Geschichte

Anfang des 16. Jahrhunderts, im Anfangsstadium der Entdeckung Brasiliens durch die Portugiesen, wurde die Hochebene von São Paulo - die sich oberhalb der Serra do Mar (südwestliche Gegend) befindet - durch Guaianás-Indios (Ureinwohner vom Volk der Guaianás) bevölkert. Der erste weiße Mann, der sich an diesem Ort niedergelassen hatte, war der Portugiese João Ramalho, Überlebender eines Schiffbruches der sich gegen 1550 an der Küstenlinie von São Paulo zugetragen hatte. Ramalho heiratete mit einer Indio, die Indianerin Portira (oder Bartira), Tochter des Häuptlings Tibiriçá, mit der er viele Kinder hatte. 1532 half João Ramalho dem Eroberer Martin Afonso de Souza, Leiter der ersten, durch das portugiesische Regime nach Brasilien gesendeten, Kolonialexpedition, die sich auf der Hochebene von Vila de Piratininga niederließ, 1553 ersetzt durch Santo Andre da Borda do Campo.

Eines der Hauptziele der Jesuitenpater, die im 16. Jahrhundert zusammen mit den ersten portugiesischen Kolonialisten nach Brasilien kamen, war die Evangelisierung, oder besser, die Bekehrung der Indios zum christlichen Glauben. Im Jahre 1553 plante der brasilianische Oberführer der Jesuiten, Pater Manuel da Nóbrega, die Ufer des Flusses Paraná zu erreichen, um die wilden Carijo-Indios zu evangelisieren. Dazu brauchte er eine Operationsbasis in der Gegend der Hochebene der Capitania von São Vicente (der zukünftige Bundesstaat São Paulo), wo die Pater sich beherbergen und mit der Evangelisierung beginnen konnten. Am 24. Januar 1554 errichtete eine Gruppe von 13 Jesuiten, geleitet von Pater Jose de Anchieta, ein Gebäude am Ufer des Flusses Tamanduateí, neben dem Tal Anhangabaú (heutiges Zentrum der Stadt São Paulo). Das Gebäude erhielt den Namen Colegio São Paulo und von dieser Klosterschule aus wurde im Laufe der Zeit die größte Stadt Südamerikas sowie eine der größten der Welt.

Im Jahre 1560 erhielt die Nachbarsbevölkerung von Santo Andre da Borda do Campo den Befehl, zur Bevölkerung der Klosterschule umzuziehen, um eine bessere Verteidigung gegen mögliche Angriffe der Tamoios-Indios zu organisieren, Verbündete der Franzosen, die Rio de Janeiro besetzt hatten. Das Dorf Vila de Santo Andre da Borda do Campo wurde ausgelöscht und das Colegio São Paulo wurde auf Grund seiner hohen Bevölkerungszahl zur Gemeinde ernannt. Im 16. und 17. Jahrhundert blieb São Paulo weiterhin eine verarmte Gemeinde mit einer kleinen Bevölkerung, die sich der Landwirtschaft (zum Eigenverbrauch) widmete, so gut wie isoliert von Portugal und den restlichen Kolonien.

Wie auch immer, in diesen Jahren brachen viele Expeditionen von São Paulo ins Landesinnere auf, auf der Suche nach Gold und Edelsteinen und ebenso zur Gefangennahme von Indios. Dieser Bewegung gab man den Namen "Entradas" und "Bandeiras". Mit der Entdeckung von Gold in "Minas Gerais" zeigte die portugiesische Krone mehr Interesse für die Kolonie so dass die Capitania de Sâo Vicente von der portugiesischen Krone den Nachkömmlingen der früheren Besitzer abgekauft wurde. Der Name änderte sich in "Capitania de São Paulo und Minas Gerais", mit Hauptsitz in der Kleinstadt São Paulo. Im Jahre 1711 wurde die Kleinstadt zur Stadt erhoben.

Der Wettlauf um das Gold in Minas Gerais, ähnlich dem Phänomen, die sich Jahre später in Kalifornien abspielte, machte die derben Paulisten reich. Als die Goldminen versiegten, waren viele Bewohner der Stadt reich. Damit konnten ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Anpflanzungen von Rohrzucker ausgeweitet und die ersten Fabriken erbaut werden.

Zum Zeitpunkt des Napoleonischen Krieges in Europa war die portugiesische Königsfamilie 1808 gezwungen, nach Brasilien zu flüchten und, nach verschiedenen politischen und institutionellen Krisen, erklärte der damals regierende Prinz D. Pedro I im Jahre 1822 am Ufer des Flusses Ipiranga in São Paulo die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal. Nach Berichten des französischen Naturalisten Saint-Hilaire, die in diesem Jahr die Stadt besuchte, hatte São Paulo etwas mehr als 4000 "weiße, mit geschwungenen Dachziegeln bedeckte" Häuser mit einer Bevölkerung von ungefähr 25.000 Einwohnern. Ab dem Jahrzehnt 1870 fing die eigentliche Bebauung der Stadt an, ausgehend von der beeindruckenden Industrialisierung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die teilweise Ergebnis des Reichtums der Kaffeeproduktion war.

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