Neue Geschichte
Mailands hausgemachter Zampano (und Italiens reichster Mann) Silvio Berlusconi wurde 2001 zum Premierminister Italiens gewählt. Er schaffte es, bis 2006 im Amt zu bleiben und hält damit den Rekord als längster amtierender italienischer Premierminister nach dem 2. Weltkrieg.
Moderne Tagesgeschichte
Im 2. Weltkrieg wurde das Zentrum von Mailand stark bombardiert, das Opernhaus zerbarst in Tausend Stücke und ganze Stadtviertel in Zentrumnähe lagen in Schutt und Asche. Doch noch bevor die schlimmsten Bombenangriffe begannen, hatten die Mailänder genug von Mussolini. Mailänder Fabrikarbeiter drohten wegen eines Streiks gegen die faschistische Herrschaft 1943 verhaftet zu werden, was gleichzeitig der Anfang vom Ende von Mussolinis Karriere war. Italien kapitulierte am 8. September vor den alliierten Streitkräften, zwei Wochen später erklärte Mussolini jedoch in Saló eine neue faschistische Republik und rief damit langwierige, blutige Kämpfe zwischen Italienern und Alliierten hervor. 1945 zahlten sich die Bemühungen der norditalienischen Widerstandsbewegung aus, als ein Aufstand in Mailand die Nazibesatzer innerhalb von drei Tagen stürzte und Mussolini beim Versuch, aus dem Land zu fliehen, erschossen wurde. Um dem noch eins draufzusetzen, wurden der Leichnam von Mussolini und seiner Geliebten kopfüber vom Dach einer Tankstelle am Piazzale Loreto aufgehängt.
Die industrielle Blütezeit in den Nachkriegsjahren entstand durch den Autobau und neue Alpentunnel, die den Zugang zu Nordeuropa erleichterten, sorgten für einen weiteren Mailand-typischen Wachstumsschub. Das Leben war für Mailand jedoch nicht nur Rosen, Risotto und Ferraris. Immer größer werdende Unterschiede zwischen Wohlhabenden und Habenichtsen sowie Migrantenströme aus dem Süden des Landes brachten soziale Spannungen hervor und die Roten Brigaden terrorisierten in den 70er-Jahren Mailand und andere industrielle Zentren. Extremistische Parteien wie die nationalistische Lega Nord profitierten von dem daraus resultierenden politischen Vakuum, obwohl die extreme Rechte in Mailand in der letzten Zeit Boden gegenüber den Liberalen und Linken verlor.
Mailand bemüht sich auch redlich, organisierte Kriminalität und Skandale der Tangentopoli („Stadt der Schmiergelder“) in den Griff zu bekommen. Die Stadt wurde 1995 durch den Mafiamord an dem Gucci-Erben Maurizio Gucci (von seiner entfremdeten Frau in Auftrag gegeben) wachgerüttelt, dem 1999 weitere Mafiaaktionen folgten. Die vor kurzem eingeführte „Null-Toleranz-Politik“ im Stil von New York scheint die Arbeit der Polizei tatsächlich zu verbessern, obwohl Kriminelle dadurch scheinbar nicht völlig abgeschreckt werden können: Im Dezember 2000 wurde auf dem Dach von Mailands Duomo eine Bombe gefunden. In den 90er-Jahren wurden weitreichende Skandale aufgedeckt, die bis an die Spitze der regionalen politischen, administrativen und kommerziellen Elite reichten - ein Vermächtnis der Korruption, die nun auch Mailands beliebte Fußballvereine in den Sumpf zu ziehen droht.
Vor 20. Jahrhundert-Geschichte
Mailand wurde nicht von betuchten Stadtbewohnern mit Designerambitionen gegründet, sondern von einer Gruppe ziellos umherirrender Insubrier-Kelten, deren Inspiration wohl die Aussicht auf Salami war. Der Legende nach wurde dieser Ort für eine Siedlung ausgewählt, weil der König am Horizont einen vielversprechenden Blick auf ein Wildschwein erhaschte.
