Geschichte

Neue Geschichte
Ein Drittel aller deutschen Bauernhöfe liegt in Bayern - daher gibt es den beliebten Nürnberger Bauernmarkt -, dennoch trägt die Landwirtschaft nur für 1 % des Bruttoinlandsprodukts Rechnung. Antriebskraft der Wirtschaft ist hingegen der Produktionssektor, der für rund 32 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts sorgt. Nürnberg bildet zusammen mit seinem nördlichen Nachbarn Fürth eine wichtige Wirtschaftsregion, deren Schwerpunkt auf Maschinenbau und Technik, Druckgewerbe, Plastik-, Spielzeug- und Lebensmittelherstellung liegt. Einer der größten Arbeitgeber in Nürnberg ist Siemens. In der letzten Zeit hat man in Bayern besonders in die Hochtechnologie und in zukunftsorientierte Sektoren investiert, wie z.B. in die Bio- und Gentechnologie sowie die IT-, Laser- und Medizintechnik. Der Tourismus ist ein weiteres Standbein der Wirtschaft. Im Jahr 2000 kamen rund eine Million Besucher nach Nürnberg, ein Viertel davon aus dem Ausland.

Moderne Tagesgeschichte
Im 20. Jahrhundert entstand eine Verbindung mit den Nationalsozialisten, die zu einem schwierigen Vermächtnis für Nürnberg wurde. Nach der Machtübernahme 1933 wählte Hitler Nürnberg als Veranstaltungsort für die Massenversammlungen seiner Partei. Zwar hielt die Nationalsozialistische Partei ihre Versammlungen seit 1927 in Nürnberg ab, der Pomp und Größenwahn eskalierte aber erst nach 1933. Der vor allem von ihm eingesetzte Architekt Albert Speer entwarf die bombastischen Anlagen, die teilweise heute noch erhalten sind. Festgehalten wurde die Großspurigkeit dieser Ereignisse und der Anlagen in Leni Riefenstahls berühmten sinfonischen Propaganda-Dokumentarfilmen Triumph des Willens und Tag der Freiheit. Die niederträchtigen Nürnberger Gesetze von 1935, mit denen Juden die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen wurde und die zu anderen Repressalien gegen sie führen, wurden ebenfalls in der Stadt erlassen. Die sadistische Brutalität von Hitlers Nürnberger Gefolgsmann Julius Streicher - dem Herausgeber des fanatischen anti-semitischen Wochenblatts Der Stürmer - veranlasste mehr als 5000 Nürnberger Juden dazu, auszuwandern. Von denen, die blieben, überlebten nur wenige den Krieg. Die Bombenangriffe der Alliierten töteten rund 6000 Menschen und zerstörten etwa 90 % der Altstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche führende Nazis, u.a. Streicher, Göring und Speer, bei den sogenannten Nürnberger Prozessen vor ein internationales Militärgericht gestellt. 22 führende und 150 untergeordnete Nazis wurden verurteilt und inhaftiert; Dutzende wurden hingerichtet. Der Marshall-Plan und die Hingabe der Einheimischen trieben den mühsamen Wiederaufbau voran. Es wurden die Originalsteine benutzt und fast alle Hauptgebäude, einschließlich des Schlosses und der drei mittelalterlichen Kirchen, wieder rekonstruiert. Der wirtschaftliche Aufschwung Bayerns nach dem Krieg ist beeindruckend und so wandelte es sich von einer vornehmlich landwirtschaftlichen Gesellschaft - die im 19. Jahrhundert von der industriellen Revolution, die den Großteil Europas änderte, weitgehend unberührt blieb - in ein fortschrittliches, modernes Bundesland.

Vor 20. Jahrhundert-Geschichte
Im 11. Jahrhundert wurde offiziell zum ersten Mal eine Stadt erwähnt, die wir heute als Nürnberg kennen. Bis das Königreich Bayern im Jahr 1806 gegründet wurde, ordneten sich die Menschen der Region drei unterschiedlichen Volksgruppen zu und hatten sich auch als solche entwickelt: den Bajuwaren, den Franken (von denen die meisten Nürnberger abstammen) und den Schwaben. Von diesen drei Volksgruppen waren die Franken die ersten, die in Mitteleuropa zu großer Macht gelangten und zwar im 5. Jahrhundert unter der Merowinger-Dynastie. Als im 8. Jahrhundert aber Kämpfe unter den aristokratischen Dynastien ausbrachen, wurden die Merowinger von den Karolingern abgelöst. Nürnberg galt als die inoffizielle Hauptstadt des Heiligen Römischen Reichs. Der Ursprung dieses zerrütteten Reichs geht auf die Krönung von Karl dem Großen im Jahr 800 n. Chr. zurück. Als der Vater von Karl dem Großen, Pippin, einem belagerten Papst half (Karl der Große tat ihm dies später nach), erhielt er den Titel Patricius Romanorum (Schutzherr Roms), was ihn faktisch zum Nachfolger Caesars machte. Kurz danach gab er dem Papst seinen eigenen Staat - den Vatikan. Das Reich war während seines Bestehens unter diversen Namen bekannt. Formell nahm es (zumindest für Historiker) 962 mit der Kaiser-Krönung von Otto I., dem König der Ostfranken, seinen Anfang und brach schließlich 1806 zusammen, als Kaiser Franz II. abdankte. Teilweise reichte es in Italien so weit südlich, dass auch Rom dazugehörte, manchmal auch nicht, denn gewöhnlich hatte der Papst ein Wort mitzureden. Zeitweilig umfasste es das heutige Holland, Belgien, die Schweiz, Lothringen und Burgund (in Frankreich), Sizilien, Österreich und einen östlichen Landstreifen durch die Tschechische Republik, Polen und Ungarn. Dies war das sogenannte Erste Reich. Das Zweite Reich wurde von Otto von Bismarck 1871 geschaffen, während das notorische Dritte Reich Adolf Hitlers Versuch war, aus dieser zweifelhaften Glorie Nutzen zu ziehen. Zahlreiche Reichstagssitzungen fanden in Nürnberg statt, dank der 'Goldenen Bulle', eines 1356 von Kaiser Karl IV. erlassenen Gesetzes. Sie verlangte, dass jeder neu gekrönte König oder Kaiser seine erste Reichstagssitzung in Nürnberg abhielt. Von 1424 bis 1800 war die Stadt außerdem die 'Schatztruhe' des Reichs. Hier hütete man die Kronjuwelen bzw. Reichskleinodien und viele der unschätzbar wertvollen Kunstwerke, die wir heute sehen können. Da Nürnberg eine fortschrittliche und tolerante Stadt war, blühte auch das künstlerische Schaffen hier, besonders im 15. Jahrhundert. Zahlreiche große Künstler lebten und arbeiteten in Nürnberg und hinterließen überall in der Stadt ihr Vermächtnis, ganz besonders der gebürtige Nürnberger Albrecht Dürer. Durch den Dreißigjährigen Krieg nahm sowohl Nürnbergs Bevölkerung als auch sein Ansehen ab. Den Tiefpunkt erreichte es 1806 unter Napoleon, als die ehemalige freie kaiserliche Stadt - mittlerweile geschwächt und zahlungsunfähig - vom Königreich Bayern einverleibt wurde. Mit dem Beginn der Industrialisierung und der Gründung mehrerer wichtiger Fertigungsbetriebe, u.a. dem Unternehmen Faber, das noch heute Stifte herstellt, konnte sich Nürnberg jedoch einige Jahrzehnte später wieder erholen. Ein großer Meilenstein war zudem die Inbetriebnahme der ersten Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth im Jahr 1835.

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