Nach der Legende der Maori wurde Wellington zum ersten Mal im 10. Jahrhundert vom großen polynesischen Entdecker Kupe betreten und der es nach seinem Sohn Te Whanganui a Tara – der große Hafen von Tara - benannte. Bis heute gilt der spektakuläre und natürliche Hafen mit seinen steilen Klippen als einer der schönsten der Welt. 1773, als Captain Cook den Hafen ansegelte, war dieser mit Maori-Siedlungen gesäumt. Der heute sehr beliebte Aussichtspunkt Mt Victoria wurde auf einer früheren Maori-Grabstätte errichtet. Doch seit Cook und Abel Tasman, ein früherer Entdecker (1642), mit den starken Winden zu kämpfen hatten, hat die Stadt einen unverdient schlechten Ruf und wird deshalb auch ‚windiges Wellington' genannt.
Nach der Besiedelung durch britische Pioniere der New Zealand Company erhielt die Stadt 1840 zu Ehren des Herzogs von Wellington, der die Gesellschaft unterstützte, ihren heutigen Namen. Sir William Wakefield führte die erste Welle von Siedlern an und liegt zusammen mit den anderen Gründervätern der Stadt am Bolton St Cemetery begraben. Wakefield wird nachgesagt, er habe Wellington den Maori für 100 Musketen, 100 Decken, 60 rote Schlafmützen, ein Dutzend Regenschirme und anderen Krempel abgekauft.
Wakefield und seine Nachfolger siedelten ursprünglich in Petone, doch die Überschwemmungen des Hutt River zwangen sie nach Lambton Harbour umzuziehen, dem heutigen Zentrum der Stadt.
Aus Platzmangel beschlossen die Siedler, das Küstengebiet auszubauen, was aber durch das Erdbeben 1845, das die Küstenlinie um vier Fuß anhob, vereitelt wurde. Zur Zeit der Jahrhundertwende zum 20. Jh. wurde die ursprüngliche Uferlinie mit Kaianlagen und Lagerhallen bebaut. Es ist schwer vorzustellen, aber dort, wo heute der Großteil des Geschäftszentrums von Wellington ist, war ursprünglich See und wo sich Rathaus und Bahnhof befinden, ankerten einmal Schiffe.
Durch die Modernisierung der Schifffahrtsindustrie verloren viele der Gebäude am Ufer ihre Funktion und einige wurden in den letzten Jahren erneuert und öffentlich zugänglich gemacht. Eine dieser historischen Bauten, der Bond Store, der heute eines der neuesten Museen Wellingtons, das Museum of Wellington City & Sea beherbergt, war 1892 ein Lagerhaus für verschiedenste Waren von Korsetts über Whisky bis zu Kaffee.
Trotz der Naturgewalten, durch Erdbeben, Feuersbrünste und den permanenten Sturmwinden geplagt, wurde die junge Kolonie des 19. Jahrhunderts schnell zu einem florierenden Zentrum für Import und Export und ersetzte 1865 Auckland als Hauptstadt Neuseelands. Das ursprüngliche Machtzentrum der Nation, die Old Government Buildings wurden in den 1870er Jahren erbaut und sind die größten Holzbauten der südlichen Hemisphäre. Gegenüber stehen die Parliament Buildings von 1922, deren geradlinige, glatte Fassade mit den runden Konturen des Beehive kontrastiert, den einzigartigen runden Kabinettsräumen, die in den späten 1970er Jahren erbaut wurden.
Eine weitere Attraktion Wellingtons ist der Cable Car, zwischen 1899 und 1902 gebaut und 1978 grundlegend modernisiert. Vom Lambton Quay aus, führt er die Cable Car Lane steil hinauf bis zum Viertel Kelburn und bietet einen beeindruckenden Ausblick über die Stadt und den Hafen.
Obwohl durch die weitgehende Erneuerung der Stadt in den 1980er Jahren viele alte erdbebengefährdete Häuser abgerissen wurden, sind in Wellington noch viele alte Gebäude erhalten, die einen Einblick in die Geschichte der Stadt bieten. Unter den heute noch erhaltenen Kirchen sind Juwelen wie die Old St Paul's Church in Thorndon, die Anglikanische Diözese Wellingtons von 1866 bis 1964 und St Mary of the Angels, die einen Einfluss der traditionellen französischen Gotik zeigt.
Einen weiteren interessanten Einblick in die Vergangenheit und das Leben der frühen Siedler geben das Colonial Cottage in der Nairn Street; Ascot St in Thorndon, Sexton's Cottage und Katherine Mansfield Birthplace, wo die weltberühmte Schriftstellerin ihre frühe Kindheit verbrachte.
Neben den historischen Gebäuden bietet Wellington viele Plätze, Gärten und Pfade aus den frühen Tagen. Sehenswert sind die Botanic Gardens und die berühmte Seehund-Kolonie der Red Rocks Seals bei der Owhiro Bay, ein felsiger Küstenabschnitt, der angeblich durch das Blut von Kupes abgehackter Hand gefärbt wurde.
Sowohl die kulturelle Vielfalt als auch die Zahl der Sehenswürdigkeiten wächst in Wellington ständig. Die jüngsten Projekte wie das neue Nationalmuseum Neuseelands, das Te Papa Tongarewa und das WestpacTrust Stadium ziehen jährlich mehr Besucher an. Trotz ihrer Größe hat die Stadt ihren natürlichen Charme und die Schönheit erhalten, die schon die frühen Siedler faszinierte.
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