Geschichte

Obwohl archäologische Studien bewiesen haben, dass die Inseln Japans schon einige Tausend Jahre vor Christi bewohnt waren, ist die Geschichte Tokios relativ jung. Sie beginnt erst 1603 nach Christi, als Tokugawa Ieyasu sich selbst zum Shogun ernannte und den Regierungssitz von Kyoto, für fast 1 000 Jahre das Heims des imperialen Gerichts, verlegte. Edo (der Name des alten Tokios) begann als eine Ansammlung von kleinen Dörfern um das Schloss von Ieyasu herum. Auf diesem Gelände befindet sich heute der Imperial Palast. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus Edo Tokio, was Östliche Hauptstadt heißt und gewählt wurde, um es von Kyoto im Westen zu unterscheiden. Unter Ieyasus Herrschaft wurde Japan das erste Mal vereinigt, was den blutigen Kriegen zwischen rivalisierenden Fraktionen ein Ende setzte. 1615 vernichteten Ieyasus Armeen den Toyotomi Clan, und zerstörten auf diese Weise die letzte Opposition zu seiner Alleinherrschaft. Ieyasus Nachfolger hielten mit der "Geschlossenen Tür Politik" von 1639, die den Kontakt zur Außenwelt verbot, die Regierung unter Kontrolle. Bis zum Aufstieg des Präsidenten Perry 1853 blieb Japan isoliert, es gab lediglich streng überwachte Transaktionen mit chinesischen und holländischen Händlern.

Ironischerweise führte die Tokugawas' ein-Parteien Regel zu politischer Stabilität. Nach der turbulenten Vergangenheit genoss das Land die Zeit des Friedens und Wohlstands. Edo wuchs und gedieh im Laufe der Zeit, die als Edo Epoche (1603-1867) bekannt ist. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte es bereits mehr als 1 Millionen Einwohner und übertraf London und Paris sowohl in der Einwohnerzahl wie auch in der Größe des Landgebietes. Obwohl das imperiale Gericht weiterhin in Kyoto tagte, entwickelte sich Edo langsam in ein geschäftiges Handels- und Industriezentrum.

Ieyasu führte ein vierstufiges Klassensystem ein, das von den Samurai (der Kriegerklasse) angeführt wurde, das verminderte den Einfluss des alten Hochadels gewaltig. Gepflegt durch die Schirmherrschaft der reichen Händlerklasse, entstanden neue, beliebte Kunstformen, wie beispielsweise kabuki und ukiyo-e. Vergleichbar mit dem Aufsschwung der Bourgoisie in Europa, ermöglichte diese Abkehr von Gericht und Aristokratie es der breiten Masse, sich durch die Kunst auszudrücken. Es wird behauptet, dass die heutige japanische Populär-Kultur ihre Wurzeln in der Edo Epoche hat.

Es ist erstaunlich, dass das Tokugawa Shogunat sich die Führung der Regierung über eine so lange Zeitspanne ohne Widerstand gesichert hat, aber Korruption und Inkompetenz führten schließlich zu seinem Fall. Zusätzlich forderten die westlichen Mächte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert Japan immer häufiger auf, seine Türen für den Handel zu öffnen. Als schließlich die schwarzen Schiffe von Präsident Mathew Perry 1853 in Uraga einliefen, konnte das sehr geschwächte Tokugawa Shogunat nur wenig Widerstand aufbringen.

Dies war ein entscheidender Wendepunkt der japanischen Geschichte. Nicht nur der Handel mit dem Ausland wurde jetzt möglich, sondern die rapide Verwestlichung des Landes setzte ein. Nach dem Rücktritt des letzten Tokugawa Shoguns stürzte sich das ganze Land unter der Führung von dem Herrscher Meiji in ein rasendes Rennen, um mit den Westen einzuholen. Nachdem dem Herrscher wieder die volle Macht zur Verfügung stand, verlegte er das Gericht von Kyoto nach Tokio, was Tokio zur offiziellen Hauptstadt des Landes machte.

Noch heute findet man Spuren der Meiji Restoration (1868-1912) in Tokio. Das heutige Bildungssystem basiert auf Reformen, die während dieser Zeit eingeführt wurden. Selbst heute tragen viele Kinder noch Uniformen, die nach europäischen Modellen aus dem späten 19. Jahrhundert gestaltet sind. Das Diet (Parlament) und die Bank of Japan wurden in dieser Zeit eingerichtet. Heute entscheiden diese beiden Institutionen weiterhin über die politischen und finanziellen Angelegenheiten des Landes. Selbst Baseball, der beliebteste Sport Japans, wurde in dieser Zeit eingeführt. In der Meiji Restoration kann man die Ursprünge des modernen Japans erkennen.

Obwohl Tokio durch die Feuer nach dem Großen Kanto Erdbeben (1923) und nochmals während des 2. Weltkriegs (1939-1945) verwüstet wurde, hat es sich schnell wieder aufgerappelt, und das wirtschaftliche Nachkriegswunder Japans angeführt. Unter den von General Douglas MacArthur geführten Besatzungskräften wurde die Stadt Zeuge einer neuen Konstitution, die zur Trennung von Religion und Staat führte, das allgemeine Wahlrecht, die Menschenrechte und eine Kriegsverzichtserklärung enthielt. Mit dieser neuen politischen und sozialen Ordnung konzentrierten die Tokioer und die Japaner all ihre Energien auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau und Entwicklung. Das Ergebnis ist das, was der Besucher heute in Tokio sieht - eine kosmopolitische Stadt, die wirklich das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes ist und bei globalen Angelegenheiten eine führende Rolle spielt. Keine schlechte Leistung für einen Ort, der einmal eine Ansammlung von kleinen Dörfern war!Wcities

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