Geschichte

Die Besiedlung der bolivianischen Anden reicht wahrscheinlich rund 21 000 Jahre zurück. Die mächtigsten präkolumbischen Kulturen waren das Reich der Tiahuanaco, dessen Mittelpunkt die Gegend rings um den Titicaca-See bildete und das von 600-1200 n.Chr. die Region beherrschte, sowie das der Inka, deren riesiges Herrschaftsgebiet einen Großteil Perus, Boliviens, Ecuadors und Nordchiles umfasste.

1531 nahm unter Francisco Pizarro die spanische Eroberung Boliviens ihren Anfang. Die Konquistadoren hatten rasche Erfolge zu verzeichnen und sicherten sich unter Ausnutzung des Vertrauens - und später der Uneinigkeit - der Indianer dieses Territorium, das bald den Namen Alto Peru erhielt. 1544 wurde in Potosí Silber entdeckt. Der märchenhafte Reichtum, den dieser Fund nach sich zog, bildete mehr als zwei Jahrhunderte lang die stabile Grundlage der Wirtschaft Spaniens (und der Extravaganzen, die Spaniens Monarchen sich leisteten). Die Bedingungen aber, unter denen die Minenarbeiter - versklavte Indianer und Afrikaner - schuften mussten, waren dermaßen unmenschlich, dass die meisten innerhalb weniger Jahre starben.

Die ersehnte Unabhängigkeit von der profitgierigen spanischen Obrigkeit verdankt Bolivien in erster Linie Antonio JosÉ de Sucre, einem Leutnant Simón Bolívars, dem Sieger aus der Schlacht von Ayacucho, die 1824 geschlagen wurde. Ein Jahr später wurde Bolivien formell zur Republik ernannt.

Die Ausdehnung des bolivianischen Staatsgebiets, immerhin mehr als zwei Millionen Quadratkilometer (780,000 sq mi), war seinen Nachbarn seit jeher ein Dorn im Auge. Der Landhunger Chiles führte zum Pazifischen Krieg (auch Salpeterkrieg genannt), der von 1879 bis 1884 dauerte. Chile gewann, brachte 850 km Küste an sich und Bolivien um seine Hafenstadt Antofagasta, wodurch der praktisch lebenswichtige Zugang zum Meer abgeschnitten war. Bald darauf begannen auch Peru, Brasilien und Argentinien, sich mit Gebieten entlang der bolivianischen Grenzen zu bedienen.

1932 verlor Bolivien bei einem Grenzstreit mit Paraguay wegen Erdölvorkommen in der Chaco-Region ein weiteres Stück Landfläche. Der daraus resultierende Chaco-Krieg (1932-1935) schürte den Unmut unter der Bevölkerung, ließ reformistisch gesinnte Organisationen entstehen und führte zu einer Reihe von Staatsstreichen unter Leitung reformwilliger, hochrangiger Militärs.

Das vielleicht wegweisendste Ereignis jener Zeit war die Entstehung der populistischen Partei Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR), zu Deutsch: nationalistisch-revolutionäre Bewegung. Bei den Wahlen von 1951 lag die MNR unter Parteichef Víctor Paz Estenssoro in der Wählergunst ganz vorn, doch in letzter Minute verhinderte ein Militärputsch das Zustandekommen der Landeswahlen. Der Staatsstreich zog einen bewaffneten Volksaufstand nach sich, die so genannte Aprilrevolution von 1952. Das Militär wurde niedergeschlagen und Paz Estenssoro übernahm das Präsidentschaftsamt.

1964 stürzte eine Militärjunta unter Führung von General RenÉ Barrientos die MNR. Danach löste ein Militärregime das andere ab, bis 1982 nach freien Wahlen die linksgerichtete, bürgerliche Partei Movimiento de la Izquierda Revolucionaria (MIR), die "Bewegung der revolutionären Linken" unter Dr. Hernán Siles Zuazo, an die Macht kam. Drei Jahre später musste Zuazo der MNR und Paz Estenssoro weichen, der sich unverzüglich daran machte, die mehr als galoppierende Inflation zu stoppen (die auf ihrem Höhepunkt 35 000% im Jahr betrug!) und Sparmaßnahmen zu treffen.

Seit der Wahl von Boliviens erstem indigenem Präsidenten, Evo Morales, im Dezember 2005 fegen Wirbelstürme der Veränderungen auf täglicher Basis über das Land hinweg. Im Juli 2006 haben die Wähler eine verfassungsgebende Versammlung gewählt, um die Verfassung des Landes neu zu schreiben. Im November 2006 war das Land wegen der Frage, ob Änderungen in der Verfassung mit einer einfachen Mehrheit oder mit einer zweidrittel Mehrheit beschlossen werden sollen, in Aufruhr.

Viele Bolivianer aus der Mittel- und Oberklasse sind gegenüber Morales, seinem antikapitalistischen Standpunkt und sozialistischen Ideologien wachsam und kritisch, was die Unerfahrenheit seiner Minister anbelangt. Dennoch ist seine Forderung nach einer Gleichstellung der indigenen Einwohner nach Jahrhunderten der Dominanz durch spanische Nachfahren sehr beliebt. Die meisten Bolivianer geben Morales wenigstens bis zur Vorstellung der Ergebnisse der verfassungsgebenden Versammlung 2007 eine Chance.

Intern kämpft Morales gegen die Forderungen des Bezirks Santa Cruz nach Autonomie. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung wurden darüber hinaus 16 Minenarbeiter getötet, nachdem rivalisierende Bergbaukonzerne über Konzessionsrechte gestritten haben. Chile wurde noch immer nicht vergeben, dass es sich Boliviens Meereszugang angeeignet hat. Positiv zu vermerken ist, dass der Internationale Währungsfonds 2005 zugestimmt hat, Boliviens Schulden von 120 Millionen Dollar zu erlassen. Kulturelle Revolution oder bevorstehender Bürgerkrieg? Wie die Bolivianer selbst sagen, vamos a ver (Schaun wir mal)...

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