Barcelona ging aus einer Möchtegern-Geschichte hervor. Durch kastilische Könige, die die Stadtmauern mit Kanonenkugeln durchsiebten und Anarchisten, die sich nicht einigen konnten, auf welcher Schulter die Waffe getragen werden soll, versank Barcelona für Jahrhunderte in den Schatten größerer Städte und Mächte. Der Legende nach wurde „Barcino“ um 230 vor Christus durch die Karthager gegründet. Obwohl die Stadt später von den Westgoten und den Muselmanen erobert wurde, begann die eigentliche Geschichte von Barcelona 801 nach Christus, als Armeen aus dem heutigen Frankreich vorstießen und die Muselmanen zurückdrängten. Zu dieser Zeit waren die Ebenen und Berge im Nordwesten und Norden von Barcelona von Menschen bevölkert, die wohl damals schon als „Katalanen“ bezeichnet wurden (obwohl das älteste vorhandene Dokument, das auf diesen Begriff zurückgreift, aus dem 10. Jahrhundert stammt). Im 12. Jahrhundert wurde Katalonien durch die Überreste aus dem Fall des muselmanischen Kalifats von Córdoba reich. Die Katalanen schafften es während des 14. Jahrhunderts, ihr Leuchtfeuer am Leuchten zu halten, als Barcelona über ein kleines Reich regierte, zu dem Sizilien, Malta, Sardinien, Valencia, die Balearen, die französischen Regionen Rousillon und Cerdagne sowie Teile von Griechenland gehörten. Aber im 15. Jahrhundert, von der Pest stark geschwächt, nach spektakulären Bankrotten und durch den Druck der Genovesen, die ihnen die Märkte streitig machten, ging dem Reich der Atem aus. Während die Katalanen gehofft hatten, dass eine Union mit dem kastilischen Königreich wieder Geld in die Schatullen und Leben in die Straßen bringen würde, waren die Erben der Krone von Kastilien eher daran interessiert, ihre eigenen Reichsambitionen durch Katalonien finanzieren zu lassen. Ein Aufstand gegen König Joan II im Jahre 1462 endete 1473 in einer Belagerung, die die Stadt zerstörte. Barcelona war mehr oder weniger vom kastilischen Staat annektiert worden, wurde jedoch von der Plünderung von Amerika, die Kastilien im 16. Jahrhundert enormen Reichtum brachte, ausgeschlossen. Die Bauern begannen damals mit einem Aufstand. Die verärgerten Katalanen griffen mehrere Male zu den Waffen und beim letzten Aufstand kämpfte Katalonien im Krieg um die spanische Erbfolge Seite an Seite mit Großbritannien und Österreich gegen Felipe V, dem französischen Kandidaten für die spanische Krone. Das war ihr Untergang. Barcelona fiel 1714 nach einer weiteren erschütternden Belagerung. Felipe verbot nicht nur die katalanische Sprache, er baute auch eine enorme Festung, die Ciutadella, um die aufständischen Bewohner in Schach zu halten. Nach 1778 erhielt Katalonien die Erlaubnis, mit Amerika Handel zu betreiben und das Schicksal der Region wendete sich allmählich. Die industrielle Revolution von Spanien begann hier basierend auf Baumwolle und andere Industriezweige, basierend auf Wein, Korkrinde und Eisen, kamen hinzu. Um 1830 kam durch die europäische Romantik die Rettung der katalanischen Kultur und Sprache, gerade als sie Gefahr lief, auszusterben. Die Catalan RenaixenÇa oder Renaissance war ein Kreuzzug zur Verbreitung der Sprache der Leute, der von Poeten und Autoren angeführt wurde. Um die gleiche Zeit entstand eine leidenschaftliche, nationalistische Bewegung, die von allen Parteien des politischen Spektrums begrüßt wurde.
