Geschichte

Melbourne - die maritime Metropole, die an einem Fluss entstand, hat sich zu einer der aufregendsten, kosmopolitischen Städte der Welt gemausert. Von bescheidenen Anfängen - ein paar Zelte und Holzhütten, Zeiten des Aufschwungs und der Pleiten, Goldrausch, zwei Weltkriegen und einem Strom von Einwanderern - hat sich die Stadt mit ihren Bewohnern zu einem pulsierenden Schmelztiegel der Kulturen entwickelt, die von den Melbournern heiß und innig geliebt wird.

Die Hafenstadt Melbourne liegt an der Südküste Victorias am oberen Ende der Port Phillip-Bucht (Port Phillip Bay) und an der Mündung des Flusses Yarra. Bevor die europäischen Siedler kamen, lebten die südostaustralischen Ureinwohner (sie selbst nennen sich ‚Kooris') hier 40,000 Jahre lang als Halbnomaden. Der älteste bisher in Australien gefundene Ort der ununterbrochen besiedelt wurde, ist der Melbourner Vorort Keilor.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang wurde die Region um Port Phillip Bay von den Australischen Siedlern ignoriert, mit Ausnahme der Wal- und Seehundfänger, die an der Küste auf und ab segelten. Gerüchte über gutes Weideland bewirkten, dass Siedler anderer Kolonien auf der Suche nach Land dort ihr Glück versuchten. Im Frühjahr 1835 schlugen John Batman und John Pascoe-Fawkner ihre rivalisierenden Lager an gegenüberliegenden Seiten des Yarras auf. Bald kamen andere Siedler aus anderen Teilen Australiens mit Schafen und Rindern, und die Siedlung wuchs rasant. Die Regierung von New South Wales sah ein, dass sie die Siedler nicht aufhalten konnte, erkannte die Siedlung an und erklärte 1836 offiziell, dass das Gebiet um Port Phillip Bay für neue Siedler freigegeben sei. Die junge Stadt wurde 1837 offiziell nach dem damaligen britischen Premierminister, Lord Melbourne, benannt.

Das unverwechselbare Schachbrettmuster der Melbourner Straßen wurde 1837 angelegt und damit auch die breiten Straßen und prächtigen Boulevards, die aus der Stadt herausführen. Für die Royal Botanical Gardens (Königliche Botanische Gärten), the Domain (Stadtpark), und die Fitzroy-, Flagstaff - und Treasury Gärten wurde Land reserviert. Das war für diese Zeit ungewöhnlich und prägte die einzigartige landschaftliche Gestaltung Melbournes.

Im Gegensatz zu anderen australischen Städten wurde Melbourne nicht als Strafkolonie gegründet, sondern von freien Bürgern besiedelt. Es wuchs rasant von einer Grenzstadt zu einer kolonialen Metropole an. Die Siedler hatten schon Betriebe oder Landbesitz; die, die aus Großbritannien kamen waren oft Kauf- and Geschäftsleute, die Kapital für Investitionen mitbrachten, oder Handwerker und Arbeiter. Alle Aktivitäten fanden am Hafen statt – Melbourne war von Anbeginn an eine Handelsstadt. Geschäfte und Betriebe sammelten sich an den Kais an, wo die Schiffe Post, Wechsel, Einwanderer und Güter hinbrachten. In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatte Melbourne genauso viele Einwohner wie Chicago.

Das frühe Melbourne war eine sehr ländliche Kleinstadt. Um das Stadtzentrum herum gab es große Gemüsegärten und Obstplantagen, Weizen- und Haferfelder und kleine Bauernhöfe mit Milchwirtschaft. In den jungen ländlichen Vororten wie Fitzroy und St. Kilda wurde Milch- und Landwirtschaft sowie Gartenbau betrieben.

