Geschichte

Das Sydney der Aborigines

Sydney war immer von Migrationswellen geprägt. Es begann mit den ersten Aborigines, die diese Gegend vor ungefähr 20.000 Jahren erreichten. Ihre Zahl war auf etwa 3.000 gestiegen, als James Cook im April 1770 zum ersten Mal kurz in Botany Bay landete. Die 'Eora' im Museum of Sydney ist eine einfühlsame und zeitgemäße Darstellung ihrer komplexen und hoch entwickelten Kultur.

'Die Ankunft der Fremden'

1787 führte Kapitän Arthur Philipp, später Australiens erster Gouverneur, seine 'First Fleet' von England nach Australien. Am 26. Januar 1788 wurde die britische Flagge am heute als Circular Quay bekannten Sydney Cove gehisst. Dieser Tag ist seitdem der Nationalfeiertag der Australier, 'Australia Day'.

Als Phillip 1792 nach England zurückkehrte, wurden die Aufsicht und die Verwaltung von Offizieren übernommen, die auch die Erlaubnis bekamen, die Strafarbeiter mit Rum statt mit Geld zu bezahlen. Es kam zu Kämpfen um soziales Ansehen und wirtschaftlichen Einfluss zwischen Bevölkerungsgruppen wie Großgrundbesitzern, z.B. John Macarthur, dem Gründer der Elizabeth Farm bei Parramatta, und den Sträflingen, die ihre Arbeit abgeleistet hatten und sich nun ein neues Leben aufbauen wollten. Die Siedlungen dehnten sich schnell über das ursprüngliche Gebiet hinaus nach Westen aus, in Richtung The Rocks und Observatory Hill, aber auch nach Süden bis nach Brickfield Hill (in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs).

Mit der 'Rum Rebellion' im Jahre 1808 spitzten sich die politischen Auseinandersetzungen zu, und Gouverneur William Bligh wurde nach England zurückbefohlen. Seinem Nachfolger Lachlan Macquarie verdankt die Stadt die eindrucksvolle Architektur des frühen neunzehnten Jahrhunderts, die man auch heute teilweise noch zwischen den neuen modernen Wolkenkratzern bewundern kann. Gemeinsam mit dem zu Strafarbeit verurteilten Architekten Francis Greenway errichtete Macquarie unter anderem Gebäude wie die Hyde Park Barracks oder die St James Church. Die extravagante Großzügigkeit von Macquarie missfiel allerdings der britischen Regierung, und 1822 musste er widerwillig nach Großbritannien zurückkehren.

Sydney wird zur Stadt

Während der frühen 1830er Jahre beschlossen viele der höheren Beamten, sich auf dem noblen Woolloomooloo Hill um Land zu bemühen und errichteten sich dort Villen wie Elizabeth Bay House. Zwischen 1837 und 1845 wurde neben der heutigen Oper das Government House im Tudorstil gebaut. Die Einwanderung wurde zu dieser Zeit stark unterstützt, und als im Jahre 1840 endgültig keine Deportationen nach New South Wales mehr durchgeführt wurden, konnten die Einwohner endlich ihren 'Sträflingsstatus' vergessen; bezeichnenderweise wurde Sydney zwei Jahre darauf offiziell zur Stadt erklärt.

Der Goldrausch

1851 wurde in der Nähe von Bathurst, einer Stadt im mittleren Westen, Gold gefunden. Tausende von Glücksrittern reisten per Schiff an und viele von ihnen ließen sich später in Australien nieder. Als jedoch in Victoria größere Goldvorkommen entdeckt wurden, ließ die Hysterie nach und in Sydney brach eine neue Phase der politischen, kulturellen und sozialen Entwicklung an. Elegante Sandsteingebäude wie das Australian Museum und die Universität von Sydney wurden erbaut, und 1855 wurde die erste Eisenbahnlinie zwischen Sydney und Parramatta eröffnet.

Spätes Neunzehntes Jahrhundert

1879 wurde Sydney durch die Weltausstellung endgültig bekannt. In dieser Zeit wurden wichtige öffentliche Gebäude wie die Art Gallery of New South Wales, die Hauptpost, die Stadthalle von Sydney oder das Queen Victoria Building errichtet. Die Vororte dehnten sich unaufhaltsam weiter aus, angetrieben vom australischen Traum vom eigenen Häuschen und unterstützt durch den weiteren Ausbau des Eisenbahnnetzes.

