Geschichte



Athen wird zurecht als die Wiege westlicher Zivilisation gehandelt. Die Stadt ist der Geburtstort der Demokratie und war das Zuhause der weltgrössten Philosophen und Künstler. Viele davon legten den Grundstein moderner Gesellschaften.


Die griechische Hauptstadt ist die älteste, ständig bewohnte Stadt Europas, gegründet in der neolithischen Periode, vor mehr als 5000 Jahren. Archäologische Funde bezeugen, dass ein Fort aus der Bronzezeit sowie ein Palast auf dem Akropolis-Hügel um das Jahr 1400 v. Chr. existierte.


Athen erhielt seinen Namen von der Göttin Athena. Nach griechischer Mythologie gab es einen Wettstreit zwischen Athena, der Göttin der Weisheit und Poseidon, dem Gott des Meeres, über die Schirmherrschaft der Stadt. Beide beschenkten die Bürger, um sich die Gunst zu erkaufen: Poseidon schuf einen Brunnen auf der Akropolis, Athena liess einen Olivenbaum auf Fels wachsen. Die Bürger entschieden sich für Athenas Geschenk, das als wertvoller gehandelt wurde und sahen einer langen Blütezeit entgegen.


Das ökonomische und auch kulturelle Wachstum begann im 6. Jhdt. v. Chr., als die ersten demokratischen Gesetze erlassen wurden. Diese sorgten für die Erlassung von Schulden der Armen, alle Bürger waren gleichgestellt, unabhängig von Reichtum, und durften wählen. Eine Versammlung freier Bürger begann sich auf dem Pnyx-Hügel treffen, um über politische Probleme zu entscheiden.


Nach der persischen Invasion 490 v. Chr. war die erste Demokratie der Welt jedoch gefährdet. Die Athener und ihre Alliierten verteidigten ihre Häuser mit einer Armee von 11.000 Mann gegen 100.000 persische Soldaten. Trotz der zahlenmäßig überlegenen Perser bekämpften die Athener die Perser erfolgreich bei Marathon, dank der innovativen Strategie von General Miltiades. Ein Bote wurde nach Athen geschickt um den Sieg zu verkünden. Der erste Marathonlauf war geboren. Dieses Event wird jedes Jahr hundertfach durch Marathonläufe in aller Welt gewürdigt. Einer davon ist der Athens Marathon, der entlang der Originalstrecke verläuft.


Eine zweite persische Invasion mit noch größerer Armee führte zur Evakuierung Athens im Jahre 480 v. Chr. Der persische König Xerxes brannte die verlassene Stadt nieder, wurde jedoch Zeuge, wie seine Flotte in der Marineschlacht von Salamis zerstört wurde.


Die zwei siegreichen Kämpfe bei Marathon und Salamis bekräftigte die Position der Stadt als Seemacht und markierte den Beginn einer beispiellosen Blütezeit. Athen florierte und wurde zum Zentrum von Kommerz und Kultur im Mittelmeerraum während des 5. Jhdts. v. Chr. Der Reichtum wurde von Perikles genutzt, um die Stadt wieder aufzubauen - und das in großem Maßstab. Perikles führte außerdem neue politische Reformen durch, die die erste weltweite Demokratie ausweiteten. Die Einwohnerzahl der Stadt stieg auf 140.000 an. 40.000 Männer hatten alle politischen Rechte inne. Es war der Beginn des Goldenen Zeitalters der Stadt Athen.


Die zerstörten Tempel der Akropolis wurden durch einige der berühmtesten architektonischen Meisterwerke aller Zeiten ersetzt, die Athena gewidmet wurden. Die öffentlichen Gebäude wurden mit Arbeiten von Bildhauern wie Phidias und Praxiteles dekoriert. Einige davon können heute im Akropolis Museum bestaunt werden sowie im Nationalmuseum für Archäologie.


Eine neue Kunstform - das Theater - wurde ebenfalls hier ins Leben gerufen. Stücke von Aeschylus, Sophokles, Euripides und Aristophanes wurden im Dionysos Theater aufgeführt, dem ältesten Theater der Welt. Athen war ebenso der Ort in dem die größten Philosophen - Sokrates, Platon und Aristoteles - die Denkweise und Wahrnehmung der Menschheit bis heute beeinflussten. Besucher können durch die Agora (einem antiken Markplatz) schlendern, und in den Fußspuren Sokrates' wandeln, der hier, in Diskussionen vertieft, spazieren ging.


