Vor langer, langer Zeit ging Maui, ein boshafter Halbgott, eines Tages mit seinen Brüdern draußen im südlichen Ozean zum fischen. Er benutzte den Kieferknochen seiner Großmutter als Angelhaken und fing einen riesigen Fisch, den er aus dem Meer zog. Seine Brüder waren eifersüchtig und stritten sich um die schmackhaftesten Stücke. Der Fisch wurde zum North Island (der nördlichen Insel) von Neuseeland und durch den Streit wurde der Umriss des Landes bestimmt. Das Meer füllte die Lücken aus, die die hungrigen Brüder übrig gelassen hatten. Die daraus resultierende schmale Landenge von Auckland wurde von Wasser umgeben und liegt zwischen dem Pazifik und der Tasmanischen See.
Die iwi oder Stämme in der Gegend von Auckland stammen von den waka ab, ursprüngliche Kanus, die vor ungefähr 800 Jahren von Hawaiki in dieses Gebiet kamen. Sie brachten den Hund, die einheimische Ratte und Nahrungspflanzen wie Taro, den Flaschenkürbis, die Yamswurzel und die Süßkartoffel mit. Zu ihren Nachkommen gehören die Tainui, Hauraki und Kawerau iwi; außerdem noch die Ngati Whatua aus dem Norden, die für die offiziellen tangata whenua oder Bevölkerung des Gebietes der heutigen Stadt Auckland gehalten werden.
Auckland steht auf einem Gebiet mit 48 aktiven Vulkanen, das 150.000 Jahre alt ist. Der Jüngste, Rangitoto Island, der wie ein Wächter über der Stadt steht, brach vor erst 600 Jahren aus. Der Isthmus, Tamaki Makaurau, war mit einem milden Klima gesegnet und fruchtbar: Pflanzen, Bäume, Fische und die Vogelwelt gediehen. An frühen Siedlungen an der Küste kann man erkennen, dass gefischt wurde und jahreszeitenabhängig auch Lebensmittel geerntet wurden. Später wurde in großem Rahmen Landwirtschaft betrieben und bei Ausgrabungen findet man häufig Haufen mit Muschelschalen oder Terassen für Häuser und Gärten. Rechteckige Lagergruben im Boden für kumara (Süßkartoffel) und Taro sind häufig vorhanden. Es gibt immer noch viele tapu (geheiligte) Stätten, die mit wichtigen Ereignissen, Vorfahren und Gräbern dieser frühen Einwohner verbunden werden. Die vulkanischen Kegel sind der größte sichtbare Beweis für alte Maori-Siedlungen und wurden während des 17. Jahrhunderts, als die Konflikte zwischen den Stämmen zunahmen, wahrscheinlichen zu befestigten pa ausgebaut. Die Vulkane sind immer noch das auffälligste Kennzeichen von Aucklands Erscheinungsbild und sie waren wie die meisten Landschaftsformen von großer symbolischer und spiritueller Wichtigkeit für die Maori.
Zu den frühen Besuchern aus Europa zählten Kapitän James Cook, der Missionarspfarrer Samuel Marsden, britische Marineboote, die nach Kauri-Stämmen für Masten und Rundhölzer suchten, sowie Wal- und Robbenfänger, die Proviant für ihre Schiffe wollten. Durch sie kamen Werkzeuge aus Eisen, Alkohol und Tabak, schlimme Krankheiten wie die Grippe und, was am bedeutsamsten war, Musketen. Neben dem Christentum führten die Missionare auch die Tiere, die es auf dem Bauernhof gibt, den Pflug, Obstbäume sowie Getreide- und Gemüsepflanzen ein. Traditionelle Lebensweisen der Maori veränderten sich für immer.
1840 unterschrieben viele Häuptlinge der hier lebenden Stämme den Vertrag von Waitangi mit Großbritannien. Seit seiner Unterzeichnung war es jedoch problematisch, seine wahre Bedeutung zu erklären und daher gab es immer wieder Auseinandersetzungen um Landbesitz. Für Neuseeländer ist es dennoch ein wichtiges Dokument, weil es das Ideal ‚Wir sind ein Volk' verkörpert.
Auckland wurde 1840 auf Gebiet, das von den Ngati Wantua abgekauft worden war, die Hauptstadt der neuen Kolonie. Die Landwirtschaft entwickelte sich ebenso wie der Kupferabbau und der Nutzholzanbau. Maori-Gemeinschaften beteiligten sich überall an der Landwirtschaft und am Handel. Zwischen 1840 und 1860 pflegten sie freundliche Beziehungen mit den europäischen Siedlern; allerdings wurden damals auch militärische Siedlungen in Onehunga, Otahuhu, Panmure, Howick und Albert Barracks zur Verteidigung in der Stadt gebaut. Die Kriege um Land in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts dezimierten die Stämme von Süd-Auckland und ein großer Teil ihres Landes und des der Tainui wurde konfisziert.
