobei sie sich auf den schneebedeckten Vulkan Teide bezogen. Theorien zur Herkunft der Guanches reichen von keltischen Einwanderern vom spanischen oder portugiesischen Festland bis hin zu nordischen Eindringlingen. Berberische Einwanderer aus dem nahe gelegenen saharischen Afrika bewohnten mit Sicherheit einige der östlichen Inseln, wo Ortsnamen deutliche Ähnlichkeit mit den berberischen Stammessprachen aufweisen. Ab und zu finden sich jedoch auch bei den Berbern blaue Augen und blonde Haare, was für die Herkunft der Guanches auch weiterhin Rätsel aufgibt.

Die Guanches lebten hauptsächlich vom Ackerbau, Jagen und Sammeln. Die meisten von ihnen lebten in Höhlen. Die erste relativ zuverlässige Erwähnung der Ankunft von Europäern stammt aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert, als der genuesische Kapitän Lanzarotto Malocello auf die Insel stieß, die später seinen Namen in abgewandelter Form tragen sollte: Lanzarote. Viele Träumer auf der Suche nach dem legendären Río de Oro (Goldfluss), Missionare und Sklaventreiber kamen vorbei oder blieben. Jedoch erst die portugiesisch-italienische Mission von 1341 führte dazu, dass die Kanaren auf einer Landkarte verzeichnet wurden.

Die ersten Europäer, die die Guanches unterwerfen wollten, waren 1402 die Normannen aus Frankreich. Die letzten Kämpfe endeten ca. 1495 unter einem galizischen Angriff. In diesem Jahrhundert gab es Massaker, Kriege und Guanches wurden in die Sklaverei verkauft. Weniger als ein Jahrhundert später war deren Sprache so gut wie ausgestorben. Überlebende heirateten die Eindringlinge, bekehrten sich zum Christentum und nahmen spanische Namen an.

Spaniens Herrschaft über die Inseln fand jedoch auch Widerstand. Zuerst besetzten 1569 und 1586 marokkanische Truppen Lanzarote, dann versuchte sich Sir Francis Drake 1595 an einer Kanonenbootdiplomatie vor der Küste von Las Palmas. Eine holländische Flotte setzte Las Palmas 1599 in Schutt und Asche und schließlich vernichteten die Briten 1657 unter Admiral Robert Blake die Spanier auf Teneriffa.

Spanien ließ sich jedoch nicht unterkriegen, und 1821 wurden die Kanaren zur spanischen Provinz erklärt. Santa Cruz de Tenerife wurde zur offiziellen Hauptstadt ernannt. Dies führte dazu, dass die Einwohner von Gran Canaria die Aufteilung der Provinz in zwei Teile forderten - was in den 1840ern auch kurz und erfolglos geschah. Verschiedene landwirtschaftliche Erzeugnisse erlebten ihr Hoch und Tief auf den Inseln: Zuckerrohr, Wein, Koschenille zur Herstellung von Farben, Bananen und, jedoch in geringeren Mengen, Tomaten und Kartoffeln.

Die britische Seeblockade von Europa im 1. Weltkrieg zerstörte den Handel mit Bananen. Die Kanarier reagierten darauf auf ihre Weise und entflohen der Armut in ein neues Leben nach Lateinamerika.

Die kurze Phase der Hoffnung, die auf den 1. Weltkrieg folgte, wurde schlagartig mit dem Bürgerkrieg in Spanien 1936 zunichtegemacht. Im März 1936 transferierte die Spanische Republik General Franco auf die Kanaren unter dem (begründeten) Verdacht, dass er in eine Verschwörung zum Sturz der Regierung verwickelt war. Franco nahm die Inseln im Juli ein, flog dann nach Marokko, um den Kampf fortzusetzen und überließ es den Nationalisten, republikanische Sympathisanten auf den Inseln dingfest zu machen.

Die Kanaren litten nach dem Krieg ebenso wie Spanien. Wieder kam es zu einer Flüchtlingswelle, obwohl dieses Mal viele heimlich und vor allem nach Venezuela flohen. In den 50er-Jahren verließen 16.000 Menschen das Land. Ein Drittel von denen, die sich auf die Reise machten, ging in lecken Booten unter. Zu Beginn der 60er-Jahre beschloss Franco, die Türen des Landes für sonnenhungrige Touristen zu öffnen. Nun strömen jedes Jahr Millionen Hedonisten auf der Suche nach Sonne auf die Inseln.

Die Coalición Canaria spielte beim Sieg der rechtsgerichteten Partido Popular bei den Wahlen 1996 eine große Rolle. Sie unterstützten die Regierung unter der Bedingung, dass ihre Bedürfnisse an erster Stelle stehen müssten, d.h. dass die Interessen der Inseln vor den nationalen Interessen rangieren sollten.

Nachdem die Kanaren 1982 den Status comunidad autónoma (autonome Region) erhalten haben, haben sie ihre politische Kraft in der letzten Zeit zu ihrem Vorteil genutzt. Die derzeitige Regierungspartei ist die nationalistisch-liberale Kanarische Koalition unter Führung von Adán Martín Menis. Auf den Inseln gibt es eine nicht zu missachtende nationalistische Tendenz. Besucher sollten daher nicht überrascht sein, wenn sie Graffitis mit Sprüchen "Spanier haut ab" sehen.

Heutzutage machen die Inseln vor allem Schlagzeilen wegen der Tausenden von sub-saharischen afrikanischen Einwanderer, die in einer sehr heiklen (und zumeist illegalen) Situation an den Küsten eintreffen.

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