Neue Geschichte
Heute ist die Stadt eine Mischung aus ihrer Papier-Mâché-Vergangenheit und Gotham-City-Gegenwart - die funkelnden Wolkenkratzer des Bankenviertels stellen ein eindrucksvolles Symbol des unerwarteten und rasanten wirtschaftlichen Aufstiegs Westdeutschlands nach dem Krieg dar. Ein kleiner Teil der Altstadt wurde mühsam wieder aufgebaut und obwohl er ein wenig theatralisch und eindimensional wirken kann, ist er dennoch den schmucklosen Straßenzügen und brutalen Betonkreation der 60er-Jahre vorzuziehen.
Die Kunst- und Kulturszene erhielt in den 1980ern und -90ern beträchtliche Finanzspritzen. Dies hat die Stadt zu einem erstklassigen Kulturreiseziel mit einer Museenlandschaft gemacht, die nur von den Berliner Museenszene übertroffen wird.
Als Wirtschafts- und Verkehrszentrum übt Frankfurt auch international seinen Reiz aus. 2002 kam es zusammen mit drei anderen Städten in einer weltweiten Studie zur Lebensqualität auf Platz 6.
Moderne Tagesgeschichte Während seiner gesamten Geschichte verfolgte Frankfurt eine Ad-hoc-Politik, durch die man die Juden der Stadt entweder tolerierte oder sie verfolgte - wie es gerade passte. Die jüdische Gemeinde Frankfurts, auf die die Banktradition der Stadt und viele akademische und kulturelle Einrichtungen zurückgehen, litt enorm unter den Nazis. Eine große Anzahl emigrierte, Jene, die dies nicht taten, wurden in den KZs getötet und nur Wenige überlebten. Rund 80% der Stadt wurden in Trümmer und Asche gelegt und 1870 Menschen kamen bei den Luftangriffen der Alliierten im März 1944 ums Leben. Die amerikanische Armee übernahm 1945 die Kontrolle über die Stadt und machte sie während des Wiederaufbaus von Deutschland zu ihrem Hauptquartier. Die deutsche Mark entstand hier, die deutsche Bundesbank hat hier ihren Sitz, ebenso die europäische Zentralbank, und der Euro wurde hier am 1. Januar 1999 eingeführt, in dem Jahr, in dem die Stadt Goethes 250. Geburtstag feierte.
Vor 20. Jahrhundert-Geschichte
Die erste bekannte schriftliche Erwähnung Frankfurts wurde 794 von keinem geringeren als Karl dem Großen unterzeichnet, der die Stadt dem Kloster in St. Emmeram übertrug. Frankfurt hat sich seit der Römerzeit als Handelszentrum entwickelt und bereits im 12. Jahrhundert lockten die berühmten Messen der Stadt Kunden von fernen Gegenden wie der Mittelmeerregion und dem Baltikum an. Frankfurt erlangte Bedeutung, als es zum Wahl- und Krönungsort der deutschen Kaiser und Könige gemacht wurde. In Gang gesetzt wurde diese Tradition mit Friedrich I. Barbarossa im Jahr 1152. 1372 erkauften sich die Frankfurter für 8800 Gulden ihre Unabhängigkeit von Karl IV. und machten Frankfurt zu einer freien Reichsstadt bzw. Kaiserstadt, allerdings konnte dies nicht verhindern, dass die Stadt mehrfach belagert wurde: Im Jahr 1631 von schwedischen Truppen während des Dreißigjährigen Kriegs, von 1759-63 von französischen Truppen während des Siebenjährigen Kriegs und erneut zur Zeit der Napoleonischen Kriege.
Frankfurts Charakter war sehr weltlich geprägt, genau wie es sich einem kosmopolitischem Handelszentrum geziemt, und gehörte zu den ersten Städten, die Luthers Reformideen annahmen. Die Stadt spielte eine bedeutende Rolle im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, obwohl die hessischen Fürstentümer, die sie umgaben, bis 1945 ein schlecht organisierter und unwichtiger Bund blieben. Das Heilige Römische Reich nahm 1806 mit Napoleon ein sang- und klangloses Ende und nachdem er in Ungnade gefallen war, wurden die zahllosen deutschen Fürstentümer umorganisiert und schlossen sich zu einem Bund aus 35 Staaten zusammen. Frankfurt wurde zum Sitz des ineffektiven Reichstags. 1848, im Jahr der großen Revolutionen, traf sich Deutschlands allererste parlamentarische Delegation kurz in der Frankfurter Paulskirche - jenes Ereignis, auf das sich der frühere amerikanische Präsident John F. Kennedy bezog, als er Frankfurt die 'Wiege der deutschen Demokratie' nannte.
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