Geschichte

Die Ältesten Spuren menschlicher Besiedlung in der Ebene um Prag stammen von 6000 v.Chr. Permanente Bauernsiedlungen wurden in der Gegend circa 4000 v.Chr. von germanischen und keltischen StÄmmen etabliert. Die Slawen kamen ungefÄhr zur Jahrtausendwende auf den Plan und 600 n.Chr. hatten sie sich zu beiden Seiten eines besonders attraktiven Abschnitts der Moldau niedergelassen. Erfolgreich verteidigten sie das Land mit dem Namen BÖhmen Über viele Generationen hinweg, aber im 9. Jahrhundert wurde es vom GroßmÄhrischen Reich erobert. In der kurzen Zeit des Reiches hielt das Christentum Einzug, aber es war der „Gute KÖnig Wenzeslaus“ aus dem Weihnachtslied (er war eigentlich ein Herzog), der es nach 930 zur Staatsreligion von BÖhmen machte. Er ist der Schutzheilige der Tschechischen Republik. Unter Karl IV. (1346-78) wurde Prag erst richtig eigenstÄndig und entwickelte sich zu einer der grÖßten und reichsten StÄdte auf dem Kontinent. In dieser Zeit erhielt die Stadt ihr gotisches Antlitz und charakteristische Bauwerke wie die KarlsuniversitÄt, die KarlsbrÜcke oder den Veitsdom. Jan Hus, in den spÄten 1380ern Student an der KarlsuniversitÄt, machte sich mit seinem Kampf fÜr die UnterstÜtzung der Reformation der Kirche beliebt. Als er 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, war der PÖbel derart empÖrt, dass er einige katholische WÜrdentrÄger aus dem Obergeschoss des NeustÄdter Rathauses schmiss und somit das neue Wort „Defenestration“ in den politischen Wortschatz einfÜhrte (es bedeutet wÖrtlich, jemanden aus dem Feuer zu werfen). 1526 kamen die katholischen Habsburger in der Region an die Macht und die Lage beruhigte sich ein wenig; als aber 1618 wieder FensterstÜrze stattfanden, war klar, dass die Angelegenheit noch nicht bereinigt war. Der Aufruhr war der AuslÖser fÜr den DreißigjÄhrigen Krieg, der große Teile Europas verwÜstete. Ein Viertel von BÖhmen ging unter. Nach der Niederlage war es fÜr mehr als drei Jahrhunderte vorbei mit der UnabhÄngigkeit der Tschechen. Aber der tschechische Nationalstolz ließ sich nicht so einfach unterdrÜcken und im 19. Jahrhundert wurde Prag - 1784 durch ein kaiserliches Edikt vereinigt - zum Zentrum der Nationalen Wiedergeburt der Tschechen. Man feierte tschechische Literatur, Architektur und tschechischen Journalismus, auch als den Tschechen eine Mitwirkung an der Politik verweigert wurde. Nationalistische GefÜhle wurden geweckt, als Wellen von Protesten fÜr mehr Demokratie Über den Kontinent schwappten. Ein Aufstand von 1848 wurde erstickt, 1861 besiegte die tschechische Mehrheit jedoch deutsche Kandidaten in den Prager Wahlen zum Stadtrat. Dies war ein entscheidender Moment fÜr die tschechische UnabhÄngigkeit.

