Allgemeines

Berlin ist eine Stadt voller Kontraste und Widersprüche, aufregend und ewig auf dem Fortschritt verfallen. Der letztgenannter Punkt ist vielleicht am allerergreifendsten. Die alte und neue Hauptstadt Deutschlands befindet sich in ständigem Wechsel, sie entwickelt sich zu etwas Neuem, ohne jemals wirklich eine eigenständige Identität besessen zu haben. Dieses Phänomen hat sich seit dem Fall der Mauer weiter beschleunigt, wodurch die Bemühungen stark darauf konzentriert sind, Berlin in eine dynamische Weltstadt zu verwandeln. Die letzten Jahrzehnte über wurde Berlin einer massiven Frischzellenkur unterzogen. Bauvorhaben, die unter anderem um den Potsdamer Platz und im östlichen Zentrum der Stadt zu sehen sind, haben das Bild der Metropole stark verändert. Es findet jedoch auch eine Umstrukturierung anderer Art statt, die weniger sichtbar ist: die Mentalität der Berliner selbst ist ebenso im Umbruch.

Die Stadt selbst besteht aus 23 Stadtteilen, wobei jeder einzelne seinen eigenen Charme versprüht. Der folgende Überblick dieser faszinierenden Stadt soll helfen, sich in den einzelnen Teilen der Stadt orientieren zu können.

Mitte

Berlin Mitte ist buchstäblich das Zentrum der Stadt. In diesem Stadtteil, in dem einige der ältesten Gebäude der Metropole stehen (u.a. die Marienkirche und die Nikolaikirche im gleichnamigen Nikolaiviertel), befand sich außerdem die erste Siedlung im Mittelalter. Zusätzlich reihen sich einige der größten Bauten entlang der berühmten Straße Unter den Linden. Angefangen bei der Museumsinsel, an der Alten Nationalgalerie, dem Pergamon Museum und dem imposanten Berliner Dom vorbei, führt die Prachtstraße über Lustgarten, Kronprinzenpalast, Humboldt Universität, hin zur Staatsoper. Gekrönt wird die historische Straße durch das Wahrzeichen des alten und neuen Berlins, dem Brandenburger Tor.

Obwohl Berlin Mitte einige der architektonischen Meisterwerke der Stadt beherbergt, ist dieser Stadtteil auch eine Mischung aus brachen Grundstücken, Unvollkommenheit und Makel. Der Standort des 1950 abgerissenen Hohenzollernschlosses ist heute eine weitläufige Fläche, die noch die Neuerbauung jenes Gebäudes erwacht. Neben dem Fernsehturm am Alexanderplatz ist das ehemalige Regierungsgebäude eines der überdauernden Symbole der DDR. Noch vor einem Jahrzehnt bestand das Stadtbild Mittes noch aus Plattenbauten aus der Zeit des Sozialismus. Viele dieser Gebäude wurden zu Gunsten teurer Konsumtempel abgerissen. Heute finden sich dort der postmoderne Volkswagen Showroom und die futuristische Galeries Lafayette aus Glas in der Friedrichstraße. Andere Gebäude, u.a. das Hotel Adlon am Pariser Platz, wurden im Stil des frühen 20. Jahrhunderts restauriert.

Nur einen Steinwurf nördlich der Spree ändert sich das Gesicht Mittes erneut. Hier befindet sich das hippe Berlin Mitte mit Bars, Restaurants, Cafes und Clubs. Außerdem ist die alternative Kunstszene in diesem Viertel zuhause. In den Jahren nach dem Mauerfall entstand um den Hackeschen Markt und die Oranienburger Straße eine einzigartige Subkultur. Kunstkollektive und Hausbesetzer zogen in die alten, heruntergekommenen Gebäude und bescherten dem Viertel neue, alternative Impulse, heute symbolisiert durch das Kulturzentrum Tacheles oder dem Theater Acud. Dieser spontane Charme verschwindet zwar langsam, aber das ist eine andere Geschichte.

Prenzlauer Berg

Auf ehemals östlichem Boden der Stadt – der Verlauf der Mauer zwischen Ost und West ist auf Grund der Baumassnahmen kaum noch sichtbar – befindet sich Prenzlauer Berg. Das vormalige Zentrum alternativer Kultur und politischem Widerstand der DDR ist heute von einer reicheren Schicht bevölkert, die durch den Charme der Altbauten um den Kollwitzplatz angezogen wird. Die Alternativkultur ist heutzutage eine feste Institution mit Hang zum Mainstream, zu sehen u.a. an der Kulturbrauerei, Zuhause eines Mulitmedia-Kinokomplexes. Prenzlauer Berg ist schon lange kein Insidertipp mehr, einige der besten Bars, Restaurants und Clubs befinden sich jedoch nach wie vor in der Gegend.

