Die Gegend des heutigen Pekings wurde bereits vor etwa 500.000 Jahren besiedelt und war um 1000 v. Chr. zunÄchst ein Handelsaußenposten fÜr die Mongolen, Koreaner und andere StÄmme aus Shandong und Zentralchina. Nachdem sie im Jahre 1215 von Dschingis Khan niedergebrannt wurde, wurde die Stadt unter der Kontrolle von Kublai Khan, dem Enkel Dschingis Khans, wiederaufgebaut und fortan Dadu (große Hauptstadt) genannt. Im Jahre 1368 fÜhrte der SÖldner Zhu Yuanzhang einen Aufstand an und bereitete so den Weg fÜr die Ming-Dynastie. Die Stadt wurde in Beiping (NÖrdlicher Friede) umbenannt und wÄhrend der folgenden 35 Jahre diente Nanjing als Hauptstadt des Reiches. Als die Stadt den Status als Hauptstadt wieder erlangte, wurde Beiping in Beijing bzw. Peking (NÖrdliche Hauptstadt) umbenannt. Zu dieser Zeit wurden auch solch bedeutungsvolle Bauten wie die Verbotene Stadt errichtet.
Unter dem Einfluss der mandschurischen Eroberer, welche im 17. Jahrhundert die Qing-Dynastie ins Leben riefen, wurde Peking umfassend erneuert und ausgebaut. Es war jedoch von Anfang an abzusehen, dass sich fÜr diese Stadt, dem Herzen Chinas, eine turbulente Existenz abzeichnete.
Bei der Revolution von 1911 brach die Qing-Dynastie zusammen und die Kuomintang, die Nationalpartei, Übernahm offiziell die Kontrolle. Die wahre Macht lag jedoch weiterhin in den HÄnden der Kriegsherren, die China in zahlreiche Einflussbereiche aufteilten.
Im Jahre 1937, nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen zwischen den Kuomintang und den Kriegsherren, wurde die Stadt von den Japaner besetzt, welche bald auch Ostchina eroberten. Die Nationalpartei zog sich in die Stadt Chongqing im Westen zurÜck, welche wÄhrend des Zweiten Weltkrieges zeitweilig zur Hauptstadt Chinas wurde. Nach dem Sieg Über Japan im Jahre 1945 kehrte sie nach Peking zurÜck, doch zu diesem Zeitpunkt befand sich der chinesische BÜrgerkrieg bereits in vollem Gange, sodass ihre Tagen gezÄhlt waren.
Nach der Ausrufung der „Volksrepublik“ durch Mao Zedong auf dem Platz des Tors des himmlischen Friedens im Jahre 1949 machten sich die Kommunisten daran, das Erscheinungsbild der Stadt umfassend zu verÄndern. Die riesigen Stadtmauern wurden abgerissen, worauf kurze Zeit spÄter die GedenkbÖgen folgten. (Die Circle Line der U-Bahn folgt dem Verlauf der heute zerstÖrten Mauern der Tatarenstadt, wobei einige der Haltestellen die Namen der Tore tragen, die einst dort standen.) Hunderte von Tempeln und DenkmÄlern wurden zerstÖrt. Ganze GebÄudeblÖcke wurden dem Erdboden gleichgemacht, um eine Erweiterung der Boulevards und des Platzes des himmlischen Friedens zu ermÖglichen. Sowjetische Techniker strÖmten in die Stadt und hinterließen ihre Spuren in Form stalinistischer Architektur. Die ZerstÖrung der traditionellen chinesischen Kultur wurde 1966 noch ausgeweitet, als Mao die Kulturrevolution einleitete. China sollte auch Über das nÄchste Jahrzehnt vom Chaos gekennzeichnet bleiben. Erst im Jahre 1979 gab Deng Xiaoping, ein einstiger ProtegÉ Maos, der sich als pragmatischer FÜhrer bewÄhrt hatte, den Anstoß zu einem Modernisierungsprogramm. Das Land Öffnete sich und dem Westen wurde ein Einblick darin gewÄhrt, was die Kommunisten in den letzten 30 Jahren getrieben hatten.
Im Jahre 1989 wurden die Demonstrationen tausender von Studenten, die auf dem Platz des himmlischen Friedens fÜr die Demokratie einstanden, von Deng Xiaopings Regierungstruppen brutal niedergeschlagen. Dass es dazu kommen konnte, wÄhrend kapitalistische Reformen mit Einkaufszentren und Auslandsinvestitionen die Stadt Überschwemmten, verdeutlicht das Paradox des modernen Pekings.
1995 fand in Peking die UN-Frauenkonferenz statt. Nachdem sich Peking bei der UNO vehement fÜr die Ausrichtung der Konferenz eingesetzt hatte, verweigerten die Chinesen mehreren hundert Teilnahmewilligen das Einreisevisum, da deren Anwesenheit als politisch unangemessen betrachtet wurde. Peking erregte erneut Aufmerksamkeit, als es Anfang 1996 in einem erfolglosen Versuch, das Ergebnis der taiwanesischen PrÄsidentschaftswahlen zu beeinflussen, Raketen vor die KÜste Taiwans feuerte. WÄhrend der PrÄsidentschaftswahlen 2000 in Taiwan kam es zu einem Ähnlichen Vorfall.
Die Übernahme Hong Kongs kurz nach Deng Xiaopings Tod im Juli 1997 war vor allem auf die StÄrkung des Nationalismus ausgerichtet. Die Übergabe Macaos im Dezember 1999 lief dabei schon deutlich ruhiger ab.
Peking hat in letzter Zeit einen Imagewechsel erfahren. Dazu zÄhlen die Abschaffung der letzten offiziell nicht zugÄnglichen Bereiche der Stadt, die in den 1950ern zum Schutz der Kulturrevolution vor auslÄndischen EinflÜssen errichtet worden waren, sowie die erfolgreiche Bewerbung zur Ausrichtung der Olympischen Spiele 2008. Bei dem letzteren stehen aber wohl bei den chinesischen Beamten eher die propagandistischen Vorteile im Vordergrund, anstatt der Sport – ein Vorschlag beinhaltete die Austragung von Beach-Volleyball-Spielen und eines Teils des Triathlons auf dem Platz des himmlischen Friedens.
Die Stimmung im heutigen Peking erscheint ganz anders als im Jahre 1989. China hat sich entschlossen, die ModernitÄt zu begrÜßen, ohne die zugehÖrige politische Entwicklung zu vollziehen. Es fehlt verdÄchtig an jeder Form des Protests, welcher in den tiefen Untergrund verbannt wurde. Bei all dem gesichtswahrenden, intellektuellen Gerede ist sich jedoch jeder bewusst, dass Adam Smith und nicht Karl Marx diese kommunistische Wirtschaft bestimmt. Dabei sieht sich Peking nicht nur mit politischen, sondern auch Umweltproblemen konfrontiert – die WÜste Gobi nÄhert sich der Stadt und Peking zÄhlt zu den StÄdten mit der hÖchsten Luftverschmutzung. Die Notwendigkeit eines zÜgigen Wirtschaftswachstums, welches durch die Vorbereitungen fÜr die Olympischen Spiele 2008 noch hervorgehoben wird, wird zusÄtzlichen Druck auf eine bereits geschwÄchte Umwelt ausÜben.
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