Geschichte

Begründung 16te Jahrhundert

Gustav Vasa I., König der aufstrebenden Weltmacht Schweden, erließ ein Dekret, das am 12. Juni 1550 zur Gründung der Stadt Helsinki führte. Er befahl den Händlern der Städte Porvoo, Tammisaari, Rauma und Ulvila, an die Flussmündung des Vantaa in die Gemeinde Helsinge (Schwedisch Helsingfors, was Helsinger Wasserfälle bedeutet) zu ziehen. Das blühende Handelszentrum Tallinn an der Südküste des Finnischen Meerbusens war den Schweden schon lange ein Dorn im Auge. Der König erhoffte sich, einen Großteil des Handels nach Helsinki zu verlagern; es war gleichermaßen günstig gelegen und bot einen Absatzmarkt für das reiche finnische Hinterland. Obwohl sich diese Überlegung im Jahre 1561 mit der Eroberung von Tallinn und Estland durch die Schweden erübrigte, entwickelte sich Helsinki zu einem schmucken, relativ erfolgreichen Handelshafen.

17te und 18te Jahrhundert 

1640 begann Schweden seinen neuen Status als Weltmacht aktiv zur Schau zu stellen. Unter der Regentschaft der jungen Königin Christina wurden viele schwedische Städte umgebaut, es gab breitere Straßen und die Gebäude erhielten beeindruckende Fassaden. In Finnland passierten zwei beachtenswerte Dinge. Das Gymnasium in Turku wurde in die Königliche Universität umgewandelt, und die Stadt Helsinki wurde von der Flussmündung des Vantaa weg auf die außenliegenden Inseln verlegt; zu einem Ort namens Vironniemi ('Estnischer Punkt'), der Name reflektiert die Nähe zu Estland und den Fischern von dort, die hier häufig Schutz suchten. Sowohl die Finnische (d.h. Helsinki) Universität, wie auch die Stadt Helsinki gedenken der kindlichen Königin Christina als ihrer Gründerin. Die neue Lage der Stadt, war strategisch nicht besser als die alte, wie sich im Nordischen Krieg (1713) bei der Invasion russischer Truppen zeigte, welche die Stadt zerstörten. Sie besetzten Finnland für acht Jahre, und die Geschichte Helsinkis begann 1721 zum dritten Mal. Der Wiederaufbau Helsinkis umfasste auch eine neue Kirche, die 1727 fertiggestellt und nach der Königin Ulrika Eleonora benannt wurde. Die Schneekirche, die jeden Winter auf dem Senats-Platz gebaut wird, ist eine Nachbildung dieser dritten Kirche Helsinkis. Das 18. Jahrhundert brachte die Gründung der Inselfestung Suomenlinna (Finnlands Schloss) mit sich, damals als Sveaborg (Schwedens Schloss) bekannt. Ursprünglich als militärische Festung und Basis im Falle einer Offensive gegen Russland geplant, wurde der Bau der Sveaborg 1748 von Augustin Ehrensvärd begonnen; die erste Phase wurde 1750 abgeschlossen. Im Jahr 2000 feierte die Festung ihren 250. Geburtstag. Obwohl sogar als das Gibraltar des Nordens bezeichnet, ist die militärische Akte von Sveaborg nicht sehr beeindruckend.