Friedrichshain

Friedrichshain, südlich von Prenzlauer Berg gelegen, ist der letzte Zufluchtsort alternativer Kultur in Berlin. Dieses Viertel, gekennzeichnet durch manch heruntergekommenes Gebäude, war der letzte von Hausbesetzern befreite Stadtteil und ist heute immer noch das Zentrum der Anarchisten Berlins. Architektonisch ist Friedrichshain eine Mischung aus Plattenbauten der Stalin-Ära entlang der Karl-Marx-Allee und stilvollen Häusern aus dem späten 19. Jahrhundert. Die Gegend um die Simon-Dach-Straße, bei ansässigem Studentenvolk sehr beliebt, beherbergt zahlreiche alternative Bars, Cafes und Clubs.

Kreuzberg

Südlich der Spree, nach überqueren der Oberbaumbrücke, gelangt man in den legendären Stadtteil Kreuzberg. Das direkt neben der ehemaligen Berliner Mauer gelegene Viertel war während der 60er und 70er Jahre der Zufluchtsort der westdeutschen Hausbesetzer-, Hippie-, Punk- und Intellektuellen-Szene. Obwohl viele der Anarchisten Kreuzbergs nach Friedrichshain übergesiedelt sind, ist Kreuzberg immer noch Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen links- und rechtsradikalen Demonstranten am 1. Mai, unausweichlich gefolgt vom Eingriff der Polizei. Der jährliche Karneval der Kulturen, Deutschlands größtes multikulturelles Straßenfest, das jährlich im Sommer stattfindet, ist eine friedlichere Attraktion in diesem Bezirk. Kreuzberg ist außerdem Heimat vieler Immigranten, circa 200.000 Türken wohnen in diesem Stadtteil. Orientalischer Flair macht sich besonders um das Kottbusser Tor und die Oranienstraße breit, u.a. Zuhause vieler alternativer Bars und Cafes.

Potsdamer Platz

Entlang der Friedrichstraße, hinter den Ruinen des Anhalter Bahnhofs und dem Martin-Gropius-Bau, beginnt am Potsdamer Platz der Tiergarten. Nach langer Bauzeit ist der Potsdamer Platz nun fertiggestellt. Als enormes Entertainment-Zentrum, inklusive den Arkaden, einem Cinemaxx und dem Sony-Center, einem Casino und einem Musical-Theater, ist der Potsdamer Platz ein Magnet für Touristen und Einheimische gleichermaßen.

Tiergarten

Das wahre Höhepunkt dieses Stadtteils ist der Tiergarten selbst, ein Refugium für Naturliebhaber, Jogger und Sonnenanbeter. Gekrönt wird der Park, in dem sich Teiche, Grotten und vereinzelte Skulpturen befinden, durch die goldene Siegessäule. Einmal im Jahr wurde bis 2006 die Ruhe des Parks gestört, als Millionen Technofans aus aller Welt die hedonistische Loveparade zelebrierten. Diese musste jedoch aus organisatorischen Gründen ins Ruhrgebiet umsiedeln.

Am Nordende des Parks befindet sich das Zentrum der politischen Macht. Nahe des kontrovers diskutierten jüdischen Mahnmals befinden sich die 2001 erbauten Ministerien, der monumentale Reichstag und das ebenso beeindruckende Kanzleramt. Alleinig das palastartige Schloss Bellevue, Sitz des deutschen Bundespräsidenten, strahlt die ruhige und gelassene Atmosphäre des Parks aus.

Schöneberg

Schöneberg, ein malerisches Viertel gekennzeichnet durch Gebäude der Bourgeoisie des 19. Jahrhunderts, ist ein populärer Ort für einen Kaffee am Nachmittag, einen Cocktail am Abend oder nächtliche Partys. Die Cafes und Bars am Winterfeldtplatz sind meist bis zum letzten Platz gefüllt, besonders nach Marktschluss am Sonntagnachmittag. Die Straßen am Nollendorfplatz und um die Motzstraße – Zuhause der Schwulenszene Berlins – sind in den frühen Morgenstunden am betriebsamsten.