Frühes Zwanzigstes Jahrhundert

Am 1. Januar 1901 schlossen sich die sechs australischen Kolonien zum australischen Commonwealth zusammen und Sydney wurde zur Hauptstadt von New South Wales. Die Eröffnung des Hauptbahnhofs kurbelte die wirtschaftliche Entwicklung im Süden an, Gas wurde durch Elektrizität ersetzt, Frauen bekamen das Stimmrecht und gemischtgeschlechtliches Baden am Tage wurde gesellschaftlich akzeptiert. Es wurden Forderungen nach einer weiteren Möglichkeit zum Überqueren des Hafens laut, was bisher ausschließlich per Fähre möglich war. Die Entwicklung wurde jedoch zunächst durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges gebremst, da die Australier zu Tausenden das Land verließen, um für Großbritannien zu kämpfen.

Zwischen den Weltkriegen

Nachdem die Truppen heimgekehrt waren, setzten sich das Wachstum und die Weiterentwicklung fort bis zum Beginn der Depression Ende der Zwanziger Jahre. Viele verloren ihre Arbeit, politische Unruhen erschütterten Sydney und der beliebte Labour-Premierminister Jack Lang wurde seines Amtes enthoben. Nichtsdestotrotz wurde die weltbekannte Sydney Harbour Bridge, ein Wunderwerk der Ingenieurskunst, im Jahre 1932 eröffnet.

Zweiter Weltkrieg

Auch beim Ausbruch des zweiten Weltkrieges verließen die australischen Truppen wieder das Land, um die Briten in Europa zu unterstützen. Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour rückte jedoch für Australien die eigene nationale Sicherheit in den Vordergrund. Vier japanische Mini-U-Boote wurden im Mai 1942 vernichtet, als sie in den Hafen von Sydney eindringen wollten. Kurz darauf wurden die direkt an der Küste gelegenen Vororte Bondi und Rose Bay vom "Mutter-U-Boot" bombardiert. Die Angst vor einer Invasion stieg dramatisch an. Vorsichtsmaßnahmen wie Rationierungen und Verdunkelung wurden ergriffen, und viele Einwohner flüchteten vorsichtshalber in die Blue Mountains.

Die Nachkriegszeit

Die Nachkriegszeit war von Masseneinwanderung geprägt, besonders aus Italien, Griechenland und Osteuropa. Bedeutende moderne Bauten wie zum Beispiel das Rose Seidler House waren zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, doch nach und nach bildete sich eine eigene Stilrichtung in der Architektur heraus.

Während der Sechziger Jahre wurde Australien aufgrund des amerikanischen Einflusses mit in den Vietnamkrieg verwickelt. Die Einführung der Wehrpflicht löste heftige Proteste in der Bevölkerung aus. Gleichzeitig brach für die Stadt aber auch eine Phase ungehemmten und unstrukturierten Wachstums an, und viele ältere Gebäude wurden abgerissen oder von neuen Wolkenkratzern überschattet. Das berühmte Sydney Opera House wurde 1973 eingeweiht, und zuvor verpönte Vororte wie Paddington mit seinem typischen Reihenhäusern waren plötzlich wieder in. Die Einwanderer begannen sich je nach Nationalität in bestimmten Stadtteilen niederzulassen: die Italiener in Leichhardt, die Libanesen in Lakemba, die Griechen in Redfern und die Portugiesen in Marrickville. Nach dem Ende des Vietnamkrieges kamen viele Einwanderer aus Südostasien nach Australien.

Ungebremstes Wachstum

In den letzen zwei Jahrzehnten hat sich noch viel mehr verändert – Tausende von Apartmentkomplexen ragen nun aus der Skyline heraus, und es werden immer noch erbitterte Kämpfe um 'The Toaster' am Circular Quay, Monorail, Fox Studios und die Zukunft der Kais in der Walsh Bay ausgetragen. Es wird immer schwieriger, in der Stadt noch Spuren der Vergangenheit zu finden. Es bleiben eigentlich nur noch die Macquarie Street und das bei Touristen beliebte Rocks. Die Vorteile, die man sich von der Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2000 erhofft hat, werden gegen die Kosten aufgerechnet, die von den australischen Steuerzahlern getragen werden müssen. Der Hafen wurde gesäubert, auf dem Olympiagelände von Homebush Bay gibt es hochklassige Sportstätten und Sydney hieß die Touristenscharen im September 2000 herzlich willkommen.

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