Das Goldene Zeitalter dauerte bis ins Jahr 404 v. Chr. an, als Athen von Sparta im Peloponnesische Krieg besiegt wurde. Die Stadt verlor erneut ihre Unabhängigkeit 338 v. Chr., als der mazedonische König die Herrschaft übernahm. 146 v. Chr. wurde Athen endgültig ins Römische Reich eingegliedert. Deren Regeln und Gesetze reduzierten die politische Rolle der Stadt, doch sie blieb weiterhin ein wichtiges Kulturzentrum für viele Jahrhunderte. Die Römer, die das kulturelle Erbe der Stadt bewunderten, bauten viele Monumente, u.a. das Odeon von Herod Atticus, die Römische Agora, den Tempel des Zeus und den Hadriansbogen. Viele Römer kamen nach Athen um an den berühmten Instituten für Philosophie zu studieren.


Der Niedergang Athens wurde durch den ersten christlichen Kaiser hervorgerufen. Im Jahr 394 n. Chr. verbat Theodosius die Anbetung antiker Gottheiten. Daraufhin wurden die philosophischen Institute 529 von Justian geschlossen. Athen wandelte sich während der byzantinischen Ära zur Kleinstadt. Monumente aus dieser Zeit sind u.a. die Kirche von Panagia Gorgoepikoos und das Kessariani Kloster. Eine grosse Anzahl an Kunstwerken aus dieser Periode kann im Byzantinischen Museum betrachtet werden.


Die Kreuzritter eroberten das Byzantinische Reich 1204 und herrschten über die Stadt bis 1458, als die Türken Athen besetzten und ins Ottomanische Reich eingliederten. Türkische Gesetze und Regeln wurden über vier Jahrhunderte in der Stadt Gang und Gebe. Monumente aus dieser Periode sind u.a. die Tzisdarakis Moschee auf dem Monastiraki-Platz sowie die Fethiye-Moschee an der Römischen Agora.


Ein Unabhängigkeitskrieg brach 1821 aus, der zur Ausrufung eines griechischen Staates im Jahre 1829 führte. Athen erwachte 1834 zu neuem Leben, dem Jahr als Athen zur Hauptstadt wurde. Prinz Otto von Bayern, der zum König von Griechenland ernannt wurde, brachte seine Architekten in die Stadt, um die königliche Residenz zu planen. Eine Vielzahl Gebäude wurden während dieser Zeit errichtet, u.a. das Parlamentsgebäude, (ehemals königlicher Palast) sowie die Universität und die Akademie.


Athen richtete die ersten, modernen Olympischen Spiele, die im Panathenaischen Stadion stattfanden,1896 aus. Die Stadt war 2004 erneuter Gastgeber. Das 20. Jhdt. war eine Zeit des explosiven Wachstums der Stadt. Die Bevölkerung stieg von lediglich 200.000 auf vier Millionen an und machten Athen zu einer der größten und faszinierendsten Städte Europas, trotz der infrastrukturellen und ökologischen Probleme. Großes Bevölkerungswachstum in den 1920ern wurde von durch die Ankunft tausender Flüchtlinge griechischer Herkunft aus der Türkei verursacht. Doch erst in den 50ern und 60ern stieg die Zahl massiv an. Ursache waren diesmal Einwohner der Provinz, die, verarmt nach jahrelangem Krieg, ihr Glück in der Stadt versuchen wollten.


1941 besetzten nationalsozialistische Truppen das Land und waren für den Tod von Hunderttausenden verantwortlich. Die Befreiung Griechenlands im Jahr 1944 brachte jedoch nicht den ersehnte Frieden. Stattdessen brach ein Bürgerkrieg aus, der bis 1949 andauerte. Eine Zeit politischer Unruhe kulminierte im coup d'etat 1967 sowie der Unterdrückung des griechischen Volkes. Eine Demokratie wurde endgültig 1974 wieder hergestellt. 1981 wurde Griechenland volles Mitglied der Europäischen Gemeinschaft.


Das Schicksal der Stadt wird am besten durch die Akropolis und ihre Veränderung über die Jahrhunderte symbolisiert: das Parthenon wurde als Tempel der Athena errichtet, später zur orthodoxen Kirche durch den byzantinischen Kaiser umfunktioniert, zur katholischen Kirche durch die Kreuzritter und zur Moschee durch die Türken. Dieses einmalige Monument wurde 1687 während des venezianischen Bombardements der Stadt schwer beschädigt, als das Kanonenpulver, das im Parthenon lagerte, explodierte. Weitere Zerstörung 1801 durch die Plünderung Lord Elgins hinterliess die Akropolis ohne Skulpturen. Dieser verkaufte die Statuen ans Britische Museum in London. Vor einigen Jahren wurde ein umfangreiches Restaurierungsprojekt ins Leben gerufen, da die verschmutzte Luft der Stadt die Bauwerke der Akropolis weiter beschädigte.

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