Allgemeines

Berlin ist eine Stadt, die sich aufgrund seiner Vielseitigkeit nur schwer definieren lässt. Je nachdem wo man sich gerade aufhällt, man gewinnt in jedem Bezirk unterschiedliche Erfahrungen und Eindrücke von der Stadt.

Europäisches Machtzentrum oder Laubenpiepermetropole? Hedonistischer Party-Moloch oder Rentnerparadies? Stein gewordene Demokratie oder Hochburg der DDR-Nostalgie? Kultur-Mekka oder Proletariernest? Universum der Start-ups oder der Eckkneipen? Die weltweit zweitgrößte türkische Siedlung? Blühender Garten, graue Hinterhoftristesse? Stadt der Stuckfassaden und Gaslaternen, kriegswunde Häuserwüste oder Laboratorium moderner Architektur?

Das alles ist Berlin. Somit hat "Berlin" auch für jeden der gut 3,4 Millionen Einwohner seine eigene Bedeutung. Die Stadt besteht vornehmlich aus Kontrasten, Widersprüchen, Überraschungen und in einer für Deutschland einzigartigen, faszinierenden Unübersichtlichkeit. Ein Blick auf die Subzentren der Metropole, auf Berlins 23 Bezirke, kann wenn man die Stadt erforschen will, deshalb sehr hilfreich sein.

Berlin Mitte Fangen wir in der Mitte an. Praktischerweise heißt der entsprechende Bezirk auch Mitte. Berlin-Mitte ist die Keimzelle der heutigen Metropole, hier stand das Städtchen Berlin im Mittelalter, hier stehen auch heute noch einige der ältesten Bauten der Millionenstadt, die Marienkirche und die Nikolaikirche im Nikolaiviertel. Grandiose Zeugnisse vergangener Jahrhunderte säumen auch den legendären Boulevard Unter den Linden, von der Museumsinsel mit der Alten Nationalgalerie, dem Pergamon-Museum und anderen erlesenen Ausstellungsorten, dem imposanten Berliner Dom und dem jüngst wieder mit Rasenflächen, Springbrunnen und Oleandern verzierten Lustgarten über das Kronprinzenpalais, die Humboldt-Universität und die Staatsoper am Bebelplatz bis hin zum Gebäude, welches mit dem Fall der Mauer das Emblem der neuen Hauptstadt geworden ist: das Brandenburger Tor, einst schlicht die Eingangstür zur damals noch überschaubaren Stadt. Deutsche Hochkultur, wie an einer Perlenkette aufgereiht und doch gleichzeitig ein städtischer Raum voller Lücken und Brüche, Unfertigkeiten und Ungereimtheiten: Wo einmal das Schloss den Mittelpunkt von Stadt und Staat markierte, macht sich heute eine riesige Brache breit und einen Blick frei auf eines der umstrittensten deutschen Gebäude, den "Palast der Republik". Zusammen mit dem Fernsehturm am Alexanderplatz ist er immer noch eine der markantesten Hinterlassenschaften der verblichenen DDR im Zentrum der Stadt. Rund um die "Linden", wo noch vor einem Jahrzehnt realsozialistische Grautöne vorherrschten, glänzen heute Kommerzpaläste, mal historisierend wie das Luxushotel Adlon, mal postmodern und kantig wie das VW-Automobilforum, mal futuristisch-gläsern wie die Galeries Lafayette. Einen Steinwurf nördlich der Spree fängt dann bereits ein ganz anderes Berlin-Mitte an, das der Bars, Kneipen und Clubs, der Hinterhofgalerien und Kunstexperimente. Ein einzigartiges sub-kulturelles Biotop ist rund um den Hackeschen Markt und die Oranienburger Straße entstanden und reicht bis zum Acud, einem kleinen Alternativkosmos, der nach dem Fall der Mauer in wenigen Jahren aus dem Boden schoss und Freiräume kreativ füllte. Das ein Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung der Charme des Spontanen und Unvollkommenen sacht entschwindet steht auf einem anderen Blatt.

