Geschichte

Belgiens ÜbermÄchtige Nachbarn Frankreich, Deutschland und Großbritannien hielten Belgien lange Zeit fÜr einen netten kleinen Ort, an dem man sich die KÖpfe einschlagen kann. Nachdem Belgien zunÄchst von germanischen StÄmmen erobert wurde, erfolgte im siebten Jahrhundert die Christianisierung, gefolgt von der Eingliederung in das Frankenreich um 1100. Einen Aufschwung erlebten vor allem die flÄmischen StÄdte Ypern, BrÜgge und Gent, deren Wirtschaft vor allem auf dem Stoffhandel beruhte. WÄhrend BrÜgge seine fÜhrende Stellung aufgrund der britischen Konkurrenz und der Verschlammung des Flusses nicht lange halten konnte, stieg Antwerpen zu einer bedeutenden Handelsstadt mit dem damals grÖßten Hafen Europas auf.

Das goldene Zeitalter begann zu verblassen, als die damaligen Niederlande (heute Belgien, die Niederlande und Luxemburg) Mitte des 15. Jahrhunderts durch die damals Übliche Heiratspolitik an Spanien fiel, wodurch ein langer Kampf gegen die Herrschaft des katholischen Spaniens ausgelÖst wurde. Philipp II., ein fanatischer Katholik, schickte die Inquisition, um den Katholizismus in den Niederlanden durchzusetzen. Tausende waren bereits eingekerkert oder hingerichtet, als 1568 ein ordentlicher Krieg ausbrach. Die Revolte der Niederlande dauerte 80 Jahre und endete damit, dass Holland und seine alliierten Provinzen die Spanier rausschmissen. Belgien und Luxemburg verblieben unter spanischer Herrschaft. Nach Napoleons berÜhmter Niederlage bei Waterloo in der NÄhe von BrÜssel wurden die Gebiete als Ergebnis des Wiener Kongresses wieder zu einem einheitlichen Staat, dem Vereinigten KÖnigreich der Niederlande, zusammengefasst. Damit wiederum konnten sich die katholischen Belgier nicht abfinden und setzten nach dem Aufstand von 1830 ihre UnabhÄngigkeit durch.

Eingeklemmt zwischen einem Fels und einem rauhen Ort (aka Frankreich und Deutschland), hat Belgien es geschafft sich durch die Jahrhunderte seine NeutralitÄt zu wahren, wobei nur der flÄmische Nationalismus erblÜhte. In der Zwischenzeit begann KÖnig Leopold II fÜr sich selbst (und, indirekt, fÜr seine Untertanen) durch seine genozidartige Ausbeutung seiner Besitzschaften im afrikanischen Kongo ein VermÖgen anzuhÄufen.

Obwohl das Land sich eine Politik strikter NeutralitÄt auferlegte, marschierten 1914 die Deutschen ein. Bei einer weiteren deutschen Attacke 1940 wurde das ganze Land innerhalb von drei Wochen eingenommen. KÖnig Leopold III., dem vorgeworfen wurde, sich gar zu schnell mit den Besatzern arrangiert zu haben, trat 1950 zu Gunsten seines Sohnes, KÖnig Baudouin, zurÜck. Da er kinderlos blieb, folgte ihm auf dem belgischen Thron sein Bruder, der gegenwÄrtige KÖnig Albert II.

Das Belgien der Nachkriegszeit erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, welcher spÄter vor allem durch die Wahl BrÜssels als Standort fÜr die ZentralbehÖrden der EU und der NATO verstÄrkt wurde. Das heutige Belgien beheimatet eine gewaltige Armee von Diplomaten, welche dem Land eine ganz eigene Art internationalen Flairs verleihen - dicht gefolgt von langweiligen HochhÄusern und einschÜchternden Restaurants. WÄhrend die erste Stadt im Land zÜgig ausgebaut wird, um sich an den Rest von Europa anzupassen, bleiben die Belgier selbst nonchalant - der wahre Geist Belgiens wird immer in seinem Volk und seiner Vergangenheit leben.

Im Dezember 1999 heiratete der 39-jÄhrige belgische Thronfolger Prinz Philippe eine Sprachtherapeutin mit sowohl flÄmischen als auch wallonischen Wurzeln, womit das Jahrhundert mit einer versÖhnlichen Geste abgeschlossen wurde, wie viele Belgier fanden.

In den 90er Jahren war Belgien durch EnthÜllungen Über die inkompetente Handhabung der Untersuchungen der Morde an mehreren Kindern erschÜttert worden. Dies veranlasste 300 000 Belgier in BrÜssel aus Protest gegen das nicht funktionierende Polizei- und Justizsystem des Landes auf die Straße zu gehen. Im Jahre 2004 wurde gegen Marc Dutroux wegen der Vergewaltigung und Ermordung der jungen MÄdchen schließlich eine lebenslange Haftstrafe verhÄngt.

Im Jahr 2003 wurde ein umstrittenes Gesetz, das belgischen Gerichten die Befugnis gegeben hÄtte, nichtbelgische StaatsangehÖrige fÜr Kriegsverbrechen und Verletzungen der Menschenrechte anzuklagen. Nach intensivem Lobbying u.a. durch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld fallen gelassen; Rumsfeld hatte angedeutet, dass durch dieses Gesetz die Rolle BrÜssels als Sitz der NATO gefÄhrdet werde.

Belgien wurde in jÜngster Vergangenheit Vorreiter moralischer Freiheiten. Es ist das zweite Land (nach den Niederlanden), wo sowohl die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare als auch Euthanasie erlaubt sind.

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