Attraktionen

Old Montreal (Altes Montreal)

Ein Spaziergang durch Old Montreal oder Vieux Montreal ist ein Muss, um einen Eindruck des Lebens im New France (Neues Frankreich) des 18. und 19. Jahrhunderts zu bekommen.

Ein guter Ausgangspunkt ist die Notre-Dame-de-Bonsecours Chapel an der Ecke der Rue St Paul und der Rue Bonsecours am östlichen Ende von Vieux Montreal. Der Bau der Originalkapelle aus Holz begann 1657. Aus Stein nachgebaut, stammt die heutige Fassade aus dem späten 19. Jahrhundert.

Der 1847 gebaute nahe gelegene Bonsecours Market ist ein Zeugnis für Montreals Einfluss in British North America. Das Gebäude mit einem neugriechischen Portikus, verzinnten Dach und aus England importierten gusseisernen Säulen, ist ein gutes Beispiel des neo-klassischen Stils dieser Ära. Es war für mehr als ein Jahrhundert der wichtigste Landwirtschaftsmarkt der Stadt, heute gibt es hier Boutiquen und Ausstellungen.

Einige Blöcke weiter westlich liegt der Place Jacques Cartier, benannt nach dem französischen Forschungsreisenden, der 1535 die Insel Montreal entdeckte. Der Platz ist der Mittelpunkt von Old Montreal mit der City Hall (Rathaus) nördlich an der Rue Notre Dame und der Rue de la Commune und dem Hafen von Montreal einen Block südlicher. Der Platz ist im Sommer ein wahrer Mikrokosmos in Montreal mit Straßenmusikanten, Jongleuren, Künstlern und Cafes zu beiden Seiten. Er ist einer der beliebtesten Orte für Touristen und Einheimische. Hier werben auch Kaleschenfahrer für ihre romantischen Führungen per Kutsche durch die alte Stadt.

Vom Platz aus lohnt es sich, zur Rue Notre Dame zu gehen, um das Château Ramezay zu besichtigen. Es wurde nach Claude de Ramezay, dem Gouverneur von Montreal benannt, der es 1705 für sich bauen ließ. Das Gebäude diente als Residenz für den Gouverneur, als militärischer Hauptsitz und als Gerichtsgebäude, bevor es 1895 in ein Museum umgewandelt wurde. Es beherbergt einen großen Teil der Geschichte Montreals und die gesamte Geschichte Quebecs und ist von einem Garten umgeben, der authentisch die Zeit um 1900 widerspiegelt.

Die Rue Saint-Amable geht vom Place Jacques Cartier ab. Es ist eine kleine Straße voll von Geschäften und Künstlern, die ihre Waren anpreisen. Vor Jahrhunderten lagerten in diesen Gebäuden Biberpelze und andere lokale Produkte, die nach England und Frankreich verschifft werden sollten.

Unterhalb von Saint-Amable liegt die Rue Saint-Paul, die älteste Straße Montreals, deren Pflastersteine noch immer intakt sind. Auf beiden Straßenseiten reihen sich Kunstgalerien, Boutiquen und Restaurants aneinander. Ein beliebter Ort für Einheimische auf der Suche nach ungewöhnlichen Dingen.

Weiter westlich befindet sich das Pointe-à-Callière, das archäologische und historische Museum Montreals. Dieses beeindruckende Gebäude, das alte und neue Architekturstile miteinander verbindet, ist eine Rückbesinnung auf den viktorianischen Bau, der ursprünglich an dieser Stelle stand. Das Museum ist nach einem früheren Gouverneur Neu-Frankreichs benannt, Louis-Hector de Callière. Es wurde 1992 gebaut, um die Spuren der frühen Tage der Stadt zu schützen und auszustellen. Die Ausstellungsstücke reichen bis in das Jahr 1642 zurück, als französische Siedler die ersten Häuser bauten. Die Überreste eines Friedhofs dieser Ära befinden sich ebenso in diesem Museum, wie die Fragmente einer Vase im indianischen Stil der Huronen, die ungefähr aus dem Jahr 1500 stammen.

Das alte Custom House (Zollhaus), das nun Teil des Museums ist, befindet sich in der Nähe. Es wurde 1836 gebaut, um Waren in Montreal (anstatt in Quebec) verzollen zu können. Der britische Designer John Ostell entwarf dieses und 25 weitere Gebäude der Stadt, darunter auch das Old Courthouse (Altes Gericht).

