Neue Geschichte
Heute nimmt Cambridge unter den britischen Universitäten weiterhin einen Spitzenplatz
im Bereich Forschung ein. Die Universität verfügt über eine eigene angesehene
Verlagsgesellschaft sowie einen weltbekannten Prüfungsverband, ist das führende
Astronomiezentrum Großbritanniens, ihr Fitzwilliam-Museum beherbergt eine
herausragende Kunstsammlung und ihre Bibliothek wird von Studenten auf der ganzen
Welt genutzt. Obwohl es sich wohl kaum um ein Industriezentrum handelt, kann man das
heutige Cambridge sicher nicht als ländlich bezeichnen. Das geschäftige
Marktstädtchen bietet nicht nur eine bedeutungsvolle Geschichte, sondern zeichnet
sich auch durch Einkaufsstraßen mit exklusiven Designer-Outlets und eine Vielzahl an
Restaurants und Cafés aus. Trotz der modernen Annehmlichkeiten verströmt Cambridge
eine Atmosphäre zeitloser Ruhe, die wohl auf ewig mit England in Verbindung gebracht
werden wird.
Moderne Tagesgeschichte Die Liste berühmter Absolventen liest sich wie ein Who's Who internationaler Überflieger und die Aufzählung ihrer Leistungen auf einer Vielzahl diverser Gebiete könnte sicher ein oder zwei dicke Bände füllen. Bisher brachte die Universität 78 Nobelpreisgewinner (29 allein vom Trinity College), 13 britische Premierminister, neun Erzbischöfe von Canterbury, eine Vielzahl an Wissenschaftlern sowie eine beeindruckende Zahl an Dichtern und anderen Schriftstellern hervor - und dies ist nur eine beschränkte Auswahl.
Vor 20. Jahrhundert-Geschichte
Cambridge, zunächst ein römisches Fort und später eine kleine sächsische Siedlung,
war bis 1209 lediglich ein winziges Provinznest. Dies änderte sich jedoch
schlagartig, als in der Universitätsstadt Oxford Unruhen zwischen den Studenten und
Stadtbewohnern ausbrachen, welche eine Gruppe Studenten dazu zwangen, ihre Studium
abzubrechen und nach Cambridge zu ziehen, um eine neue Universität zu gründen. Die
Fakten um die Gründung dieser sind ein wenig verschwommen, zweifellos aufgrund
weiterer Ausschreitungen zwischen der Stadtbevölkerung und Studenten im Jahre 1261,
bei denen das Archiv der Universität den Flammen zum Opfer fiel. Bei der Verhandlung
der Aufrührer entschieden die Richter zugunsten der Studenten und schufen so einen
Präzedenzfall, der noch Jahrhunderte lang von Bedeutung sein sollte. Die neue
Universität hatte also die Gunst des Gesetzes erworben und begann fortan, sich fest
in der Stadt zu etablieren. Schritt für Schritt entstand das für Oxford und
Cambridge typische College-System. Das erste College von Cambridge, Peterhouse,
wurde 1284 von Hugo de Balsham, dem späteren Bischof von Ely, gegründet. Die Idee
war, dass Dozenten und Studenten zusammen in einer Gemeinschaft leben sollten,
ähnlich wie in einem Kloster. Vom 14. Jahrhundert an wurde unter anderem von
Mitgliedern der Königsfamilie, des Adels, führenden Kirchenleuten, Staatsmännern,
Akademikern und Zünften eine Reihe an Colleges gegründet, die allerdings alle
ausschließlich Männern vorbehalten waren. Mit der Gründung der Frauencolleges Girton
und Newnham 1869 und 1871 wurde auch Frauen endlich das Recht eingeräumt, hier zu
studieren - auch wenn sie bis 1948 warten mussten, um einen akademischen Grad
erlangen zu dürfen.
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