Geschichte

Nur selten wurde die Architektur einer Stadt so sehr von ihrer Geschichte und ihren verschiedenen Herrschern geprägt, wie dies in Paris der Fall ist. Bedeutende Bauwerke, Museen, Plätze und Gärten von großer Schönheit zeugen davon, wie sehr man Paris stets hegte und pflegte. Dieser Schauplatz wichtiger Ereignisse war seit seiner Gründung ein bedeutendes intellektuelles, politisches und wirtschaftliches Zentrum, einige Jahrhunderte hindurch Residenzstadt der Könige, eine bürgerliche Stadt mit Glanz und Misere, stolz und verräterisch, weltoffen und chauvinistisch... Paris ist die Summe all dieser Elemente, die der Stadt ihr reizvolles Aussehen und ihren unwiderstehlichen Charme verleihen. Paris ist Paris.... und wird es stets bleiben!

Von Julius Cäsars Lutetia zum Paris der Könige von Frankreich

Civitas parisiorum Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Hauptstadt Frankreichs hat sehr einfache, bukolische Ursprünge: Im 3. Jahrhundert vor Christi Geburt gründeten keltische Fischer (die Parisii) zwischen den beiden Flussarmen der Seine, auf der Ile de la Cite, ein kleines Dorf. Im Jahre 52 eroberten Julius Cäsar und seine römischen Truppen die von ihnen als „Lutetia“ bezeichnete Stadt, eine wohlhabende Festungsstadt, die aus dem ursprünglichen Dorf hervorgegangen war. Lutetia wurde eine der allerersten galloromanischen Städte. Der Name Paris taucht zum ersten Mal im Jahre 207 auf; "Civitas parisiorum " erstreckt sich fortan auf dem linken Seineufer bis zu den Thermen von Cluny. Paris erwirbt sich schon bald das Wohlwollen zweier Heiliger, die zum Aufstieg der Stadt beitragen: des Heiligen Dionysius (franz. Saint-Denis), des ersten christlichen Bischofs von Lutetia, der im Jahre 280 von den Römern enthauptet wird, und dessen sterblichen Überreste in der Kathedrale von Saint-Denis ruhen; und der Heiligen Genovefa (franz. Sainte-Geneviève), die zur Patronin von Paris ernannt wird, nachdem sie im Jahre 451 beim Hunneneinfall unter Attila Paris vor der Zerstörung bewahrt hat. Unter Chlodwig, dem König der Franken, werden zahlreiche Klöster und Abteien errichtet; so z. B. die herrliche Abtei von Saint-Germain-des-Près. Kaiser Karl der Große bevorzugt hingegen Aix-la-Chapelle, das von den Wikingern im Jahre 885 lange belagert wird. Mit Hugo Capets Besteigung des Throns Frankreichs im Jahre 987 findet die Stadt Paris, die sich gegen die Einfälle der Barbaren so gut wie möglich gewehrt hatte, ihren Stolz wieder.

Die größte mittelalterliche Stadt im christlichen Westen Die Hauptstadt des äußerst kleinen Königreichs Frankreich gewinnt im 11. und 13. Jahrhundert, vor allem unter König Philipp August (Philippe II Auguste), dem Sohn des Königs Ludwig IV., bedeutend an Größe. Nicht nur die Vergrößerung, sondern auch eine Verschönerung der Stadt geht auf Philipp August zurück: der neue Markt 'Les Halles', das Pflastern der großen Straßen, die kreisförmigen Schutzwalle und die Festung des Louvre im Jahre 1204. In diesen Jahrhunderten werden architektonische Wunder vollbracht; unter anderem werden die Kathedrale Notre-Dame (1163 begonnen), die Sainte Chapelle unter König Ludwig dem Heiligen (1246) und der Palais Royal (Königlicher Palast) unter Philipp dem Schönen (1285-1314) vollendet. Die mittelalterliche Stadt ist gespalten zwischen einem von Wirtschaft, Politik und Religion dominierten rechten Flußufer, und einem linken Flußufer, das zu einer Hochburg intellektueller Dissidenten wird. Der berühmteste von ihnen, Robert de Sorbon, gründet dort sein Gymnasium, den Vorgänger der berühmten Universität Sorbonne. Mit seinen 80 000 Einwohnern ist Paris im 13. Jahrhundert die größte Stadt im christlichen Westen. Es folgen düstere Jahre mit der großen Hungersnot von 1315, der Pest und dem Hundertjährigen Krieg, der der Grund für eine Belagerung der Stadt durch die Engländer bis ins Jahr 1436 ist. Im 15. Jahrhundert findet Paris unter Franz I. seinen Wohlstand wieder. Ihm verdankt die Stadt die Umwandlung des alten Musee du Louvre in einen Renaissancepalast, das Hôtel de Ville, das Collège de France, das Hôtel des Tuileries und die Pont Neuf (eine Brücke).

