Boston hieß in seinen Anfangstagen Trimountain (wegen seiner drei Hügel) und erhielt seinen heutigen Namen von der gleichnamigen Stadt in England. Die von Reverend William Blaxton angeführte Vorhut der englischen Siedler kam 1624 an dieser Stelle an - knapp fünf Jahre nachdem die Pilgerväter im nahe gelegenen Plymouth an Land gegangen waren.
Sechs Jahre später wurde die Kolonie Massachusetts Bay gegründet, als John Winthrop der Ältere sich als offizieller Repräsentant der Massachusetts Bay Company hier niederließ. Von Beginn an war die Gegend das Zentrum der Puritaner und ihrer Kultur in der Neuen Welt.
Der Puritanismus war eine intellektuelle und theokratische Bewegung, und so handelte es sich bei den Männern und Frauen an der Spitze der frühen Bostoner Gesellschaft um Menschen, die das Gesetz der Bibel verstanden und befolgten - und mit Hilfe kraftvoller Rhetorik zu erklären verstanden, warum sie dies taten. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass 1635 in Boston die öffentliche Lateinschule Public Latin School gegründet wurde, die auch heute noch als öffentliche Elite-Highschool existiert. Ein Jahr später wurde im benachbarten Cambridge das Harvard College (die heutige Harvard University) gegründet. Bereits 1653 besaß Boston auch eine öffentliche Bibliothek und 1704 den News-Letter, die erste Tageszeitung der Dreizehn Kolonien.
Auch wenn es an der Küste Neuenglands viele ausgezeichnete Naturhäfen gab (Essex, Plymouth, Providence, Salem) - Boston besaß geografisch gesehen den besten von allen. Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts war Boston auf dem besten Weg, das zu werden, was es auch heute noch ist: Die größte und bedeutendste Stadt Neuenglands.
Als Zentrum der Region zog Boston natürlich auch das Interesse Londons auf sich. Als König George III. und das Parlament beschlossen, die im englischen Abgeordnetenhaus nicht vertretenen Kolonien mit Steuern zu belegen, wurden die Abgaben zuerst in Boston erhoben. Auch der erste Widerstand gegen die Besteuerung trat in Boston auf. Das Massaker von Boston und die Boston Tea Party waren Schlüsselereignisse in der Entwicklung der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, und die Schlacht von Bunker Hill stärkte die Entschlossenheit der Kolonien, ihre Unabhängigkeit von der britischen Krone zu erklären.
Nach dem Unabhängigkeitskrieg hatte Boston unter einer Wirtschaftskrise zu leiden, nachdem die britische Regierung amerikanischen Schiffen den Zugang zu anderen Häfen des britischen Empire verwehrte. Als später neue Handelsbeziehungen entstanden, erlebte Boston einen wirtschaftlichen und industriellen Aufschwung, der vom späten 18. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte. In den Wirtschaftszweigen Schiffbau, Seehandel, Textilindustrie und Schuhfabrikation wurden Vermögen gemacht. Boston erhielt 1822 Stadtrecht, und auf dem Beacon Hill erhoben sich schon bald die prächtigen Villen der einflussreichsten Familien.
Es waren dieselben Familien, die sich mit Eifer um die Förderung von Kunst und Kultur kümmerten. Obwohl die Bostoner von der Grundhaltung her eher konservativ und traditionell eingestellt waren, so zeigten sie sich doch als strenge Verfechter der amerikanischen Freiheitsideale und entschlossene Gegner der Sklaverei und unterstützten die Aktivitäten der "Underground Railroad", einer Organisation, die einstigen Sklaven auf den Weg in den Norden half.
Als sich das 19. Jahrhundert seinem Ende neigte, schwand die Bedeutung Bostons aufgrund des Wachstums konkurrierender Hafenstädte und der weiteren Ausdehnung der Landesgrenzen nach Westen. Der Wirtschafts-Boom Neuenglands kam zu einem jähen Ende, als die Textil- und Schuhfabriken in die billigeren Arbeitsmärkte des amerikanischen Südens zogen.
Im 20. Jahrhundert wurde die Stadt kulturell facettenreicher als je zuvor. Die schwere Hungersnot in Irland spülte tausende von Einwanderern in die Neue Welt, und besonders nach Boston, was eine Änderung des ethnischen und wirtschaftlichen Gefüges der Region zur Folge hatte. Zu den Neuankömmlingen gesellten sich schon bald Einwanderer aus Italien, dem Osmanischen Reich und Portugal.
Wirtschaftlich gesehen wurde Boston eher zu einer Außenstelle als einer Drehscheibe, obwohl es ein bedeutendes Zentrum medizinischer Ausbildung, Behandlung und Forschung geblieben ist und über die beste Universität der USA verfügt. Zahlreiche Hochschulabsolventen bleiben in Boston oder Umgebung, wodurch die regionale Wirtschaft besonders im Hightech-Bereich (Forschung, Entwicklung und Fabrikation) stark profitiert.
Trotz seiner starken Hinwendung zur Vergangenheit hat Boston gleichzeitig immer nach vorne geschaut. Zur Jahrtausendwende trat die Stadt in einer Phase der Wiederbelebung ein dank des fast abgeschlossenen 'Großen Buddelns' (Big Dig) - des bislang ehrgeizigsten öffentlichen Bauvorhabens der Geschichte Bostons: die Hauptverkehrsader der Stadt unter die Erde zu verbannen. Gut betuchte junge hoch qualifizierte Berufstätige zieht es in Scharen zurück in die Stadt; nach dem Ende der Mietkontrolle in der Mitte der neunziger Jahre sind sie die einzigen, die es sich einigermaßen leisten können, hier zu leben! Wohlhabend und lebenswert, bleibt Boston das Zentrum des intellektuellen Lebens der USA.
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