19te Jahrhundert

Im Mai 1808 ergab es sich kampflos den einfallenden Russen. Dies war der Beginn einer 110 Jahre andauernden Herrschaft Russlands. 1855 wurde das inzwischen hoffnungslos veraltete Sveaborg von britischen und französischen Kriegsschiffen bombardiert. Die Verbündeten bekämpften Russland im Krimkrieg (der trotz seines Namens an allen Fronten ausgetragen wurde). Sveaborg war noch immer das Tor nach St. Petersburg. Um so viel Schaden wie möglich anzurichten, verschossen die Alliierten innerhalb von 46 Stunden 20000 Granaten auf die Inselfestung. Die Niederlage war unvermeidbar. Aber die russische Herrschaft brachte nicht nur Krieg. Ohne einen Präzedenzfall wurde Finnland zu einem autonomen Großherzogtums von Russland. 1812 machte Zar Alexander I. Helsinki zur Hauptstadt. 1808 völlig niedergebrannt, war es möglich die Stadt von Grund auf neu zu bauen, und ab 1814 wurden zwei Männer angestellt, um den Straßenplan der Stadt zu entwerfen und die neuen Gebäude entsprechend des neuen Status' zu gestalten. An den Namen Carl Ludvig Engel erinnert man sich noch heute oft. Bei einem Besuch in Helsinki ist es nahezu unmöglich, seinen Werken, die er im Laufe von 30 Jahren geschaffen hat, aus dem Weg zu gehen. Der Senats-Platz, die Helsinki Kathedrale, und die Universitäts Bibliothek sind seine Arbeiten im neoklassischem Stil, der die Stadt durchdringt, und in den freundlichen Farbschattierungen, die Helsinki später den Namen “die weiße Stadt des Nordens” verliehen. Der Mann, der den Originalplan für die Straßen der Stadt entwarf, Johan Albrecht Ehrenström, ist heute in Vergessenheit geraten, obwohl er für das Ergebnis der Stadtplanung verantwortlich war. Der einzige Ort, an dem Besucher über seinen Namen stolpern könnten, ist der falsch geschriebene Name Albertinkatu. Helsinki blühte im 19. Jahrhundert auf, teilweise aufgrund eines steigenden Nationalstolzes. 1827 führte der große Brand in Turku dazu, dass die University im Jahre 1828 nach Helsinki verlegt wurde. 1831 wurde die Literarische Gesellschaft Finnlands gegründet. In der Zeit von 1810 bis in die 50er Jahre des Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl Helsinkis von viertausend auf 50000 an und das Lebenstempo glich dem vieler anderen europäischen Städte. Die Kaivopuisto Mineralquelle (unglücklicherweise während des 2. Weltkriegs zerstört) zog Touristen an, die Strandpromenade war ein geruhsamer Ort und ab 1840 war Kappeli bereits für viele ein beliebtes Ausflugsziel. Die Bombardierung Sveaborgs 1855 schadete Helsinki kaum (von einigen Granaten abgesehen, die nicht im eigentlichen Zielgebiet landeten) und die Bevölkerung versammelte sich sogar auf den Hügeln, um das dramatische 'Feuerwerk' anzusehen! Danach zog sich das Militär für einige Jahrzehnte aus Sveaborg zurück. Die Menschen begannen ihre Freizeit auf der landschaftlich schönen Insel zu genießen, eine Tradition, die heute wichtiger denn je ist. Dampfschiffe fuhren auf den Routen zwischen Helsinki, Tallinn und St. Petersburg, später gefolgt von Eisenbahnen. Die Universität wuchs in die ältere Seite der Stadt hinein, wo sie sich noch heute befindet. Das Gesicht Helsinkis formte sich. 1865 wurde das neue Theater (heute das Swedische Teater) fertiggestellt, die Uspensky Kathedrale 1868, das (Alte) Studentenhaus 1870, das kürzlich renovierte Hotel Kämp 1887 und das nationale Kunstmuseum, das Ateneum, und die Alte Markthalle 1889. 300 Jahre nach den ersten Ambitionen von König Gustav Vasa I., lief Helsinki Tallinn den Rang als Mittelpunkt des Finnischen Meerbusens ab.

Moderne Zeiten

In Russland führte der Erste Weltkrieg 1917 zur kommunistischen Revolution. Finnland nutzte die Möglichkeit und erklärte am 6. Dezember 1917 seine Unabhängigkeit. Es hielten sich aber immer noch russische Truppen innerhalb seiner Grenzen auf, und interne Unruhen führten zum Bürgerkrieg. Die Regierung zog sich nach Ostrobothnia zurück, Helsinki wurde von finnischen Sozialisten und der Roten Garde übernommen, diese Kräfte erklärten Finnland zur Volksrepublik. Während die Weisse Armee unter dem General Carl Gustav Mannerheim verzweifelt um die Kontrolle des Landes kämpfte, bat die Regierung das imperiale Deutschland um Hilfe. Deren Ostsee-Division schaffte es schliesslich, die Kontrolle über Helsinki zu erlangen. Das Kriegsende brachte die Niederlage Deutschlands, und seine Truppen zogen sich aus Finnland zurück. Recht schnell übernahm die Regierung die Kontrolle über das Land wieder, und die Republik Finnland wurde schliesslich gegründet. Finnland wurde im Zweiten Weltkrieg das erste Mal als Nation auf die Probe gestellt.