Prenzlauer Berg Bleiben wir vorerst östlich der einstigen Mauer, deren exakten Verlauf selbst Einheimische mitunter nicht mehr nachvollziehen können, ohne alte Stadtpläne zu konsultieren. Verantwortlich hierfür sind die rasanten baulichen Veränderungen dies- und jenseits des früheren Todesstreifens. Der Bezirk Prenzlauer Berg schließt sich nordöstlich an Mitte an. Dieses Viertel war in DDR-Tagen tatsächlich so etwas wie eine Brutstätte alternativer Kultur, später auch des politischen Widerstands. Die Jahre nach der Wende schwemmten kaufkräftige Neuberliner in die charmant verfallenen Gründerzeithäuser rund um den Kollwitzplatz; Spontankultur macht auch hier inzwischen etablierteren Formen Platz, beispielsweise in der Kulturbrauerei. Spätestens seit Bundeskanzler Schröder Bill Clinton zum Abendessen nach "Prenzlberg" mitnahm, ist der "Szene"-Charakter des Viertels höchst umstritten. Trotzdem findet man hier nette Bars, Clubs, Lounges und Restaurants allerorten; im Sommer trifft sich der mondäne Bezirk in den vielen schönen Straßencafes, zunehmend zwischen Quartier Latin und Schwabing.

Friedrichshain Als ursprünglicher gilt da Friedrichshain, der südliche Nachbar vom Prenzlauer Berg. Eigentlich ein hochgradig zerrissener Stadtteil - mit dem ausgedehntesten innerstädtischen DDR-Plattenbauviertel, dem sozialistischen Monumentalboulevard Karl-Marx-Allee (einst: Stalinallee) und den stimmungsvollen Altbau- und Ausgehquartieren rund um die Simon-Dach-Straße, den Boxhagener Platz und die Samariterstraße. Hier standen Berlins letzte besetzte Häuser, hier gibt es weiterhin eine aktive linksautonome Szene.

Kreuzberg Damit machen wir den Sprung nach Westen, per Oberbaumbrücke über die Spree nach Kreuzberg, das nach der bevorstehenden Berliner Verwaltungsreform der Zwillingsbezirk Friedrichshains sein wird. Zwar ist seit dem Boom der östlichen Bezirke Kreuzbergs Szene-Mythos verblasst; trotzdem geht das Leben in den kunterbunten, multiethnischen, linksalternativen Oasen weiter, die das alte vom Krieg teils schwer gezeichnete, teils restaurierte Proletarierviertel prägen. Das orientalische Flair um das Kottbusser Tor, die Bar-und-Buchläden-Meile Oranienstraße oder alte Alternativprojekte wie der Mehringhof bilden eine aufregende Mischung. Die Gegend ist politisch freilich weniger explosiv als in den Hausbesetzerzeiten der Siebziger- und Achtzigerjahre, mit einer Ausnahme: Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, rüsten Autonome und Polizei weiterhin zur Straßenschlacht der Republik und es kommt regelmässig zu Ausschreitungen. Unsere Empfehlung: lieber tanzen gehen beim Karneval der Kulturen, dem größten regulären Multikulti-Straßenfest Deutschlands!

Weiter geht's: Durch das alte Zeitungsviertel um die südliche Friedrichstraße, vorbei an der Ruine des Anhalter Bahnhofs und dem großartigen Martin-Gropius-Bau, Ort legendärer Ausstellungen, verlassen wir schließlich Kreuzberg.

