Steinzeitmenschen haben auf Bali wenige Spuren hinterlassen, obwohl die Insel hÖchstwahrscheinlich bereits sehr frÜh in prÄhistorischer Zeit bewohnt war. Auch Über die Periode, als indische HÄndler den Hinduismus Über dem indonesischen Archipel verbreiteten, ist wenig bekannt. Die frÜhesten schriftlichen Überlieferungen sind Inschriften auf einer Steinstele nahe Sanur, die etwa aus dem 9. Jh. stammen. Anfang des 11. Jh. stand Bali unter dem Einfluss des hinduistischen Java. Zu dieser Zeit wurden die Tempelskulpturen von Gunung Kawi in den Felsen gemeißelt.
Die Singhasari-Dynastie von Java eroberte Bali 1284. Als diese kurz darauf zerbrach, gewann Bali seine Autonomie zurÜck und die Pejeng-Dynastie, mit ihrem Zentrum nahe des heutigen Ubud, stieg zu großer Macht auf. Als KÖnig Pejeng 1343 von der Überragenden Majapahit-Dynastie gestÜrzt wurde, kam Bali erneut unter javanische Herrschaft. Mit der Ausbreitung des Islam auf Java im 15. Jh. zerfiel das Majapahit-Reich. Dessen Oberschicht zog nach Bali, darunter hohe Priester, die viel zur KomplexitÄt der balinesischen Religion beitrugen. Javanische KÜnstler, TÄnzer und Musiker fanden Zuflucht auf Bali und brachten die Insel zu einer kulturellen BlÜte.
Die ersten EuropÄer, die auf Bali landeten, waren 1597 hollÄndische Seefahrer. Sie begrÜndeten eine gewisse, bis heute nicht verblasste Tradition, als sie den Reizen der Insel verfielen. Beim Zeichen zum Setzen der Segel fÜr die RÜckreise verweigerte ein Teil der Mannschaft ihrem KapitÄn gar den Gehorsam. Bis Anfang des 17. Jh. schlossen die HollÄnder HandelsvertrÄge mit javanischen FÜrsten und rangen mit den Portugiesen um die Vorherrschaft im GewÜrzhandel. Da sie jedoch mehr am Geld als an Kultur interessiert waren, schenkten sie Bali kaum weitere Beachtung.
Im frÜhen 18. Jh. zerbrÖckelte die lokale Herrschaft in Bali, die HollÄnder Übten eine Teile-und-herrsche-Politik aus. Den Anspruch der Balinesen auf die Bergung von Schiffswracks nahmen sie zum Vorwand, um 1846 in Nordbali MilitÄrtruppen zu stationieren. Die VerbÜndung mit den Sasak auf Lombok zur Absetzung der Rajas von Bali erwies sich als schlechte Taktik, als diese es sich kurzerhand anders Überlegten und die HollÄnder abschlachteten. ErzÜrnt marschierten die HollÄnder daraufhin mit schwerem MilitÄr ein und verschÄrften ihre Kontrolle Über Balis Nachbarinsel. Mit dem Norden unter hollÄndischer Besatzung und der gekappten Verbindung zu Lombok konnte auch der SÜdteil der Insel seine EigenstÄndigkeit nicht aufrecht erhalten. Nach einem weiteren Zwist Über die Bergung von Schiffswracks kreuzten 1906 hollÄndische Kriegsschiffe vor Sanur auf.
Erst nach 5 Tagen erreichten die hollÄndischen Truppen den Stadtrand von Denpasar. Im Angesicht der Übermacht zogen die balinesische KÖnigsfamilie und religiÖsen OberhÄupter der Kapitulation den ehrenhaften Kampf bis in den Tod vor: den selbstmÖrderischen Puputan. ZunÄchst brannten die Rajas ihre PalÄste nieder, dann stellten sie sich – im schÖnsten Geschmeide und goldene Dolche schwenkend – den HollÄndern und ihren modernen Waffen. Anrufe der HollÄnder sich zu ergeben, blieben ungehÖrt, Welle um Welle marschierten fast 4000 Balinesen geradewegs in den Tod.
Auch andere KÖnigreiche der Region kapitulierten oder wurden ÜberwÄltigt, die gesamte Insel unter hollÄndische Herrschaft gebracht und Teil von NiederlÄndisch-Indien. In der Plantagenwirtschaft auf Bali gab es kaum Entwicklung, und allgemein spÜrte man kaum Unterschiede zwischen der hollÄndischen Herrschaft und der durch die Rajas. Trotz des langen Vorspiels wÄhrte die hollÄndische Kolonialmacht jedoch nur kurz. Im II. Weltkrieg wurde Indonesien von Japan annektiert.
Nach Ende des II. Weltkriegs verkÜndete der indonesische AnfÜhrer Sukarno die UnabhÄngigkeit, doch dauerte es weitere vier Jahre, bis man die HollÄnder Überzeugen konnte, dass sie ihre Kolonie nicht zurÜckerhalten wÜrden. In einer schaurigen Wiederholung des Puputan ein halbes Jahrhundert zuvor wurde 1946 eine balinesische Wiederstandsgruppe in der Schlacht von Marga ausgelÖscht. 1949 erkannte Holland die UnabhÄngigkeit Indonesiens an. 1965 fÜhrte die Niederschlagung eines Putschversuches, der den Kommunisten zugeschrieben wurde, zu Sukarnos Absetzung. General Suharto verhinderte den Coup und ging als politisches Oberhaupt hervor.
Auf das Verbot der Kommunistischen Partei folgte eine Welle antikommunistischer Repressalien. Kommunisten hielt man fÜr eine Bedrohung der traditionellen Werte und des Kastensystems, denn sie forderten Landreformen und das Ende der gesellschaftlichen UnterdrÜckung. ReligiÖse Fundamentalisten entfachten eine Hysterie und Hexenjagd gegen kommunistische Sympathisanten. Die Opfer wurden von Gruppen umzingelt und zu Tode geprÜgelt. Besonders stark litt die chinesische Minderheit, bevor die Armee die Lage unter Kontrolle bringen konnte, doch niemand auf Bali blieb von den Morden unberÜhrt. 50.000 bis 100.000 Menschen wurden ermordet – zu einer Zeit, als die BevÖlkerung der Insel gerade 2 Millionen betrug.
Suharto Übernahm das PrÄsidentenamt, und unter seiner Regierung Öffnete sich Indonesien dem Westen, um von Allianzen und Investitionen zu profitieren. Auf Bali sorgte der massive Ausbau des Tourismus fÜr Wirtschaftswachstum und dramatische Verbesserungen der Infrastruktur. Dies fÜhrte auch zur Verlagerung der lokalen BevÖlkerung und der Zersprengung vieler traditioneller Gemeinschaften.
Nach Ende der Regierungszeit Suhartos geriet Indonesien 1998 in den Strudel der Rezession. Es schien, als wÜrde Bali von den Wirren verschont, die andere Inseln des Archipels ergriffen. Die gegen Touristen gerichteten Bombenattentate, die am 12. Oktober 2002 am Kuta Beach mehr als 200 Menschen tÖteten, zerrissen jÄh die Idylle. Der Tourismus kam zum Erliegen und Bali befand sich etwa ein Jahr in einer Art Schockzustand. Die Besucherzahlen erholten sich, stiegen 2004 sogar auf ein Rekordhoch, doch nachdem weitere Attentate im Oktober 2005 etwa 20 Opfer forderten, werden die Zahlen der Vergangenheit nicht mehr erreicht. Da Balis Wirtschaft stark vom Tourismus abhÄngig ist, steht seine Zukunft jetzt am Scheidepunkt.
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