Geschichte

Die Geschichte Israels war zu jeder Zeit turbulent. Sie ist ein hÄufig behandelter Stoff, steckt voller bekannter PersÖnlichkeiten und drÄngt in einem Land, in dem die tÄgliche Kommunikationen von jahrtausendealten Konflikten beeinflusst sind, unausweichlich aus dem Gestern ins Heute. Alles begann im Jahre 1800 v. Chr., als Abraham eine Gruppe Nomaden aus Mesopotamien in die Berge von Kanaan fÜhrte und sie dort ansiedelte. Um 1023 v. Chr. hatten die Israeliten ein KÖnigreich gegrÜndet, dass von KÖnig Saul und spÄter KÖnig David regiert wurde, der Jerusalem besetzte und es zu seiner Hauptstadt machte. Davids Sohn Solomon ließ eine der wichtigsten StÄtten des Judaismus erbauen, den ersten Tempel Jerusalems. Der Tempel wurde 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstÖrt, wurde aber spÄter neu erbaut. Das rÖmische Imperium besetzte Israel im Jahre 63 v. Chr. und setzte eine Reihe von Konsuln ein, um das Land zu verwalten. Zu ihnen zÄhlten auch Herodes der Große und Pontius Pilatus. Der unter Kaiser Caligula im ganzen Imperium um sich greifende Wahnsinn fÜhrte zu einem Aufstand der Juden, der vier Jahre lang andauern sollte, jedoch mit der erneuten ZerstÖrung des Tempels niedergeschlagen werden konnte. Nach einer zweiten Revolte wurde die Stadt Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht, eine neue Stadt (Aelia Capitolina) wurde auf den Ruinen errichtet und die Provinz PalÄstina wurde eingesetzt. Diese Niederlage kennzeichnete das Ende des jÜdischen Staates und den Beginn der Diaspora, der Verstreuung des jÜdischen Volkes.

Im Jahr 331 n. Chr. bekehrte sich Kaiser Konstantin zum Christentum und gab der bis dahin verbotenen Religion sein offizielles Siegel. Mit einem Mal wurde in ganz Israel eine Vielzahl an GebÄuden erbaut, die Orte von religiÖser Bedeutung kennzeichneten. Zu diesen Bauwerken zÄhlte auch die Grabeskirche. Aber die christliche Herrschaft sollte nicht lange andauern, im Jahre 638 n. Chr. fiel Jerusalem in die HÄnde des Kalifen Umar und wurde zur Heiligen Stadt des Islam erklÄrt, mit der BegrÜndung, dass der Prophet Mohammed vom Tempelberg aus in den Himmel aufgefahren sei. In der gesamten Christenwelt war man Über diese Entweihung entsetzt und im Jahr 1099 konnte Jerusalem von einem Kreuzritterheer zurÜckerobert werden, das in der besetzten Stadt ein grausames Gemetzel anrichtete. Damit begannen 100 Jahre christlicher Herrschaft in Jerusalem. Im Jahre 1187 gewannen jedoch die Muslime wieder die Oberhand – nach jahrzehntelangen Konflikten zwischen Christen und Muslimen gelang es den islamischen Mamelucken im Jahre 1291, die letzte Hochburg der Kreuzritter einzunehmen.

Über die nÄchsten 500 Jahre wurde es ungewÖhnlich ruhig um Israel. Imperien wurden gegrÜndet und zerfielen wieder und die Herrschaft Über das Land wurde mit einer an Monotonie grenzenden RegelmÄßigkeit von einer Hand in die nÄchste weitergereicht, doch nur wenige Schlachten wurden auf israelischem Boden ausgetragen. Das einzige erwÄhnenswerte Vorkommnis ereignete sich im 16. Jahrhundert, als das osmanische Reich die Macht Übernahm und SÜleyman der PrÄchtige Jerusalems Stadtmauern neu erbaute.

Mitte des 19. Jahrhunderts verloren die Osmanen die Herrschaft und das weltweite Interesse konzentrierte sich erneut auf Israel. Großbritannien errichtete in Jerusalem ein Konsulat und im Jahr 1839 trat Sir Moses Montefiore, ein britischer Jude, erstmals fÜr die Idee eines jÜdischen Staates ein. Im Jahr 1878 wurde die erste jÜdische Kolonie gegrÜndet und es dauerte nicht lange, bis die erste Alija, wie die Immigrationswellen bezeichnet wurden, erfolgte. Die Einstellung der arabischen BevÖlkerung PalÄstinas wurde in dieser Zeit zunehmend nationalistischer und europafeindlicher, was fÜr die neu ankommenden Immigranten nichts Gutes verheißen sollte.

