Geschichte
Obwohl Montreals Geschichte lange vor der 'Entdeckung' durch Jacques Cartier 1535 begann, kann der unerschrockene Entdecker mit Sicherheit von sich behaupten, der erste Europäer gewesen zu sein, der die Insel von der Spitze des Mount Royal, dem zentral gelegenen vulkanischem Berg der Stadt, gesehen hat.
Indianer bezeichneten die geliebte Gegend als 'Hochelaga' und nutzten die Insel als Treffpunkt, an dem Stämme ihren Handel und andere wichtige Dinge diskutieren konnten. Das Bauen von Städten war vor Hunderten von Jahren jedoch keine ihrer Stärken. Das offizielle Gründungsdatum von Ville-Marie (das später zu Ehren des Königs von Frankreich zu Montreal wurde) ist der 18. Mai 1642, als Jeanne Mance und Paul de Chomedey Sieur de Maisonneuve mit ungefähr 40 Kolonisten an der Küste landeten und beim weiteren Vorstoßen Iroquois vertrieben.
Die als Nouvelle France bekannte lebhafte Kolonie wurde zum Ausgangspunkt für Pelzhändler, Entdecker und Siedler, die in Richtung der Großen Seen und des Mississippi Tales tiefer ins Land ziehen wollten. 1760 hatte Montreal eine Einwohnerzahl von 4 000, die Mehrheit war französisch. Die Architektur dieser Periode kann anhand von Gebäuden wie dem
Old Saint-Sulpice (Sulpician) Seminary (Sulpizianer Priesterseminar) und der
Notre-Dame-de-Bonsecours Chapel bewundert werden.
Das zweite Ereignis, welches das moderne Montreal formen sollte, trug sich 1763 zu, als Frankreich nach der Niederlage gegen die Briten im Siebenjährigen Krieg seine Territorien in Nordamerika abtreten musste.
Unter britischer Führung wurde Montreal zu einem wichtigen Hafen (dem größten Inlandshafen der Welt), Kanadas größter Stadt und dem bedeutendsten Handelsknotenpunkt. Es war das Zuhause von Kanadas erster Bank, Handelshäusern und Unternehmen des Pelzhandels, die sich in der St-Jacques Street (oder St. James, wie die Briten sie nannten) in
Old Montreal zentrierten. Gebäude aus dieser Zeit, wie die Molson Bank und die Bank of Montreal sind heute noch zu besichtigen.
Zwischen 1800 und 1850 erlebte die Stadt eine Bevölkerungsexplosion von ungefähr 9000 Einwohnern auf 57000. Für fünf Jahre, zwischen 1844 und 1849, war die Stadt sogar Kanadas Hauptstadt - bis eine wütende Menge die Gebäude der Legislative anzündete.
Mitte des 19. Jahrhunderts expandierte die Produktions- und Schwerindustrie der Stadt und sie wurde zum Eisenbahnzentrum Kanadas. Eine Flut von Arbeitsplätzen zog sowohl Einwanderer aus Übersee, als auch Quebecer aus ländlichen Gegenden an; die Einwohnerzahl stieg weiter an und erreichte 1911 eine halbe Million.
Zu dieser Zeit befanden sich in der Gegend der
Golden Square Mile - Wasser im Westen, Park im Osten, Mount Royal im Norden und Rene Levesque im Süden - bereits 70 Prozent von Kanadas Reichtum. Riesige Besitztümer, wie die Ravenscrag Mansion mit 60 Zimmern waren absolut üblich.
Es war auch zu dieser Zeit, dass Immigration aus anderen Ländern, als den Britischen Inseln, die dritte Welle der Entwicklung Montreals mit sich brachte. Europäische Juden, Italiener und Griechen schlossen sich den irischen und schottischen Emigranten an und machten die Stadt so zu einem wirklich kosmopolitischen Ort.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen der Einfluss und die Macht Montreals langsam, aber stetig, da die kanadische Wirtschaft sich vom immer schwächer werdenden Großbritannien abwendete und südwärts, in Richtung USA schaute. Hauptsitze von Firmen zogen nach Toronto, das nun den Grossteil neuer Investitionen erhielt.
Der Umschwung wurde durch zwei Faktoren beschleunigt: den Bau des St.-Lorenz-Kanals, der Schiffen die Durchfahrt zu den Großen Seen ermöglichte, und die Rückkehr des Nationalismus von Quebec, der mit der sogenannten Quiet Revolution (Stillen Revolution) in den 60er Jahren begann und seinen Höhepunkt in der Wahl der separatistischen Regierung in den späten 70ern hatte. Dies führte 'die 401 runter', wie die Autobahn zwischen Montreal und Toronto genannt wird, zu einem weiteren Exodus.
Trotz dieser Widrigkeiten konnte Montreal während der 60er und 70er Jahre Oberwasser behalten, was nicht zuletzt dem zähen Bürgermeister Jean Drapeau zu verdanken ist. Als ein Mann mit grandioser Vorstellungskraft veranlasste Drapeau 1966 den Bau des U-Bahnnetzes der Stadt (die Metro) und holte die prestigeträchtige Weltausstellung Expo '67 in die Stadt. Schließlich konnte er 1976 die noch berühmtere Sommerolympiade für Montreal gewinnen.
Heutzutage mag Montreal die Ehre verloren haben, Kanadas größte und wirtschaftlich einflussreichste Metropole zu sein. Aber der Stadt kommt immer noch die Rolle der lebendigsten und internationalsten Stadt zu, sie ist das Zentrum der französischen Gastronomie in Nordamerika und ein Ort, wo die Wege der Geschichte zusammenlaufen und eine kräftige Mischung aus Stolz, Kunst und Kultur ergeben.