Geschichte

Neue Geschichte
Im Mai 2003 wurde das Projekt MOSE gestartet, in der Hoffnung, dass die mobilen Fluttore die Stadt vor weiterem Schaden schützen könnten, aber die Finanzierungsfrage konnte nicht gelöst werden und Skeptiker sprachen von einem teuren „weißen Elefanten“. Die Rückkehr des linksgerichteten Philosophen Massimo Cacciari in das Bürgermeisteramt 2005 sorgte für zusätzliche Konfusion. Er war prinzipiell ein Gegner des Projekts, es scheint aber nun über den Umkehrpunkt hinaus gediehen zu sein. Optimisten sprechen von einer Fertigstellung 2011 - wenn das Projekt nicht wieder gestoppt wird. Die Diskussion scheint jedoch an der Wirklichkeit vorbei zu gehen: Wenn die Bevölkerung weiterhin schrumpft, wird Venedig eines Tages nur noch eine Touristenattraktion sein. Eine anderer heißer Streitpunkt, den Cacciari bei seinem Amtsantritt erbte, besteht in der geplanten vierten Brücke über den Canal Grande nach einem Entwurf von Santiago Calatrava. Möglich, dass sie schon existiert, wenn Sie dies lesen, aber in Venedig würde keiner seine Hand dafür ins Feuer legen.

Moderne Tagesgeschichte
Im 20. Jahrhundert wurden die Verbindungen Venedigs mit dem Festland erweitert. In Mussolinis Zeiten wurde eine Autobrücke parallel zur Eisenbahnbrücke konstruiert. Die Verlagerung des Industrie- und Geschäftszentrums in das heutige „Groß-Venedig“ - Mestre und Marghera - machte die Stadt zum Ziel alliierter Bombenangriffe im 2. Weltkrieg, die sie aber relativ unversehrt überstand. Die Nachkriegsjahre brachten die Entwicklung und den Ausbau von Ölraffinerien und Schwerindustrie, Chemie und Kunststoffherstellung, die Schaffung von tausenden Arbeitsplätzen im Umland von Marghera - und zugleich zahlreicher Probleme. Die verheerenden Überschwemmungen im Jahr 1966 lenkten die Weltaufmerksamkeit auf die nasse Bedrängnis Venedigs. In den darauf folgenden Jahren wurden in endlosen Debatten die unterschiedlichsten Lösungen vorgeschlagen, von Flutbarrieren bis zu Stützplattformen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging die Bevölkerung Venedigs um mehr als die Hälfte zurück, bedingt durch hohe Wohnkosten, den schwierigen Transport und knappe Arbeitsplätze.