In den Jahrzehnten um das 20. Jahrhundert entbrannten wilde Zeiten, mit Anarchisten, Republikanern, bürgerlichen Regionalisten, Verbrechern, Polizisten, Terroristen, politischen Revolverhelden, Pistoleros genannt, und Zentristen in Madrid, die sich alle ein Stück vom Kuchen abschneiden wollten. Darauf folgte in Barcelona eine Bevölkerungsexplosion - von rund 115 000 Einwohnern im Jahr 1800 auf mehr als eine halbe Million um 1900 und über eine Million 1930 - ausgelöst durch die Zuwanderung von Arbeitskräften für die Industrie. Ganze 80 % der Arbeiter der Stadt unterstützten gegen Ende des Ersten Weltkriegs die anarchistische Confederación Nacional de Trabajo (CNT) und der soziale Friede erlebte seinen Tiefpunkt während der Streiks von 1919 - 1920, als die Arbeitgeber Mörder bezahlten, um Gewerkschaftsführer zu beseitigen. In den Tagen der Zweiten Republik Spaniens, die 1931 gegründet wurde, gewann eine Koalition aus Linken und katalanischen Nationalisten unter dem Spitznamen Esquerra Republicana di Catalunya die Wahlen und schon bald wurde innerhalb des „Iberischen Staatenbunds“ eine Republik ausgerufen. 1934 rief die ERC-Regierung einen katalanischen Staat aus, was die Verhaftung von wichtigen Figuren der Regierung auslöste. 1936, vor dem Hintergrund einer steigenden Popularität der Ultrarechten, schloss sich die ERC mit anderen linksgerichteten Gruppen im ganzen Land zusammen, um die Volksfront zu gründen, die in diesem Jahr überzeugend gewann. Im Mai 1937 uferten innere Kämpfe zwischen Fraktionen der Gemeinderegierung - vor allem zwischen Kommunisten, Anarchisten und der POUM - in dreitägige Straßenkämpfe aus, die mindestens 1500 Menschen das Leben kosteten. Die republikanischen Anstrengungen wurden in ganz Spanien durch ähnliche innere Kämpfe geschwächt und jegliche Chancen, die faschistische Miliz von Franco zu schlagen, wurden zerstört. Schließlich fiel Barcelona, als letzte Hochburg der Republikaner, im Januar 1939 in die Hände von Francos Streitkräften und der Krieg endete ein paar Monate später. Tausende von Katalanen flohen über die Grenzen nach Frankreich, Andorra und weiter weg. Franco verlor keine Zeit; er verbot die katalanische Sprache und bevölkerte die Gegend mit verarmten Einwanderern aus Andalusien, in der Hoffnung, die widerspenstigen Katalanen und ihre dauernden Unabhängigkeitsansprüche, unschädlich zu machen. Der Plan wurde jedoch vereitelt, als sich herausstellte, dass die Kinder und Enkel der Einwanderer katalanischer als die Katalanen waren. Franco verbot sogar die fröhliche Ausdrucksform der Katalanen für ihre nationale Einheit, die Sardana ein öffentlicher Kreistanz. Das Grab von El Caudillo war kaum mit Erde zugedeckt, als in Katalonien bereits wieder Anstrengungen anliefen, eine eigene Nation zu bilden. Katalanisch wurde mit aller Macht wieder zum Leben erweckt und die Generalitat, das regionale Parlament, wurde wieder eingesetzt. Katalonien erhielt 1980 eine beschränkte Autonomie und heute kommen die Menschen mehrmals wöchentlich überall in der Stadt zusammen, um die Sardana zu tanzen. Man spricht wohl noch über die Unabhängigkeit, es bleibt aber beim Reden. In der Zwischenzeit ist Barcelona die bewegteste Stadt des Landes und scheint dies auch für lange Zeit zu bleiben.
Die Olympischen Spiele 1992 erlaubten Barcelona, seine Schätze auf der Weltbühne anzupreisen und ein Image von kulturellem Wohlstand zu vermitteln. Es gab seither keinen Schritt zurück. Die einst schäbigen Küstenviertel wurden mit Promenaden, Stränden, Jachthäfen, Restaurants, Freizeitattraktionen und neuen Wohnungen verwandelt. Die Olympiade mag bei den Menschen in Vergessenheit geraten, aber der daraus entstandene Antrieb ist kaum schwächer geworden. Mit enormen Projekten werden die großzügigen Bereiche des heruntergekommen zentralen Teils von Barcelona „rehabilitiert“. Das letzte Projekt war das gigantische Forum 2004 im Osten der Stadt, zu dem ein massives Kongresszentrum und Auditorium gehört. Das Profil der Stadt ist weiterhin im Aufschwung. Heute braucht Barcelona niemandem mehr vorgestellt zu werden.
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