Charlottenburg

Hier befindet sich Berlins "zweites" Zentrum, genauer: das Dreieck um Ernst-Reuter-Platz, Wittenbergplatz und Adenauerplatz, das alte Stadtzentrum West-Berlins, das seine Glanzzeiten in den wilden 20ern hatte. Die Hauptader ist der Kurfürstendamm, auch bekannt unter der Abkürzung "Ku'damm". Hier befand sich Europas edelster und elegantester Boulevard bevor er im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. In den 70er und 80er Jahren erlangte der Ku'damm wieder ein wenig alten Charme zurück und ist heute noch einer der Orte zum Sehen und Gesehen werden. Neben Unter den Linden und Friedrichstraße verliert der Ku'damm jedoch an Popularität, auch zu sehen an sinkenden Investitionen.

Die Gedächtniskirche am Breitscheidplatz ist jedoch noch eine beliebte Touristenattraktion. In den Nebenstraßen am Ku'damm befinden sich noch immer Theater und Hotels, wie das Kempinski, das Savoy oder das Steigenberger Hotel - inklusive Boutiquen, Sushibars und Kunstgallerien. Die Gegend um den Savignyplatz bietet hervorragende Dinner-Optionen und Cocktails am späten Abend. Der Feinkostladen im obersten Stock des KaDeWe ist außerdem ein Fest für die Sinne.

Der ganze Stolz Charlottenburgs ist jedoch das Schloss Charlottenburg mit seinen opulenten Sälen, Kammern und dem dazugehörigen Schlossgarten, ein perfekter Ort für einen entspannten Spaziergang am Sonntagnachmittag. Einige erstklassige Museen, wie das Ägyptische Museum, das Bröhan-Museum und die Berggruen-Kollektion, befinden sich in der Nähe des Schlosses. Weiter südlich befindet sich der Funkturm, eine kleinere Kopie des Pariser Eiffelturms, der auf dem Messegelände, neben dem Internationalen Congress Centrum thront, mit einem großartigen Blick über das westliche Berlin.

Wilmersdorf

Im südwestlichen Teil Berlins lebt die betuchte Bevölkerungsschicht der Stadt. Im vom Zweiten Weltkrieg kaum zerstörten Grunewald, Teil des Stadtteils Wilmersdorf, stehen hunderte wunderschöner Villen; ebenso in Dahlem, Stadtteil Zehlendorf, Standort der Freien Universität Berlin. Die Gegend um den Wannsee ist besonders als Anlegeplatz für Yachten bei der Berliner High Society beliebt.

Steglitz

Steglitz ist freundlich, grün, sauber und besitzt zwei Attraktionen: den spektakulären Botanischen Garten, einige Einkaufsmöglichkeiten befinden sich an der Schloßstraße.

Wedding und Neukölln

Wedding im Norden und Neukölln im Süden sind bodenständige Arbeiterviertel Berlins. Obwohl beide Bezirke als Viertel der Armen, Arbeitslosen und Außenseiter verschrien sind, sind beide Stadtteile nicht halb so schlecht wie deren Ruf. Sie sind lebhafte Bezirke, in denen man noch "echten" Berlinern begegnet.

Östliche Bezirke

Die östlichen Bezirke Berlins können dem Schatten des kommunistischen Ost-Deutschlands nicht entfliehen, obwohl sich einiges seit dem Mauerfall geändert hat. Die meisten der grauen Plattenbauten, in Bezirken wie Lichtenberg, Weißensee, Treptow, Hohenschönhausen oder Marzahn, haben einen freundlicheren Anstrich bekommen, große Entertainment-Komplexe und Einkaufszentren wurden ebenfalls errichtet. Hier gibt es außerdem viel zu entdecken: der zweitgrößte jüdische Friedhof der Welt befindet sich in Weißensee und das monumentale sowjetische Ehrenmal im Treptower Park.

Parks, Wälder und Seen

Berlin ist eine Stadt voller grüner Oasen, wie dem Volkspark Friedrichshain und dem Volkspark Humboldthain, der Hasenheide und der Jungfernheide, dem Volkspark Rehberge und dem Britzer Garten. Die vielen Flüsse und Kanäle Berlins, wie der schöne Landwehrkanal, fließen durch üppige Parks, wodurch ein Band aus blau und grün quer durch die Stadt entsteht.

Das Sahnehäubchen sind jedoch die vielen Seen und Wälder der Vororte. Jogger und Pferdenarren treffen sich im Grunewald, am Schlachtensee, und an der Krummen Lanke. Auch nicht zu verachten sind der Tegeler Forst, der Tegeler See und der Müggelsee. Gäbe es die idyllischen Seen und Wälder in der weitern Umgebung Brandenburgs nicht, müsste man die Stadtgrenzen Berlins eigentlich nicht verlassen.

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