Wer nur Essen und Trinken im Kopf hat, ist in Oslo gut aufgehoben - hier kann man wahrscheinlich auch ohne Wohnwagen mit Kühlschrank und Herd überleben. Aber selbst wenn das Leitungswasser gut, Fisch günstiger als Fleisch ist, und die Geschäfte im Osten ein reichhaltiges Angebot von sehr preisgünstigem Obst und Gemüse haben, kommen Besucher nicht zum Kochen hierher.
Zentrum und Karl Johans Gate
Norwegens Hauptstadt ist gross genug, um eine unerschöpfliche Auswahl zu bieten, egal worauf Wert gelegt wird – niedriger Preis, Luxus, Lage, Herkunft der Küche. Dennoch ist das Stadtzentrum kompakt genug, um alle Restaurants zu Fuß erreichen zu können.
Seit den 60er Jahren hat sich viel verändert. Norwegen hat sich von einem armen in ein reiches Land verwandelt. Die Norweger haben mehr Freizeitmöglichkeiten und mehr Geld. Oslo ist zu einer multikulturellen Stadt geworden, mit einer auffällig großen Gruppe von Asiaten. Heute verbringen eine halbe Million Osloer mehr und mehr Zeit in den ungefähr 1000 Lokalen zum Essen und/oder Trinken und geben dabei entsprechend mehr Geld aus. Das traditionelle norwegische Essen, das vor einigen Jahrzehnten gedankenlos zubereitet und gegessen wurde, hat heute nur noch einen kleinen Anteil am gesamten Restaurantmarkt. Probieren kann man es in Lokalen wie Maud's, dem Engebret (Meeresspezialitäten), dem Holmenkollen oder dam Kaffistova (Selbstbedienung). In der Weihnachtszeit kann man die norwegischen Spezialitäten überall finden – man sollte nach den folgenden Dingen Ausschau halten: lutefisk (eingelegter Kabeljau, sieht durchsichtig aus), pinnekjøtt (geräucherte und getrocknete Hammelrippen auf Birkenreisig geschmort, mit gekochten Kartoffeln und Steckrübenbrei serviert) und spekemat (getrocknetes Fleisch) in Scheiben, wie fenalår (gepökelte Hammelkeule), gefolgt von einer Nachspeise auf der Basis von multer (Torfbrombeeren).
Egal, ob man mit dem Flugzeug oder dem Zug ankommt, der Aufenthalt in Oslo beginnt sehr wahrscheinlich am Hauptbahnhof, Oslo S. Die bescheidene östliche Fortsetzung der Hauptstraße, Karl Johans gate, ist das Erste, was beim Verlassen des Gebäudes ins Auge fällt. Wer nur isst, was er kennt, kann zwischen Burger King, McDonalds, Peppe's Pizza, Pizza Hut, Subway oder Bagel & Juice wählen. Diese Ketten findet man überall in der ganzen Stadt. Wer schon jetzt zu hungrig zum Weitergehen ist, kann das etwas interessantere Tampopo in Skippergaten probieren, wo es zwei großzügige Stücke Sushi für einen vernünftigen Preis gibt. Ansonsten kann man im italienischen Baltazar Restaurant oder der Trattoria Cappucino (leichte Mahlzeiten) eine Pause einlegen, noch bevor man die Oslo Domkirke (Kathedrale) erreicht. In der Rådhusgaten, ein paar Blöcke weiter links, finden sich die luxuriösen Restaurants, z.B. das Statholdergaarden und Wollans, das Letztere allgemein als Oslos bestes Fischrestaurant bekannt, das Cafe Celsius, das exzellente Cafe-Gerichte anbietet und einen schönen Kamin hat.
Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte hier von einer weiteren norwegischen Spezialität berichtet werden: eine Einladung zu einem Vorspiel ist keine Aufregung wert. Die lokale Bedeutung des Wortes Vorspiel beinhaltet Getränke und mindestens drei oder vier Personen. Und wenn der Punkt erreicht ist, an dem keiner mehr länger warten kann – zieht man die Jacken an und geht aus. Ein Nachspiel kann hingegen der Anfang für eine ganz andere Gemeinschaftstat sein, zumindest wenn man denjenigen glaubt, die es ausprobiert haben und sich fast sicher sind, dass sie sich erinnern können.
In Egertorget ist dann der Kern Oslos erreicht und Hilfe bei der Suche nach Restaurants ist nicht mehr nötig – wonach auch immer einem der Sinn steht, hier kann man es mit verbundenen Augen finden. Mit etwas Glück findet man ein klassisches französisches Essen in der Brasserie Handsken (ein bisschen formell) oder im A Touch of France; ein spektakuläres Szechuan im Dinner, oder den puren Luxus von Julius Fritzner. Glück hat auch, wer Klassiker findet, wie z.B. das Grand Cafe, früher der Aufenthaltsort von Ibsen, oder den Art Nouveau Klassiker Theatercafeen, dessen Klientel und Atmosphäre bekannter sind als sein Essen. Nordöstlich der Studenterlunden sind die Straßen angefüllt mit netten Bars, wie z.B. Ett Glass, Savoy, Cafe Amsterdam, Zoo Lounge, Last Train, dem Rock-Cafe So What, oder der modischen Bar The Living Room. Die italienische Speisekarte im Ciao Ciao strotzt von exquisiten, günstigen Speisen. Auf der anderen Seite der Studenterlunden befindet sich das vegetarische Restaurant Vegeta vertshus und das intime Babettes Gjestehus.
Wenn es warm ist, lohnt sich der schnelle Weg nach Aker brygge. Hier sorgen das Bier und die Fischerboote am Anleger für einen schwindelerregend schönen Nachmittag in der Sonne. Wenn es kalt und bewölkt ist, sind die meisten Ecken der Welt in den Innenräumen der historischen Docks von Oslo kulinarisch mindestens einmal vertreten. Die Docks wurden im post-modernen Stil wiederaufgebaut und sind nun ein großes Zentrum mit Büros und Wohnungen. Das Acqua ist das exklusivste Restaurant und der Beach Club bietet die besten Hamburger der Stadt, wohingegen das Agra ein erstklassiges Curry serviert.
Frogner Uranienborg und Majorstuen
Der Weg über den Drammensveien nach Frogner führt am Königlichen Schlosspark vorbei. Auch hier gibt es einige lebhafte Bars - Barbeint, Bollywood Dancing oder Palace Grill (auch ein vorzügliches und einfallsreiches Restaurant) beispielsweise. Dieses Wohnviertel an der Westseite bietet viele französische Gourmet-Tempel erster Klasse, wie das Feinschmecker oder Le Canard, verführerische Meeresspeisen bei Mares (italienisch beeinflusst), East, oder Fuji (Sushi), moderne italienische Leckerbissen bei Spezzo Cucina Italiana, oder indische bei der Village Tandoori; aber hier ist auch die beste Pizzeria des Landes, Pizza di Mimmo. Jede gastronomische Tour Oslos, Norwegens, oder sogar Skandinaviens sollte im Bagatelle enden. Danach gibt es einfach nichts Besseres - für einen niedrigen Preis erscheinen ihre achtgängigen Fantasien immer noch angemessen im Preis.
Auf dem Rückweg in die Innenstadt Oslos kann man den Königlichen Park durchqueren, um einen Abstecher nach Homansbyen und seine beliebten Künstler-Treffpunkte Lorry und Arcimboldo zu machen. Hier finden sich auch viele preisgünstige Lokale, wie z.B. die Tapas Bar. Hegdehaugsveien ist eine lange Reihe von modischen Couture Geschäften, die sich bis nach Bogstadveien ziehen, wobei die Dichte an Restaurants und Bars niemals abnimmt. Auf dem Weg von hier nach Majorstuen, kann man die indischen Gerichte des ausgelassenen Curry & Ketchup (reichhaltig und günstig) oder des Gate of India (großartiges Essen), die vegetarische Küche des Krishna Cuisine, die gemischte Küche des Fusion, die Getränke und das wilde Tanzen im Mezzo (nur Fr und Sa), oder eine gute Tasse Cappuccino im Broker probieren.
Grünerløkka
Wer sich in Oslo noch immer nicht heimisch fühlt, sollte eine Fahrt mit einem Taxi machen, das bereits mit Kids von der Westseite auf ihrem Weg zur Bar-Tour in Grünerløkka auf der Ostseite wohl gefüllt ist; seit fünf Jahren ist das der angesagteste Teil Oslos. Die bekannte Bar Boca (über die ein Getränke-Buch geschrieben wurde) und die intime Dr. Kneipps Wein-Bar sorgen beide für einen angenehmen Abend, wohingegen das Markveien Mat- og Vinhus noch immer das exklusivste Restaurant ist. Neuere Lokale bieten meist eine gemischte Küche, so auch das Helt Rått und das Somewhere Else. Von diesen bietet das Sult das beste Essen, besonders günstige Preise und müht sich sogar den Tørst (Durst) zu löschen. Dermed Pasta! Ist ein großartiger italienischer Imbiss, wohingegen Mucho Mas Tex-Mex Gerichte zu moderaten Preisen serviert.
Der Bezirk Grünerløkka verläuft abwärts bis zu den Brücken über den Fluss Aker. Auf der anderen Seite, zwischen südostasiatischen Supermärkten und Gemüseläden, liegen in den sich kreuzenden Straßen Storgata und Torggata versteckte Schätze, wie das Hai Kafe und das Saigons Lille Kafe, die beide anständige Gerichte mit einem Getränk für weniger als NOK100,00 (EUR 12,24) anbieten. Das gilt auch für das exzellente koreanisch-japanische Nam Kang Sushi. Die Mahlzeiten hier sind für fast jeden bezahlbar. In Torggata wimmelt es von Fastfood-Geschäften, die meisten bieten Kebab, von denen Lille Amir unbestritten das Beste ist. Ganz in der Nähe befinden sich Bars wie z.B. das Sikamikanico (alternatives, junges Klientel, ein bisschen ‚hip') und Paragrafen, ein Bier-Cafe mit Tradition, das Justisen und der ethnische Nachtclub The Nomad. Den Besuch in Storgata kann man mit leckerem Gebäck im Cafe Bacchus abschließen; oder aber noch davor links in die Brugata abbiegen, an der stilvollen Teddy's Softbar vorbei zum Grønland gehen, wo das Punjab Sweet House ein dreigängiges Menü mit Getränk für weniger als NOK100,00 (EUR 12,24) verkauft. In dieser Gegend bietet das Bangkok Thai Restaurant Oslos einzige authentische thailändische Küche und ist für günstige Preise bekannt.
Gamle Oslo und Oslofjord
Zurück am Oslo S schliesst sich der Kreis. Es lohnt sich auch, das Zentrum Oslos zu verlassen, um ein Restaurant zu finden, das so gut ist, das die Lage keine Rolle spielt. Beispielsweise Victor in Sandakerveien. Dann gibt es noch die, bei denen die Lage genau das ist, was sie ausmacht, was auf die Cafes im Freien in Frognerparken, z.B. das De fem stuer, Frognerseteren Restaurant oder Lille Herbern Fjordkro zutrifft, nicht zu vergessen natürlich die beliebten Hütten mit Bedienung in der tiefen Oslomarka.
Vorstadt
Andererseits lassen sich himmlisches Essen und eine großartige Lage auch durch einen Besuch des Bølgen & Moi im Henie-Onstad Art Centre miteinander kombinieren. Hier besteht die Gefahr, dass die ausgestellten Werke moderner Kunst mit den deftigen kulinarischen Skulpturen des Kochs verwechselt werden.
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