Im 20. Jahrhundert wurde die tschechische nationalistische Bewegung gefestigt. Die Tschechen hatten kein Interesse daran, im 1. Weltkrieg fÜr ihre Österreichischen Machthaber zu kÄmpfen und auch die benachbarten Slowaken wollten nicht im Namen ihrer deutschen Besatzer zu den Waffen greifen. AnfÜhrer von beiden UnabhÄngigkeitsbewegungen wandten sich an US-PrÄsident Wilson, der sich aktiv um die GrÜndung des VÖlkerbundes bemÜhte, und baten ihn, ihnen bei der Verwirklichung ihres Traums zu helfen. Mit UnterstÜtzung der Alliierten wurde die Tschechoslowakei 1918 eine eigenstÄndige Republik und Prag die erste Hauptstadt. Das junge Land Überstand die Wirtschaftskrise, nur um 1939 von Nazideutschland besetzt zu werden. BÖhmen und MÄhren wurden zum „Protektorat“ und die Slowakei ein „unabhÄngiger“ Vasallenstaat. Die jÜdische Gemeinde von Prag wurde so gut wie ausgelÖscht: Fast drei Viertel der 120.000 Juden verhungerten oder wurden in Konzentrationslagern ermordet. Am 5. Mai 1945 begehrte die Prager BevÖlkerung gegen die deutschen Besatzer auf, als die Rote Armee sich aus dem Osten nÄherte. Fast ganz Prag war befreit, bevor die Sowjets eintrafen. Der Tag der Befreiung wird nun am 8. Mai gefeiert; im Kommunismus wurde er am 9. Mai gefeiert. In den Wahlen von 1946 wurden die Kommunisten stÄrkste Macht in der jungen Republik und entledigten sich 1948 mithilfe der Sowjets und einem Staatsstreich des unbequemen Mehrparteiensystems. Nach jahrelanger schrittweiser Liberalisierung unter GeneralsekretÄr Dubcek stand der „Prager FrÜhling“ 1968 in voller BlÜte. Diese beliebte Bewegung forderte volle Demokratie, Ende der Zensur und „menschlichen Sozialismus“. Moskau war wenig beeindruckt und schickte Panzer nach Prag. FÜnfundachtzig Menschen kamen ums Leben, fast 300.000 Sympathisanten verloren ihre Arbeit und Dubcek musste einen Karriereknick einstecken, als er beim Slowakischen Waldministerium Arbeit fand. Die neue strenge kommunistische FÜhrung hatte die Geschicke des Landes bis zum Fall der Berliner Mauer 1989 in der Hand. Ab dem 17.November wurden einige friedliche Demonstrationen zunehmend prekÄrer, das eigentlich friedfertige Wesen des Aufstands fÜhrte jedoch zu der Bezeichnung „Samtene Revolution“. 1990 fanden freie Wahlen statt und durch die tschechischen und slowakischen separatistischen Bewegungen kam es 1993 zu einer glatten Teilung in die Tschechische und Slowakische Republik, die auch „Samtene Scheidung“ genannt wurde. In den 90er-Jahren mauserte sich Prag schnell zu einem der weltweit beliebtesten Touristenziele. Klingelnde Kassen und eine solide Industrie bedeuten, dass es den Einwohnern der Stadt wirtschaftlich weitaus besser geht als den Menschen im Rest des Landes. Das so verdiente Kleingeld wurde zu großen Teilen direkt wieder in die Stadt investiert, um sie fÜr Besucher noch attraktiver zu machen.

Die Tschechische Republik ist Mitglied in der EU, und Prag wird wÜrdevoll an der Spitze stehen, wÄhrend das Land einen neuen Platz in der Welt findet. Im August 2002 erlebte Prag das schlimmste Hochwasser seit fast zweihundert Jahren, als die Moldau die Stadt fÖrmlich verschlang. Sechzehn Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende mussten ihre HÄuser und GeschÄfte verlassen, das historische Zentrum wurde abgesperrt und man hatte Angst - im Nachhinein unbegrÜndet - dass die KarlsbrÜcke aus dem 14. Jahrhundert den Fluten nicht standhalten wÜrde. Der Gesamtschaden wurde mit Milliarden US-Dollar angegeben. Besonders schlimm betroffen waren das niedrig gelegene jÜdische Viertel und die Stadtteile Karlin und Troja, die U-Bahn und zahlreiche kulturelle und Touristenattraktionen. Trotz des verheerenden Schadens ließen sich Prag und seine Einwohner nicht unterkriegen - wieder einmal wurde deutlich, dass die Stadt unbezÄhmbar ist.

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