WÄhrend des Ersten Weltkriegs versprach Großbritannien den Arabern die Anerkennung eines arabischen Staates und den Juden UnterstÜtzung fÜr ein jÜdisches Heimatland in PalÄstina. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde Großbritannien die VerfÜgungsgewalt zugesprochen, das Land zu regieren, und als in Europa der Zweite Weltkrieges unausweichlich schien, entschied sich Großbritannien, die Einwanderung in Israel zu stoppen. Der Strom der Immigranten riss jedoch nicht ab und es kam immer hÄufiger zu Übergriffen der arabischen BevÖlkerung auf illegale Einwanderer. Im Jahr 1947 hatte sich eine Pattsituation entwickelt, Großbritannien gab die VerfÜgungsgewalt ab und eine Verordnung wurde verabschiedet, laut der das Land zwischen Arabern und Juden aufgeteilt werden sollte. Mit dieser Verordnung wurde am 14. Mai 1948 das moderne Israel gegrÜndet. Bald darauf versuchten Ägypten, Syrien, Jordanien und der Libanon eine Invasion Israels, die StreitkrÄfte wurden jedoch zurÜckgeschlagen. Nach dem im Mai 1949 beschlossenen Waffenstillstand hatte sich das Hoheitsgebiet Israels bis nach PalÄstina ausgedehnt. Israel bot allen Juden die StaatsbÜrgerschaft an, die nach Israel einwandern wollten, und schon begann das Land neue Immigranten anzuziehen.

Als unmittelbare Reaktion auf den Versuch Ägyptens, Suez zu besetzen, starteten israelische, britische und franzÖsische StreitkrÄfte 1956 die Invasion der Ägyptischen Halbinsel Sinai. Unter starkem internationalen Druck war Israel gezwungen, Sinai wieder freizugeben, und so traten die britischen und franzÖsischen Truppen den RÜckzug an. Ein Ende der Feindseligkeiten zwischen Israel, Ägypten, Syrien, Jordanien und dem Libanon war jedoch nicht abzusehen. Am 5. Juni 1967 reagierte Israel auf die unmittelbare militÄrische Bedrohung an seiner Grenze mit einem PrÄventivschlag gegen die dort stationierten arabischen StreitkrÄfte. Im darauf entbrennenden „Sechstagekrieg“ gelang es Israel, sein Territorium bis in die GolanhÖhen, in das Westjordanland, in den Gazastreifen und auf die Halbinsel Sinai auszuweiten. Im Gegenzug wurde 1964 die PalÄstinensische Befreiungsorganisation (Palestine Liberation Organisation, kurz PLO) gegrÜndet und unter Yasser Arafat reformiert. Die PLO behauptete, einziger ReprÄsentant des palÄstinensischen Volkes zu sein und hatte sich geschworen, das Land des palÄstinensischen Volkes wieder unter seine Kontrolle zu bringen und den israelischen Staat zu zerstÖren.

Nach dem erfolglosen Versuch, Sinai im Jom-Kippur-Krieg (1973) aus israelischer Hand zurÜckzugewinnen, unterschrieb Ägypten 1979 einen gegenseitigen Anerkennungspakt mit Israel und Sinai wurde wieder unter Ägyptische Kontrolle gestellt. Die Beziehungen mit dem Libanon und Syrien verschlechterten sich und Israel drang 1981 in den Libanon ein und verkÜndete die formelle Annexion der GolanhÖhen. Israel zog sich 1985 zurÜck, aber das Gebiet entlang der sÜdlichen Grenze des Libanon blieb bis zum Jahr 2000 eine besetzte „Sicherheitszone“. Ein Friedensabkommen mit Jordanien wurde unterzeichnet. Im Jahr 1987 sollte mit der Intifada, dem palÄstinensischen Volksaufstand, die Beendigung des Vordringens jÜdischer Siedlungen in das Westjordanland und in den Gazastreifen erzielt werden. Um dies zu erreichen, wurde ein Guerillakrieg mit den israelischen StreitkrÄften begonnen. Mit dem Oslo-Friedensprozess von 1993 sollte eine gegenseitige Anerkennung Israels und der PLO erwirkt werden. Im Zuge des Friedensprozesses wurde den PalÄstinensern eine eingeschrÄnkte Selbstverwaltung im Westjordanland und dem Gazastreifen angeboten. Die Chancen auf einen Erfolg wurden jedoch 1995 zunichte gemacht, als der israelische Premierminister Yitzhak Rabin einem Attentat zum Opfer fiel. Sein Nachfolger, Benjamin Netanjahu, fÜhrte die Verhandlungen mit besonderer HÄrte weiter. WÄhrend seiner Amtszeit wurden die israelischen Siedlungen in das Westjordanland und den Gazastreifen ausgedehnt, wodurch auch die terroristische AktivitÄt anstieg.