Diese Kelten hatten sich auch in den Kopf gesetzt, Rom einzunehmen, aber die Römer waren schneller und nahmen 222 v.Chr. die Stadt ein, der sie den anschaulichen, wenn auch recht einfallslosen Namen Mediolanum (Mitte der Tiefebene) gaben. Die Stadt mauserte sich vom wichtigen Zwischenhalt auf den Handelsstrecken zwischen Rom und Nordwesteuropa zur Hauptstadt des westlichen Reiches sowie zum religiös bedeutsamen Ort, nachdem Kaiser Konstantin hier 313 n.Chr. ein Edikt erließ, das Christen die freie Religionsausübung zusagte.
Mailands Schutzpatron Sant'Ambroggio machte ebenso wie die Stadt eine beeindruckende Transformation durch - vom niedrigen Beamten zum Bischof - und das alles innerhalb einer Woche. Alles begann mit der lautstarken Unterstützung durch rüpelhafte Mailänder Massen. Ziemlich bald danach folgte eine persönliche Einladung des Kaisers, eine hastige Taufe und ein Crashkurs für angehende Bischöfe, den Kirchenführer freundlicherweise anboten. Sant'Ambroggio war schneidig und geradlinig und stand mit voller Überzeugung hinter den Armen. Er gab seine Prinzipien nicht für Diplomatie auf - unter der Androhung der Exkommunikation forderte er, dass Kaiser Theodosius für das Massaker von 7.000 Menschen in Thessalonien Buße tat, und er kam damit durch. Nach seinem Tod 397 wurde sein Leichnam in Sant'Abroggio beigesetzt, wo er noch heute in ausgetrockneter Form bewundert werden kann.
Nach diesen hochfliegenden Anfängen verfiel die Stadt über Jahrhunderte in Chaos, das durch Wellen von barbarischen Invasionen ausgelöst wurde. Doch Mailand raufte sich zu einem glanzvollen Comeback zusammen und bildete im 11. Jahrhundert einen commune (Stadtrat), der der Stadt zu einem raschen Wachstum verhalf. Vielleicht lag es gerade an diesem Erfolg, dass sich die Stadt nicht sonderlich gut mit ihren Nachbarn verstand.
Der Heilige Römische Kaiser Friedrich I (Barbarossa) machte sich die örtlichen Konflikte zunutze und griff Mailand 1162 an. Angespornt durch einen gemeinsamen Feind, rauften sich die umliegenden Städte als Lega Lombarda zusammen und zeigten Friedrich 1176 gehörig, wo der Hammer hängt.
Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Stadt von einer Reihe wichtiger Familien beherrscht: den Torrianis, den Viscontis und den Sforzas. Unter den letzteren Dynastien brachte es Mailand zu beachtlichem Reichtum und Macht. 1535 geriet die Stadt unter die Herrschaft der Spanier und ging 1713 nach dem Frieden von Utrecht an Österreich. Österreichs einflussreiche Maria Theresia drückte der Stadt ihren Stempel auf: Die Fassaden der Scala und des Palazzo Real erstrahlen in ihrem Lieblingsgelb. Napoleon machte 1797 Mailand zur Hauptstadt der Cisalpinischen Republik und fünf Jahre später zur Hauptstadt seiner Italienschen Republik. Die Stadt war 1805 Schauplatz seiner Krönung als Kaiser von Italien.
Von 1814 -1859 übernahm Österreich wieder die Macht über die Stadt, doch Truppen von Victor Emmanuel II und Napoleon III schlugen die österreichen Kräfte bald in der Schlacht von Magenta vernichtend nieder. Mailand wurde 1860 Teil des Königreichs Italien.
Erweiterte Web-Suche nach Mailand
Die besten Angebote im Preisvergleich: