Geschichte

Berlin ist gut in Form—trotz und nicht wegen seiner 800-jährigen Geschichte.

Alles begann im heutigen Bezirk "Mitte": Zwei aufstrebende Handelsstädtchen namens Berlin und Coelln entlang der Spree taten sich um 1300 zusammen. Bald vom Dreissigjährigen Krieg geschunden, versuchte die junge Stadt, den Einwohnerverlust mit den ersten Immigranten wett zu machen. Die Hugenotten, verfolgte französische Protestanten auf der Suche nach Religionsfreiheit, stockten die Arbeitskraft Berlins auf. Noch heute ist ihr kultureller Einfluss spürbar, im Französischen Dom ebenso wie im "Berlinerischen", wo der Bürgersteig immer noch ein "Trottoir" ist.

Preussenkönig Friedrich Wilhelm I., der berühmt-berüchtigte "Soldatenkönig", trieb die Stadtentwicklung vorwärts: Er legte weitere umliegende Städtchen zusammen und machte das neue Berlin 1709 zu seiner Residenzstadt. Sein Sohn Friedrich der Grosse baute nicht nur die militärische Vormachtstellung Preussens in Europa aus, sondern förderte auch die Künste und Wissenschaften. Sein Hof wurde zu einem der Zentren der Aufklärung mit Dauerbesuchern wie Voltaire. Somit prägte er die Berliner Aufgeschlossenheit und Kunstfreude, die die klassizistischen Bauten Schinkels (das Schauspielhaus, das Alte Museum) ermöglichte, oder die drei Opernhäuser der Stadt (Deutsche Oper Berlin, Deutsche Staatsoper, Komische Oper.)

Der Besetzung der Stadt durch Napoleon 1806 wurde mit glühendem Patriotismus und einer liberalen Reformbewegung begegnet. Aber die bürgerliche Revolution des Jahres 1848 verlief im Sande. 1871 wurde Wilhelm I. Kaiser des (zweiten) Deutschen Reiches mit Berlin als Hauptstadt.

Berlin erblühte während der folgenden "Gründerjähre": Der junge Industrieriese Siemens baute ein modernes U-Bahn-Netz, das jährlich 30 Millionen Menschen transportierte. Wissenschaftler wie Robert Koch trieben die Forschung voran. Gerhard Hauptmann oder Wassily Kandinsky revolutionierten die Kunst.

Das alles brach mit dem Ersten Weltkrieg ab. Berlin war Brennpunkt der (gescheiterten) Revolution 1918/19, und blieb in den 20ern Hauptstadt—nun der ersten zerbrechlichen deutschen Demokratie, der Weimarer Republik. Berlin war gleichzeitig die glamouröse europäische Hauptstadt der Unterhaltung und der schönen Künste und ein Armenhaus. Derweil hinterliessen Brecht, Gropius, Feininger und viele andere mehr ihren bleibenden Eindruck nicht nur in Berlin.

Berlin blieb Hauptstadt während des sogenannten "Dritten Reiches". Hitler plante sogar, dass Berlin als "Germania" die Hauptstadt seines Weltreiches sein sollte und begann seine grössenwahnsinnigen Baupläne. Berlin litt unter der Nazi-Herrschaft, hauptsächlich die grosse jüdische Gemeinde, aber auch die zahlreichen linken Gruppierungen. Mehr als 60.000 Berliner Juden—fast die Hälfte der Gemeinde— überlebte den Holocaust nicht, Tausende mehr mussten fliehen. Erst in den letzten Jahren sieht man eine Renaissance jüdischer Kultur und jüdischen Lebens in Berlin (Scheuenviertel.)

1945: Berlin liegt in Trümmern, die Hälfte der Bewohner tot oder geflohen. Die Stadt wird aufgeteilt unter den USA, Grossbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Und schon bald wird sie zum Brennpunkt des Kalten Krieges (und ebenso zum bevorzugten Handlungsort von Spionagefilmen). Während der Ostteil der Stadt Hauptstadt der DDR wird, bleibt der Westteil offiziell bis 1990 unter alliierter Aufsicht. Aber auf beiden Seiten der Mauer - 1961 gebaut um die Ostdeutschen am darüber machen zu hindern—bleibt die Stadt ein Zentrum verschiedener Reformbewegungen, sei es der westlichen alternativen Anti-Atom- und Anti-Kriegs-Szene oder der ostdeutschen Opposition gegenüber dem Einparteiensystem. 35 Jahre später würde US-Präsident Bill Clinton bei seinem Berlin-Besuch 1998 die Worte seines Vorgängers John F. Kennedy während dessen Mauer-Rede aufgreifen: Ich bin ein Berliner.

So überraschend wie es anfangs schien kam der Fall der Mauer 1989 letztlich nicht. Moderate Politiker auf beiden Seiten hatten seit den 70ern mit der sogenannten "Ostpolitik" auf eine vorsichtige Annäherung hingearbeitet. Allerdings rechnete niemand damit, dass sich die grundsätzliche Teilung in absehbarer Zeit auflösen würde. Berlin war eine geteilte Stadt und grub sich als solche in die Erfahrungswelt der jüngeren Generation ein.

Erst die "friedliche Revolution" der Ostdeutschen machte die Wiedervereinigung möglich (siehe Alexanderplatz). 10 Jahre später wird an Annäherung und Vereinigung noch gearbeitet. Aber Berlin ist wiederum Hauptstadt eines demokratischen Staates, der "Berliner Republik" genannt wird (Reichstag).Wcities

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