Potsdamer Platz Vielleicht am wenigsten von allen Berliner Bezirken besitzt dieser Stadtteil einen klar definierten städtischen Mittelpunkt. Auf dem glitzernden Touristenmagneten, dem Potsdamer Platz wurde ein Retortenviertel errichtet, mit Musical-Theater, Cinemaxx, Sony-Center, Spielbank und Shopping Arkaden. In unmittelbarer Naehe liegen der Reichstag, das Brandenburger Tor, der Bundesrat, die Nationalgalerie, die Philharmonie und viele weitere Sehenswürdigkeiten. Der Potsdamer Platz ist eine hervorragende Ausgangsposition um die Stadt zu erkunden.

Tiergarten Um die Organ-Metapher gleich richtig zu rücken: Dieser Park, eine der größten innerstädtischen Gartenanlagen der Welt, ist die grüne Lunge Berlins, auch wenn hier an Sommerwochenenden die Rauchschwaden von hunderten Grillen aufsteigen. Mittendrin blickt ein goldener Engel von der postkartenzierenden Siegessäule über die Stadt und jedes Jahr im Juli auf die feiernden Menschenwogen der Love Parade.

Am oberen Rand des Parks wird Deutschlands Politik gemacht: In großzügigen Abständen aufgereiht, thronen die Stätten der Macht am Spreeufer: der Bundestag im alten Reichstagsgebäude, einem um die Jahrhundertwende gebauten Koloss, den inzwischen statt der ursprünglichen Pickelhaube ein gläsernes und begehbares "Ei" schmückt, das Bundeskanzleramt, das in Kolossalität nicht zurückstehen will, und, weiter hinten, das Schloss Bellevue, der Sitz des Bundespräsidenten.

Schöneberg Schöneberg — großbürgerliche Gründerzeitviertel, Cafes und Kneipen rund um den Winterfeldtplatz, Eldorado der schwulen Szene um Nollendorfplatz und Motzstraße - heben wir uns für die Abendstunden auf. Auf unserer Bezirkserkundung ist es höchste Zeit für Berlins "zweites Zentrum": die westliche Innenstadt im Dreieck zwischen Ernst-Reuter-Platz, Wittenbergplatz und Adenauerplatz.

Charlottenburg Der Löwenanteil dieses Gebietes, das zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts boomte und einen wohlhabenden Gegenpol zur Innenstadt um die "Linden" bildete, liegt in Charlottenburg. Die Hauptschlagader bildet der Kurfürstendamm. Der "Ku'damm" konnte es vor den Bomben des Weltkriegs bedenkenlos mit den ganz großen Boulevards Europas aufnehmen, und auch heute noch ist er lebendig, chic, urban. Flaniert wird hier, nicht in der Friedrichstraße. Wer Kamerascheu ist der sollte den Platz vor der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz meiden. Auf dem Ku'damm und in seinen Seitenstraßen wechseln sich altehrwürdige Lichtspieltheater mit Hotels der Spitzenliga - wie dem Kempinski und Steigenberger mit Boutiquen, Sushi-Bars und Galerien ab. Um den Savignyplatz herum finden sich auch noch ein paar Kneipen, die früher allesamt "Studentenkneipen" waren, als Westberlin noch eine mühsam künstlich ernährte Mauerstadt war und Studenten in Charlottenburg "Kommunen" gründeten. Augenschmaus für einen ganzen Nachmittag bietet ein Besuch der Feinschmeckeretage im luxuriösesten Kaufhaus Deutschlands, dem KaDeWe, aber jetzt sind wir - hoppla!—doch wieder in Schöneberg gelandet.

Die Krönung unseres kleinen City-Rundgangs bildet das Schloss Charlottenburg, umgeben von bemerkenswerten Museen-wie dem Ägyptischen Museum, dem Bröhan-Museum und der Sammlung Berggruen. Im Ruecken befindet sich der idyllische Schlosspark, der sich anschliessnd hervorragend für einen entspannenden Spaziergang eignet.

Einen abschließenden Rundumblick über Berlins Westen bietet der Funkturm, der sich wie eine Miniaturausgabe des Eiffelturms über dem Charlottenburger Messegelände und dem Internationalen Kongress Zentrum erhebt.