Im Jahr 1999 wurde Ehud Barak ins Amt gewÄhlt. In Camp David wurde im Ausgleich fÜr eine Sicherheitsgarantie und fÜr eine Beendigung der terroristischen Gewalt ein Angebot mit weitreichenden Zusicherungen vorgelegt. Die PalÄstinenser lehnten dieses Angebot jedoch ab, wodurch es zu keiner endgÜltigen Einigung kommen konnte und die Fragen zur Stellung der Stadt Jerusalem und den Rechten der palÄstinensischen FlÜchtlinge ungeklÄrt blieben. Daraufhin verschlechterte sich die Lage rapide. Nach einem provokanten Besuch Ariel Sharons beim al-Aqsa/Tempelberg-Komplex in Jerusalem, brachen heftige Unruhen zwischen PolizeikrÄften der PalÄstinensischen AutonomiebehÖrde und israelischen Soldaten im Westjordanland aus. Bis Ende 2000 waren durch die Kampfhandlungen 300 Menschenleben zu beklagen.

Der Hardliner Ariel Sharon folgte Barak im Jahr 2001 im Amt des Premierministers, wodurch sich auch eine Änderung in der politischen Vorgehensweise abzeichnete. Durch die Ereignisse des 11. Septembers verhÄrteten sich die Fronten noch weiter und die palÄstinensische Aggression wurde fortan als die „zweite Intifada“ bezeichnet. Sharons Verfolgung sogenannter palÄstinensischer Terroristen trug wenig dazu bei, die Welle palÄstinensischer SelbstmordanschlÄge zu unterbrechen. Beide Seiten wiesen sich gegenseitig die Schuld fÜr das Blutvergießen zu. Je mehr unschuldige Menschen die palÄstinensischen SelbstmordattentÄter mit in den Tod rissen, desto schÄrfer wurden die israelischen Maßnahmen gegen die PalÄstinenser. Die Israelis griffen vermeintliche Terrorzellen an, wodurch weitere unschuldige Menschen den Tod fanden – das VerhÄltnis der Anzahl palÄstinensischer zur Anzahl der israelischen Opfer lag bei etwa drei zu eins.

Im November 2005 starb Yasser Arafat an einer unbekannten Erkrankung und Mahmmoud Abbas trat an seiner Stelle in den Dialog mit Israel. Daraufhin wurden mehrere vielversprechende Schritte gesetzt, darunter auch der Abzug der israelischen VerteidigungskrÄfte aus dem Gazastreifen. Jeglichem weiteren Fortschritt wurde aber im Januar 2006 Einhalt geboten, als die militante Hamas-Gruppe in den palÄstinensischen Wahlen an erster Stelle lag. Die Hamas weigerte sich, den Staat Israel anzuerkennen, was zu einer weiteren Spaltung zwischen der PalÄstinensischen AutonomiebehÖrde, Israel und dem Rest der westlichen Welt fÜhrte. Nachdem nun auf palÄstinensischer Seite kein GesprÄchspartner mehr zur VerfÜgung steht, agiert Ehud Olmert (der Ariel Sharon nach dessen massiven Schlaganfall als Premierminister abgelÖst hatte) weiterhin mit unilateraler Politik, errichtet zwischen den israelischen und palÄstinensischen Gebieten Mauern und plant einen weiteren Truppenabzug aus dem Westjordanland.

Die positivste Entwicklung dieser Zeit ist ein wirtschaftlicher Aufschwung in Israel, der vom technologischen Fortschritt und vom AufblÜhen des Tourismus angekurbelt wurde.

Im Sommer 2006 wurden einige israelische Soldaten, die an der libanesischen Grenze patrouillierten, von GuerillakÄmpfern der Hisbollah gekidnappt. Daraufhin entbrannte ein kurz andauernder Krieg zwischen Israel und der libanesischen Miliz, in dem die Shia-Gruppe tausende Raketen Über die Grenze abfeuerte und den Norden Israels in Angst und Schrecken versetzte. Das Ausmaß der israelischen Bombardements auf libanesische StÄdte wurde von allen Seiten schwer verurteilt und der gesamte Krieg erwies sich als diplomatisches Desaster fÜr Israel. Auf innenpolitischer Ebene erschÜtterte der Konflikt mit dem Libanon auch die israelische Regierung, da viele Reservisten, die im Kampfeinsatz standen, sich Über mangelnde Vorbereitung und AusrÜstung beklagten. Der Konflikt bereitete auch dem unilateralen Truppenabzug fÜr absehbare Zukunft ein Ende, vor allem aufgrund der BefÜrchtung, dass ein Ähnlicher Raketenangriff aus dem palÄstinensisch kontrollierten Westjordanland noch schwerwiegendere Folgen fÜr Israel haben kÖnnte. Die zukÜnftigen Entwicklungen sind in hÖchstem Maße unvorhersehbar. Das einzige, was wirklich sicher scheint, ist, dass in absehbarer Zeit wohl keine Ende der Gewalttaten in der Geschichte des Gelobten Landes zu erwarten ist.

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