Fürst Alexander von Nowgorod besiegte im Jahre 1240 die Schweden an der Mündung der Newa und erwarb sich auf diese Weise den Beinamen Newski. Im 17. Jahrhundert übernahmen dann die Schweden wieder die Kontrolle über die Region. Der Wunsch Peters des Großen, den Rivalen aus dem Norden zu besiegen und Russland in eine europäische Macht zu verwandeln, führte schließlich zur Gründung von St. Petersburg. Zu Beginn des Großen Nordischen Kriegs (1700-1721) eroberte Peter der Große die schwedischen Außenposten an der Newa und gründete 1703 am Fluss die Festung Peter und Paul, einige Kilometer landeinwärts vom Meer. Nachdem er den Schweden 1709 bei Poltawa eine empfindliche Niederlage beigebracht hatte, begann die in niederländischer Manier Sankt Pieterburkh genannte Stadt zu wachsen. Es wurden Kanäle gegraben, um das marschige Südufer der Newa zu entwässern, und im Jahre 1712 machte Peter die Stadt schließlich zu seiner Hauptstadt und zwang Aristokraten, Verwaltungsbeamte und Händler, hierhin zu ziehen und Häuser zu errichten. Bauern wurden zu Zwangsarbeit verpflichtet und nicht wenige kamen dabei zu Tode. Aus ganz Europa ließ man Architekten und Handwerker in die Stadt bringen. Als Peter der Große 1725 starb, verfügte die Stadt schon über eine beträchtliche Bevölkerung und 90% des Außenhandels des Landes wurden über sie abgewickelt.
Die direkten Nachfolger von Peter dem Großen machten Moskau wieder zur Hauptstadt, jedoch kehrte die Zarin Anna Iwanowna von 1730 bis 1740 nach St. Petersburg zurück. Zwischen 1741 und 1825 entwickelte sich die Stadt unter Zarin Elisabeth, unter Katharina der Großen und unter Alexander I. zu einer kosmopolitischen Metropole mit einem für seinen Luxus berühmten Hof. Die Herrscher und Herrscherinnen ließen unzählige Paläste, Regierungsbauten und Kirchen errichten, so dass St. Petersburg zu einer der großartigsten Hauptstädte Europas wurde.
Durch die Befreiung der Bauern aus der Leibeigenschaft im Jahre 1861 und die Industrialisierung, die in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte, gelangte eine Flut armer Arbeiter in die Stadt, was Übervölkerung, schlechte sanitäre Bedingungen, Epidemien und gärende Unzufriedenheit zur Folge hatte. St. Petersburg wurde zu einem Zentrum für Streiks und politische Gewalt und war auch das Zentrum der Revolution von 1905, die durch den so genannten "Blutsonntag" ausgelöst wurde - an jenem unheilvollen Tag, dem 9. Januar 1905, eröffneten Regierungstruppen das Feuer auf einen Zug streikender Demonstranten, die auf dem Weg zum Winterpalast waren, um dem Zar eine Petition zu überbringen. 1914, als zu Beginn des Ersten Weltkriegs der Name der Stadt in patriotischer Begeisterung zu Petrograd russifiziert wurde, hatte sie bereits zwei Millionen Einwohner.
Im Jahre 1917 war Petrograd dann erneut die Wiege der Revolution. Hier verwandelten sich Arbeiterproteste in einen Generalstreik und hier meuterten Truppen der Armee, was im März 1917 zum Ende der Monarchie führte. Der Petrograder Sowjet, in dem sich die Forderungen der sozialistischen Arbeiter und Soldaten bündelten, traf sich im Taurischen Palais der Stadt neben der reformistischen provisorischen Regierung. Im April reiste Lenin nach Petrograd, um die Bolschewistische Partei zu organisieren. Die eigentliche Revolution begann damit, dass die Bolschewiken am 25. Oktober (nach russischem Kalender) die wichtigsten Punkte in Petrograd besetzten und den Winterpalast erstürmten. Die neue bolschewistische Regierung operierte bis März 1918 von Petrograd aus, dann zog sie nach Moskau um, weil man einen deutschen Angriff auf die Stadt fürchtete.
Nach Lenins Tod im Jahre 1924 wurde Petrograd in Leningrad umbenannt. Es war ein Zentrum des stalinschen Industrialisierungsprogramms der 30er Jahre, hatte 1939 drei Millionen Einwohner und erzeugte 11% der sowjetischen Industrieproduktion. Stalin fürchtete jedoch, dass sich hier ein konkurrierendes Machtzentrum entwickeln könnte, und mit der Hinrichtung des örtlichen Parteichefs Sergei Kirow im Jahre 1934 wurden die umfassenden stalinistischen Säuberungen der 30er Jahre eingeführt.
Nachdem die Deutschen im Juni 1941 die Sowjetunion angriffen hatten, brauchten sie nur zweieinhalb Monate, um bis nach Leningrad vorzudringen. Hitler betrachtete Leningrad als die Wiege des Bolschewismus und gedachte die Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Deutsche Truppen belagerten Leningrad von September 1941 bis Ende Januar 1944. Viele Bewohner der Stadt waren evakuiert worden, zwischen einer halben und einer Million Menschen starben durch Artilleriebeschuss, Hunger und Krankheit.
Nach dem Krieg wurde Leningrad wieder aufgebaut und zu neuem Leben erweckt. Es sollte aber bis 1960 dauern, ehe die Bevölkerungszahl das Vorkriegsniveau überstieg. Inzwischen hat sich die 1991 in St. Petersburg zurückbenannte Stadt wieder als Russlands Fenster zum Westen etabliert. Sie ist der größte Hafen Russlands, ein gewaltiges Industriezentrum und eine kosmopolitische Metropole mit einer lebendigen Kulturszene, in der ausländische und russische Unternehmen schnell Fuß fassen. Zum ersten Mal seit fast einem ganzen Jahrhundert leben die Einwohner von St. Petersburg in einer Stadt, die nicht nur wunderschön, sondern auch mit allem Lebensnotwendigen versorgt ist. Leider kam mit der Freiheit für alle nicht auch der gleiche Wohlstand und die Kriminalität stieg parallel dazu.
Dies hat mit Putins Wahl zum Präsidenten ein Ende genommen. Putin hat die längste Zeit seines Lebens in St. Petersburg verbracht. Ihm liegt die Stadt sehr am Herzen und er hat viel für die Verbesserung der Infrastruktur und die Restaurierung der Kunstschätze getan. Russlands grösster Hafen ist eine aufregende internationale Kulturstadt, die im Jahr 2003 ihr 300-jähriges Stadtjubiläum feierte.
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