An der Westseite von Old Montreal liegt die McGill Street und der ehemalige Hauptsitz der bankrotten Grand Trunk Railway Company, die zur Jahrhundertwende eine transkontinentale Eisenbahnverbindung bauen wollte. Heute sind in dem mehrstöckigen Gebäude Büros für Regierungsangestellte untergebracht. Es lohnt sich, einen Blick in die Eingangshalle zu werfen, die als eine der schönsten Kanadas bezeichnet wird.

Ein Stück weiter die Straße hoch ist das World Trade Centre. Es integriert - durch die Verwendung eines spektakulären, mehrstöckigen Atriums über der früheren Rue des Fortifications - einige alte Häuser - einen Besuch wert.

Die Rue Saint-Jacques oder St. James Street, wie sie bis in die 70er Jahre genannt wurde, vermittelt einen Eindruck von Montreals früherer Bedeutung als Finanzzentrum. Nicht nur die Architektur, auch die Inneneinrichtungen der Gebäude verdienen Beachtung.

Die Bank of Montreal war Kanadas erste Bank; sie wurde 1817 gegründet und 1819 an der Ecke Rue Saint-Jacques und Jeanne Mance eröffnet. 1847 nahm sie ihre neue Hauptverwaltung in Betrieb, die noch heute steht und als Museum dient. Auch hier lohnt sich der Blick in die riesige Empfangshalle mit Steinsäulen im griechischen Stil und Granitböden. Der Bank direkt gegenüber liegt die Notre-Dame Basilica, eine gotische Auferstehungskirche, die 1829 nach dem Vorbild von Notre-Dame in Paris gebaut wurde. Sie ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Montreals und wird jährlich von über einer Million Besucher besichtigt. Hier heiratete auch Celine Dion im Dezember 1994.

Weiter entlang der Rue Saint-Jacques zur Rue Saint-Pierre, stehen die Hauptverwaltungen der großen Unternehmen der damaligen Zeit. Die 1866 gebaute Molson Bank (der Molson Brauereifamilie) war das erste Gebäude, das durch den Architekturstil des Second Empire in Frankreich (1865-1885) beeinflusst wurde.

Das 1895 errichtete Gebäude der Canada Life Insurance verwendete erstmalig eine 8-stöckige Stahlstruktur in Montreal, vermutlich sogar in ganz Kanada. Das 1928 erbaute neue Hauptquartier der Royal Bank of Canada war für viele Jahre das höchste Gebäude des britischen Imperiums. Auch hier lohnt sich ein Blick in die Empfangshalle.

Viele der Gebäude entlang der Rue Saint-Jacques (auch die oben genannten) hatten an ihren Außenfassaden Skulpturen oder Wappen als Symbol für Stabilität und Reichtum.

Innenstadt

Obwohl Old Montreal den Großteil der Stadtgeschichte enthält, steht die Innenstadt dem in nichts nach, wenn es um interessante Dinge geht, beginnend mit dem Museumsviertel. Das Montreal Museum of Fine Arts (MMFA - Kunstmuseum) an der Ecke der Sherbrooke St und der Ave du Musee ist das größte und renommierteste der Stadt. Es bietet oft einige der besten Gemäldeausstellungen der Welt, darunter Picasso und Van Gogh. Gelegentlich ist Montreal Gastgeber für so ungewöhnliche Ausstellungen, wie eine Kollektion antiker Autos, die bei Filmaufnahmen verwendet wurden.

Für eine etwas andere Art der Unterhaltung lohnt ein Besuch des Montreal Museum of Decorative Arts (Museum für Dekorkunst), Teil des MMFA an der Crescent St. Dieser Teil ist ausschließlich der Dekorkunst des 20. Jahrhunderts gewidmet, die industrielles Design und handgemachte Objekte, z.B. Möbel, Porzellan, Glas, Metallarbeiten, Schmuck, Textilien und Grafikdesigns einschließen. Nur einen Block südlich, auf dem Maisonneuve Boulevard, ist die Leonard and Bina Ellen Art Gallery, angegliedert an die Concordia University. Die Galerie beschränkt sich auf Erforschung, Sammlung und Interpretation kanadischer Kunst und stellt Arbeiten von kommenden und etablierten kanadischen Künstlern aus.