1851 wurde in Victoria Gold entdeckt. Die Einwohnerzahl Melbournes halbierte sich, als viele Menschen die Stadt verließen, um ihr Glück in den Goldminen zu machen. Ballarat und Bendigo im Umland von Melbourne sahen sich einem Zuwanderungsstrom aus Großbritannien, Europa, China und Amerika gegenüber. Ethnisch gesehen blieb Australien hauptsächlich britisch, aber hier gab es keine ‚Rassentrennung' wie in Großbritannien: Iren, Schotten, Waliser und Engländer vermischten sich bei der Goldsuche. Iren heirateten Chinesinnen und umgekehrt. Das Leben in Melbourne war offener und gleichberechtigter.

Zwischen 1851 und 1861 produzierte der Staat Victoria ein Drittel des Goldes auf der Welt, das die Kolonie reich machte. Im kulturellen Sinne ermöglichten die Goldminen eine Institutionalisierung der Gesellschaft und der Kunst. Durch das Gold konnten 1854 die Melbourne University, 1961 die National Gallery of Victoria, 1854 das National Museum of Victoria , 1864 die State Library (Staatsbibliothek) und viele Berufsgenossenschaften gegründet werden. Melbourne bot seinen Bürgern Kirchen, Theater (wie zum Beispiel das Princess Theatre das 1854 gebaut wurde, Vereine und Sport (vor allem Pferderennen, Cricket und Fußball). Die Kunst entwickelte sich prächtig. Das unerfahrene Parlament legte großen Wert auf Erhaltung und Erziehung. 1872 schrieb der ‚Victorian Education Act' (Schulgesetz) Geschichte, indem es die Schulpflicht einführte und das Schulgeld abschaffte.

In den frühen achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts war Melbourne deutlich als Metropole anerkannt. Ein Journalist, der die Stadt 1885 besuchte, prägte den Begriff ‚Marvellous Melbourne' (Wunderbares Melbourne). Die Stadt war das australische Zentrum der kolonialen Verwaltung, der Produktion und des Handels. Die Menschen genossen die aufregende Stadt – die belebten Straßen, die Spektakel und die Unterhaltung. Zwischen 1880 und 1890 erlebte Victoria einen nie gekannten Aufschwung. Mehr Einwanderer kamen und die Vororte breiteten sich östlich der Stadt aus. Villen wurden errichtet, feudale Theater gebaut, die Grundstückspreise schnellten in die Höhe.

Die Depression traf die Region in den Neunzigern schwer, aber glücklicherweise hielten die Landwirtschaft und die Wollindustrie den Staat über Wasser.

Am 1. Januar 1901 erklärte das neue Australische Commonwealth die Unabhängigkeit von Großbritannien. Das neu gebildete Parlament tagte bis 1927 in Melbourne. Während des 1. Weltkrieges dienten 112,000 Soldaten aus Victoria in der Armee des Commonwealth. Die Melbourner schafften es durch die Große Depression und den 2. Weltkrieg.

Nach dem 2. Weltkrieg kamen viele britische, jugoslawische, niederländische, deutsche, arabische und maltesische Einwanderer. Die australische Regierung wollte die Bevölkerung und damit die Arbeitskraft für den Aufbau des Landes vergrößern. Die Regierung bot ihre Hilfe der Übersiedelung der oftmals durch den Krieg heimatlos gewordenen Emigranten an. Das veränderte Melbournes kulturelles Gesicht und stellte die Weichen für die Zukunft. In den 50er und 60er Jahren gab es eine zweite Einwanderungswelle aus Italien und Griechenland. Mittlerweile ist Melbourne die drittgrößte griechische Stadt der Welt und die größte außerhalb Griechenlands. In den 70er und 80er Jahren kamen Flüchtlinge aus Vietnam und Kambodscha sowie aus Ländern wie Indien, den Philippinen und Malaysia. Die neueste Immigrantenwelle kommt aus Nordafrika.

Melbourne schöpft aus diesen Erfahrungen, die diese Menschen mitgebracht haben – Eßgewohnheiten, Religionen, Kulturen, Rassen und Sprachen. Auf diese Kultur der unterschiedlichen Herkunft der Menschen wurde Melbourne gebaut. Sie macht zweifellos den einzigartigen und liebenswerten Charakter dieser Stadt aus.

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