Geschichte

Neue Geschichte
Das habsburgische Antlitz Wiens wird sorgfältig gepflegt - obwohl der letzte regierende Habsburger schon 1989 unter die Erde kam - aber die Stadt richtet ihren Blick auch zunehmend in die Zukunft. Die 1990er Jahre brachten schwierige Zeiten für Österreich. 1993 gab Kanzler Franz Vanitsky öffentlich zu, dass die Österreicher „willige Diener des Nazismus“ waren. Die historischen Wunden des 2. Weltkriegs wurden im neuen Millenium weiter geöffnet. Der Rechtsrutsch der Regierung war für viele Österreicher, wie auch seit 2000 für die Europäische Union, Anlass zur Sorge und wird von der internationalen Gemeinschaft aufmerksam beobachtet. Dennoch hat es den Anschein, dass Wien im Wandel begriffen ist, dass die Stadt ihr gemächliches k.k. Image abschüttelt und der Zukunft mit frischer Energie ins Auge sieht.

Moderne Tagesgeschichte
Im 20. Jahrhundert sah die Stadt ihren Glanz schwinden. Der Verlust der Kaiserkrone in Folge des 1. Weltkriegs war ein schlimmer, wirtschaftlicher Einbruch für Wien, aber nach dem Krieg begann eine neue Epoche mit dem Wahlsieg der Sozialdemokraten, deren beeindruckende Sozialgesetzgebung sich u.a. in sozialen Wohnungsbauprojekten wie dem Karl-Marx-Hof mit seinen 1 325 Wohnungen niederschlug. Wachsende Spannungen zwischen dem sozialistischen Ambiente der Stadt und der zunehmend konservativen Regierung kulminierte in dem autoritären Regime, das 1933 die Macht übernahm. Wien war von den Bombenangriffen der Alliierten in den letzten zwei Jahren des 2. Weltkriegs besonders stark betroffen und fast alle größeren, öffentlichen Gebäude sowie 86 000 Wohnungen wurden beschädigt oder zerstört. Am Ende des Krieges wurde Wien in vier Zonen unterteilt, deren Kontrolle monatlich zwischen den USA, der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich wechselte. Die Alliierten zogen schließlich 1955 ab und Österreich wurde in die Vereinten Nationen aufgenommen. Nach dem Fall der Mauer 1989 hat Wien eine neue Rolle als Bindeglied zwischen Zentral- und Osteuropa gefunden.

Vor 20. Jahrhundert-Geschichte
Das Donautal ist seit vielen tausend Jahren bewohnt. Von der weit zurückreichenden Geschichte zeugt ein 1906 gefundenes, 25 000 Jahre altes Fruchtbarkeitsfigürchen, die so genannte Willendorfer Venus. Keltische Siedlungen existierten schon 500 Jahre vor der Ankunft der ersten Römer, die im Jahre 9 ein militärisches Lager gründeten, das Vindobona genannt wurde. Die Befestigung befand sich genau im Mittelpunkt der Inneren Stadt inmitten des Quadrats, das noch heute am Verlauf der Straßen Am Graben, Tiefer Graben, Ruprechtskirche und Rotenturmstraße erkennbar ist. Die Römer zogen sich im frühen 5. Jhd. zurück und überließen die strategisch am Kreuzweg zwischen Ost und West gelegene Ansiedlung den aufeinander folgenden Wellen durchziehender Völker und Armeen. Der fränkische König Karl der Große legte 803 westlich von Wien einen östlichen Außenposten an, der als Ostmark bekannt war. Wien wurde 1137 erstmalig urkundlich als Stadt erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt stand die Stadt unter der Herrschaft der bayrischen Babenberger Markgrafen. Der Tod des letzten Babenbergers durch einfallende ungarische Horden führte zu einer 40-jährigen Zeit der Ungewissheit, bis Rudolf von Habsburg, der neue Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, das Szepter aufnahm. Rudolf verlieh 1282 seinen beiden Söhnen die Lehensgüter Österreich und Steiermark und begründete damit eine der mächtigsten Dynastien der Geschichte. Die folgenden Generationen der energischen, eroberungsfreudigen Habsburger dehnten ihre Herrschaft auf Kärnten, Oberkrain und Tirol aus. Wien wurde Bischofssitz, die Habsburger zu Erzherzögen und dank einer Reihe kluger, strategischer Heiraten wurde aus der Familiendynastie ein Reich, zu dem Ländereien wie Burgund, die Niederlande und Spanien kamen. Das Gebiet wurde bald zu groß, um von einem einzigen Herrscher kontrolliert werden zu können, so wurde es 1521 zwischen den prinzlichen Brüdern Ferdinand (dem Österreich zufiel) und Karl (der alles andere an sich raffte) aufgeteilt. Im 16. und 17. Jhd. wurde Wien mehrfach von feindlichen Kräften angegriffen. Der türkische Sultan Suleiman der Prächtige mit seiner plündernden Streitmacht brachte die Stadt mit seiner 18-tägigen Belagerung im Jahr 1528 und der Zerstörung der äußeren Stadtbezirke in ernsthafte Gefahr. Dennoch verlegte Ferdinand I. 1533 seine Residenz aus Sicherheitsgründen nach Wien - und brachte mit seiner hoheitlichen Anwesenheit Glanz und Prestige in die Stadt. 1679 brach die Pest aus, der Schätzungen zu Folge etwa 80 000 Wiener zum Opfer fielen. 1683 belagerten die Türken die Stadt zum zweiten Mal. Dabei brachten sie ein merkwürdiges Gebräu mit, das Kaffee genannt wurde. Nach der Vertreibung der Türken durch ein Heer deutscher und polnischer Soldaten kam es zu einer triumphalen Bautätigkeit in Wien, die der Stadt ihren berühmten barocken Charakter verlieh. Eine Reihe verschwenderischer Regenten fand ihren Höhepunkt in der goldenen Ära Maria Theresias und ihres Sohns Joseph II. In dieser Zeit entstanden die Schlösser Schönbrunn und Belvedere. Der Ruhm Wiens als Musikstadt wurde in dieser Zeit begründet, als Mozart, Haydn, Beethoven und Schubert hier lebten und komponierten. Das Imperium wurde durch die napoleonischen Besatzungen 1805 und 1809 gewaltig gebeutelt. Der Habsburger Kaiser wurde gezwungen, die deutsche Krone und den Kaisertitel des Heiligen Römischen Reiches abzulegen. Der Kampf mit Napoleon führte die Wiener Staatskasse an den Rand des Bankrotts. Der Wiener Kongress 1814-15 gab der Hauptstadt einen Teil ihres Stolzes zurück. 1848 schloss sich die vom aktiven Wahlrecht ausgeschlossene Bevölkerung der Revolution an und als die Ordnung wieder hergestellt werden konnte, hatte das Reich einen neuen, nur 18 Jahre alten Kaiser, Franz Josef I. Unter seiner langjährigen Herrschaft wurden die Viertel zwischen der Inneren Stadt und der Ringstraße angelegt. Die Stadt profitierte von ihrer Stellung als k.k. Haupt- und Residenzstadt der neuen Österreichisch-Ungarischen Monarchie: Immigranten unterschiedlichster Herkunft strömten herbei und siedelten sich an. In den berühmten Wiener Kaffeehäuser wurden wild auseinandergehende politische und künstlerische Thesen debattiert. Die Stadt bereicherte sich mit den Kunstwerken der Wiener Secession, des Jugendstils und des Expressionismus und das städtische Pantheon um Namen wie Klimt, Schiele, Kokoschka, Moser, Mahler und den Vertretern der Wiener Werkstätte.

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