Vom Prunk der Bourbonen zu den großen Arbeiten unter Napoleon

Prunk der Architektur und Elend des Volkes Mit den Religionskriegen und der sogenannten Bartholomäusnacht, dem großen an den Protestanten verübten Massaker in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1572, versinkt Paris wieder in Chaos. Der Regent Heinrich III., ein leidenschaftlicher Protestant, muß flüchten und lässt eine tote Stadt zurück. Nachdem er im Jahre 1594 seinem protestantischen Glauben abgeschwört hat und zum Katholizismus übergetreten ist, versucht Heinrich IV das Pariser Volk durch den Bau des Place des Vosges, des Place Dauphine und der Quais de l'Arsenal et des Orfèvres zu gewinnen. Unter Ludwig XIII. geht es weiter aufwärts; er errichtet das Stadtviertel Marais (das einzige heute noch erhaltene Viertel) und die Vorstädte St-Honore und St-Germain. Ungefähr in die selbe Zeit fällt auch die Errichtung des Palais du Luxembourg durch Maria von Medicis, des Val-de-Grâce durch die Königin Anna von Österreich und des Palais Cardinal (das heutige Palais Royal) durch Richelieu. Die königliche Druckerei (1620), der Botanische Garten (Jardin des Plantes) und die Academie Française verstärken die kulturelle Bedeutung der Hauptstadt. Ludwig XIV, der Sonnenkönig, lässt seine prachtvolle Residenz in Versailles errichten, während Paris mit den Unruhen der Fronde fertig werden muß, welche die absolute Monarchie in Frage stellt (und diese letztendlich nur stärkt). Colbert, Oberintendant der königlichen Bauten unter Ludwig XIV., lässt zum Ruhme seines Herrschers von Mansart und Perrauls herrliche Bauten errichten: den Säulengang des Louvre, den Invalidendom, das Observatorium, das Krankenhaus Hôpital de la Salpetrière, den Jardin des Tuileries... Der Prunk der Architektur steht in krassem Gegensatz zum Elend des überbevölkerten Paris.

Philosophische und politische Revolution Die starke Vermehrung der Cafes wie z. B. das berühmte Procope und die literarischen und philosophischen Veranstaltungen tragen natürlich zum kulturellen Ruf von Paris bei, das sich zum Mittelpunkt des neuen egalitären und freiheitlichen Gedankenguts entwickelt hat und bereits den Sturz der absoluten Monarchie vorbereitet. Folgende Gebäude und Gärten werden errichtet: die Ecole Militaire (Militärschule), das Pantheon, der Place de la Concorde und die Gärten des Palais Royal, wo 1789 die Revolution ihren Ausgang nimmt (Die Revolution hat sowohl die berühmten Menschenrechte als auch die Hinrichtung zahlreicher Royalisten zur Folge). Nach der Enthauptung des Herrschers stellt Napoleon Paris unter die Aufsicht zweier Präfekte, die der Regierung gegenüber weisungsgebunden sind. Und er macht sich daran, aus Paris die Hauptstadt Europas zu machen, und zwar durch die Errichtung des Triumphbogens, der Börse, des Place Vendôme, der Säule Vendôme und des Kanals St-Martin.

Von Haussmans Boulevards zu Peis Pyramide

Eiffelturm und Sacre-Cœur Das Elend des Volkes nährt die Revolutionen von 1830 und Februar 1848, die sich gegen die Monarchie richten. Das zweite Kaiserreich unter Napoleon III. stellt den Beginn einer neuen Epoche dar – einer Epoche der Effizienz, der grenzenlosen Industrialisierung und des öffentlichen Gesundheitswesens. Der Präfekt und Architekt Georges Haussmann wandelt das mittelalterliche Stadtbild in jenes Paris um, das wir heute kennen: Die schmutzigen Gässchen werden durch breite Avenues ersetzt, die rechtwinkelig angeordnet sind, von Bäumen und Prachtbauten gesäumt werden und auf denen sich die neuen Verkehrsmittel bewegen; Gärten und Parks wie z. B. das Bois de Boulogne und das Bois de Vincennes werden angelegt. Auch die Weltausstellungen sind ein großer Erfolg. 1889 wird eine riesige Eisenkonstruktion errichtet, die ursprünglich nach der Weltausstellung wieder abgetragen werden sollte, und die die Aufklärung aufs beste symbolisiert: der Eiffelturm, ohne den Paris nicht mehr Paris wäre. Die Basilika Sacre-Coeur wird genauso wie das Palais de Chaillot im Jahre 1910 fertiggestellt. Paris bleibt vom Ersten Weltkrieg verschont und wird zu einem weltweit anerkannten intellektuellem und künstlerischem Zentrum; vor allem das Viertel Montmarte zieht berühmte Maler und Schriftsteller an. Der zweite Weltkrieg trifft hingegen Paris mit voller Wucht. Die französische Hauptstadt wird im Juni 1940 von der deutschen Armee besetzt und schließlich von den Generälen Leclerc und De Gaulle befreit. Letzterer ruft die V. Republik aus, die unter den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Umwälzungen des Mai 1968 stark leidet. Die Protestbewegung findet im Pariser Studentenmilieu ihren Ursprung und wird von David Cohen-Bendet geleitet. Die Besetzung der Universitäten Nanterre und Sorbonne artet sehr bald in Aufständen und Straßenbarrikaden im ganzen Viertel Latin aus. Der Funken dieser noch nie dagewesenen Krise springt auf ganz Frankreich über und legt durch einen allgemeinen Streik das ganze Land lahm.

Die Präsidentschaftsregenten der V. Republik Es scheint nur logisch, dass nach all diesen Monarchen, die Paris so nachhaltig geformt haben, auch die Präsidenten der V. Republik versuchen, der Stadt ihren Stempel aufzudrücken: De Gaulle lässt den Flughafen von Roissy errichten; Pompidou lässt das sehr umstrittene, nach ihm benannte Centre Georges Pompidou erbauen; Giscard D'Estaing lässt das Musee d'Orsay einrichten und verwandelt die Schlachthöfe der Villette in die Cite des Sciences (Stadt der Wissenschaften). François Mitterand lässt während seiner vierzehnjährigen Amtszeit (1981-95) monumentale Bauten errichten, die sowohl zu Polemiken als auch zu Enthusiasmus Anlaß geben: 'L'Arche' der Defense, die Glaspyramide des Louvre, die Opera Bastille und die Bibliothèque nationale de France. Paris lässt eben keinen – auch keinen Präsidenten – kalt!Wcities

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