Vor 20. Jahrhundert-Geschichte
Die Inseln der venezianischen Lagune wurden erstmalig während der barbarischen Invasionen im 5. und 6. Jhd. besiedelt, als die Stämme des Veneto im Marschland Schutz vor den Eindringlingen suchten. Die Flüchtlinge bauten Dörfer auf Pfosten, die in den Meeresgrund gerammt wurden und schufen so die Grundlage für die schwimmenden Paläste, die wir heute bewundern. Als Geburtsdatum Venedigs wird traditionell der 25. März 421 angegeben, aber es gibt eigentlich kaum Belege, um dies wissenschaftlich zu untermauern. Die Siedlung konzentrierte sich um den Rivo Alto herum (später „Rialto“, der höchste Punkt der Lagune) und Venedig entwickelte sich allmählich zu einer Republik. Dem Byzantinischen Reich, dem antiken östlichen Teil des Römischen Reiches, wurde offiziell Treue versprochen. Der erste von Venedigs 118 Dogen (Oberster Magistrat) wurde im Jahr 697 gewählt. Venedigs Name verband sich unauflöslich mit dem des heiligen Markus, als es Händlern 828 gelang, die irdischen Überreste des Evangelisten aus Alexandrien nach Venedig zu bringen. Die heiligen Gebeine wurden schließlich im eigens errichteten Markusdom zur endgültigen Ruhe gebettet, der 1094 geweiht wurde. Die Repubblica Serenissima (Durchlauchtigste Republik) rüstete die Schiffe für die erste Kreuzfahrt des Papstes Urban II. im Jahr 1095 aus, die in den Überfall und die Plünderung des Byzantinischen Reiches und Jerusalems ausartete. Dieser schändliche Vorfall war aber unbedeutend im Vergleich zu der Vierten Kreuzfahrt im Jahr 1202, als die Venezianer Konstantinopel ausraubten und schließlich unter ihre Herrschaft brachten. Zu der Kriegsbeute gehörte das köstliche Viergespann (Quadriga), der juwelenbedeckte Altaraufsatz Pala d'Oro und die Vielzahl von Marmorsäulen und -statuen, die den Markusdom schmücken. Venedig beherrschte nun ein blühendes und expandierendes Handelsreich, die Markus-Flagge wehte fast über dem gesamten östlichen Mittelmeer. Mittlerweile wurde die Gewaltenteilung der venezianischen Regierung unter der Aufsicht des Großen Rats eingerichtet, dem die mächtigsten und reichsten Familien des Stadtstaates angehörten. Die schnelle Expansion blieb den Rivalen Venedigs nicht verborgen, insbesondere nicht Genua, das ähnliche maritime Interessen verfolgte. Wiederholte Kämpfe blieben unentschieden. Trotz mehrfacher Friedensverträge verfolgten die beiden Seemächte einander mit zunehmender Wut durch das ganze Mittelmeer, ohne jedoch eine endgültige Entscheidung herbeiführen zu können, bis schließlich Venedig 1380 in der Schlacht von Chioggia den Sieg errang. Die Stadt wandte sich daraufhin dem Festland zu, befestigte seine wirtschaftliche Unabhängigkeit und erwarb Verbündete zur Verstärkung der durch die Pestseuche 1348 dezimierten Bevölkerung. Der Handel florierte, jedoch die Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahr 1453 leitete den Niedergang der venezianischen Oberherrschaft ein. In der entstehenden neuen Weltordnung von Nationalstaaten und Weltreichen spielte Venedig keine große Rolle mehr. Die Türken setzten ihren Eroberungsfeldzug durch das einst so stolze Mittelmeerreich der Serenissima mit raschen Erfolgen fort: Zypern fiel 1570, Kreta 1669. In Venedig breitete sich Korruption aus, die Politik verweichlichte und die Republik konnte kaum mehr den Willen, geschweige denn die militärische Stärke aufbringen, um Flotten oder gar Armeen auszurüsten und den Gegnern die Stirn zu bieten. Der wiederholte Ausbruch von Seuchen vernichtete bis zu einem Drittel der Bevölkerung und der Brand des Dogenpalastes zerstörte unzählige Schätze. So hatte Napoleon bei seiner Ankunft 1797 ein leichtes Spiel und schließlich geriet die Stadt in den Herrschaftsbereich Österreichs. Die Alpenländler fanden aber nie den Weg in die Herzen der Venezianer; so schloss die Stadt sich 1849 der langen Reihe von Rebellen an, die sich überall in Europa gegen die etablierte Macht erhoben. Auch im Veneto fasste die Bewegung für die Einigung Italiens schnell Fuß. Der Anschluss Venedigs an das Königreich Italiens erfolgte 1866. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jhd. waren in der Lagunenstadt sehr betriebsam: Der Hafenverkehr expandierte, die industrielle Tätigkeit nahm zu. Eine Eisenbahnbrücke entstand, um Venedig mit dem Festland zu verbinden und setzte damit dem Inselstatus endgültig ein Ende. Kanäle wurden erweitert und vertieft. Im Stadtzentrum wurden Fußgängerzonen geschaffen und der Tourismus begann seinen unaufhaltsamen Aufstieg.

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