Das Musee des Souers Grises liegt in derselben Gegend, an der Saint-Mathieu Street. Dieses Museum stellt eine vielseitige Kollektion von Gegenständen des 17. Jahrhunderts aus, darunter religiöse Roben, Möbel und Kunstobjekte. In dieser Gegend, entlang der 'sehr viktorianischen' Crescent Street (zwischen Sherbrooke St und de Maisonneuve Boulevard), befinden sich einige besonders schicke Boutiquen. Zwischen de Maisonneuve und Rene Levesque Boulevards, an der Crescent, liegen diverse sehr gute Restaurants, die exzellentes Essen servieren.

Weiter Richtung Osten auf der Sherbrooke Street können Liebhaber der Naturgeschichte im Redpath Museum moderne und prähistorische Tiere, Felsbrocken, Kristalle und wertvolle Steine betrachten.

Bei Einheimischen beliebt ist das ebenfalls in der Sherbrooke Street liegende McCord Museum mit seiner Dauerausstellung "Simply Montreal" (Einfach Montreal). Diese eklektische Ausstellung gibt ein Blick in die Vergangenheit. Ausgestellt ist eine Auswahl von Objekten aus der Zeit der First Nations (indianisch), eine Kollektion von Fotografien des bekannten Fotografen Montreals, William Notman, Sportausrüstung, Spielzeuge und tolle Bekleidung, die von der "Elite" Montreals getragen wurde. Insgesamt gibt es mehr als 800 Objekte.

Eine der neueren Attraktionen Montreals ist das Canadian Center for Architecture Ecke Baile und Fort Streets nahe dem Rene Levesque Boulevard. Bei einer Führung wird neben der Architektur des Gebäudes auch die Restauration des 1874 gebauten Shaughnessy House erläutert.

Für die Sterngucker bietet das Montreal Planetarium Ecke Peel und St Jacques Sts einen Blick in das Weltall und die Zeit. Dieser besondere Ort sollte mit der ganzen Familie besucht werden. Besonders Kinder sind von der mehrmals täglich stattfindenden Sternshow begeistert.

Oscar Wilde bemerkte einmal, dass es in Montreal so viele Kirchen gibt, dass ein Steinwurf in eine beliebige Richtung wahrscheinlich ein Kirchenfenster treffen würde. Drei der bekannteren Kirchen sind Saint Patrick's Basilica, Christ Church Cathedral und Mary Queen of the World Cathedral, alle einen Steinwurf voneinander entfernt. Die Basilika ist als die Irish Church bekannt. Sie wurde zwischen 1843 und 1847 im gotischen Stil des 14. und 15. Jahrhunderts gebaut. Christ Church Cathedral wurde ungefähr zur gleichen Zeit erbaut und steht heute über Les Promenades de la Cathedrale, einem unterirdischen Einkaufskomplex. Mary Queen of the World ist ein kleinerer Nachbau der St. Peters Basilika in Rom.

Zum Thema unterirdisch einkaufen: Montreals Underground City (Unterirdische Stadt) bietet 30 km unterirdische Einkaufs- und Speisemöglichkeiten. Die meisten sind durch die Metro (U-Bahn) miteinander verbunden. Dieses Netzwerk, das ungefähr 60 Gebäude miteinander verbindet und Zutritt zu fast 2000 Einzelhändlern bietet, wird von geschätzten 500000 Menschen täglich benutzt.

Zusätzlich zur schon erwähnten Crescent Street, sind die Greene Avenue, McGill College Avenue und Ste Catherine die wichtigsten Einkaufs- und Speisegegenden der Innenstadt. Zwischen dem Place Ville Marie und der McGill University verlaufend, erscheint das McGill College, wie eine Miniversion der Champ Élysees in Paris. Es bietet besonders im Herbst einen beeindruckenden Blick auf den Mount Royal. Die malerische Greene Avenue liegt westlich der Innenstadt. Mit ihrer Vielzahl an kleinen Geschäften und Boutiquen, die von der Atwater Metro aus erreichbar sind, stellt sie die typische britische Einkaufsstraße nach. Die Ste Catherine Street erstreckt sich über 16 km von Ost nach West und ist die kommerziellste Durchgangsstraße der Stadt. Hier stehen die meisten großen Kaufhäuser, die durch 8 Metro Stationen verbunden werden.

Eine Tour durch die Innenstadt Montreals wäre ohne einen Besuch der Rue St Denis unvollständig, hier schlägt das Herz des französischen Montreals. Ursprünglich eine Wohngegend, ist St. Denis heute das Zuhause einiger der besten Geschäfte, Restaurants und Bistros der Stadt. Vive la difference!

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