1856 wurde Wellington zur Hauptstadt des Landes. Auckland wuchs und wurde im Lauf der nächsten 30 Jahre zum wichtigsten Industriezentrum und Hafen im Land. Ab 1870 stieg die Zahl der Einwanderer aus Großbritannien und Gummibaumrodung, Ziegelherstellung, Kornmühlen, Bierbrauen, Verlagswesen und Bootsbau kamen zu den hiesigen Handelszweigen dazu. Die Einführung der Kühlung hatte eine bedeutende Auswirkung auf ganz Neuseeland. Es war nun möglich, frische Lebensmittel nach Großbritannien zu transportieren und viele agrarwirtschaftliche Erzeugnisse verließen den Hafen von Auckland.
Zwischen 1880 und 1890 hatte Auckland 8.000 Einwohner und 20.000 Leute lebten auf dem Isthmus. Viele große Gebäude wie das Customhouse, die City Library (Stadtbücherei) und die Auckland Art Gallery (Kunstgalerie) wurden gebaut. In Takapuna, Bastion Point, North Head und Mount Victoria wurden Festungsanlagen gebaut, um die Stadt im Falle eines Angriffs verteidigen zu können.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde Auckland als 'kulitiviertes, kosmopolitisches Zentrum' bezeichnet. Für den Sport wurden Austragungsorte wie Auckland Domain entwickelt und zu den neuen Freizeitbeschäftigungen gehörten Ausflüge mit dem Dampfer zu Stränden wie Devonport und den Gulf Islands, Pferderennen, Wandern, Radfahren und Blaskapellenkonzerte. Nach den anstrengenden, frühen Tagen der Pionierzeit konnten die Menschen nun die Sehenswürdigkeiten im Gebiet von Auckland entdecken und genießen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren das Ferry Building (Fährengebäude), das Chief Post Office (Hauptpostamt), das Auckland Town Hall (Rathaus) und die Parnell Baths allesamt Beispiele für eine neue Bauweise, die einer kultivierten und zivilisierten Stadt angemessen zu sein schien. Grafton Bridge wurde erbaut und international als der erste armierte Betonbogen in der südlichen Hemisphäre gepriesen. Die Maori-Bevölkerung jedoch ging zurück. Man dachte, sie würden aussterben.
Das Auckland Museum ehrt die tausenden jungen Männer, die im Ersten Weltkrieg und in anderen Kriegen getötet oder verwundet worden waren. Während des Zweiten Weltkrieges wurden rund um die Stadt an der Küste große Artilleriestellungen wie die entlang des Tamaki Drive für den Fall eines Angriffs installiert.
1970 war Aucklands Bevölkerung wegen der Landflucht und wegen der Einwanderung auf 630.000 angewachsen. Die meisten kamen in den 50er Jahren aus Großbritannien (und Holland) und in den 60er Jahren von den Pazifischen Inseln. Der Autobahnbau begann in den 50er Jahren und die Harbour Bridge eröffnete 1959 und bezog so den North Shore mit in die wachsende Metropole ein.
Auckland hatte seinen Anteil an Debatten und politischer Aktion, angefangen bei Flower Power, Kundgebungen gegen den Vietnamkrieg und Anti-Atomkraft-Flottillen der Peace Squadron im Waitemata-Hafen hin zu ungeheuren Protesten gegen die Spring Tour 1981. Bastion Point stand im Mittelpunkt einer langen Besetzung durch die Ngati Whatua in den 80er Jahren und nationale Versuche, die Probleme um Maori-Land zu lösen, dauern bis heute an. 1985 versenkten französische Geheimagenten das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior im Hafen.
1996 erreichte Aucklands Bevölkerung die Millionengrenze. Mehr und mehr Leute versuchen, sich auf den engen Isthmus zu zwängen. Eine neue Welle von Einwanderern hat in letzter Zeit Auckland als Heimat gewählt. Aufgrund der verschiedenen Sprachen, die man in den Straßen hören kann, und der Auswahl an Speisen aus unterschiedlichen Kulturkreisen würde man niemals vermuten, dass Auckland eigentlich nur ein kleines Gebiet in Neuseeland im Südpazifik ist. Der Tourismus ist lebendig und eine aufregende Vielfalt an Betätigungen und Erfahrungen erwarten die Besucher in dieser dynamischen, multikulturellen Stadt.
Man sollte auf jeden Fall genügend Zeit dafür einplanen.
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