Einen weiten Bogen haben wir nun durch die inneren Bezirke geschlagen—und doch kaum den S-Bahn-Ring, den "Hundekopf" verlassen, der das Zentrum umschließt (Hundekopf?! Ein Blick auf den Stadtplan und ein wenig Phantasie reichen zur Erklärung aus). Was haben die umliegenden Bezirke noch zu bieten?

Wilmersdorf Das große Geld wohnt im Südwesten. Besonders im Villenviertel Grunewald—ein Stadtteil des insgesamt beschaulichen Bezirks Wilmersdorf, aber auch, südlich anschließend, in Dahlem, einem Viertel von Zehlendorf, über das sich kurioserweise auch die Freie Universität weitflächig verteilt. Ganz Betuchte leisten sich auch gerne ein Anwesen am Wannsee, Jachtanlegestelle inbegriffen.

Steglitz Gutbürgerlich, grün und aufgeräumt gibt sich auch Steglitz: Mit dem spektakulären Botanischen Garten und der freundlich-wuseligen Shoppingmeile Schloßstraße hat der Bezirk zwei gewichtige Anziehungspunkte aufzuweisen.

Wedding und Neukölln Ein rauerer Wind weht dem Besucher der alten Arbeiterbezirke Wedding und Neukölln entgegen, ersteres nördlich, letzteres südlich der Innenstadt. Dabei sind die lauten, bisweilen schmutzigen, streckenweise auch schlicht armen Quartiere, wo mehr Immigranten und auch mehr Arbeitslose wohnen als im Rest der Metropole, besser als ihr Ruf: Wer vor Jahren die stilbildende Reportage des Spiegel über Neukölln als "Bronx von Berlin" gelesen hat, wird sich über die Lebendigkeit des Viertels und manch engagiertes kulturelles Projekt noch wundern.

Östliche Bezirke Ihre DDR-Geschichte können die Bezirke östlich der City nicht verhehlen. Dabei hat der radikale Umbruch, den das Verschwinden der Mauer bedeutete, auch paradoxe Spuren hinterlassen: Umgeben von weiterhin unsanierten Mietskasernen und den berüchtigten Plattenbau-Hochhausanlagen glitzern in Bezirken wie Lichtenberg, Weißensee, Treptow, Hohenschönhausen oder Marzahn modernste Shopping-Malls. Zu entdecken gibt es selbstverständlich auch hier eine Menge, sei es Europas größter Jüdischer Friedhof in Weißensee, sei es das erschlagend monumentale Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park.

Parks, Wälder und Seen Berlin ist eine erstaunlich grüne Stadt. Zu den bereits genannten Anlagen gesellen sich etliche hinzu: der Volkspark Friedrichshain und der Humboldthain, die Rehberge und die Jungfernheide, die Hasenheide und der Britzer Garten, um nur einige von ihnen aufzuführen. Wie ein grünes Band ziehen sich auch die von Anlagen gesäumten Flüsse und Kanäle, wie etwa der Landwehrkanal—durch das Stadtgebiet. Ganz zu schweigen von den riesigen Wald- und Wasserflächen in den Außenbezirken: Im Grunewald zwischen Havel, Schlachtensee und Krummer Lanke, im <Tegeler Wald am Tegeler See. Im Berliner Stadtforst um den Müggelsee tummeln sich etliche Jogger und Reiter an schönen Tagen, ebenso wie Wildschweine und Füchse, so dass ein Verlassen der Stadtgrenzen beinahe unnötig erschiene—gäbe es nicht auch dort idyllische Fleckchen und wunderschöne Badegewässer ...

Voilà, das ist Berlin—und doch nur ein flüchtiger Blick auf dieses so schwer zu überblickende Meer aus Häusern, Menschen und Geschichten. Nur Eintauchen gibt weiteren Aufschluss. Und natürlich eine kleine virtuelle Tour durch diese Internetseiten. Los geht's!Wcities

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