Im Finnisch-Sowjetischen Winterkrieg (30.11.1939-13.3.1940) wurde Helsinki nur 9 mal bombardiert. Im Finnisch-Sowjetischen Folgekrieg (22.6.1941-30.9.1944) wurden die Luftangriffe verstärkt. Doch nur 799 der abgeworfenen Bomben trafen das Stadtgebiet (weniger als 5%). Das ist zumindest teilweise der sehr effektiven Flugabwehr-Artillerie zu verdanken. Die Zahl der Kriegsopfer der Stadt belief sich für beide Kriege mit der Sowjet-Union auf 241 Tote. 109 Gebäude wurden zerstört. An der Front selbst fielen aber wesentlich mehr Menschen. Die meisten wurden auf dem Hietaniemi Friedhof beerdigt. Marschall Mannerheim war der Held des Krieges und wurde 1944 zum Präsidenten gewählt. Seine Beerdigung in Hietaniemi an einem eiskalten Februartag 1951 vereinigte die Menschen Helsinkis in Trauer auf den Strassen. Mannerheim wird noch heute von allen Finnen hoch geschätzt, was sich unter anderem in der Benennung der größten Straße Helsinkis zu seinen Ehren zeigt. Eine Statue des Marschalls auf seinem Lieblingspferd (1950 enthüllt) befindet sich am neuen Museum für moderne Kunst, dem Kiasma das 1998 vollendet wurde.

Im neuen Jahrhundert war der Nationalismus stärker denn je. Die Gebäude der Stadt im Art Nouveau Stil (lokal unter dem deutschen Namen Jugendstil bekannt) erinnern sichtbar daran (besonders in Kruununhaka, Katajanokka, Ullanlinna und Eira). Gebäude von Architekten wie Herman Geselius, Armas Lindgren, Eliel Saarinen und Lars Sonck (wie der Bahnhof, das National Museum, der gesamte Bezirk Eira, das Eira-Krankenhaus und die Kallio-Kirche) sind hierfür gute Beispiele. Der Art Nouveau folgte der Funktionalismus. Ein Paradebeispiel für diesen Stil ist der Lasipalatsi (der Glas-Palast), der diesen Namen aufgrund der vielen Fenster trägt. Nach dem Krieg entwickelte Helsinki eigenständige Vororte, und 1965 hatte es mehr als eine halbe Million Einwohner. 1952 war Helsinki erfolgreicher Gastgeber der Olympischen Spiele im Olympia Stadion, das den Namen der Stadt weltweit bekannt machte. Architektonisch gehörte die zweite Hälfte des Jahrhunderts Alvar Aalto, dessen Gebäude in Helsinki fast so verbreitet sind, wie die von Engel.

Obwohl das Auto immer noch das beliebteste Fortbewegungsmittel ist, bietet Helsinki einen sehr effektives Öffentlichesverkehrnetz. Zusätzlich zu den vielen Linien der Strassenbahn, die kreuz und quer durch die Stadt verlaufen, sowie dem effektiven Bus-Service, wurde 1982 eine U-Bahn gebaut. Heute wird bereits über den Ausbau des Streckennetzes diskutiert. In kultureller und sozialer Hinsicht hat Helsinki die gleichen Hochs und Tiefs gehabt, wie der Rest der Welt. Die 90er Jahre waren besonders interessant, da Helsinki in einer neuen Ära des kulturellen Genusses aufging. In diesem Jahrzehnt wurde das New Opera House und das Museum fur Moderne Kunst gebaut. Der Lasipalatsi, die Kathedrale und das Hotel Kämp wurden restauriert. Die beiden neuen Multiplex-Kinos, der Kinopalatsi und der Tennispalatsi wurden renoviert. Ausserdem wurde die Restauration von Suomenlinna fortgesetzt (das ehemalige Sveaborg, umbenannt 1917, heute im Verzeichnis der Weltkulturgüter der UNESCO gelistet - und ein toller Ort für ein Picknick!). Ebenfalls zur Restauration standen die Kallio Kirche und das National-Museum heran.

Im Jahr 2000 wurde der 450 Geburtstag gefeiert - und der 1-jährige Status als eine der kulturellen Hauptstädte der Europäischen Union. Obwohl Helsinki eine relativ junge Stadt ist (das älteste Gebäude ist aus dem Jahr 1757), wurde der Wunsch König Gustav Vasa I. auf andere Weise erfüllt. Heute ist Helsinki eine kulturelle Hochburg der Ostsee-Region, und das nicht nur, weil es eine der kulturellen Hauptstädte des Jahres war, sonder wegen all der Aktivitäten, die von hier ausgehen und angezogen werden. Starke Winde von einer aktiven und erstaunlich vielseitigen Gesellschaft der Kunst und Kultur sind Grund genug für die Stadt, stolz durch die Gewässer des neuen Millenniums zu segeln; und jeder ist eingeladen an Bord zu kommen!

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